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03.10.2021 | 10:00 Uhr
Festgottesdienst zum Tag der Deutschen Einheit

Am Sonntag, dem 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, findet um 10 Uhr der zentrale und bundesweit ausgestrahlte Fernsehgottesdienst zum Tag der...
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Friedensweg
der Religionen und Kulturen

27. September 2021 17.00 Uhr Marktkirche Halle (Saale) Im Rahmen des traditionellen Friedensgebetes in der Markt-Kirche zu Halle (Saale)...
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10.10.2021 | 10:00 Uhr
Literaturgottesdienst (Kasparick)

Ernest Hemingway: In einem anderen Land – Stories Sprecher: Jakob Mücksch Musik: Eckart Gleim (Gitarre) und Silke Gonska (Gesang) Die...
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Gottesdienste zum "Nachsehen"

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Predigten und Hausandachten

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Der aktuelle Gemeindebrief
September 2021
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Die nächsten Termine:
  • 28.09.'21: Bibelkurs
  • 03.10.'21: Festgottesdienst zum Tag der Deutschen Einheit
  • 04.10.'21: GKR-Sitzung
  • 07.10.'21: Mittelaltertreff: Jochen Klepper (K. Kölling)
Schlagworte:

Wort zum Tag

Zusätzlich zum sonntäglichen Gottesdienst kommt die Kirche zu Ihnen ins Haus! Jeden Morgen gibt es ein neues Wort zum Tag, verfasst von Mitarbeitenden im Verkündigungsdienst in unserer Region.

Schlusswort zum Ostermontag, 5. April 2021

Liebe Leserinnen und Leser,

die zweite Runde des „Wortes zum Tag“ geht zu Ende. Und sie war noch länger als die erste im vergangenen Frühjahr. Neunundsiebzig „Worte“ oder Hausandachten sind verschickt worden. Die Familienandachten kommen noch dazu. Natürlich hoffen wir, dass keine dritte Auflage nötig sein wird. Aber gut war es doch, auf diese Weise miteinander verbunden zu sein über die sonst bestehenden Gemeinde- und Konfessionsgrenzen hinaus.

Die Gottesdienstsituation gestaltet sich im Moment unterschiedlich. Manche unserer Gemeinden feiern Gottesdienst mit den nötigen Auflagen. In einigen Gemeinden werden Gottesdienste zusätzlich gestreamt. An manchen Orten wird auf Präsenz verzichtet, aber es gibt eine Live-Übertragung zum Mitfeiern zuhause. So sind wir auf unterschiedliche Weise geistlich versorgt.

Ich wünsche Ihnen und mir selbst auch, dass die Osterfreude uns neuen Schwung gibt und durch die kommenden Wochen trägt. Seien Sie geborgen unter Gottes reichem Segen!

 

Stellvertretend für unser ökumenisches Autorinnen- und Autorenteam grüße ich Sie herzlich
Ihr Christoph Eichert

Wort für Karsamstag, 3. April 2021

Als meine Seele in mir verzagte, gedachte ich an den Herrn, und mein Gebet kam zu dir in deinen heiligen Tempel. Jona 2,8


Wort zum Tag
„Aus der Weltmission wird erzählt, dass ein Missionar im Auto unterwegs war und sich mit dem Fahrer, einem getauften Einheimischen, unterhielt. Sie fragten sich, was für Bäume wohl Gleichnisse abgeben könnten, um Wahrheiten des christlichen Glaubens zu verdeutlichen. Daraufhin sagte der Fahrer: ‚Auch das Auto bietet Gleichnisse…‘ – ‚Welche denn?‘ – ‚Nun, es gibt beispielsweise Christen, deren Glaube wie ein Ersatzrad ist. Wenn sie in Not geraten, meinen sie: Jetzt muss mir mein Glaube helfen!‘ – Der Missionar konnte sich nicht enthalten, eine weitere Frage zu stellen: ‚Und was soll der Glaube deiner Meinung nach sein?‘ – ‚Das Steuerrad!‘“ 1
Immer, wenn ich diese kleine Geschichte lese, bleibe ich zunächst an der Ersatzrad-Metapher hängen. Ja, genauso ist es: Wenn es schwierig wird, bete ich innig um Hilfe, während in guten Zeiten mein Gebet eher kurz ausfällt. Ist mein Glaube also mein „Ersatzrad“? Und dann kommen mir die vielen schönen, dankbaren Momente in den Sinn, wo ich mich Gott nahe fühle, ohne dass es dafür Worte braucht.
Ich denke, es geht vor allem um den inneren Kompass, um eine beständige Lebenshaltung, die gleichermaßen von Vertrauen wie von Dankbarkeit geprägt ist. Das Bild vom Glauben als Steuerrad gefällt mir deshalb viel besser: Mutig den Wechselfällen des Lebens zu begegnen und sich dabei von Gott getragen zu fühlen – so möchte ich gern sein.
Jona hadert oft und viel – und ist mir damit wohl näher, als mir lieb ist. Die Verbindung mit Gott bricht aber niemals ab. Und das ist das Wichtigste dabei.

 

Liedstrophe „Gott ist gegenwärtig“ (EG 165/GL 387)
Du durchdringest alles; lass dein schönstes Lichte,
Herr, berühren mein Gesichte.
Wie die zarten Blumen willig sich entfalten
und der Sonne stille halten,
lass mich so
still und froh
deine Strahlen fassen
und dich wirken lassen.

 

Gebet
Du Gott allen Trostes, sei mir nahe in meinem stillen Warten, in meiner zaghaften Hoffnung. Schenke mir Geduld im Vertrauen auf deine Neuanfänge.

 

Ich wünsche Ihnen einen Karsamstag in stiller Vorfreude auf die Osterzeit.
Ihr Pfarrer Sven Hanson, Mitteldeutsches Bibelwerk

________________________________________________
1
Hamdorf-Ruddies/Josuttis/Stolze (Hg.), Zitate für die Predigt, Göttingen, 1993, S. 66

Hausandacht am Karfreitag, 2. April 2021

Wir freuen uns, dass diese Hausandacht den Weg zu Ihnen gefunden hat. Gönnen Sie sich einen Moment Ruhe. Nehmen Sie sich Zeit für diesen geistlichen Impuls. Wenn Sie mögen, sprechen Sie die Gebete laut, und wenn Sie das Lied kennen, singen Sie es. Zünden Sie zu Beginn eine Kerze an.

 

Eröffnung
Im Namen Gottes, des Schöpfers der Welt. Im Namen Jesu Christi, unseres Herrn und Bruders. Im Namen des Heiligen Geistes, Gottes Kraft in uns. Amen.

 

Psalmgebet (aus Psalm 22)
pauluskreuz.jpgMein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne. Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.
Du aber bist heilig, der du thronst über den Lobgesängen Israels. Unsere Väter hofften auf dich; und da sie hofften, halfst du ihnen heraus. Zu dir schrien sie und wurden errettet, sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.
Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe; denn es ist hier kein Helfer.
Aber du, HERR, sei nicht ferne; meine Stärke, eile, mir zu helfen!

 

Biblische Lesung (Lukas 23, 33-49):
Und als sie kamen an die Stätte, die da heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen zur Lin-ken. Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen; denn sie wissen nicht, was sie tun! Und sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum. Und das Volk stand da und sah zu. Aber die Oberen spotteten und sprachen: Er hat andern geholfen; er helfe sich selber, ist er der Christus, der Auserwählte Gottes. Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten herzu und brachten ihm Essig und sprachen: Bist du der Juden König, so hilf dir selber! Es war aber über ihm auch eine Aufschrift: Dies ist der Juden König.
Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen, lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus? Hilf dir selbst und uns! Da antwortete der andere, wies ihn zurecht und sprach: Fürchtest du nicht einmal Gott, der du doch in gleicher Verdammnis bist? Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen, was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts Unrechtes getan. Und er sprach: Jesus, gedenke an mich, wenn du in dein Reich kommst! Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.
Und es war schon um die sechste Stunde, und es kam eine Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde, und die Sonne verlor ihren Schein, und der Vorhang des Tempels riss mitten entzwei. Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er.
Als aber der Hauptmann sah, was da geschah, pries er Gott und sprach: Fürwahr, dieser Mensch ist ein Gerechter gewesen! Und als alles Volk, das dabei war und zuschaute, sah, was da geschah, schlugen sie sich an ihre Brust und kehrten wieder um. Es standen aber alle seine Bekannten von ferne, auch die Frauen, die ihm aus Galiläa nachgefolgt waren, und sahen das alles.


Löschen Sie nun, als Zeichen der Trauer, Ihre Kerze und spüren Sie einen Moment schweigend nach.

 

Auslegung
Der Karfreitag ist der schwärzeste Tag im Jahr. In den Kirchen hängen schwarze Paramente an Kanzel und Altar, und die Kerzen wurden gelöscht. Auch der Name des Tages macht das deutlich: „Kar“ oder „kara“ kommt aus dem Mittel- und Althochdeutschen und heißt „Sorge“, „Klage“, „Wehgeschrei“.
Dazu gehört die niederschmetternde Geschichte von der Kreuzigung Jesu. Ein Unschuldiger wird hingerichtet. Sein Verbrechen: Er hat Menschen angenommen und in leuchtenden Farben von der Liebe Gottes gesprochen. Doch das wollten sie nicht: Einen, der die Liebe über alles stellt. Der Menschen stark macht und ihnen die Angst nimmt. Dem Macht und Hierarchien nichts bedeuten und Geld und Gewinn schon garnicht.
Und dieser Tag des Wehgeschreis hat auch heute sein Recht. Meine Sorgen, meine Klage, was in mir und um mich herum schwarz ist, gehört auch hierher: Die Unschuldigen in Myanmar und Belarus, in Russland, China und in der Türkei, die einfach nur das Selbstverständliche einfordern – sie kommen ins Gefängnis und in Straflager und werden auf der Straße niedergeschossen. Klage und Anklage!
Die ökologische Situation unseres Planeten, und so wenig wird getan: die sterbenden Wälder, die aussterbenden Arten, die vermüllten Meere, das entgleisende Klima. Wehgeschrei!
Corona und kein Ende, manche halten es kaum noch aus. Die Distanz, die Isolation, die zerstörten beruflichen Existenzen. Wie soll es weitergehen? Sorge!
Und der persönliche Kummer: Manche hadern mit sich selbst. Sind unzufrieden mit ihrem Leben. Sind in eine Sackgasse geraten. Werden aufgefressen von dem, was schwarz ist in ihnen. Wehgeschrei!
Und doch gibt es Hoffnungsspuren in der Passionsgeschichte. Kleine Lichtpunkte. Kleine Samenkörner, aus denen etwas wachsen könnte: Da wird Jesus verhaftet im Garten Gethsemane. Wenig vorher, im 22. Kapitel, wird das berichtet. Judas verrät ihn mit dem Bruderkuss, und eine waffenstrotzende Übermacht nimmt den Wehrlosen fest. Doch was tut er in dieser Welt voller Verrat und Gewalt? Er setzt Gewaltlosigkeit dagegen. Gebietet den Jüngern Einhalt, die für ihn kämpfen wollen. Heilt sogar das Ohr des Soldaten, der verletzt wird. Das ist ein Lichtblick in dieser Finsternis und zeigt, wie es auch zugehen könnte unter uns. Wie Menschlichkeit und Heilung eine Chance bekommen.
Da wird Jesus an Kreuz geschlagen, seinen qualvollen Tod vor Augen. Er sieht den Hass und die Verblendung derer, die ihm das Leben nehmen. Und seine Antwort? Er verflucht sie nicht und schreit sie nicht an in ohnmächtigem Zorn. Er verzeiht und bittet Gott um Verzeihung für seine Mörder. So unterbricht er die Kette aus Hass und Schuld und noch mehr Hass und setzt einmal mehr die Liebe dagegen. Und zeigt, wie man Kriege verhindert, noch bevor sie entstehen. Wie zerstrittene Familien und verletzte Beziehungen eine Chance haben könnten. Was die Kraft der Versöhnung tatsächlich vermag.
Und es verwandelt sich wirklich etwas. Einer der beiden Verbrecher, die mit Jesus gekreuzigt werden, ändert sich noch in den letzten Minuten seines Lebens. Und das ist entscheidend für ihn.
Und der römische Hauptmann, der die Kreuzigung leiten musste, ist ergriffen vom Gottvertrauen des sterbenden Jesus. „Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist“, sagt er. „Deiner Liebe vertraue ich mich an, auch jetzt.“ Das erschüttert den abgebrühten Mann. Er ist nicht mehr derselbe wie vorher. – Hoffnungsspuren, Lichtspuren an diesem schwarzen Tag. Es kann sich etwas zum Guten wenden, noch immer.
Wenn das so ist, dann können wir Ausschau halten. Vielleicht gibt es solche Lichtspuren nicht nur in der Passionsgeschichte der Evangelien. Vielleicht sind Sie auch in meinem Dunkel zu finden und im Dunkel der Welt. Halten wir also die Augen offen, auch heute!
Schwer bleibt dieser Tag trotzdem. Er muss ertragen werden, muss durchgehalten werden. Schönfärben und fliehen ist keine Option. Denn Jesus ist ja gestorben, trotz seiner Menschenfreundlichkeit und Liebe bis zum letzten Atemzug. Und vieles ist kaum zu ertragen in der Welt, in der wir leben. Und die rosa Brille des Verdrängens hilft mir nicht weiter bei dem, was mich bedrückt. Heute nehme ich diese Erkenntnis an.
Halten wir diesen schweren Tag aus, so wie die Frauen ausgehalten haben unter Jesu Kreuz. Und denken wir zugleich an die Lichtpunkte, die selbst in der Passionsgeschichte zu finden sind. Sie weisen vorsichtig darauf hin, dass nichts bleiben muss, wie es ist. Amen.

 

Gebet & Vaterunser
In Deine Hände, Vater, befehle ich meinen Geist.
In Deine Hände befehle ich meine Angst, die oft so groß ist.
In Deine Hände befehle ich mein Versagen, das mich quält.
In Deine Hände befehle ich meine Resignation.
In Deine Hände befehle ich meine Trauer darüber, allein zu sein.
In Deine Hände befehle ich meine Schuld an anderen Menschen.
In Deine Hände befehle ich alle, die auch heute zu Opfern werden.
In Deine Hände befehle ich meine Gaben, damit Du sie segnest.
In Deine Hände, Vater, befehle ich meinen Geist.

 

Lied „Holz auf Jesu Schulter“ (EG 97/ GL 291)


Segen
Gott segne uns und behüte uns. Gott lasse sein Angesicht leuchten über uns und sei uns gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf uns und gebe uns Frieden. Amen.

 

Tag-Werk
Was ist dunkel in Ihnen? Schreiben Sie es auf. Und dann vertrauen Sie es Gott an. Oder einem anderen Menschen. Geteiltes Leid ist halbes Leid. Ihre Kerze dürfen Sie dafür wieder anzünden, denn Gott ist bei Ihnen.

