Predigt über 2. Kor. 1, 18-22 zum 4. Advent 2025
Liebe Gemeinde,
Vielleicht gibt es Weihnachten mal wieder Schnee. Vielleicht wird Weihnachten dieses Jahr so schön, wie es das letzte Mal in der Kindheit war. Vielleicht gibt es zu Weihnachten eine Friedensbotschaft, die nicht gelogen ist. In diesen „Vielleicht“ verbergen sich lauter unerfüllbare Sehnsüchte. Das Vielleicht versteckt, dass es eigentlich ein Nein ist. – Aber: Vielleicht bekommt das Enkelkind das Geschenk, das als erstes auf seinem Wunschzettel stand. Vielleicht gib es zu den Feiertagen ein tolles besonderes Essen. Vielleicht können Brot für die Welt und andere ein neues weihnachtliches Spenden-Hoch erwarten, trotz gesunkener Real-Einkommen: Hinter diesen „Vielleicht“ könnte sich ein Ja verstecken, und es wird tatsächlich so. Ob es hilft, im Ungewissen an einem „Ja“ festzuhalten? – Paulus (Namensgeber unserer Gemeinde,) setzt darauf, dass das hilft. Hier schreibt er:
„Das ist Gottes Treue: Unser Wort an euch ist nicht Ja und Nein. Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, durch uns euch verkündet, durch mich und Silas und Timotheus, der ist nicht Ja und Nein, sondern Ja wird durch ihn. Welche Gottesverheißungen es auch gibt, in ihm ist das Ja dazu, und durch ihn sagen wir das Amen Gott zur Ehre. Gott hat uns mit euch zusammen fest gemacht in Christus und uns gesalbt. Er hat uns auch versiegelt und uns als Unterpfand den Geist gegeben in unsere Herzen.“
Paulus schreibt das an die Gemeinde in Korinth, bereits zum zweiten oder dritten Mal schreibt er ihnen. Er kann sich überhaupt nicht sicher sein, dass diese Gemeinde sein Schreiben gut aufnimmt. Denn sie haben ihn heftig kritisiert. Es gibt sogar Stimmen, die sagen, dass sie Paulus nicht mehr glauben können: Erst verspricht er einen Besuch, dann kommt er doch nicht. Erst stellt er sich dar als Apostel, dann hat er keine überzeugende Antwort darauf, als angezweifelt wird, dass er wirklich Apostel ist. Kann man diesem Paulus trauen?
Da sagt Paulus:
„Ob ihr mir traut oder nicht, das müsst ihr mit euch selbst ausmachen. Aber traut meiner Botschaft! Daran ist nichts falsch. Da gibt es keinen Zweifel. Die ist nicht mal Ja, mal Nein. Die ist nicht Vielleicht. Die ist ganz und gar Ja! Ich bin das doch nicht, der Ja sagt, sondern Gott sagt zu euch Ja. Und Gott hat einen Zeugen dafür, den ich auch nur bezeugen kann: Jesus Christus. Den bezeuge ich auch nicht allein, sondern gemeinsam mit Silas und Timotheus. Wir sagen euch: Es gibt kein Nein, kein Vielleicht, kein Eventuell, kein So oder So. Es gibt nur Ja! – Und dieses Ja, das habt ihr gehört. Auf dieses Ja seid ihr gesalbt: Wie früher Könige gesalbt wurden, so seid ihr Gottes Gesalbte. Auf dieses Ja gibt Gott sein feierliches Siegel: Ihr selbst seid das Siegel Gottes, die unverbrüchliche Bestätigung, dass sein Ja gilt. Und Gott bestätigt dieses Ja mit seinem Geist: Den hat er euch und uns ins Herz gelegt. Nicht in den Kopf allein, ins Denken und Reden, sondern in die Mitte der Person, ins Herz. Das gilt. Diesem Ja könnt ihr unbedingt und immer vertrauen.“
Und heute ist das die Botschaft für uns, drei Tage vor Heiligabend: Es gibt ein Ja, auf das kannst du dich unbedingt und immer verlassen. Lange bevor du Worte hattest, hat deine Mutter zu dir Ja gesagt, darum bist du überhaupt da. Das Ja Gottes gilt noch fester. Später hat deine Mutter dich fest in den Arm genommen, um dich zu trösten. Gottes Ja gilt noch fester. Du hast zu einem Menschen Ja gesagt, „Ja, ich halte zu dir bis zum Tod.“ Gottes Ja gilt noch fester. Dir wurde dieses Ja gesagt: „Ja, ich halte zu dir bis zum Tod“, Gottes Ja gilt noch fester. Du bist manchmal im Zweifel, ob der Boden unter den Füßen hält. Du bist manchmal im Zweifel, ob die Wogen nicht doch noch über dir zusammenschlagen. Du bist manchmal im Zweifel, ob die Menge der Sorgen dir nicht den Atem nimmt. Selbst wenn du schon im Zweifel warst, ob dich überhaupt irgendjemand versteht: Über alle diese Zweifel hinweg, durch alle diese Zweifel hindurch trägt Gottes Ja.
