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  • 26.06.'21: "Powerbank" – Abendgottesdienst
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  • 04.07.'21: Abendmahlsgottesdienst (Kasparick)
Schlagworte:

Gedanken im Advent 2020

Liebe Leserinnen und Leser, in diesem Advent wollen wir an den Sonntagen einige Gedanken mit Ihnen teilen. Wir haben uns mit vier Menschen beschäftigt, die eine Verbindung zu dieser besonderen Zeit im Kirchenjahr haben:

  • mit Elisabeth, einer Verwandten Marias,
  • mit Nikolaus, dem Bischof von Myra,
  • mit Lucia, der Heiligen von Syrakus und schließlich
  • mit Joseph, der Vatergestalt in der Heiligen Familie.

Vielleicht können unsere Worte Sie begleiten und eigene Gedanken anstoßen. Vielleicht fallen Ihnen noch mehr Menschen ein, welche in den Advent gehören. Und vielleicht eröffnen sich dadurch neue Blicke wie Türen im Adventskalender. Dazu wünschen wir Ihnen eine gute Zeit, Ruhe und Besinnung.

4. Advent: Joseph

Die Adventszeit war und ist immer eine besondere Zeit.

Sie trägt eine Sehnsucht in sich, eine Ur -Sehnsucht nach Nähe, Wärme, Freundlichkeit, Licht. In dieser Zeit will man fröhlich sein, und doch holt uns manche Traurigkeit ein und drückt schwerer als sonst.
Im Advent sein heißt, unterwegs zu sein, unterwegs im Leben, manchmal nur mit einem Hoffnungsschimmer und manchmal im vollen Licht.
Gehen wir ein Stück mit Joseph aus Nazareth.
In den weihnachtlichen Geschichten mag ich ihn sehr.
Joseph ist ein Mann zum Anlehnen, man kann ihm vertrauen.
Er ist Zimmermann und hat es gerade schwer in seinem Beruf.
Er darf nicht bauen und tischlern, was er gelernt hat und was auch Freude macht, nein, fast nur noch Holzkreuze für die Hinrichtungen der römischen Besatzungsmacht muss er liefern und außerdem viel zu hohe Steuern zahlen.
Aber er will seine Maria heiraten und dann auch ernähren können,
so arbeitet er hart und spart, wo es geht.
Und nun, wo langsam die Planung für die Hochzeit beginnen kann, erklärt ihm Maria, dass sie ein Kind bekommt.
Joseph ist total überfordert und wohl auch erschrocken darüber, dass es auch noch ein besonderes Kind sein soll, ein gesegnetes, mit dem Gott noch viel vorhat. Diese Vision hätte sie gehabt.
Also Joseph ist ein frommer Jude und von Kind auf hat er gelernt,
dass Gott sehr wohl zu Menschen spricht, zu Propheten, zu Gelehrten,
aber zu ganz gewöhnliche Menschen, zu Frauen?
Ist Maria von Sinnen? Sie wollen ein gemeinsames Leben führen und nun versteht er sie schon am Anfang der Beziehung nicht?
Joseph ist völlig durcheinander, da muss er erst mal drüber schlafen.
Zum Glück erzählt wenigstens ein Evangelium, nämlich das nach Matthäus, dass Joseph nicht allein gelassen wird mit seinen Zweifeln.
Über Nacht, oder vielleicht etwas länger mag es gedauert haben,
kehrt seine innere Ruhe zurück.
Er spürt Kraft und genug Mut, Verantwortung zu übernehmen.
Joseph schafft es, über seinen Schatten zu springen und wird befähigt, Geborgenheit und Schutz zu schenken.
Und so beginnen die beiden ihren gemeinsamen Weg.

 

Die nächste Herausforderung lässt nicht lange auf sich warten.
Nach des Kaisers Befehl müssen sie nach Bethlehem wandern,
dem Geburtsort Josephs, um sich in Listen einzutragen.
Wieder ist es an Joseph, stark zu sein und besonnen zu bleiben,
denn Maria ist inzwischen hochschwanger und verlässt sich auf ihn.
Gott wusste ganz sicher, wem er Mutter und Kind anvertrauen konnte.

 

Wir haben heute das vierte Licht im Advent entzündet,
es ist heller geworden, Woche für Woche.