 

Eine stillen und friedvollen Karfreitag wünsche ich Ihnen,
Ihr Pfarrer Christoph Eichert (Paulusgemeinde)

Wort für den 31. März 2021

Liebe ökumenische Gemeinde,

in meinem Haus wohnt ein junger Mann mit Namen Joel. Dieser Name war mir unbekannt und es dauerte ein paar Tage, ehe ich die Lösung im Alten Testament fand: Joel war ein Prophet. Da Joel nicht sehr schreibfleißig war und es nur wenige Seiten zu lesen gab, habe ich mich sofort in den Text vertieft.
In seinem Aufruf zur Buße schreibt er: „Zerreißt eure Herzen, nicht eure Kleider und kehrt um.“ Wie war das wohl gemeint?
Im Judentum drückte das öffentliche Zerreißen der Kleidung wortlos Trauer, Verzweiflung, Demütigung und Empörung aus. Menschen suchten damals aber auch öffentliche Aufmerksamkeit für ihr Leid.
Joel spricht aber auch tiefe Herzensangelegenheiten an, indem er auffordert: “Zerreißt“ euer Herz. Wer unter extremem seelischen Druck steht, sei es durch schlimme Schuldgefühle, sei es durch Trennung von einem Menschen, dem zerreißt es, bildlich gesprochen, das Herz. Um frei davon zu werden, muss Schuld und Trauer aufgearbeitet werden. Joel weist auf Versöhnung und Fasten hin. Was gibt meinem Leben Halt, wo müssen wir uns mit Gott versöhnen, mit Menschen, aber auch mit uns selbst?

 

Lied: GL Nr. 273

O Herr nimm unsre Schuld, mit der wir uns belasten,
und führe selbst die Hand, mit der wir nach dir tasten.

Wir trauen deiner Macht und sind doch oft in Sorgen.
Wir glauben deinem Wort und fürchten doch das Morgen.

Wir kennen dein Gebot, einander beizustehen,
und können oft nur uns und unsre Nöte sehen.

O Herr nimm unsre Schuld, die Dinge, die uns binden,
und hilf, dass wir durch dich den Weg zum andern finden.

Besonders jetzt in der vorösterlichen Bußzeit sind wir aufgerufen, auf Menschen mit „gebrochenem“ Herzen zuzugehen, ihre Klagen geduldig anzuhören, Briefe an kranke Menschen zu schreiben, uns um Telefonate mit vergessenen Menschen zu bemühen, uns im Glauben weiterzubilden und uns einzuschränken beim Fernsehen und Lebensmittelkonsum.

 

Ich wünsche Ihnen allen ein seelisch und organisch gesundes Herz.

Ursula Gebauer, Pfarrei Carl Lampert

Wort zum Tag, 30.03.2021

Siehe, ich stehe vor der Tür und klopfe an.
Offenbarung 3,20

 

Wir haben in unserer alten Gemeinde in Lettin über viele Jahre mit Erwachsenen Krippenspiele eingeübt und sie spät nachts, am Weihnachtsabend, aufgeführt. Die Spannung war oftmals schon auf dem Höhepunkt, als Maria und Josef vor der Herberge standen und der Wirt mit tiefer Stimme sprach: „Kein Platz in der Herberge!“ Die Legende von der Herbergssuche ist sicher nicht nur ein dramaturgischer Trick der Evangelienschreiber, sondern nimmt ein zentrales Thema voraus, dass den erwachsenen Jesus sein Leben lang begleiten wird. Die junge Familie auf der Flucht nach Ägypten war auf Unterkünfte angewiesen. Später war Jesus oft bei Menschen zu Gast, so als Wanderprediger ohne festen Wohnsitz. Er hat sich gern eingeladen und war vermutlich ein unkomplizierter Gast, hatte kaum Berührungsängste. Es wurde gefeiert, Wasser zu Wein gemacht, wenn noch mehr Gäste kamen und der Abend mal wieder lang wurde. Er war auch selbst ein guter Gastgeber für die Menschen, die sich schwach und krank fühlten, die sich nach Freundlichkeit und einer Umarmung sehnten. Menschen, die Zuwendung und Trost so nötig hatten. Menschen, die diskutieren und nachdenken wollten. Die Menschen, die ihn aufnahmen, ihm eine Herberge gaben. Und die Menschen, denen er nahe kam, fühlten sich danach reich beschenkt. Logis und Kost unbezahlbar.
Wenn ich jetzt ein neues Krippenspiel schreiben würde, müsste der Herbergswirt sagen: „Beherbergungsverbot, laut Infektionsschutzgesetz“. „Nur ein Hausstand plus eine fremde Person“ - Und das jetzt schon so lange Zeit.
Was macht das mit den Menschen, die ihre Herberge zum wirtschaftlichen Leben benötigen? Wir lesen es in der Zeitung. Wir steuern auf einen „wirtschaftlichen Totalschaden“ zu, sagt der Chef der Dehoga Sachsen-Anhalt.
Was macht es mit den Menschen, die so dringend ein Dach über dem Kopf suchen, eine Zeltplane im Winter, einen Ferienort, um endlich mal auszuspannen, mit einem Freundeskreis, der fröhlich unbeschwert Geburtstag feiern möchte, einer Abschiedshalle, wo nicht jeder kommen kann, der sich verabschieden will? Der Verlust unserer Möglichkeit und unserer Fähigkeit, für andere eine Herberge zu sein, ist auf Dauer unser aller seelischer Totalschaden. Wir Menschen haben bis jetzt nur überlebt, weil wir immer wieder eingelassen wurden und den Anderen beherbergt haben. Wir dürfen nicht vergessen und können darauf vertrauen, dass derjenige, der mich aufnimmt, nicht nur Angst haben muss, dass er erkrankt und ich, dass ich ihn möglicherweise in Gefahr bringe. Wir werden erfahren, dass er und ich als Gast uns dadurch nicht nur erfreut, sondern gesegnet fühlen werden. Die Geschichten von Jesus sind voll von diesen Begegnungen, die beglücken, befreien und geheilt haben. Ich bin mir sicher, dass die Menschen sich nach so einer Begegnung mit einem deutlich gestärkten Immunsystem voneinander verabschieden.
Wenn es heute bei Ihnen anklopft, dann steht Jesus vor der Tür. Beachten sie die AHA-L Regel und bitten Sie ihn herein. Auch wenn er sagt, er hat auch noch seinen Vater mitgebracht und seine Schwester, die heilige Geist*in. Zum Glück sind das ja alle nur eine Person, die sie getrost in Ihren Hausstand lassen dürfen.

 

Gebet:
Beherbergender Gott! Gib mir den Mut und die Zuversicht, Jesus in mein Leben einzulassen. Lass‘ mich nicht vergessen, wie dringend wir die Nähe von Menschen an unserem Tisch brauchen. Wie sehr wir uns nach der Gastfreundschaft unserer Familie, den Enkeln und Freunden sehnen. Gib uns die Kraft, die verschlossenen Türen und den Abstand auszuhalten, bis es wieder klopft.

 

Lied: EG Nr.: 1 „Mach hoch die Tür“ (so viele Strophen, wie Sie mögen)
(auch wenn es bald Ostern ist)

 

Kleine Achtsamkeitsübung:
Wenn Sie heute Abend oder morgen früh den Tisch decken, stellen Sie doch zusätzlich ein Gedeck dazu. Vielleicht mit einer Serviette oder kleinen Blume geschmückt. Horchen Sie in sich hinein, was das mit Ihnen macht.

 

Ihr Horst Bartsch (Heilandsgemeinde)

Wort für Montag, 29. März 2021

Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt hatte, verschied er. (Lukas 23,46)

 

Die Karwoche beginnt und mit ihr in besonderer Weise die Möglichkeit, das Leiden des Jesus von Nazareth zu bedenken, ja, auch nachzuempfinden. Ein Mensch stirbt. Jesus, ein Mensch, wird hingerichtet – als Rebell. In vieler Weise wurde und wird dieser Weg zum Kreuz, dieser Tod gedeutet. Schon in der Bibel und dann auch in der Zeit danach. Vom Tragen unserer Schuld – bis hin zum Widerspruch in der Neuzeit: darum ginge es nicht.
Bei aller Deutung ist es wichtig, zunächst zu sehen, was da geschieht. Ein Mensch stirbt. Ja, zu Unrecht wurde er verurteilt. Er ist relativ jung. In seinem Wirken der letzten drei Jahre ist er vielen Menschen begegnet, die ihn hören, sehen, Anteil haben wollten. Er wendet sich zu und grenzt sich ab. Offensichtlich ist Jesus ein Mensch, der darum weiß, dass der Weg, den er geht, im Dunkel enden wird. In verschiedener Weise behauptet er seine Gottessohnschaft und verleugnet nicht seine Sendung: „Ich bin das Licht der Welt. Ich bin die Auferstehung und das Leben.“, so sagt es der johanneische Christus. Ganz so deutlich wird das in den anderen Evangelien nicht.
Das, was Jesus im Lukasevangelium sagt, sind die Worte eines Menschen, der Angst hat: Angst vor der Grenze, die er Tod bedeutet. Es war wohl so, dass er kurz vor Ende seines Weges haderte: Lass diesen Kelch an mir vorüber gehen. Aber nicht will ich, sondern wie du willst, geschehe es – seine Worte im Garten Gethsemane deuten darauf hin, dass er Angst hat. So wie die meisten Menschen Angst haben vor dem Tod, dieser Grenze – zumindest, wenn sie ihm im vollen Bewusstsein in die Augen schauen müssen. Er stirbt den Tod, den wir alle sterben müssen, den alle vor uns auch gestorben sind.
Unser Leben, unsere Angst vor dem Tod, unseren letzten Weg – oder den unserer Angehörigen – können wir hier eintragen. Dass wir das können, dass wir überhaupt von Jesus wissen, hat allerdings einen Grund: es ist Gott, der ihn auferweckt. Wäre dies nicht geschehen, wäre er nicht als der Auferstandene seinen Freundinnen und Freunden begegnet, wir wüssten nichts davon, dass da einer unschuldig hingerichtet wurde. Diesen Weg, den der Menschensohn gegangen ist, sind seither viele in seiner Nachfolge gegangen: Menschen, die zu Unrecht hingerichtet, getötet wurden, Menschen, die ihr Leben ließen, weil sie an die Liebe geglaubt haben. Auch sie haben Zeugnis gegeben vom Glauben daran, dass das Leben letztendlich stärker ist als der Tod.
Bei allem, was in der kommenden Karwoche auf uns zukommt, bei allem Suchen, Nachspüren, dürfen wir bekennen: „Ich weiß, dass mein Erlöser lebt.“ (Hiob 19,25). Auch ich, auch wir werden leben, denn es wird uns ein neues, unvergängliches Leben geschenkt. Amen.

 

Lied: EG 98/ GL 845 Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt

 

Gebet:

Lass es doch manchmal,
für einen Augenblick, sein,
als ob wir gehen auf Flügeln –
so wie Menschen gehen
auf dem Weg zu einem Neubeginn.

Dass wir sehen, noch Zeit unseres Lebens,
einen Schimmer, einen Funken
deines Reiches, deines Friedens:
Menschen in Frieden.

Dass wir doch manchmal,
für einen Augenblick wissen,
so sicher, wie es uns gibt,
dass dauern wird deine Treue,
und wer du sein wirst, einst,
in einem neuen Himmel,
auf einer neuen Erde,
wenn der Tod getötet ist:
Gott in Menschen.

Jetzt noch hat niemand
dich je gesehen.
Aber du wirst Gott sein,
neu und auf immer,
alles in allen.

Huub Oosterhuis

 

Eine gesegnete Karwoche und ein lichtes Osterfest wünscht Ihnen
Martin Schmelzer, Pfarrer (Halle-Trotha)

Wort für den Tag, Sonnabend, 27. März 2021

„Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne. Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.“ (Psalm 22)

 

„Ich hab‘ keinen Grund zu klagen“, sagt die Erzieherin morgens beim Schwatz im Kindergarten.
„Ich will nicht jammern“, sagt meine Freundin nachmittags beim Spaziergang.
„Es geht schon“, sagt mein Mann abends nach der Arbeit.

 

Spüren Sie etwas? In all diesen Aussagen schwingt ein „Aber“ mit, meistens ganz leise, aber doch unüberhörbar. Wir wollen nicht klagen. Eigentlich geht es uns doch gut; selbst in mitten dieser Pandemie. Andere haben es viel schwerer!
Und dennoch. Dennoch beginne ich das abendliche Gebet meistens mit einer Klage: Lieber Gott, ich will nicht mehr, ich kann nicht mehr. Ich bin so erschöpft von all den Nachrichten. Ich bin müde vor Sorge. Und immer wieder mischt sich Ärger darunter: Jens Spahn müsste doch…, Angela Merkel sollte mal…, warum hat Franziska Giffey nicht…
In Leipzig haben evangelische und katholische Gemeinden in der Passionszeit ihre Kirchen geöffnet, um der Klage Raum zu geben. Egal, ob die Krankenschwester von ihren Diensten und der Ansteckungsgefahr berichtete oder die Familie, die parallel arbeitet und zwei Kinder beschult. Alles hatte Platz, alles hatte Berechtigung. „In dem Moment, wo man das Leiden und Schwere miteinander trägt, hat sich das auch schon etwas verwandelt“, sagt eine Pfarrerin.
Unsere Klagen sind bei Gott gut aufgehoben, selbst wenn wir uns gottverlassen und mutterseelenallein fühlen. Wir können ihm alles Dunkle und Schwere anvertrauen. Wir sind damit nicht allein; das beweisen uns die Psalmen. Wo uns die Worte fehlen, finden wir sie in den Gebeten, die vor Jahrtausenden formuliert wurden. Wo wir uns in unserer Not wiedererkennen in jenen Texten, die schon Generationen vor uns gesprochen haben, da überwinden wir eine Einsamkeit, die stumm macht. Wir entdecken eine Gemeinschaft über alle Abstandsregeln hinweg, und vielleicht spüren wir sogar, dass Einer mit uns geht, Einer, der unsere Last mit uns trägt.

 

Lied: Da wohnt ein Sehnen tief in uns („Durch Hohes und Tiefes“ 112
Refrain: Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott, nach dir, dich zu sehn, dir nah zu sein. Es ist ein Sehnen, ist ein Durst nach Glück, nach Liebe, wie nur du sie gibst.
1. Um Frieden, um Freiheit, um Hoffnung bitten wir. In Sorge, im Schmerz – sei da, sei uns nahe, Gott. Refrain
2. Um Einsicht, Beherztheit, um Beistand bitten wir. In Ohnmacht, in Furcht – sei da, sei uns nahe, Gott. Refrain
3. Um Heilung, um Ganzsein, um Zukunft bitten wir. In Krankheit, im Tod – sei da, sei uns nahe, Gott. Refrain
4. Dass du, Gott, das Sehnen, den Durst stillst, bitten wir. Wir hoffen auf dich – sei da, sei uns nahe, Gott. Refrain

 

Gebet
Wir fühlen uns allein und verlassen, beladen und niedergeschlagen. Aber für dich, Gott, ist nichts zu schwer und nichts Menschliches ist dir fremd. Starker Gott, du erträgst uns und unsere Klagen. Mehr noch: du trägst uns hindurch. Danke.

 

Und nun?
In welchem (Klage-)Psalm finden Sie sich wieder? Welches Gebet berührt ihr Herz?

 

Frohe Grüße,
Ihre Katja Schmidtke (Paulusgemeinde)

Wort für den Tag, Freitag, 26.3.2021

Liebe Geschwister,

erstens kommt es anders und zweitens als man denkt – ich hatte nicht auf dem Schirm, dass ich für den 26.3. einen Text schreiben darf. Und nun?