Es ist nicht von Stimmungen abhängig, nicht von Argumenten. Es steht nicht durch Schicksalsschläge in Frage, nicht durch ungewöhnliches Glück. Es geht nicht einmal verloren durch deine eigene Vergesslichkeit.
Es geht auch nicht verloren, wenn du gegen Gott streitest. Gott nimmt sein Ja nicht zurück.
Es ist nicht weiter von Bedeutung, wer dir das weitersagt, ob Paulus oder Silas wie in diesem Brief, ob irgendeine Predigerin oder ein Prediger, ob du es in der Christenlehre zuerst gehört hast oder von deiner Mutter oder von einem Freund. Du kannst dich später von diesen Personen gelöst haben. Das Ja Gottes bleibt. Es bleibt in allen Lebensveränderungen und an allen Orten. Es bleibt auch in der Demenz, in schlimmen Krankheiten, schließlich im Sterben.
Das Ja Gottes gilt für mich ganz persönlich. Doch in der persönlichen Zusage erschöpft es sich nicht: Es gilt für das ganze Volk Gottes, von Abraham angefangen bis heute.
Dem Volk Israel ist es zugesagt, in vielen Rufen, Gesprächen, Klagen, Bitten zwischen Mose und Gott bewährt und gewachsen. Es hat in allen Katastrophen gehalten. Es hat Zeiten des Abfalls und der Verneinung durch Menschen überstanden.
Es ist durch Christus auch unserer Kirche zugesprochen. Es hat die Abgründe und Grausamkeiten der Kirchengeschichte überstanden. Es gilt heute neu und frisch wie am ersten Tag: Ich will mich daran erinnern, wenn mir Angst und Bange wird, wohin mein Land sich verirrt, wohin die Menschheit treibt. Ich will daran denken, wenn ich mich auf die Feiertage freue. Ich will daran denken, wenn wir weihnachtliche Liebesgrüße austauschen und uns gute Wünsche fürs neue Jahr mitgeben. Ich will mich daran freuen, wenn sich zwei oder drei Menschen versammeln zum Gebet. Ich will mich daran erfreuen, wenn sich viele Menschen versammeln für einen weihnachtlichen Höhepunkt. Oder zum gemeinsamen Singen. So wie heute.
Ich will Augen und Ohren aufsperren für jede gute Nachricht. Ich will mit vielen gemeinsam die Hoffnung stark machen. Es kann gar nicht anders sein, die Hoffnung kann nicht ermüden. Denn Gottes Ja gilt.
AMEN.
Download: Predigt zum 1. Advent
Andacht zum ersten Advent
Der Weihnachtsmarkt hat längst geöffnet. Weihnachtmusik tönt aus allen Lautsprechern. Weihnachtsartikel gibt es allerorten zu kaufen. Die halbe Welt ist weihnachtlich dekoriert. Dabei beginnt das große Fest erst am Abend des 24. Dezember.
Jetzt ist Adventszeit, vier Wochen lang. Nach kirchlicher Tradition ist das eine Buß- und Fastenzeit, die weniger nach Glühwein und Plätzchen schmeckt als nach In-sich-gehen und Einkehr. Und warum?
„Advent“ heißt „Ankunft“. Jesus kommt an in der Heiligen Nacht. Gottes menschgewordene Liebe wird hineingeboren in unsere Welt und in mein Leben. Wer will, kann sich darauf vorbereiten mit einer Art innerer Inventur: Was ersehne ich mir? Was fehlt mir? Wo habe ich Gottes Liebe besonders nötig? Diese Frage geht weit über alle käuflichen Geschenke hinaus. Und sie kann wehtun, rührt sie doch an eigenen, manchmal tief vergrabenen Schmerz. Aber sie öffnet mich auch. Macht mich empfänglich. Sie macht mein Herz weit und das Fühlen groß.
Adventszeit ist Sehnsuchtszeit. Wartezeit. Hoffnungszeit. Sie rechnet damit, dass sich etwas ändern kann, dass sich etwas ändern wird in meinem Leben, wenn ich nur bereit bin dafür. Halten wir das Warten aus, auch wenn so viele schon munter drauflosfeiern?
Ich will es versuchen und Ausschau halten nach dem Weihnachtspäckchen, dass Gott gerade für mich zusammenstellt. Was da ankommen wird?
Eine erwartungsvolle Adventszeit wünscht Ihnen
Ihr Christoph Eichert


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