 

Auch für Joseph und Maria wird es heller, hoffnungsvoller,
denn im Tal sieht man endlich Bethlehem, bald ist es geschafft...

Ist es das, was Gott auch uns schenken will im Advent,
Hoffnung und Licht auf dem nächsten Schritt unserer Lebensreise?
Wie gut, dass es Menschen wie Joseph gibt, die tatkräftig, liebevoll, fürsorglich und tapfer sind und andere zu begleiten vermögen,
aber auch die Anderen, die es dankbar annehmen können.
Ich wünsche uns allen ein wärmendes, tröstendes, wegweisendes Licht, am besten eines zum Verschenken und eines zum Empfangen.
Möge es in der Weihnacht zu einer großen Kraft werden, die weit in das neue Jahr hinein strahlt und trägt.

 

Gebet
Barmherziger Gott, du willst nah bei uns sein, immer, in Freude und Leid.
Du willst teilhaben an unser aller Leben, uns zur Hilfe.
Aber manchmal gelingt es uns nicht, die Tür zu öffnen, etwas klemmt in unserer Herzenstür und du kannst nicht herein.
Locke uns mit deinem Licht, hilf uns, die manchmal schwere Tür auf zu machen, damit es hell werden kann und warm.

 

Wir singen: Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern
Im Gesangbuch Nr. 16 Vers 1-3

 

Was könnten wir heute Schönes tun?
Haben sie noch ein „echtes“ Fotoalbum? Ich liebe es, darin zu blättern und mich an schönen Erinnerungen zu freuen und auch zu staunen, was schon so alles war…
Und wem es möglich ist, der gehe in der Dämmerung durch ein paar schöne Straßen und freue sich an dem warmen Licht vieler Fenster,
das ist wie ein Adventskalender mit vielen offenen Türen.

 

Es grüßt von Herzen Barbara Schatz

3. Advent: Lucia, die Heilige von Syrakus

Ich habe mich sehr bewusst für den dritten Advent und damit für Lucia entschieden. In schwedischen Filmen taucht sie in der Weihnachtszeit auf. Da sieht man im Gottesdienst den Einzug von weiß gekleideten Kindern und ganz vorn mit einem Kerzenkranz auf dem Kopf die Figur der Lucia. Ich kann mir gut vorstellen, dass sie zu spielen, ähnlich beliebt ist, wie hier die Maria oder der Engel bei weihnachtlichen Krippenspielen. Doch warum spielt die Heilige Lucia eine solche Rolle? Heute am 13.12. wird übrigens ihrer gedacht.


Lucia oder Luzia, der Name bedeutet „Die Leuchtende“, lebte als junge Christin im 3. Jahrhundert in Syrakus auf Sizilien. In dieser Zeit der Christenverfolgung gab es wenig bekennende Christen, doch sie versorgte die Menschen, die sich in den Katakomben versteckten, mit Lebensmitteln. Um gleichzeitig Licht und die Hände frei zu haben, trug sie die Kerzen auf dem Kopf.


Ihr Vater starb und ihre Mutter erkrankte schwer. Zusammen mit ihr macht Lucia eine Wallfahrt zur Heiligen Agathe, um die Schutzpatronin um Hilfe zu bitten. Lucias Mutter wurde gesund und erlaubte ihr daraufhin die Verlobung mit einem heidnischen Mann abzusagen und sich ganz dem Leben Christi zu widmen. Das besiegelte ihr Schicksal als Märtyrerin, denn der verprellte Verlobte verriet sie aus Zorn an den Präfekten. Was dann geschieht ist unterschiedlich überliefert. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass verschiedene Folterungen, wie heißes Öl oder das Ausreißen der Augen bei ihr unwirksam waren. Schließlich soll sie 304 oder 310 nach Christus an einem Schwertstich durch den Hals gestorben sein.