Ich möchte mit Ihnen, mit Euch ein Lied teilen, was mich sehr inspiriert und gar nicht so viele Worte verlieren: „Ich fang dich auf“ von Jona Bird. https://www.youtube.com/watch?v=OZ0069XEZSA

Ich wünsche uns allen, dass immer jemand bei uns ist und wir das Gefühl haben, nicht alleine zu sein.
Ich bete dafür, dass wir die Kraft Gottes spüren, der uns auffängt und uns dadurch wieder kraftvoll werden lässt.
Ich wünsche uns, dass wir auch unser Gegenüber auffangen können, wenn es fällt.

Gebe Gott uns dafür seinen Segen.

Idee für heute?
Erzählen Sie anderen, welche Lieder, welche Worte sie inspirieren und Ihnen Kraft geben, und geben damit Mutmachbotschaften weiter, so wie ich es mit diesem Lied hoffentlich getan habe.

Seien Sie, seid Ihr behütet,

Franziska Seefeldt (Paulusgemeinde)

Wort für den Tag: Donnerstag, 25. März 2021

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus.
Ich habe mal aus dem Tages-Evangelium* ein paar zukunftsweisende Worte gegriffen:

Fürchte dich nicht, …

du wirst …

Er wird …

Gott, der Herr, wird …

Heiliger Geist wird …

deshalb wird …

denn für Gott ist nichts unmöglich.

 

Mit Worten spielen. Wie ein Kind, ein Komiker oder ein Schriftsteller. Das bringt manchmal weiter.
Doch was will uns das alles denn nur sagen?

Von heute an sind es (nur) noch 9 Monate, dann packen wir schon wieder Geschenke aus.
Da bleibt mir fast die Spucke weg.
Jetzt ist doch noch Fastenzeit. Und die Heilige Woche steht unmittelbar bevor!

Und da kommt heute schon ein Ausblick auf eine Zeit am Ende des Jahres?
Tja, für Gott ist nichts unmöglich.
Als Ewiger in der Ewigkeit ist Zeit völlig unwichtig; alles kann … alles ist … alles wird im selben Augenblick sichtbar.

Nur ich Menschlein habe davon keine Ahnung.
Mich verwirrt, ja erschreckt das manchmal. Für mich wird doch immer noch alles werden?!

Ich frage mich allerdings: was wird wohl noch kommen?
Ist es Freude, also etwas Gutes, oder das, was ich niemandem wünsche, etwa Schmerz oder etwas Schlechtes?

Was mich tröstet sind der erste und letzte Satz hintereinander gelesen:
Fürchte dich nicht … denn für Gott ist nichts unmöglich.
Kommt, wir lassen uns einfach mal in diese Worte fallen …

Komm, denk nach und erspüre es: gerade jetzt – ja, jetzt liest Du diese Zeilen. Also geht es Dir gut. Egal, was vorher alles war, welche Baustellen du hattest, welcher Schmerz an Leib und Seele da war.
Du liest es und es wird …

Und ich freue mich auf das Fest der Auferstehung mehr als auf alle anderen Feste. Denn dann wird mir gezeigt: Johannes, das Leben geht weiter, denn: „Gott wird …“

 

Lied als Gebet: Im Jubel ernten GL 805

T: Thomas Laubach (*1964) M: Thomas Quast (*1962)


/: Im Jubel ernten die mit Tränen säen, im Lichte stehen, die noch trauernd sind. :\
1. Wie Träumende werden wir sein, als Menschen füreinander Wege suchen, Wege wagen ins neue Land.
2. Wie Träumende werden wir sein, als Menschen zueinander Schritte finden, Schritte gehen ins neue Land.
3. Wie Träumende werden wir sein, als Menschen miteinander Hoffnung finden, Hoffnung schenken im neuen Land.

 

Und heute?
Heute am ‚Fest der Verkündigung des Herrn‘ kannst Du Dich beschenken lassen.
Lass dich wie Maria überschatten …
… mit göttlichen Gedanken, zeitloser Liebe, unerschütterlichem Vertrauen.

 

Kommen Sie gut durch die Zeit.

 

Johannes Knackstedt
Gemeindereferent der Katholischen Pfarrei Carl Lampert, Halle

 

* Der gesamte Text ist bei Lukas 1, Verse 26–38 zu finden.

 

Wort für den Tag, 24.03.2021

Liebe Leserinnen und Leser, nun schreibe ich die wahrscheinlich letzte „Wortbetrachtung“ in dieser Reihe und lande beim Suchen nach einem geeigneten Bibelwort tatsächlich wieder im Brief des Paulus an die Römer, wie beim ersten Mal vor einigen Wochen.
Und ebenso ist es nun auch wieder ein Wort, das mir schon früh in meinem Leben begegnet ist:

 

Freuet euch mit den Fröhlichen und weinet mit den Weinenden. (Röm. 12/15)

 

Ich seh mich noch in der großen Marktkirche sitzen, im Altarraum, gemeinsam mit allen anderen Konfirmanden, im schwarzen Kleid. (Fast alle Mädchen trugen ein schwarzes Kleid.)
Eine Woche zuvor fand hier der Prüfungsgottesdienst statt.
Vor der ganzen Gemeinde wurde unser Wissen geprüft, nicht nur auswendig Gelerntes, sondern auch individuelle Antworten waren gefragt. Das war ziemlich aufregend, irgendwie auch wie beim Eiskunstlaufen, „die Pflicht“ eben. Die Kür war nun die Konfirmation selber.
Anders als heute meist üblich suchte man sich den Konfirmationsspruch nicht selbst aus, der Pfarrer tat es. Wie gut er uns wohl kannte und nach welchen Kriterien er die Sprüche aussuchte?
Ich glaube nicht, dass ich damals so lange darüber nachgedacht habe, aber im Laufe des Lebens hat sich das oben stehende Bibelwort, welches eben mein Spruch wurde, mit Leben gefüllt.

Wie vielen Menschen bin ich begegnet, hatte und habe noch immer ein vertrautes Verhältnis zu ihnen; in der Familie, im Freundeskreis, in den Gemeinden. Aber auch mit weiter entfernten Menschen habe ich fröhliche und traurige Stunden geteilt; in den Häusern, in denen wir wohnten, auf der Arbeitsstelle, im Kindergarten unserer Kinder, in deren Schulen, im Krankenhaus, in den Arztpraxen..., überall Menschen, überall Lebensgeschichten. Manchmal waren es auch nur Momente, Augenblicke mit einer kurzen Umarmung, ein Trost oder ein fröhlicher Überschwang.
Sie kennen das alle.
Unser heutiges Bibelwort fordert uns geradezu auf, Nähe zuzulassen, Empfindungen zu teilen, einige Schritte mit dem Nächsten zu gehen. Und dazu braucht es nicht unbedingt die Präsenzpflicht (obwohl ich mich auch danach sehne).
Sicher, es ist nicht immer leicht, sich neben den Herausforderungen des eigenen Lebens auch noch für die Situation anderer zu öffnen, ganz ehrlich und aus vollem Herzen.
Aber ich glaube, es fließen uns göttliche Kräfte zu, wenn wir es dennoch tun.

Ich bin mit meinem Konfirmationsspruch sehr zufrieden, hier spricht ein Menschenfreund.
Und ich bin sehr dankbar, dass liebe Menschen auch mein Lachen und mein Weinen teilen.

 

Gebet
Treuer Gott, du bist ein Gott der Beziehung und du willst auch uns helfen, miteinander im Leben unterwegs zu sein. Freude zu teilen ist nicht so schwer, aber auch in den dunklen Tagen und Stunden wollen wir füreinander da sein. Schenke uns dafür, was wir brauchen.

 

Lied: EG Nr. 170/ GL 451, 1-4 Komm, Herr, segne uns

Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen, sondern überall uns zu dir bekennen.
Nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen. Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.

Keiner kann allein Segen sich bewahren, weil du reichlich gibst müssen wir nicht sparen.
Segen kann gedeih‘n, wo wir alles teilen, schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeih‘n.

Wissen Sie noch Ihren Konfirmationsspruch?

 

Es grüßt Sie herzlich Barbara Schatz aus der Paulusgemeinde

Wort für den Tag, 23.03.2021

Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. (2. Timotheus 1,7)

 

In der Sakristei der Laurentiuskirche hängt ein Plakat mit diesem Bibelvers. Er war im Jahr 1984 Jahreslosung. Als die Kirche am 16. November 1984 in Flammen stand, wurde das Plakat nur leicht beschädigt. Es hat den Brand überstanden. Der Spruch war für viele Gemeindeglieder ein wichtiger Ansporn, die Kirche wiederaufzubauen.
Er ist auch heute für viele Menschen wichtig. Eigentlich in jedem Jahrgang gibt es eine oder mehrere Jugendliche, die sich diesen Vers als Konfirmationsspruch aussuchen. Mit Kraft durch das Leben zu gehen, froh und zuversichtlich zu bleiben, auch wenn es einmal schwer wird, das wünschen sie sich.
Besonnenheit gehört dazu, das ist den meisten klar. Nicht alles lässt sich durchsetzen, manchmal wird man überstimmt, manchmal muss man sich neu orientieren. Ruhe zu bewahren, ohne klein bei zu geben, das zeugt von wahrer Stärke.
Die Liebe ist die dritte Tugend im Bunde. Sie überwindet Grenzen und baut Brücken zwischen dem einen und der anderen. Sie lässt mich nicht nur mich selber sehen, sondern nimmt alle in den Blick. Die Liebe öffnet das Herz.
Kraft, Liebe und Besonnenheit trotzen der Furcht. Deshalb ist dieser Spruch unentbehrlich. Gerade in diesen Tagen, die von so viel Angst, Unsicherheit, Einschränkung und Mutlosigkeit geprägt sind. Und er ist heute die Tageslosung.


Gebet (gesprochen in der Zeit des Wiederaufbaus der Laurentiuskirche, im Seniorenkreis am 14. Oktober 1991):


Gott, Du bist mitten in unserem Leben – wie ein Baum im Frühling – die Kraft, die mich stärkt. Du bist Geborgenheit in meiner Angst. Du lässt mich umkehren zu dir. Du bist mein Gesprächspartner und brichst mein Schweigen. Du setzt mich in Bewegung, gibst Zuversicht auf meinem Wege. Auf der Flucht vor dem Leben holst du mich ein. Will ich aufgeben, hebst du mich aus der Verzweiflung. Nacht und Leere wandeln sich in Licht und Liebe. Amen

 

Lied: HuT 240, 1.2.4


Sei getrost und unverzagt, freue dich an deinem Leben. Denn Gott hat dir zugesagt, dich mit Liebe zu umgeben. Blühe auf in seinem Licht – sei getrost, fürchte dich nicht.

Hab den Mut, aufrecht zu gehen, auch wenn andre längst sich beugen, gegen Lüge aufzustehn und die Wahrheit zu bezeugen. Sei ein Mensch, der Frieden schafft – dazu schenkt dir Gott die Kraft.

Gott verlässt dich sicher nicht, Menschen werden dich verlassen. Gott bleibt deines Lebens Licht, wird sich stets neu finden lassen. Dies ist dir fest zugesagt – sei getrost und unverzagt.

 

Tipp für den Tag:
Spüren Sie, was Ihnen Kraft gibt.
Machen Sie sich bewusst, wer Sie liebt und wen Sie lieben.
Handeln Sie besonnen, auch wenn das nicht leicht ist.

 

Einen guten Tag wünsche ich Ihnen!
Gundula Eichert (Laurentiusgemeinde)

Wort zum Tag, Montag, 22.03.2021

Liebe Leserinnen und Leser,


„Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf und folge mir nach.“ Worte, die Jesus nicht nur an die Menschen damals gerichtet hat.


In unserer Kirche in Heilig Kreuz hängt es groß und gewaltig im Altarraum, das Kreuz. Es ist nicht starr und aus einem Stück hergestellt, vielmehr sind es viele Bahnen, viele Kreuze, welche hintereinander angeordnet sind und dennoch eine Einheit bilden. Verschieden und vielschichtig sind auch wir und gehören doch zu einer Gemeinschaft. Schaut man genau hin, stellt man eine leichte Bewegung fest. Es bewegt sich, bewegt uns, bewegt etwas, wird so zum Zeichen für unser bewegtes Leben unter dem Kreuz. Auch wir, unser Leben sind Bewegungsabläufen unterworfen, denen wir uns stellen müssen. Dieses Kreuz, ein gewollter Blickfang, welcher den Namen unserer Gemeinde symbolisiert. Unmissverständlich zeigt es aber auch an: In dem einen Kreuz, welches Jesus getragen hat und an welchem er gestorben ist, vereinigen sich die Kreuze, die auch wir zu tragen haben. Was dieses Kreuz in unserer Kirche besonders hervorhebt, ist seine Farbe. Lebendiges Weiß, welches von Auferstehung und Leben kündet. Für mich ist das eine froh machende Aussage. Nicht die Dunkelheit des Todes prägt es, sondern es führt durch den Tod zum Leben. Betrachten wir einmal die Form eines Kreuzes, dann stellen wir fest, es besteht aus einer durchbrochenen Ebene. Ein Schnitt teilt es, egal von welcher Linie ich ausgehe, sie wird unterbrochen, doch danach geht es weiter. Auch in meinem Leben gab es immer wieder durchkreuzte Lebenspläne, die mich manchmal fast aus der Bahn geworfen hätten, doch immer ergab sich daraus ein Sinn. Vertrauen in Gottes Pläne, nicht immer kann ich sie sofort erkennen und durchschauen. Mitunter dauert es eine längere Zeit. Wenn aber mein Lebensablauf unterbrochen wird, mir etwas in die Quere kommt, dann muss ich innehalten und mich neu orientieren. Nicht der Blick nach hinten bringt mich weiter, sondern der Blick nach vorn, der Blick auf Gott. Nicht das Kreuz, wie auch immer es aussehen mag, nicht die Dunkelheit ist das Letzte, sondern Christus, der Auferstandene. Ein immer wieder Mut machender Gedanke.


Gebet

Gott, himmlischer Vater, so wie du deinen Sohn am Kreuz nicht im Stich gelassen hast, so dürfen auch wir immer wieder auf dich hoffen. Sei mit uns, wenn uns unser Kreuz zu schwer wird, wenn wir drohen, darunter zusammenzubrechen, wenn die Dunkelheit uns umfängt und wir nicht weiterkommen. Lass uns mit offenen Augen durch das Leben gehen, damit wir erkennen, wo wir füreinander zum Kreuzträger werden können.


Liedvorschlag GL 461/ EG 385, 1

„Mir nach“, spricht Christus, unser Held, „mir nach ihr Christen alle! Verleugnet euch, verlasst die Welt, folgt meinem Ruf und Schalle; nehmt euer Kreuz und Ungemach auf euch, folgt meinem Wandel nach.“


Vorschlag für den Tag

Halten Sie einmal Rückschau auf Ihr Leben. Wo sind Ihre Lebenspläne durchkreuzt worden, welche Auswirkungen, ob negativ oder positiv, hatte und hat es auf Ihr Leben heute? Sollten Sie heute mal an einer Kreuzung zum Stehen kommen, halten Sie mal bewusst Ausschau in alle Richtungen, mitunter ergeben sich völlig neue Wege, oder schauen Sie sich mal in unserer Kirche, in der Gütchenstr. 21, das Kreuz an.


Einen gesegneten Tag wünsche ich Ihnen, Monika Klamt (KV PLUS Pfarrei Carl Lampert)

Wort für den Tag: 20. März 2021

Die Unzufriedenheit wächst. Dieses Durcheinander, dass zuerst die Kinder wieder in die Schule gehen, dann aber zu spät die Schnelltests kommen! Und die Ansteckungszahlen wachsen. Diese Ungeduld, dass im Frühling nun endlich sich alle Türen wieder öffnen sollen, und das ungeordnete „Hüh“ und „Hott“ der Maßnahmen wird kaum zum Erfolg führen – und die Ansteckungszahlen wachsen. Wie soll der steigende Pegel der Unzufriedenheit, der Ungeduld, der Verluste und Verärgerungen wieder fallen?

 

Die Losung der Brüdergemeine für den Tag: Und Gideon sprach zu dem Engel: „Ach, Herr, ist wirklich der Ewige bei uns, warum hat uns dann das alles getroffen?“ (Richter 6, 13)

 

Noch weiß Gideon nicht, dass ein Engel Gottes vor ihm steht. Er hört nur, dass der Fremde mit einer so großen Zuversicht zu ihm spricht, wie sie ihm längst verloren gegangen ist. Denn es gibt gerade keine Aussicht auf Besserung. Kaum fängt das Korn auf den Feldern an zu wachsen, kommen bewaffnete Heerscharen von Hirten aus der Nachbarschaft, und ihre Tiere fressen alles ab. Was vielleicht doch heranreifen konnte, wird gestohlen, das Vieh von den Weiden wird geraubt. Alles Essbare muss gut versteckt werden, sonst ist es weg. Was ist das noch für ein Leben? Aber der Fremde, der zu Gideon gekommen ist, spricht davon, dass Gott sein Volk rettet und aus dieser unerträglichen Lage befreit. Wie kann er so etwas sagen, wenn die Lage doch aussichtslos ist! Gideons Klage beginnt, als der Bote Gottes schon da ist. Die Hilfe ist schon da, freilich unerkannt. Jetzt findet Gideon endlich Worte für die tiefe Enttäuschung und Verzweiflung. Dabei haben sich die Bewohner des Landes untereinander schon oft mit bitteren Worten beklagt. Aber niemand war da, niemand fand sich, der etwas ändern konnte. Jeder kämpfte für sich ums Überleben. Nun findet Gideon bei dem Fremden Gehör – und beklagt sich über die Abwesenheit Gottes.
So etwas kommt in meinen Gebeten gar nicht vor. Ich wage es nicht, mich über die Abwesenheit Gottes zu beschweren. Ob das ein Fehler ist? Wäre es nicht besser, sich zu beklagen, dass Gott abwesend ist in den zu zögerlichen Entscheidungen der Regierenden? In ihrer Politik nach Gefälligkeit gegenüber dem einen oder anderen statt nach Vernunft und Notwendigkeit? Wäre es nicht besser, sich bei Gott über Gott zu beschweren, dass ich nicht verstehe, was er uns aufbürdet mit dieser Pandemie, welchen Sinn das haben soll und zu welchem Ende das führen soll? Und wieso dabei auch noch die ohnehin schon Geschlagenen noch mehr geschlagen werden, und die Unbelehrbaren doch nichts dazulernen?
Gideon findet Worte der Klage über Gott, als der Bote Gottes vor ihm steht. Es dauert eine Weile, bis er bereit ist, die Botschaft von der Rettung nicht nur zu hören, sondern ihr auch zu vertrauen. Dann kommt sogar noch eine schwere Aufgabe auf ihn zu: Er, Gideon, soll die Rettung durch Gott in die Tat umsetzen.
Ein Gideon ist gerade nicht in Sicht. Unsere Lage wird sich nicht schnell in neues Glück auflösen. Der hohe Pegel von Verdruss und Verzweiflung wird so schnell nicht sinken. Aber in mein Gespräch mit Gott gehört die Klage hinein. In unser gemeinsames Nachdenken über diese Zeit gehören die Klage über Gottes Abwesenheit und das Erstaunen über seine Anwesenheit hinein. Wer sich verlassen fühlt, muss es sagen und nicht verschweigen. Und wer eine Erkenntnis von Gottes Anwesenheit hat, muss davon erzählen. Wer Kraft zum Helfen hat, soll sie auch einsetzen. Und Rettung wird kommen. Gottes Boten sind längst anwesend, mitten unter uns. Wir wissen eigentlich schon, dass es viele sind. Ob es am Mut fehlt, sie als Boten Gottes zu sehen und anzuerkennen?
Jetzt freue ich mich darauf, wieder mit anderen gemeinsam im Gottesdienst zu sein. Nicht weil dann schon alles gut wäre. Nicht weil dann die Antworten klar sind. Aber weil wir dann gemeinsam fragen und klagen, hören und staunen – und uns gegenseitig versichern, dass Gott rettet und befreit. Ohne feste Erwartung, wie das geschehen wird, aber mit erneuerter Zuversicht.

 

Lied und Gebet: „Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr“, EG 382/ GL 422, Str. 3:
Sprich du das Wort, das tröstet und befreit / und das mich führt in deinen großen Frieden. /
Schließ auf das Land, das keine Grenzen kennt, / und lass mich unter deinen Kindern leben. /
Sei du mein täglich Brot, so wahr du lebst. / Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete.

 

Ihnen allen einen gesegneten Tag wünscht Martin Herzfeld.

Wort für den Tag: 19. März 2021

Die katholische Kirche feiert heute das Fest des Heiligen Josef. Rechtschaffen und bodenständig bleibt er an der Seite Mariens, als diese schwanger ist und kümmert sich um die Zukunft seines Sohnes Jesus.

 

19 Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen. 20 Während er noch darüber nachdachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. (Mt 1,19f)

 

„Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen.“ (John Lennon) Josef hatte so kurz vor der Hochzeit mit Maria andere Pläne, andere Träume. Doch es kam alles anders. Wie damit umgehen, wenn nichts mehr ist, wie es war? Was tun, wenn auf den ersten Blick alles nach Verrat aussieht und sich die Negativ-Schlagzeilen überschlagen?
Das Fest des Heiligen Josef feiern, bedeutet, sich an ihm ein Beispiel zu nehmen. Er bleibt, auch wenn es in ihm kocht, ruhig. Er überlegt in aller Stille, was richtig sein könnte. Und er bringt den Mut auf, einem Traum zu vertrauen, dem Traum, dass Gott das Leben will, nicht den Tod. Und so übernimmt er selbstbewusst die Rolle des Vaters, nimmt Jesus an als seinen eigenen Sohn. Das macht ihn für mich zu einer zentralen Figur. Er ist nicht der alte Mann, der am Rande steht, sondern ein zupackender Handwerker, der in tiefem Gottvertrauen der Liebe zu Maria und dem Kind, das in ihrem Bauch heranwächst, eine Chance gibt. Er ist ein rechtschaffender, bodenständiger Mann, der nicht auf das Gerede der Menschen hört, sondern auf die Stimme seines Herzens, in der er Gottes Stimme erkennt. So wird der Augenblick, der das Ende hätte sein können, zum Auftakt einer Geschichte, der wir unser Heil verdanken: der Geschichte des Sohnes des Zimmermanns Josef, der Geschichte des Jesus von Nazaret.
Viele Träume hat Corona platzen lassen und immer noch ist nicht abzusehen, wann es für uns etwas mehr Normalität gibt. Können wir inmitten aller Einschränkungen dem Leben eine Chance geben? Hören wir auf die Stimme unseres Herzens, in der Gott zu uns spricht? Was können wir tun, damit Ostern für uns zum Aufstand des Lebens gegen den Tod wird?
Wenn die Kirche uns in diesen Tagen den Heiligen Josef an die Seite stellt, ermutigt sie uns, den eigenen Träumen zu trauen und Halt zu finden in der Liebe und im Glauben.

 

Lied: Befiehl du deine Wege (GL 418/1+2 oder EG 361)
1. Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der aller treusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuße gehen kann.
2. Dem Herren musst du trauen, wenn dir’s soll wohlergehn; auf sein Werk musst du schauen, wenn dein Werk soll bestehn. Mit Sorgen und mit Grämen und mit selbsteigner Pein lässt Gott sich gar nichts nehmen; es muss erbeten sein.

 

Gebet:
Barmherziger Gott, du hast Jesus und seine Mutter Maria der treuen Sorge des Josef anvertraut. Hilf uns, füreinander offen zu sein, den Träumen Raum zu geben und das zu tun, was dem Leben dient. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Als Empfehlung für den Tag gebe ich Ihnen einen Text von Christine Gruber - Reichinger mit:
„Richte deinen Blick auf die Menschen um dich. Nimm wahr, was sie brauchen, was du ihnen Gutes tun kannst. Handle! Hilf! Schreite ein! Verschaffe Recht! Wende dich mit dem, was du hast, anderen zu – und du wirst dabei selbst reich beschenkt!“

 

Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Magnus Koschig, Pfarrer der Pfarrei Carl Lampert Halle

Wort für den 18.03.2021

fragte ein frosch / wir verstünden ihn nicht / sänge der fels / wir hörten ihn nicht / weissagte der farn / wir achtetens nicht / du aber / (…) / du vernimmst

Kurt Marti

 

Beim Vorbereiten des heutigen Wortes zum Tag bin ich über diese Zeilen des Schweizer Theologen und Poeten Kurt Marti gestolpert. Er wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden und ist in seinem Schreiben, Reden und Tun ein Vordenker geworden für den Schutz der Schöpfung.
Das obige Gedicht scheint aktueller denn je und wir könnten es ergänzen:
ächzte das Meer / es berührte uns nicht / stürben die bäume / wir sähen es nicht / verendete das letzte zwergsumpfhuhn / wir wüssten es nicht / du aber … du vernimmst.
Ich möchte Sie als Leserin oder Leser keinesfalls mit apokalyptischen Meldungen ärgern. Aber ich möchte auch nicht so tun, als ob alles gut wäre, wenn wir nur recht freundlich in die Welt schauten und weiter das täten, was bequem und gemütlich ist. So ist es leider nicht.
Morgen gehen unsere Kinder und Jugendlichen mal wieder auf die Straße, um für eine bessere Klimapolitik zu demonstrieren. Knapp drei Jahre, nachdem die Initiatorin Greta Thunberg die Schulstreiks als Möglichkeit für junge Menschen entdeckt hat, auf drängende Umweltprobleme aufmerksam zu machen. Und wir alle ahnen vielleicht, dass sie Recht haben. Nichtsdestotrotz werden sie als Schulschwänzer beschimpft und für ihr Engagement zum Teil belächelt. Aber sorgen sie sich nicht um unser aller Zukunft? Ist es wirklich so ein Amüsement, das zu tun? Müssen sie dabei nicht ankämpfen gegen Ohnmachts- und Vergeblichkeitsgefühle, wenn sie erleben, wie wenige ihrer Forderungen umgesetzt werden? Ich bin so dankbar für diese jungen Leute, die nicht aufgeben. Sie können das gern Ihren Söhnen, Töchtern, Enkelinnen oder Enkeln einmal ausrichten.
Und ich möchte uns ermuntern: Lassen wir sie nicht alleine! Wir sind doch genauso betroffen von den Auswirkungen menschlichen Handelns auf unsere Erde und merken, dass ein Umdenken immer drängender wird. Lassen wir die Heranwachsenden nicht im Stich. Denken wir mit, beten wir für sie, begleiten wir sie mit dem, was uns zu Gebote steht. Vielleicht können oder wollen wir nicht alle auf die Straße gehen. Nicht jedem liegt diese Form, etwas sichtbar zu machen. Aber uns einfühlen in die Situation der Schöpfung um uns – das ist uns allen möglich. Vernehmen, was Tier und Pflanze, Meer und Erde uns sagen wollen. Und das Vernehmen nicht nur Gott überlassen. Und dann unsere eigenen Bequemlichkeiten überprüfen und schauen, was wir wirklich brauchen.

 

Lied (Ev. Gesangbuch, 432)
Gott gab uns Ohren, damit wir hören.
Er gab uns Worte, dass wir verstehn.
Gott will nicht diese Erde zerstören.
Er schuf sie gut, er schuf sie schön.

Gott gab uns Hände, damit wir handeln.
Er gab uns Füße, dass wir fest stehn.
Gott will mit uns die Erde verwandeln.
Wir können neu ins Leben gehn.

 

Gebet von Kurt Marti:
deine wehrlosigkeit / deine erstickbarkeit / o gott des lebendigen atems
warum ach hast du / dich selbst und alles was lebt / auf atmen aufgebaut?
eine welt aus hauch nur - / wie leicht / haucht sie aus

 

Tipp für den Tag
Morgen ist in Halle um 13 Uhr eine coronagerechte Menschenkette als Klimastreik geplant. Sie ist offen für alle, die sich um die Zukunft dieser Erde Gedanken machen. Start ist zeitgleich an der Oper, am Leipziger Turm und auf dem Marktplatz. Und es gibt diesen Klimastreik auch im Internet. Wenn Sie das auch bedeutsam finden, informieren Sie sich doch gern ein bisschen.

 

Es grüßt Sie Dorothee Fuchs aus der Paulusgemeinde

Wort für den Tag, Mittwoch, 17.3.2021

Losung für Mittwoch, 17. März 2021: „Du bist ein Gott, der mich sieht.“ 1. Mose 16,13

 

Liebe Leserinnen und Leser des Wortes für den Tag,
es ist ein Gebet, das Hagar, die Magd von Sarai, der Frau Abrahams an Gott richtet. Sie hat Unrecht erfahren. Sie wurde gedemütigt von Sarai, die keine Kinder bekommen konnte. Sie aber, Hagar, ist schwanger geworden von Abram. Eifersucht steigt in Sarai auf, nachdem sie von Hagar geringgeachtet wurde. Und da tritt der Engel des Herrn zu Hagar, macht ihr Mut.
Menschliches Leben ist voller Hochmut, Eifersucht, Enttäuschung. Wo ist die Liebe? Bei Gott.
Du bist ein Gott, der mich sieht. Du siehst mich Mensch – mit all meinen Verfehlungen, all meiner Schuld, dem was ich falsch gemacht habe. Du siehst ebenso meine Narben, all das, wo andere an mir schuldig geworden sind, „ihr Mütchen an mir gekühlt haben“, wo ich verletzt wurde.
Du bist ein Gott, der mich sieht, sagt der Mensch in seiner Not. Und diese Not wird gelindert. Es entsteht die Gewissheit, dass „nichts mich trennen kann, von der Liebe Gottes, die in Jesus Christus ist“. Wohin ich Mensch auch renne, was ich auch tue, was mir auch angetan wurde – es gibt einen Ort, an dem ich Ruhe finde, zu mir komme, meinem Dunkel und dem meiner Mitmenschen begegne. Ich kann es aushalten und – vergeben. Das steht am Anfang: Gott vergibt.
Wenn wir diese Erfahrung machen – und sei es im größten Dunkel – wird der Weg frei zu einem Leben in innerer Freiheit. Es gibt den Weg zum Licht, zur Liebe, auch für unsere Nächsten. Die Geschichte von Sarai und Hagar zeigt uns, dass Gott schon am Anfang Menschen begegnete, indem er sie sah. Wenn wir uns mit seinen Augen betrachten, werden wir gewahr, dass da so manches ist, was nicht passt. Schuld. Wenn wir uns mit seinen Augen sehen, werden wir auch gewahr, dass es immer einen Weg der Liebe gibt: Vergebung. Diese, auf mich selbst bezogen, öffnet mir die Augen. Ich kann mich sehen, weil Gott mich sieht, brauche nicht mehr fliehen vor mir. Das ist mit Sicherheit nicht der Weg des geringsten Widerstandes. Vielmehr ist es ein Weg des Segens, für mich und für andere.
Wer will gesehen werden? Da ist ein Gott, der Dich sieht!