Ich könnte jetzt Gedanken aufschreiben zum Thema unerschütterlicher Glaube oder ähnliches. Ich möchte jedoch ein anderes Bild zeigen, welches mir sehr gefällt. Kerzen generell haben eine unglaublich starke und gleichzeitig beruhigende Leuchtkraft. Ich stell mir vor, dass so ein Kerzenkranz auf dem Kopf, den Menschen selber unglaublich strahlen lässt. Dass wir selber tief in uns ein großartiges Leuchten haben, ist uns nicht immer bewusst. In der Bergpredigt in Matthäus 5, 14-16 gibt Jesus seinen Jüngern regelrecht die Aufgabe zu leuchten. Er benutzt das Bild der Lampe, welche nicht angezündet wird, damit sie irgendwo versteckt steht, nein sie soll auf einem Lampenständer in voller Kraft strahlen. In Vers 16 heißt es: „Genau so muss auch euer Licht vor den Menschen leuchten: Sie sollen eure gute Taten sehen und euren Vater im Himmel preisen“.


In diesen Tagen mag es nicht immer leichtfallen, uns als Lichtbringer zu sehen. Ängste, Wut oder Traurigkeit sind Gefühle, die präsenter sind, als ein Gefühl von Stolz, dass man die vergangene Zeit so gut geschafft hat, die Freude über den Plätzchenduft in der Wohnung oder das Lachen der besten Freundin beim Videoanruf, verbunden mit der Vorfreude, dass ein echtes Wiedersehen absehbar ist. Diese kleinen Momente und damit verbundene positive Gefühle lassen Sie leuchten, da bin ich mir sicher und ebenso, dass Sie damit andere auch unter dem Abstandsgebot zum Leuchten bringen. Und lassen Sie uns dankbar sein, dass wir in einer Zeit und auch in einem Land leben, in der wir uns als Christen nicht verstecken oder Folter erwarten müssen.


Gebet: Guter Gott. Heute beten wir für uns. Gib uns eine große Portion Mut und manchmal auch Tapferkeit, die Herausforderungen in dieser Zeit zu bestehen. Gib uns die Gelassenheit, dass wir nicht alles perfekt machen müssen – von Herzen soll es sein. Gib uns Vertrauen in unsere eigene Stärke und Leuchten.


Lied: Dans nos obscurités/ Im Dunkeln unsrer Nacht, eins meiner Lieblingslieder aus Taizé: https://www.youtube.com/watch?v=pfin1W0v7Ts
Hier die Zeilen auf Deutsch: Im Dunkel unsrer Nacht, entzünde da Feuer, das nie mehr erlischt, das niemals mehr erlischt.


Und was tun heute an diesem dritten Adventssonntag? Im Dezember gibt es immer viele Jahresrückblicke. Schauen Sie doch auch auf Ihr eigenes Jahr zurück, aber nur auf die Dinge, die gut waren und gelungen sind. Bevor Sie heute Abend ins Bett gehen, überlegen Sie, wofür Sie dankbar sind und schreiben es vielleicht sogar auf. Das könnte eine neue Routine werden. Beim Entzünden der dritten Kerze besinnen Sie sich auf Ihr eigenes Leuchten.


Behütete und herzliche Grüße sende ich Ihnen
Franziska Seefeldt

2. Advent: Nikolaus

Soweit ich mich erinnern kann, ist es mir als Kind nicht so leicht gefallen, in der dunklen Jahreszeit früh aus dem Bett zu kommen. Es war ja noch dunkel und außerhalb der Bettdecke nicht so gemütlich und warm. In der Adventszeit war das anders. Da ging das Aufstehen ganz schnell, damit vor der Schule noch Zeit blieb, um das Türchen am Adventskalender zu öffnen. Am Morgen des 6. Dezembers war ich meist besonders früh wach, weil die Vorfreude und Neugier auf den gefüllten Nikolausschuh einfach zu groß war.


Der Brauch, die blank geputzten Schuhe mit Süßigkeiten und kleinen Geschenken zu füllen, geht auf Bischof Nikolaus von Myra zurück, der im 4. Jahrhundert in Kleinasien gelebt hat. Vermutlich wurde seine Person dann mit der Gestalt eines Abt Nikolaus des Kloster Sions und späteren Bischofs von Pinora erzählerisch verschmolzen. Ab dem 6. Jahrhundert sind dann die ersten Legenden eines machtvollen und wundertätigen Bischof Nikolaus von Myra zu finden. Als Bischof wollte Nikolaus keine Reichtümer besitzen und verschenkte sein ganzes Vermögen an die armen Menschen. Es gibt viele Geschichten, die von den wohltätigen Gesten des Nikolaus erzählen. Eine davon handelt von dem Kornwunder:


In der Stadt Myra gab es eine große Hungersnot. Es hatte viele Monate nicht geregnet. Die Pflanzen auf den Feldern waren vertrocknet. Da legten eines Tages fremde Schiffe im Hafen an. Sie waren schwer beladen mit Getreide. Die Seeleute wollten in Myra frisches Trinkwasser an Bord holen. Die hungernden Menschen liefen im Hafen zusammen und bettelten um Getreide. Aber die Seeleute wollten ihnen nichts geben. Auch Bischof Nikolaus ging zum Hafen und verhandelte mit den Seeleuten. Aber die sagten: „Wir müssen das ganze Korn zu unserem Kaiser bringen, sonst lässt er uns ins Gefängnis werfen.“ Da antwortete der Bischof: „Ihr könnt uns ruhig Korn hierlassen. Was ihr für Hungrige tut, wird euch nicht zum Schaden werden. Gott wird eure Schiffe wieder füllen, bis ihr beim Kaiser ankommt.“ Da erbarmten sich die Seeleute und luden reichlich Korn aus. Bischof Nikolaus verteilte es, damit jeder gleich viel bekam. Nun konnte Brot gebacken werden und alle konnten sich wieder satt essen. Später hörten die Leute aus Myra von Reisenden, dass auf den Schiffen der Seeleute tatsächlich kein Korn gefehlt hatte, als sie bei ihrem Kaiser ankamen.


Die Seeleute waren zunächst sehr skeptisch. Sie sollten das wertvolle Korn mit den Armen teilen? Was, wenn sie dann Ärger bekämen? Schließlich sind sie das Risiko eingegangen und haben Nikolaus vertraut. Manchmal müssen wir uns überwinden, etwas riskieren, auch wenn es zunächst unbequem erscheint. Die hungrigen Menschen müssen unendlich dankbar gewesen sein und die Seeleute haben, so erzählt es die Legende, keinen Schaden davon getragen. Bei den Vorräten fehlte kein Korn.


Weil sich Nikolaus um die Armen und Bedürftigen kümmerte, denen half, die Hilfe bedurften und Nächstenliebe vorlebte, füllen wir traditionell die Schuhe mit Süßem, Äpfeln und Nüssen.


Fragt man die Kinder, was sie denn am Nikolaustag im Schuh hatten, dann staunt man manchmal nicht schlecht. In einigen Familien artet diese Tradition in eine große Geschenkeflut aus.


Vielleicht sind es aber gerade die kleinen Gesten, die so wertvoll sind und gut tun. Die Kleinigkeiten, die mir zeigen, dass jemand an mich gedacht hat. Wenn wir uns anderen zuwenden, wie es von Nikolaus in so vielen Geschichten berichtet wird, bekommen wir auch wieder etwas von dem zurück, was wir geben: ein Lächeln, ein gutes Gespräch. Zuwendung und Anteilnahme, Fürsorge und Hilfe zu schenken hat uns Nikolaus mit seinen Taten vorgelebt.


Gebet: Guter Gott, lass uns heute besonders an diejenigen denken, die Not leiden und auf eine liebevolle Geste warten. Der Heilige Nikolaus war ein Bischof der für die Menschen da war. Er hat traurigen und mutlosen Menschen Licht und Freude in ihr Leben gebracht. Durch heilende Worte und tröstende Taten brachte er Deinen Segen in ihre Häuser. Hilf uns für andere da zu sein, gib uns Mut und Kraft aufeinander zuzugehen und zu helfen in dieser unsicheren Zeit. Sei bei denen, die sich um andere sorgen und bei denen, die erkrankt sind. Lass es Advent werden in unseren Herzen. Amen.


Lied: Seht, die gute Zeit ist nah, EG 18, 1-2


Und was tun heute an diesem zweiten Adventssonntag? Schieben Sie doch jemandem etwas in die Schuhe. Also etwas Süßes zum Beispiel. Vielleicht rufen Sie jemanden an, der darauf wartet? Oder sie backen ein Nikolausbrot und genießen es, vielleicht gemeinsam, im Kerzenschein bei einer Tasse Glühwein.


Es grüßt Sie herzlich Verena Buchholz

1. Advent: Warten

Liebe Elisabeth,

 

wie lange hast Du gewartet! Gewartet auf ein Kind, gewartet darauf, dass Gott Dich ansieht und sich Deiner annimmt. Und dann komme ich – blutjung in Deinen Augen – und bekomme, wonach Du Dich so lange gesehnt hast: einfach so, ohne Wunsch, eigentlich viel zu früh!

(Später wird man wohl sagen „wie die Jungfrau zum Kinde“, wenn man von ähnlichen Erfahrungen wie der meinen reden wird.)

Als wir uns getroffen haben, als ich Dich und die Rundung Deines Leibes sah, dachte ich sofort: So sieht die perfekte Mutter aus – so erfahren, so weise, so abgeklärt. Du kamst mir entgegen, Du hast mich mit vollen Worten gepriesen und schön gemacht, und da passierte etwas mit mir: Alle Zweifel fielen von mir ab. Ich fühlte mich geborgen.

Dann, als wir zusammen den Haushalt versorgten, merkte ich, dass manches Dir schon schwer fiel: das Bücken nach dem schweren Wasserkrug, das Wäschewaschen am Fluss, das Versorgen der Tiere. Ich traf Zacharias, der kein Wort mit mir sprach. Er sei plötzlich stumm geworden, erzähltest Du – sichtlich bemüht um Fassung. Alt geworden war er, Dein Mann. Und plötzlich sah ich in Deinen Augen die Sorge schimmern: Was, wenn Zacharias nie mehr würde reden können? Er, der Priester – ohne Worte? Euer Dasein unmittelbar bedroht. Und ich sah noch mehr, sah Deine Angst: Was, wenn dieses Kind nicht in Dir bliebe, wenn Gott es wieder nehmen würde? Was, wenn Du einmal mehr die Unfruchtbare wärest?

Elisabeth. Schüchtern habe ich Deine Hand gehalten.

 

Auf dem Rückweg nach Hause ging mir so vieles durch den Kopf und durch’s Herz: Dein Warten, Bangen, Deine Einsamkeit, die Verdammnis der Unfruchtbaren in den vielen kleinen Gesten der anderen, Deine Hoffnung nun in der Schwangerschaft. Ich sah all die Jahre vor mir, in denen Bangen und Verzweifeln sich abwechselten mit Hoffen und Mutfassen. Und auf einmal wusste ich, dass Gott wie Mutter und Vater in der Zeit mit Dir war – ich wusste es aus tiefstem Herzen. Und ich sah auch, dass Gott Dir in all dem noch etwas geworden war: ein Gefährte, der Dich nicht verlassen würde.

Du starke Frau Elisabeth, Du hast Dich nicht unterkriegen lassen. Du hast das Leben gesucht, hast Dir Leben ermöglicht, Dir und anderen – trotz alledem und in alledem. Elisabeth, ich bin beeindruckt von Deiner erfahrenen Reife, und Dein Name spricht einmal mehr aus, was Dich zu tragen scheint: Gott ist Fülle. Möge das Dich und mich begleiten, dieser unbedingte Impuls, aus der Liebe zu leben und Leben zu geben.

 

Deine Maria  

 

Gebet: Gütiger Gott, wie bei Elisabeth gibt es Phasen des Wartens, des Verzweifelns und Bangens in unser aller Leben. Wir bitten dich: Mach uns wach, dich auch dann zu entdecken und an unserer Seite zu finden, damit uns Leben in Fülle gelingen kann. Gerade in dieser Zeit denken wir an Menschen, die warten auf einen anderen, die bangen um einen anderen, die verzweifeln, weil nicht absehbar ist, wie lange Einschränkungen unser Leben im Griff halten. Gnädiger Gott, der du im Advent deine Ankunft ankündigst, öffne unsere Herzen für alles, was möglich ist in deinem Namen und im Namen der Liebe. Amen

 

Lied: Wie soll ich dich empfangen, 11, 1-3

 

Und was tun heute an diesem ersten Adventssonntag? Schlürfen Sie doch in aller Ruhe eine Tasse Tee, stellen Sie eine Kerze ins Fenster als Zeichen für sich selbst und andere, lassen Sie eine Musik erklingen, welche die Seele streichelt, oder schreiben Sie einen Brief an einen Menschen, der wartet.

 

Es grüßt Sie herzlich Dorothee Fuchs