 

Amen

 

Lied: Bleib bei mir Herr EG 488

 

Segen: So segne Dich und mich Gott, der Liebe und Leben ist. Gott löse Blindheit und Taubheit, mit der wir uns schlagen und decke auf, was verborgen ist. Gott segne den Weg, den wir gehen, um einander zu vergeben und damit seiner Liebe und seinem Leben zu entsprechen.
So segne und behüte uns Gott, der die Liebe ist, es segne uns Gott Vater und Sohn und Heiliger Geist. Amen.

 

Herzliche Grüße,
Martin Schmelzer, Pfarrer

Wort zum Tag 16.3. 2021

Liebe Leserinnen und Leser,

in dieser Woche gestalte mich mit einer Gruppe junger Freiwilliger aus diakonischen Einrichtungen ein Seminar zum Thema „Klimawandel und Klimagerechtigkeit“. Ich will die Chance nutzen, auch mit Ihnen und Euch über das Thema nachzudenken. Keine Sorge, dieser Text soll nicht den großen Zeigefinger heben.

 

„Gott der HERR nahm den Menschen und brachte ihn in den Garten Eden. Er sollte ihn bearbeiten und bewahren“ (1. Gen. 2;15 – Basisbibel)

 

Ich weiß nicht, wie Sie bzw. Ihr das empfindet, aber der Frühling, der sich in den letzten Wochen immer mal wieder gezeigt hat, verzaubert mich regelrecht und lässt mich die große Kraft Gottes spüren. Die Frühblüher, die Sonne und das Vogelgezwitscher lassen vermuten, dass manches doch noch normal ist.

Ist es das? Der Klimawandel ist nicht zu leugnen. Die trockenen Sommer sind beängstigend und sichtbar – vor allem an den Bäumen – so wichtig für alles Leben auf der Erde. Und ja, diese Zeit raubt viel Kraft, doch Gottes Auftrag, seine Schöpfung zu bearbeiten und bewahren, möchte ich nicht vergessen. Bei weitem, ich könnte noch eine ganze Menge in meinen täglichen Routinen ändern, die nicht mal einen großen Verzicht bedeuten würden. Mein Partner und ich wollen uns zum Beispiel einen Wurmkomposter anschaffen. Eigentlich müssten wir viele und große Schritte quasi rennen, um die Klimaerwärmung zu drosseln. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass, wenn wir jeden Tag viele kleine Schritte gehen und uns den Auftrag der Schöpfungsbewahrung vergegenwärtigen, wir etwas verändern können.

Mit dem heutigen Wort zum Tag, schicke ich ein kleines Quiz mit, welches ich im Rahmen des Seminars erarbeitet habe. Vielleicht haben Sie, habt Ihr Lust zusammen mit der Familie, die Fragen durchzugehen und zu recherchieren und neue Erkenntnisse, mit anderen zu teilen. Meine Quellen für die Fragen waren verschiedene Seiten im Internet und „Das Klimabuch“ von Esther Gonstalla. Bewusst schicke ich nicht die Antworten mit.


Gebet für die Schöpfung (aus Taizé)
Liebender Gott, du bist im Weltall wie im kleinsten deiner Geschöpfe gegenwärtig; du umgibst mit deiner Zuneigung alles, was existiert.
Schöpfer Gott, mach uns bereit, uns um die Schöpfung zu sorgen, wo alles von dir spricht.
Liebender Gott, wir beten für alle, die unter Waldbränden oder Überschwemmungen, an den Folgen von Erdbeben und Stürmen leiden. Schenke ihnen Hoffnung in ihrer Not.
Schöpfer Gott, wir möchten dich loben und dir danken, schenk uns die Gnade, uns mit allem, was ist, verbunden zu fühlen.
Liebender Gott, wir vertrauen dir alle, besonders die jungen Menschen an, die neue Projekte in die Tat umsetzen, um dem Klimanotstand zu begegnen.
Schöpfer Gott, du bist jeden Tag bei uns; steh uns bei in unserem Kampf für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.
Wir bitten Dich, sei und bleibe bei uns.

 

Lied für den heutigen Tag, welches vielleicht bei dem einen oder der anderen einen kleinen Ohrwurm hinterlässt: Laudato si (EG 515) https://www.youtube.com/watch?v=k7ArkAOn688

Herzliche und umweltfreundliche Grüße sendet, Franziska Seefeldt

 

Download: Quiz zum Wort für den 16.3.2021.pdf

Wort für den Tag - 15.03.2021

Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken. (3. Mose 19,33)

Jesus Christus spricht: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“. (Mk12,31)

 

Lieben bedeutet, einander anzunehmen. Ohne Vorurteile, ohne Verurteilungen.

In der Bibel wird in der Apostelgeschichte 17,26 gesagt, dass alle Menschen den gleichen Ursprung und den gleichen Auftrag haben: "Und er {Gott} hat aus einem Menschen das ganze Menschengeschlecht gemacht, damit sie auf dem ganzen Erdboden wohnen“.

Im Glauben gibt es keine Unterschiede zwischen Menschen, egal wo sie herkommen, egal was sie sind oder wie sie sind. Die Bibel sagt im Galaterbrief 3,27-28: "Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus angezogen. Hier ist nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus.“

Unterscheidungen nach Merkmalen der Person, nach Herkunft, Geschlecht, Alter, Beruf, sozialer Stellung widersprechen den Glaubensgrundsätzen der Bibel und sind Sünde. Im Jakobusbrief heisst es 2,8-9: "Wenn ihr das königliche Gesetz erfüllt nach der Schrift (3.Mose 19,18): »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst«, so tut ihr recht; wenn ihr aber die Person anseht, tut ihr Sünde und werdet überführt vom Gesetz als Übertreter.“

Das sind für mich große Herausforderungen. Oft bin ich gegen Menschen ungerecht. Ich beurteile Menschen nach ihrem Aussehen. Ich urteile, ohne Menschen zuzuhören und mehr über sie zu erfahren. Damit diskriminiere ich Menschen. - Ich bemühe mich, Menschen zuzuhören, zu verstehen warum sie bestimmte Dinge tun oder was sie bewegt. Ich versuche zu erkennen, was anderen wehtut, was ich vermeiden muss und wie ich ihnen helfen kann.

Dem Anspruch nicht rassistisch oder vorverurteilend zu handeln, kann ich nur gerecht werden, wenn ich mein Handeln, aber auch meine Gefühle, gegen andere Menschen immer wieder hinterfrage. Indem ich mir Wissen aneigne und indem ich Menschen begegne. Die heute beginnenden Bildungswochen gegen Rassismus vom „Bündnis Halle gegen Rechts“, zu denen auch verschiedene Religionsgemeinschaften gemeinsam einladen, können dabei Impulse liefern.

 

Ich bete:

Herr,
ich lobe und preise Dich für die Vielfalt,
in der Du die Menschen erschaffen hast,
dass Du mir Herz und Sinne gegeben hast,
meinen Nächsten mit Liebe zu begegnen.

 

ich bitte Dich um Hilfe,
damit ich Menschen nicht ungerecht begegne,
damit ich meine Vorurteile überwinde,
damit ich verstehe, was Menschen bewegt.

 

ich bitte Dich um Geduld,
wenn ich in meinem Handeln scheitere,
lehre mich zu verstehen und zu leben:
„Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst.“

 

Amen.

 

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Tag,

Steffen Schille (Marktkirchengemeinde)

Wort für den Tag, 13.03.2021

Liebe Leserinnen und Leser, lieben Sie auch Märchen und Geschichten? Als Kind war ich versunken beim Zuhören und fieberte mit den Helden um deren Glück. Wird man später selber zum Erzählenden oder Vorlesenden, schaut man nochmal anders auf das Geschehen.

Aber toll war es immer mit den Wünschen, meistens drei hatte man frei, großartig...und unendlich schwer, eine Wahl zu treffen. Auch die Bibel erzählt vom Wünschen, vom Bitten.
Ein König hatte eine Bitte frei, bei seinem Gott.

 

Und der Herr erschien Salomo zu Gibeon im Traum des Nachts, und Gott sprach:
Bitte, was ich dir geben soll. ( 1. Könige 3 / 5 )

 

Salomo war in die riesigen Fußstapfen seines Vaters, König David, getreten.
Gott hatte es so gewollt und David übergab ihm Krone und Zepter.
Große Verantwortung lastete auf dem jungen König, innen- und außenpolitisch musste er Verantwortung übernehmen, und auch im eigenen Königshaus gab es Probleme genug.
Die Bibel sagt, Salomo liebte Gottes Gebote, Gottes Richtlinien für das Leben, auch für das Zusammenleben der Menschen. Vielleicht begegnet Gott ihm deshalb und gewährt ihm eine Bitte. Salomo bittet Gott um ein gehorsames Herz.
Er möchte gerecht regieren können, Gutes und Böses unterscheiden lernen,
Erkenntnis und Weisheit gewinnen, für sich und zum Wohl seines Volkes.
Welch edler Wunsch und welch ein demütiges Herz angesichts seiner Macht.
Wie wäre es wohl, wenn auch in unserer Zeit so mancher Machthaber,
sei es ein kleiner oder ein großer, einen Wunsch dieser Art im Herzen trüge.
Und wie ist es bei mir? Wenn ich einen Wunsch frei hätte? Wenn Gott zu mir sagte:
Bitte, was ich dir geben soll.
Wenn ich an meine Gebete denke, dann ist die Liste der Bitten doch recht lang.
Aber wenn ich für mich ganz persönlich heute eine Bitte als erste benennen sollte,
dann wäre es die um mehr Gelassenheit. Dann kann ich besser zur inneren Ruhe finden,
auch wenn Dinge manchmal belastend sind, ein langer Atem von Nöten ist,
oder etwas eben überhaupt nicht in meiner Hand liegt.

 

Gebet

 

Du kennst unser Herz, Gott, und du weißt, wie es um uns steht. Du weißt, was uns fehlt und was gut für uns ist. Schenke du das Nötige, das Heilsame, für uns selbst, für all unsere Lieben, für unsere Gemeinden und für die Mächtigen in unserer Zeit.

 

Lied: EG Nr. 295 1-3 Wohl denen, die da wandeln

 

Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit,
nach seinem Worte handeln und leben allezeit,
die recht von Herzen suchen Gott und seine Zeugnis halten, sind stets bei ihm in Gnad.

 

Von Herzensgrund ich spreche: Dir sei Dank allezeit,
weil du mich lehrst die Rechte deiner Gerechtigkeit.
Die Gnad auch ferner mir gewähr; ich will dein Rechte halten, verlass mich nimmermehr.

 

Mein Herz hängt treu und feste an dem, was dein Wort lehrt.
Herr, tu bei mir das Beste, sonst ich zuschanden werd.
Wenn du mich leitest, treuer Gott, so kann ich richtig laufen, den Weg deiner Gebot.

 

Und wenn Sie einen Wunsch frei hätten...?

 

Es grüßt Sie herzlich Barbara Schatz aus der Paulusgemeinde

Wort für den Tag, Freitag, 12. März 2021

Die Liebe ist langmütig und freundlich, die Liebe eifert nicht, die Liebe treibt nicht Mutwillen, sie bläht sich nicht auf, sie verhält sich nicht ungehörig, sie sucht nicht das Ihre, sie lässt sich nicht erbittern, sie rechnet das Böse nicht zu, sie freut sich nicht über die Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit; sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie duldet alles. (1. Korinther 13, 4-7)

 

Was für schöne, kitschige, radikale Zeilen der Apostel Paulus hier an die Gemeinde in Korinth schreibt! Ein ganzes Kapitel über die Liebe in einem Brief, der die Streitigkeiten in einer frühen christlichen Gemeinde thematisieren und schlichten soll. Ohne die Liebe geht es nicht, selbst im Zwist, das steht fest – auch in den ersten Jahrzehnten nach Christi Tod, auf die die Paulusbriefe datiert sind.
Heute hören wir diese Zeilen oft auf kirchlichen Hochzeiten; auch mein Mann und ich haben sie als Trauspruch ausgewählt. Kitschig? Irgendwie schon. Aber wenn man erstmal die rosa Wolken beiseiteschiebt, offenbart sich die große Radikalität der Liebe.
Liebe ist kein Gefühl, das kommt und bleibt – wenn man Glück hat. Oder das geht, wenn man eben zu den weniger Glücklichen zählt. Liebe ist mehr als emotionale Sympathie. Vielmehr steht hinter der Liebe eine Haltung zum Leben, zu den Menschen und mir selbst. Je mehr ich darüber nachdenke, desto überzeugter bin ich, dass wir das Wort Liebe eigentlich nicht als Substantiv verwenden sollten. Vielmehr ist Liebe ein Verb, ein Tätigkeitswort. Jesu Leben zeigt uns, was damit gemeint ist. Helfen, füreinander einstehen, einander zuhören, aufeinander achten, dem anderen dienen – das sind Synonyme für lieben.
Zu lieben fordert uns viel ab. Zum Beispiel: Sachlich bleiben in hitzigen Debatten; sich nicht in der Gerüchteküche herumtreiben oder sie zum Brodeln bringen; Freundlichkeit auch Menschen gegenüber, die ich vielleicht als unsympathisch empfinde; hinsehen, auch wenn es bequemer ist sich wegzudrehen; das Gute zu sehen; zu verzeihen.
Wer so lebt und liebt, der tut dies ohne Eifer, ohne Mutwillen, ohne Verbitterung und ohne Kitsch. Wir schieben die rosa Wolken beiseite und erkennen dank der Liebe die Welt, wie Gott sie gemeint hat.

 

Lied Lass die Wurzel unsers Handelns Liebe sein (EG 41)


Lass die Wurzel unsers Handelns Liebe sein, senke sie in unser Wesen tief hinein. Herr, lass alles, alles hier auf Erden Liebe, Liebe werden! Herr, lass alles, alles hier auf Erden Liebe, Liebe werden!
Lass die Wurzel unsers Handelns Liebe sein, dieser größten Gabe ist kein Dienst zu klein. Herr, lass alles, alles hier auf Erden Liebe, Liebe werden! Herr, lass alles, alles hier auf Erden Liebe, Liebe werden!

 

Gebet


Gott, Du liebst uns wie wir sind, mit unseren Sonnen- und Schattenseiten. Du kennst unsere Fehler, die Hartherzigkeit, die Kleingeistigkeit, unsere Angst und unsere Schuld – und Du nimmst uns an. Trotzdem. Deswegen. Hilf mir, Deinem Weg zu folgen, bedingungslos zu lieben, liebend zu handeln, dem Leben zu dienen. Amen.

 

Und nun?


Erweisen Sie einem Menschen einen Liebesdienst. Das muss kein Geld kosten. Ihre Zuwendung ist Investition genug.

 

Frohe Grüße,


Ihre Katja Schmidtke (Paulusgemeinde)

Wort für den Tag, Donnerstag, der 11.03.2021

Liebe Leserinnen, liebe Leser,


Das Wort oder auch die Worte zum Tag empfinde ich als einen großen Schatz. Einen Schatz zu besitzen, auf welchen ich zurück greifen kann, ist für mich etwas sehr wertvolles. Bei diesem „Wortschatz“ geht es ja um viel mehr, als nur um die bloßen Wörter. Die Worte lesen und sie verstehen, ist die eine Sache, sie zu verinnerlichen, das Leben danach auszurichten, eine andere.


In der Hl. Schrift heißt es bei Johannes 1,1 – 1,3:


Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. Im Anfang war es bei Gott. Alles ist durch das Wort geworden und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist.


Zugegeben, ein Satz, der es in sich hat, über welchen ich lange nachgedacht habe. An 2 Worten bin ich hängen geblieben. – GOTT und WORT. Wenn ich die Bibel aufschlage, lese ich Gottes Wort, kann ich seinem Wort begegnen. Möglich ist das wiederum nur, weil Gott uns Menschen gegenüber anderen Lebewesen mit einem Verstand ausgerüstet hat. Wir sind in der Lage, selbst Worte zu bilden, können sie verstehen und wissen sie auch einzusetzen. Damit hat Gott uns eine enorme Macht zugesprochen. Eine Macht, welche oft unterschätzt und auch missbraucht wird. Viel Leid ist mitunter nur durch ein einziges Wort ausgelöst worden, im Kleinen wie im Großen. Manchmal aber ist es auch eine Gedankenlosigkeit, die mich Worte aussprechen lässt, über deren Inhalt ich nicht nachgedacht habe. Ein Freund sah mich kürzlich irritiert an, als bei einem Missgeschick „Um Gottes Willen!“ aus mir herausbrach. „Was hat das mit Gott zu tun?“, fragte er mich. Eine Oberflächlichkeit, mehr sicher nicht. Plötzlich aber achtete ich ganz bewusst auf meine Worte und musste feststellen: „Oh Gott, oh Gott!“, „Ach Gottchen!“ – viel zu häufig rutschten mir diese Worte aus dem Mund. Nun mag mancher denken: Was soll‘s, das ist doch nicht schlimm! Sicher wird mir Gott deshalb nicht einst den Kopf abreißen, ich hoffe es zumindest, dennoch versuche ich, bewusster meine Worte, meine Sprache einzusetzen. Schnell ist ein Wort gesagt, welches man nicht einfach zurücknehmen kann.


Gebet


Guter Gott, dein Wort hat alles bewirkt, im Himmel und auf Erden. Du hast uns Menschen mit so vielen Vorzügen ausgerüstet, hast uns Verstand verliehen, um zwischen Gut und Böse, Richtig und Falsch unterscheiden zu können. Nicht immer gelingt es uns, diese Macht richtig einzusetzen. Hilf uns dabei, bewusster mit diesen Schätzen umzugehen. Amen


Liedvorschlag (GL 450, „Durch Hohes und Tiefes“ 154):


Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht; es hat Hoffnung und Zukunft gebracht; es gibt Trost, es gibt Halt in Bedrängnis, Not und Ängsten, ist wie ein Stern in der Dunkelheit.


Vorschlag für den Tag


Suchen sie sich mal Schriftstellen aus der Bibel, wo es konkret um Worte geht. Achten Sie doch einmal ganz bewusst auf ihre Worte am Tag, es kann sehr spannend werden! Sagen sie mal ganz bewusst jemandem etwas sehr Nettes!


Einen den Mitmenschen wohltuenden Tag, mit vielen guten und ermutigenden Worten aus Ihrem sicher sehr großen Wortschatz wünsche ich Ihnen


Monika Klamt, KV+ Pfarrei Carl Lampert Halle

Wort für Mittwoch, 10.03.2021

Ich habe dich je und je geliebt, darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte.
Jeremia 31,3

 

Wort zum Tag
Auf einem Flughafen würden wohl die wenigsten ein Bibelwort vermuten. Vielleicht gerade deshalb gab es 2018 eine Kampagne für das 20jährige Bestehen der Flughafenseelsorge Stuttgart, wo Bibelworte an exponierten Stellen des Flughafens platziert wurden. Im Zentrum der Kampagne stand die heutige Tageslosung in der Übersetzung der Gute-Nachricht-Bibel: „Ich habe nie aufgehört dich zu lieben!“ Ein Sehnsuchtswort, was die einseitige Gefühlslage in so mancher unglücklichen wie unerfüllten Beziehung umreißen könnte. In der Bibel steht es für die Beziehung zwischen Gott und seinem Volk, welches immer wieder „fremdgeht“, also anderen Göttern huldigt und dabei seine Herkunft und Identität vergisst. Das Liebeswort Gottes an sein Volk enthält ein großes „Dennoch“, in welchem zugleich bittere Enttäuschung und zehrende Sehnsucht mitschwingen.
Das Bild des ziemlich leeren Eingangsbereichs des Stuttgarter Flughafens 2018 könnte auch von heute sein: Menschen verreisen nicht mehr, sondern sitzen zu Hause vor dem Bildschirm. Das Wort Gottes steht allein in dieser großen Halle, während die Leute mit sich zu tun haben. Wir dürfen aber – das übermittelt Jeremia – davon ausgehen, dass es einen Neuanfang gibt.
Auch wenn manch eine/r gerade resigniert den Kopf senkt: Gottes Güte ist viel geduldiger, als wir glauben.

 

Liedgebet (EG 230)
Schaffe in mir, Gott, ein reines Herze und gib mir einen neuen, gewissen Geist. Verwirf mich nicht, verwirf mich nicht von deinem Angesicht, von deinem Angesicht und nimm deinen Heiligen Geist nicht von mir.

 

Tipp
Wie wäre es mit einem S-Bahn-Ausflug nach Leipzig mit Zwischenstopp am Flughafen?

Behalten Sie die Hoffnung fest im Blick!


Pfarrer Sven Hanson (Mitteldeutsches Bibelwerk)

Wort für den 9. März 2021

Liebe Leserinnen und Leser, für jede Woche gibt es ein Bibelwort. Der Wochenspruch für diese Woche nach dem Sonntag Okuli lautet:

 

Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. (Lukas 9, 62)

 

Da ist ein pflügender Bauer. Er lässt sich nicht ablenken, nicht beirren, Schritt für Schritt geht er voran. Die Arbeit ist mühsam, doch am Abend hat er viel geschafft. Sein Kollege auf dem Nachbarfeld ist schlecht motiviert. Die Sonne sticht, er hat keine Lust, ich will nach Hause, denkt er sich und dreht sich immer wieder um zu seinem Hof. Oder er hat Skrupel, ist sich unsicher, sieht nach jedem Schritt zurück, ob die Furche auch gerade wird. So ist die Arbeit noch viel mühsamer, und am Abend hat er nur wenig geschafft.

Und da ist Jesus, der vom Reich Gottes erzählt. Dass Menschen dort glücklich sind. Dass keiner dort Not leiden muss und niemand alleingelassen wird. Viele wollen mit ihm ziehen, sie wünschen sich das auch, sie wollen mitarbeiten daran. Doch Jesus sagt: Es ist ein schwerer Weg. Man wird uns anfeinden dafür. Wir brauchen Ausdauer und Beharrlichkeit und dürfen uns nicht abbringen lassen. Wer die Hand an den Pflug legt und immer nur zurücksieht, hat es schwer. Wer zupackt und losgeht voller Gottvertrauen, der kommt voran.

Und da sind wir und wollen auch mitgehen. Die eine Hand ist schon am Pflug, die andere sucht noch unschlüssig ihren Platz. Und wohin wandert unser Blick? Ich verstehe Jesus so: Wenn du weißt, was du tun kannst, damit Gottes Reich wächst unter uns, dann lass dich nicht zurückhalten! Man wird dir Steine in den Weg legen, dich hindern wollen, dich für verrückt erklären. Schau dann einfach nach vorn, auf dein Ziel, und auf die, die mit dir unterwegs sind in eine Welt, in der Gottes- und Nächstenliebe großgeschrieben werden. Und am Abend – heute Abend und an deinem Lebensabend – hast du viel geschafft!

 

Nicht nur ein Erntedank-, sondern auch ein Lebenslied (EG 508):
Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land,
doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand:
der tut mit leisem Wehen sich mild und heimlich auf
und träuft, wenn heim wir gehen Wuchs und Gedeihen drauf.
Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn,
drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!

 

Gebet
Bestärkender Gott, hilf mir, meinen Weg zu gehen, meine Furche zu ziehen, das Richtige zu tun und beizutragen zu Deinem Reich! Gib mir gute Ideen und Mut und Fröhlichkeit dafür. Dann weiß ich, dass mein Leben Sinn hat. Amen.

 

Tag-Werk
Was wollten Sie schon immer tun und haben zu sehr gezögert? Legen Sie die Hand an den „Pflug“. Schauen Sie nach vorn. Gehen Sie den ersten Schritt. Alle anderen folgen von allein.

 

Einen geradlinigen, ertragreichen Tag wünscht Ihnen
Ihr Pfarrer Christoph Eichert (Paulusgemeinde)

Wort für den Tag – 8. März

Heute setze ich Gott ein Denkmal. Ein Denkmal für die Erschaffung der Frau. Und ich setze mich davor und lasse an mir vorüberziehen, was durch Frauen in der Weltgeschichte bewegt wurde.

Miriam erscheint, die mit den Frauen singt und tanzt. Denn Gott hat sein Volk vor dem Untergang bewahrt. Selbstbewusst vollenden die Frauen den Lobgesang des ganzen Volkes. (2. Mose 15,1-18, besonders aber 20-21)
Esther rettet ihr Volk durch Klugheit und Mut. (Esther 4,9-17)
Ich erkenne Ruth, die ich in ihrer Emotionalität gern mag. (Ruth 1,14-19a)
Und dann zieht Martha an mir vorbei. Sie hat meine Sympathie. Ihr Konflikt ist auch meiner – manchmal. (Lukas 10,38-42)
Lydia, eine Geschäftsfrau. Sie ermöglicht allen aus ihrem Haus den gemeinsamen Weg zu Jesus Christus und seiner Gemeinschaft. (Apostelgeschichte 16,13-15)
Und so ziehen sie an mir vorbei. Frauen, die Gottes Geschichte weitergeschrieben haben:
Felicitas und Perpetua
Hildegard von Bingen
Felicitas von Selmnitz
Émilie Mallet
Luise Schottroff
Dorothee Sölle
Eva Maria Molkenteller -
Sie war die erste Pfarrerin in der Kirchenprovinz Sachsen. Damals, bis Anfang der 70er Jahre, durften Frauen nur Pfarrerin im vollen Amt sein, wenn sie nicht heirateten.
Heute setze ich Gott ein Denkmal. Dafür, dass er uns Menschen als Frauen und Männer geschaffen hat. Dafür, dass er uns so viel Verstand gegeben hat, dass es heute endlich selbstverständlich ist, dass Frauen in unserer Kirche sprechen dürfen. Im Ehrenamt UND im Hauptamt.

 

Gebet (Antje Naegli)

 

Meine Seele ruht in Dir.
Du, Gott, nimmst mich wahr
in meiner innersten Bedürftigkeit.
Meine Seele ruht in Dir,
Du heilst das Versehrte,
du schützt das Gefährdete,
du wärmst das Erstarrte;
was gebeugt ist in mir, richtest Du auf.
Du befriedest das Erschreckte,
du birgst das Verängstigte,
du durchlichtest das Verfinsterte;
was darbt in mir, nährst du.
Du tröstest das Bestürzte,
du belebst das Verkümmerte,
du löst das Verkrampfte;
was zur Reife kommen will, behütest Du.
Meine Seele ruht in Dir. Amen.
(Quelle: https://feministische-theologinnen.ch/wp-content/uploads/2012/04/Frauen_beten.pdf )

 

Was man noch tun kann am Frauentag:
Unter der folgenden Adresse finden Sie einen interessanten Beitrag über die Pfarrerinnen und Frauen unserer Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland: https://www.ekmd.de/attachment/aa234c91bdabf36adbf227d333e5305b/1dfe0cc51c2f44d6b828d2bcf30a63d2/2016-07-11_broschuere_2._auflage_finale.pdf

 

Und wenn Sie heute einen Spaziergang machen wollen: Eva Maria Molkenteller ist 2006 auf dem Laurentiusfriedhof beerdigt worden.

 

Ich wünsche Ihnen einen guten Wochenbeginn,
Ihre Simone Carstens-Kant, Pfarrerin der Marktgemeinde

Wort für den Tag: 6. März 2021

Es fällt schwer, andere Nachrichten zu hören als die über Impffortschritte, Inzidenzwerte, Verfügbarkeit von Schnelltests, Sorgen über zu schnelle oder zu späte Öffnungen. Selbst zufällig aufgeschnappte Wortfetzen auf der Straße drehen sich darum. Dabei sind wir Teil eines Menschheitsgeschehens. Aber nicht noch tiefer will ich den Kopf sinken lassen über noch mehr Elend, sondern aufblicken und darauf hören:

 

„Und die Völker werden gehen zu deinem Licht, und die Könige zum hellen Glanz deines Aufgangs.“ (Jes. 60, 3; Losung der Brüdergemeine)

 

Gott redet seinem verängstigten Volk gut zu. Es soll nicht nur die eigene Angst verlieren. Es soll nicht nur in neuem Licht erstrahlen. Es soll sehen, wie andere auch erleuchtet werden wollen und in Scharen kommen, um etwas abzubekommen von ihrem Licht und etwas zu erfahren von ihrem Gott. Es soll merken, wie Könige oder andere Anführer kommen und sich Beratung und größere Klarheit durch Gott erhoffen. Weltweit denken, das bedeutet für diese Prophezeiung nicht: noch mehr Not sehen, noch mehr Anlässe für ein schlechtes Gewissen haben. Im Gegenteil, es bedeutet: Noch mehr Hoffnung haben, sich noch mehr freuen darüber, wie Gott mitten im Dunkeln Licht entzündet und für viele sichtbar werden lässt.
In der 20-Millionen-Stadt Kairo hat eine junge Frau eine Initiative gegründet, um Schwerkranke zu Hause mit Sauerstoff zu versorgen. Inzwischen machen über 90 Freiwillige mit, die oft nachts in den Armenvierteln der Stadt unterwegs sind. Der Hälfte der Kranken können sie das Leben retten, der anderen Hälfte nicht, aber sie machen weiter, und die Unterstützung für sie wächst. Im kleinen Land Togo hat eine junge gut gebildete Frau das Unternehmen „Togosima“ gegründet, um ausschließlich regionale Produkte unter die Menschen zu bringen, die sonst nur von Importen abhängig wären, und arbeitet so für ein anderes Wirtschaften, eine bessere Ernährung, eine Belebung von Gemüse-, Hirse- und Obstanbau. Sie ist Teil einer noch verborgenen Bewegung in Westafrika.
Doch es geht um mehr als das Sammeln versteckter guter Nachrichten jenseits der Schlagzeilen. Es geht um Gottes Pläne mit Seinem Volk und allen Völkern. Die drücken sich nicht in den jeweils angemessenen Maßnahmen gegen die je aktuelle Gefährdung aus. Sondern in Seinen Verheißungen. Auch in zahllosen Liebestaten, von denen ich nie erfahre. Und in den wenigen, von denen ich weiß. Seine Pläne bleiben bestehen auch in Misserfolgen. Seine Verheißungen gelten weiter auch in Enttäuschungen.
Ostern wird kommen, ganz gewiss. Doch auch das kommende Fest ist nur ein zeitlich messbarer Hinweis auf das Nicht-Messbare: Dass Gott in dieser Welt und in dieser Menschheit und sogar in uns unbedeutenden Menschen hier weiter am Werk ist und nicht aufhört.
Täglich bete ich es, und will das mit neuem Mut fortsetzen: „Dein Reich komme!“

 

Lied: „Sonne der Gerechtigkeit“, EG 262, GL 481, Str. 4:
Tu der Völker Türen auf; / deines Himmelreiches Lauf / hemme keine List noch Macht. / Schaffe Licht in dunkler Nacht. / Erbarm dich, Herr.

 

Gebet:
Du, Lebendiger, Ewiger, Gegenwärtiger! Rede ich mit Dir, kann ich nicht bei mir bleiben, bei meinen Alltagssorgen. Du erinnerst mich an die Schwestern und Brüder in den vielen Ländern, die um ein Minimum an medizinischer Versorgung kämpfen, die um ausreichende und gesunde Ernährung sich schwer mühen müssen. Du erinnerst mich an ihre Sorgen und an ihren Mut. Und Du hörst Dir trotzdem meine Sorgen an, verschließt Dich nicht vor meinen Klagen. Dein Name werde geheiligt!
Dein Reich komme. Amen.

 

Ihnen allen einen gesegneten Tag wünscht Martin Herzfeld.

Wort zum Tag, Freitag, 5. März 2021 (Weltgebetstag)

Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! Philipperbrief 4,6

 

Liebe Leserinnen und Leser!

 

Es ist Anfang Januar 2012. Ich stehe vor dem Grab. Darin der Sarg mit der Oma: „Wenn ich mal nicht mehr bin, machste ne scheene Rede!“ Das war ihr Wunsch. Dem bin ich nachgekommen. Während der Predigt in der kleinen Trauerhalle auf dem Friedhof in Hohlstedt gab es draußen Sturm. Regen in Strömen. Die Menschen, die nicht drinnen sein konnten, standen im Regen. Ich dachte noch so während der Trauerfeier, dass es doch aufhören möge. Es hörte auf. Der Weg zum Grab und dann: hinterm Kyffhäuser bricht die tief stehende Sonne durch die Wolken, gleißendes Licht fällt auf die Szenerie, mir ins Gesicht während des Vaterunsers und dann während des Segens. Zu allem Überfluss ist hinter mir, Richtung Sangerhausen, noch ein doppelter Regenbogen zu sehen.
Es war wie ihr Leben. Und dabei gab es sehr, sehr viel Sorge und auch sehr viel Schmerz. Enttäuschte Liebe, enttäuschte Erwartungen. Die Nachmittage in der kleinen Küche bei ihr habe ich immer genossen. Auch wenn sie immer in Aktion war, damit es noch etwas besser sein möge, das Kaffeetrinken. Ich dachte dann manchmal: Ach Oma! Aber so war sie nun mal und ich konnte das akzeptieren. Manchen Menschen wurde es im Leben verwehrt, Freude direkt zu zeigen und zu äußern.
„Sorgt euch um nichts!“ Für viele Menschen sind es die Alltagssorgen um Gesundheit und Auskommen, die Nächsten in der Familie und im Freundeskreis, die das Leben prägen. Das geht mir nicht anders. Und ja, es ist auch die Sorge um mein Leben: Wie lange noch? Was kommt danach? Kommt da noch was?
Für mich war der Moment am Grab meiner Oma einer, in dem mir der Himmel gezeigt hat, dass sie genau dort einen Platz hat. Ich habe es gespürt. Es tat gut zu fühlen und zu wissen: Gott ist da. Sein Licht leuchtet auch für meine Oma, die ein ziemlich stürmisches Leben hatte, die manchmal auch ganz schön ungerecht und cholerisch war. Und so denke ich an sie, die Oma Anni, die heute am 5. März 91 Jahre geworden wäre. Und ich bringe meine Zweifel vor Gott: die düsteren Gedanken und Nachrichten unserer Zeit, meine eigenen Fehler, unsere Passionszeit. Es wird still in mir, Frieden und Licht, die Erinnerung an den Regenbogen. Es ist nur ein Moment – welcher dann doch wieder so kraftvoll ist, dass er trägt. Amen.

 

Herzliche Grüße,
Martin Schmelzer, Pfarrer Halle-Trotha

 

Gebet:
Allmächtiger Gott, gib dass dein Wort bei uns nicht ein steinernes Herz und eine eiserne Stirn vorfindet, sondern den gelehrigen Sinn, der sich dir erwartungsvoll öffnet. Lass uns erfahren, dass du unser Vater bist, und stärke uns in dem Vertrauen, dass du uns als deine Kinder angenommen hast.

 

Lied (EG 454):
1. Auf und macht die Herzen weit, euren Mund zum Lob bereit!
Refrain: Gottes Güte, Gottes Treu sind an jedem Morgen neu.
2. Gottes Wort erschuf die Welt, hat die Finsternis erhellt.
3. Gottes Macht schützt, was er schuf, den Geplagten gilt sein Ruf.
4. Gottes Liebe deckt die Schuld, trägt die Sünder in Geduld.
5. Gottes Wort ruft Freund und Feind, die sein Geist versöhnt und eint.
6. Darum macht die Herzen weit, euren Mund zum Lob bereit.

Wort für Donnerstag, 4. März 2021

„Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein.“ (aus Johannes 8, 2-11)

 

Liebe ökumenische Gemeinde, diesen Satz sprach Jesus in einer höchst kritischen Situation. Eine Frau sollte gesteinigt werden. Das Gesetz des Moses forderte damals dazu auf, wenn Schuld vorlag. Es ist ein schmerzhafter und grausamer Akt der Barbarei, der sich teilweise bis heute erhalten hat. Wir hier in Europa kennen verfeinerte Möglichkeiten, Menschen zu steinigen und machen uns dabei nicht einmal die Hände schmutzig. Fehler werden öffentlich ausgewalzt, Falschmeldungen ins Netz gestellt, Gerüchte in Umlauf gebracht und Menschen mit Häme und Schadenfreude überschüttet. So geht es mir zur Zeit u.a. mit den Artikeln über unseren OB. Jesus sagt uns zu, dass Gott die Menschen, auch die schuldbeladenen, liebt, ihnen nichts nachträgt und jede Schuld vergibt. Und hier sehe ich unseren Auftrag, Gottes Liebe spürbar und sichtbar zu machen.

 

Lied GL 474

1. Wenn wir das Leben teilen wie das täglich Brot,
wenn alle, die uns sehen, wissen: hier lebt Gott:

 

Kv Jesus Christ, Feuer, das die Nacht erhellt,
Jesus Christ, du erneuerst unsre Welt.

 

3. Wenn wir uns öffnen für den Herrn in dieser Zeit,
Wege ihm bahnen, dass er kommt und uns befreit: Kv

 

4. Wenn wir die Liebe leben, die den Tod bezwingt,
glauben an Gottes Reich, das neues Leben bringt: Kv

 

Gebet

Herr, du umfängst uns mit deiner Liebe. Durch diese Liebe gib uns Kraft, Schuld einzugestehen und Mitmenschen die Last von Schuld zu erleichtern. Amen.

 

Herzlich grüßt Sie Ursula Gebauer (Pfarrei Carl Lampert)

Wort zum Tag, 3.03.2021

Da hast du gesehen, dass dich der Herr, dein Gott getragen hat, wie ein Mann seinen Sohn trägt, auf dem ganzen Wege, den ihr gewandert seid, bis ihr an diesen Ort kamt. 5. Mose 1,31

 

Obwohl sie die kleine, jetzt folgende Geschichte bestimmt schon einmal gehört oder gelesen haben, möchte ich sie Ihnen aufschreiben. Nicht nur, weil sie tief bewegt und anrührend ist. Auch, weil ich Ihnen zum Schluss sagen möchte, warum ich sie gern anders erzählen würde.

 

Ein alter sterbender Mensch betrachtet rückblickend sein Leben. Wie Fußspuren im Sand sieht er seine Schritte durch sein langes Leben führen, sieht sich einmal große, einmal kleine Schritte machen, einmal geradeaus, einmal in Schleifen oder im Kreis gehen, er sieht sich manchmal stehen bleiben, ein Stück zurück gehen, dann wieder zielstrebig voranschreiten. Doch wie und wohin auch immer seine Schritte ihn führen, fast immer entdeckte er neben sich eine zweite Spur – die Gottes, der ihn immer begleitete. Doch an manchen Stellen sah er nur eine Spur, und er fragte Gott vorwurfsvoll: “ Wo warst du da, mein Gott? Zu der Zeit ging es mir besonders schlecht, ich wusste nicht ein noch aus und hätte dich gebraucht!“ - „Auf diesen Wegen“ antwortete Gott, „habe ich dich getragen.“ (unbekannter Verfasser)

 

Je älter ich werde, desto öfter kommt der Zeitpunkt, zurück zu schauen und Bilanz zu ziehen. So auch bei dem alten Mann in unserer Geschichte. Es kommt die Frage nach dem Sinn, nach dem Wert meines Lebens. Wie habe ich meine Zeit genutzt? Habe ich in meinem Leben wirklich das gelebt, was mir möglich war, oder doch mehr das, was andere von mir erwartet haben? Habe ich erkannt, wer ich wirklich bin? Wen habe ich geliebt und wen gehasst? Was hat mich getragen und wo habe ich mich tragen lassen? Es wäre schön, wenn ich in dieser Bilanz meines Lebens erkenne, dass der wirkliche Wert meines Menschseins darin bestand, mich von Gott hier in diesem Leben getragen zu wissen. Und da tut mir der alte Mann in der Geschichte leid. Diese Erkenntnis darf nicht am Ende unseres Lebens stehen. Sie gehört mitten ins Leben, vom Kindesalter, über die Jahre des Schaffens bis zum Ruhestand.
Mit moderner Sprache würde man vielleicht sagen: Gott will immer „online“ sein. Und als „Administrator“ hat er uns Menschen, wie Jesus, an die Seite gestellt. Damit wir dieses Getragensein zu jeder Zeit, in jeder Lebenslage erfahren können, brauchen wir Jesus als Vermittler. Seine Bilder und Gleichnisse vom Reich Gottes zeigen uns, wie es sein kann und sein wird. Diese Nähe beginnt nicht erst im Jenseits, oder kurz davor. Gott ist mir jeden Tag nah. Er ist bei mir. Ich muss nur nach dem Menschensohn Ausschau halten. Gott will sich erkennen lassen und der Mensch hat die Gabe, sich als Mensch vor Gott zu erkennen. Jesu will uns dabei zeigen, wie und woran wir Gott erkennen können. Zu allen Zeiten, auch heute - und bitte nicht erst am Lebensende.

 

Gebet:
Allgegenwärtiger Gott, lasse mich nicht achtlos durch dieses Leben gehen. Mein Fußabdruck im Sand soll ökologisch, menschlich, liebevoll und barmherzig sein. Schenke mir den Glauben, dass ich in jeder meiner Spuren, die ich hinterlasse und zu jeder Zeit, auch deinen Fußabdruck erkenne.

 

Lied: (EG 209) „Ich möchte, dass einer mit mir geht,…“

 

Beginn einer neuen Geschichte:
Sie waren beide in einer Krise. Es war schon spät am Abend und sie wussten nicht, wie es weitergehen sollte. Ratlos, ausweglos. Dann gingen sie doch noch zu dem guten Freund. Sie wussten, dass sie bei ihm auch noch nach Mitternacht klingeln können. Sie haben die ganze Nacht miteinander geredet, gestritten und vielleicht auch gebetet. Als es Morgen wurde, gingen sie auseinander. Viel leichter war ihnen nicht ums Herz. Sie wussten aber, dass es zumindest schon einen gibt, der ihre schwierige Entscheidung mittragen wird.


Liebe Grüße, Horst Bartsch (Heilandsgemeinde)

Wort für Dienstag, den 2. 3. 2021

Und er rief das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. (Markus 8, 34)

 

schnee.jpgHier denke ich zuallererst an Jesus, der, obwohl schuldlos, das Kreuz angenommen hat. Ich denke an Martin Luther King, der für seinen Traum der Gleichstellung aller Menschen erschossen wurde. Ich denke an den Priester Maximillian Kolbe, der sich im KZ Auschwitz für einen Familienvater zum Hungertod opferte. Ich denke an den Priester Carl Lampert, der am 13. November 1944 im Roten Ochsen in Halle hingerichtet wurde. In einer Verhandlung sagte er aus: „Das Evangelium ist Gottes Wort und predigt die Liebe, das Buch des Herrn Hitler ist das Werk eines Menschen und predigt Hass.“ Es gibt viele Menschen, die aus der göttlichen Kraft des Kreuzes riesig viel Liebe für ihre Mitmenschen aufbrachten und bringen.

Ich möchte Ihnen kurz von einem Foto eines Winter-sturmkreuzes erzählen, welches ich im Internet gefunden habe. Ein großes Kreuz steht hoch oben im Gebirge, der Himmel ist blau, die Sonne scheint, und die Fernsicht ist grandios. Dieses Kreuz trägt schwer an der Schneelast, die ihm durch starken Sturm aufgebürdet wurde. Aber es ist fest verankert im Boden, und aus dem Himmel fällt ein Sonnenstrahl in den Mittelpunkt des Kreuzes. Welch ein großartiges Bild mit großartiger Symbolik. Wir können dem Leben im Sturm, in Angst und Verunsicherung standhalten, wenn wir uns auf das Kreuz konzentrieren.

 

Lied (Kanon)
Menschenwerke müssen einst vergehn,
ewig, ewig bleibt das Kreuz bestehn,
und die Kirche Gottes wird nicht untergehn.

 

In dieser doch recht fragwürdigen Zeit empfinden wir Menschen ganz Vieles als schwer tragbares Kreuz, es gibt aber auch Vieles, was für Dankbarkeit und Freude sorgt. Das ist doch eine Besinnung wert.

 

Ursula Gebauer (Pfarrei Carl Lampert)

Wort für den Tag: Montag, 01. März 2021

36 Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!
37 Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden.
38 Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden.

zu finden im Lukasevangelium, Kapitel 6, Verse 36-38


Wort für den Tag


Meinen Sie auch, dass wir Christen uns ein bisschen außergewöhnlich verhalten sollten? Jedenfalls werden uns ja einige Verrücktheiten nachgesagt und sogar zugetraut. Einer, der uns viel zutraut, und das dauerhaft, ist Gott.
Für manche Menschen sind wir doch die Narren in dieser Welt. Wir glauben an einen, der getötet wurde und durch wundersame Mächte auferstanden sein soll. Diese Idiotie kennzeichnen wir auch noch mit einem Galgen - das Kreuz hängen wir uns um den Hals oder an die Wand. Und wir glauben, dass die Welt besser wird durch unser Tun und Beten. Wenn wir versuchen, so zu leben, dass Frieden, Versöhnung, Barmherzigkeit, Teilen und was auch immer spannend wirken. Davon sollen sich dann andere auch noch anstecken lassen …


Schon so viele Jahrhunderte folgen Christen diesem Jesus. Meine Frage steht aber im Raum: Was hat sich geändert?


Wir schalten den Fernseher ein oder öffnen die Zeitung und werden überrannt von negativen Schlagzeilen: "500 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken", "IS-Anschlag in Syrien" oder "Milliarden Steuergelder hinterzogen". Weder Ignoranz noch das zu hohe Ziel, die Welt retten zu wollen, wären darauf die richtige Reaktion. Aber was können wir tun? Wie wäre es, wenn wir der Aussage des amerikanischen Pastors Eugene Cho folgen? Die lautet:


Sei nicht verzagt. Es ist nicht unsere Aufgabe die Welt zu retten. Tu was du kannst. Tu es gut. Tu es mit Liebe.


Und Gott? Er wird seine Welt retten, darauf vertraue ich.


Lied: Gotteslob 481, EG 262 - Sonne der Gerechtigkeit


1) Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unsrer Zeit; brich in Deiner Kirche an,
dass die Welt es sehen kann. Erbarm Dich, Herr.


2) Weck die tote Christenheit aus dem Schlaf der Sicherheit,
dass sie Deine Stimme hört, sich zu Deinem Wort bekehrt. Erbarm Dich, Herr.


3) Schaue die Zertrennung an, der sonst niemand wehren kann;
sammle, großer Menschenhirt, alles, was sich hat verirrt. Erbarm Dich, Herr.


4) Tu der Völker Türen auf; Deines Himmelreiches Lauf hemme keine List noch Macht.
Schaffe Licht in dunkler Nacht. Erbarm Dich, Herr.


5) Gib den Boten Kraft und Mut, Glauben, Hoffnung, Liebesglut,
lass Du reiche Frucht aufgehn, wo sie unter Tränen säen. Erbarm Dich, Herr.


6) Lass uns Deine Herrlichkeit sehen auch in dieser Zeit und mit unsrer kleinen Kraft suchen,
was den Frieden schafft. // (üben gute Ritterschaft). Erbarm Dich, Herr.


7) Lass uns eins sein, Jesu Christ, wie Du mit dem Vater bist, in Dir bleiben allezeit,
heute wie in Ewigkeit. Erbarm Dich, Herr.


8) Kraft, Lob, Ehr und Herrlichkeit sei dem Höchsten allezeit, der,
wie Er ist drei in ein, uns in Ihm lässt eines sein. Erbarm Dich, Herr.

 

Gebet


Guter Gott,
gib mir Chancen,
erhalte mir die Wünsche, Träume und Ziele.
Mach mich frei von Erwartungen, die ich nicht einlösen kann.
Hilf mir loszulassen, damit ich ankommen kann.
Amen.

 

Impuls für den Tag


Lasst uns einfach das tun, was wir können, aber dabei alles geben, was möglich ist:
hundert Prozent in Liebe, Demut und Geduld.
Lesen Sie nochmal und nochmal den letzten Vers der Bibelstelle. Der meint genau das …


Gemeindereferent Johannes Knackstedt, Katholische Pfarrei Carl Lampert, Halle

Wort für den Tag, Samstag, 27.02.21

Liebe Leserinnen und Leser,


Matthäus26, 40 - 41

„Und er ging zu den Jüngern zurück und fand sie schlafend. Da sagte er zu Petrus: Konntet ihr nicht einmal eine Stunde mit mir wachen? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“


„Corona“, ein Wort, welches bis vor nicht allzu langer Zeit für den größten Teil der Bevölkerung nicht existierte. Heute ruft es bei den Menschen sehr unterschiedliche Empfindungen hervor. Manche können und wollen es nicht mehr hören. Bei Anderen schrillen die Alarmglocken und wieder Andere bestreiten das Vorhandensein von diesem Virus, welcher sich hinter dem Wort verbirgt. Wie auch immer man dazu steht, für mich stellt sich immer mehr die Frage: Was kommt danach, wenn alles wieder ganz normal ist? Die momentane Sorge um das eigene Wohl, der eigenen Familie, der eigenen Wirtschaft, ist völlig verständlich, für uns, die wir bisher das Wort: Not in seiner ganzen Tragweite kaum am eigenen Körper verspürt haben. Plötzlich aber ist sie da, die Angst um die eigene Existenz, um die geistige und soziale Entwicklung der Kinder, um all das, was unser Leben bisher so reich gemacht hat. Eine Angst, die man nicht einfach vom Tisch wischen darf, gleichzeitig aber wünschte ich mir, sie würde uns auch nachdenklich machen. Diese Entbehrungen, die wir jetzt so schmerzlich empfinden, für einen großen Teil der Menschheit sind sie schon lange Normalität. Normalität, die auch weiterhin zu ihrem Leben gehören wird, wenn nicht Menschen wie wir lernen, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Wenn wir nicht wieder zur Tagesordnung übergehen und vergessen und verschlafen. Wachsam sein, wach bleiben, so wie es Jesus von seinen Jüngern erhofft hatte.


Gebet
Herr, Jesus Christus, auch du hast sie durchlitten, die Angst, die auch uns mitunter den Schweiß auf die Stirn treibt. Voller Sorge schauen die Menschen in die Zukunft, niemand weiß wirklich, wie es einmal weitergehen wird. Da ist die Angst vor der Krankheit selbst, die Angst vor Vereinsamung, die Angst um die eigene Existenz, und der Ängste ließen sich noch viele aufzählen. Eine für viele Menschen ungewollte Fastenzeit, die in anderen Ländern zur Tagesordnung gehört. All das, was wir jetzt so einschneidend erleben, ist dort Normalität. Den Kampf ums nackte Überleben, ohne jeden Komfort, nur einen Bruchteil davon haben wir zu spüren bekommen, und dennoch zieht es uns den Boden unter den Füßen weg. Hilf uns, wach zu bleiben, wenn in unser Leben wieder der vertraute Alltag einzieht, lass uns die Menschen nicht vergessen, die unter der ungerechten Verteilung der Güter auf dieser Erde leiden müssen.


Lied: 446 (Gotteslob) „Lass uns in deinem Namen, Herr“

Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun. Gib uns den Mut, voll Glauben, Herr, heute und morgen zu handeln.


Vorschlag für den Tag
In der vierten Strophe des Liedes heißt es: „Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun. Gib uns den Mut, voll Glauben, Herr, mit dir zu Menschen zu werden.“ Zu Menschen zu werden, bedeutet für mich, mit unserem von Gott gegebenen wachen Verstand zu arbeiten und zu leben. Was bedeutet das konkret für mich? Zuerst vielleicht einmal darüber nachdenken.


Ich wünsche Ihnen einen gesegneten, wachen Tag mit vielen guten Einfällen und grüße Sie herzlich Monika Klamt (KV PLUS, Pfarrei Carl Lampert)

Wort für den Tag: Freitag, 26. Februar 2021

Dieser Satz steht gleich zweimal kurz hintereinander in der Lesung vom Tage.
Der Prophet Ezechiel mahnt es an im Kapitel 18, Verse 21-28:


27 Wenn sich der Schuldige von dem Unrecht abwendet, das er begangen hat, und nach Recht und Gerechtigkeit handelt, wird er sein Leben bewahren. 28 Wenn er alle Vergehen, deren er sich schuldig gemacht hat, einsieht und umkehrt, wird er bestimmt am Leben bleiben. Er wird nicht sterben.


Wort für den Tag


Gott richtet den Menschen nach dem, was er ist, nicht nach dem, wie er früher vielleicht war.


In solch einem Handeln wird Gnade spürbar. Die Absicht, die der Prophet mit dieser Darlegung verfolgt, steht in den Folge-Versen 30-32: „Kehrt um ... werft alle Vergehen von euch, die ihr verübt habt! ... Kehrt um, damit ihr am Leben bleibt!“


Diese Worte Jesu erinnern mich an die, die ich am Aschermittwoch gehört habe, als ich das Aschekreuz auf die Stirn bekam: Kehr um und glaube an das Evangelium!


Ist es schwer umzukehren? Ja und Nein. Eine Hilfe kann sein zu wissen, dass ich vergeben, vergessen und verzeihen kann, mir und anderen. So tut sich eine Spur für mich auf.

kreuz.jpg
Unsere Gemeinde Heilig Kreuz hat sich etwas ganz Tolles auf die Fahne geschrieben. Als eine der Nagelkreuzgemeinden in der Region lernen, üben und wenden wir ‚Versöhnung‘ an. Ein schweres Unterfangen, aber lohnend. Denn der Preis ist innere Zufriedenheit und ein sich weitender Blick. Und das lässt Leben. Oder wie sonst kann es gehen?


Nagelkreuz-Gebet


Heute reicht einfach das Versöhnungsgebet von Coventry!

Alle haben gesündigt und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten. (Röm 3,23)

Den Hass, der Menschen von Menschen trennt, und Volk von Volk: Vater, vergib!
Das Streben der Menschen und Völker zu besitzen, was nicht ihr eigen ist: Vater, vergib!
Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet: Vater, vergib!
Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der anderen: Vater, vergib!
Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Gefangenen, Heimatlosen und Flüchtlinge: Vater, vergib!
Die Gier, die Frauen, Männer und Kinder entwürdigt und an Leib und Seele missbraucht: Vater, vergib!
Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf Gott: Vater, vergib!

 

Seid untereinander freundlich, herzlich
und vergebt einer dem anderen, wie Gott euch vergeben hat in Christus! (Eph 4,32)

 

nach der Vorlage der Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland e. V. (2015)
statt „der Rasse von Rasse trennt“ geändert in „der Menschen von Menschen trennt“
von Gemeindereferent Johannes Knackstedt, Katholische Pfarrei Carl Lampert, Halle, 2020

 

Vorschlag für den Tag


Hören Sie doch mal, was sich heutzutage junge Menschen für Gedanken machen.
Es geht um die Worte ‚Vergeben, Vergessen, Verzeihen‘ in

https://www.youtube.com/watch?v=rT4zozTXB18

 

Ich wünsche Ihnen viele versöhnliche Gedanken.

 

Gemeindereferent Johannes Knackstedt,Katholische Pfarrei Carl Lampert, Halle 

 

Bild: in der Kirche Heilig Kreuz

Wort für den Tag - 25.02.2021

"Gott, du hast Macht über alle: Erhöre das Flehen der Verzweifelten und befrei uns aus der Hand der Bösen!“; Ester 4,17 z (Einheitsübersetzung)

 

Das Buch Ester ist ungewöhnlich für ein Buch der Bibel. Es beschreibt wie ein Märchen die sagenhafte Pracht und den Reichtum des Persischen Reiches. Das Buch erzählt von einer starken Frau, die als jüdisches Mädchen wegen ihrer Schönheit zur Königin gemacht wird und mit einer überraschenden, intelligenten und mutigen Aktion ihrem Volk das Leben rettet.

 

Die vorherige Königin wird verstoßen, weil sie sich weigerte, sich als schmückendes Beiwerk des Königs dem Volk vorführen zu lassen. Der König befürchtet, dass diese Auflehnung Schule machen und sich bald zu einer Rebellion der Frauen ausweiten könnte. Der König lässt im ganzen Land nach einem geeigneten „Ersatz“ suchen und entscheidet sich für die „schöne und hübsche“ Ester als neuer Königin. Zunächst fügt sie sich ein, verheimlicht ihre jüdische Abstammung und hält sich an die Regeln.

 

Das Buch erzählt auch die Geschichte der Verfolgung des jüdischen Volkes. Der oberste Berater des Königs will nach einem Streit mit einem hochrangigen Beamten, der Jude ist, Rache und bringt den König dazu ein Gesetz zu erlassen, nach dem landesweit alle Juden getötet und ihr Vermögen an den König und den obersten Berater eingezogen werden soll.

 

Ester erfährt von diesem Plan, offenbart dem König ihre Herkunft und bringt den obersten Berater bei einem Festmahl mit einer List dazu, den geplanten Völkermord zu gestehen. Der König kann den bereits gegebenen Befehl nicht aufheben, ohne sein Gesicht zu verlieren. Ester bringt den König dazu, seinen Befehl so zu „ergänzen“, dass er sich jetzt gegen die Verfolger des jüdischen Volkes wendet und das jüdische Volk gerettet wird.

 

Mit der Unfähigkeit des Königs, eigene Fehler einzugestehen, selbst nachdem er sie als unmenschlich erkannt hat, blieb nur noch der Ausweg die Notwehr des jüdischen Volkes gegen seinen eigenen Befehl zu erlauben. Das der König sich darauf einließ und damit Widerstand gegen diejenigen zuließ, die seinen ersten Befehl ausführen sollten, ist ein Wunder, das den Sieg des jüdischen Volkes über seine Feinde ermöglichte.

 

Aus Erinnerung an das Wunder dieser Rettung des jüdischen Volkes aus einer Verfolgung, nur weil sie anders sind, als die anderen Völker (Ester 3,8) wird im Judentum jedes Jahr das Purimfest begangen. In diesem Jahr beginnt es heute. Purim wird bunt verkleidet gefeiert und bei der Lesung wird der Name des Verfolgers mit Klappern und Ratschen unhörbar gemacht. Außerdem werden Geschenke für Freunde und Geliebte überreicht und Spenden für Bedürftige gesammelt. Die Nähe zwischen gut und böse, Hass und Liebe wird so erfahrbar.

 

Ester ist für mich aus heutiger Sicht so ungewöhnlich, weil sie sich an die bestehenden Regeln hält und die Regeln mit Weisheit zugunsten ihres Volkes nutzt. Sie lehnt sich, anders als die vorherige Königin, nicht offen gegen den König auf. Mit Auflehnung hätte sie ihre Position verloren und ihrem Volk nicht helfen können.

 

Verletzte Eitelkeit, Gier nach Macht und Geld, Gefangensein in verkrusteten Strukturen, in hergebrachten Denkmustern und in Filterblasen führen auch heute noch zu Hass und Gewalt. Dem kreativ, friedlich und verzeihend zu begegnen, wünsche ich mir für diesen Tag.

 

Lied: EG 416

O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich Liebe übe, wo man sich hasst,
dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt,
dass ich verbinde, da, wo Streit ist,

 

dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht,
dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt,
dass ich die Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält,
dass ich ein Licht anzünde, wo die Finsternis regiert,
dass ich Freude mache, wo der Kummer wohnt.

 

Gebet:

Mache uns zu einem Werkzeug
deines Friedens.

 

Gib uns den Mut, dass wir bereit sind,
uns unseren Ängsten zu stellen
und uns dennoch nach unseren Möglichkeiten
für Gerechtigkeit und Verständigung einzusetzen.

 

Gib uns Kraft und lass uns nicht verzagen,
wenn wir an die Kriege dieser Welt denken.

 

Gib uns Frieden
und führe uns aus der Finsternis zum Licht.

 

(Aus dem Interreligiösen Friedensgebet der Frauen Hamburg 2017)

 

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Tag,

 

Steffen Schille (Marktkirchengemeinde)

Wort für den Tag, Mittwoch, 24. Februar 2021

Manchmal
träume ich davon
daß ich nicht immer
nur blühen muss


Sondern Zeit und
Raum habe
um Kraft für neue Triebe
zu sammeln


Andrea Schwarz

 

Wort für den Tag
Ich weiß nicht mehr, wann die Orchidee auf dem Fensterbrett ihre Blüten verloren hat. Ob es im Spätsommer war, im Herbst oder im zweiten Lockdown. Irgendwann zupfte ich die pergament-artigen Blätter zusammen und schnitt den dürren Stängel ab. Meistens vernachlässige ich die Pflanze liebevoll, aber vor wenigen Wochen erinnerte ich mich doch daran, sie wieder regelmäßig für einige Minuten ins Wasser zu tauchen. Zunächst erschien ein neuer Trieb. Er kletterte rasch empor. Dann wölbten sich fünf Knubbel. Am Montagmorgen platzte die erste Blüte auf.


Ein Wachsen und Welken, Vergehen und Beginnen wie in der Natur – so ist unser Leben. Dagegen können wir uns nicht wehren, auch wenn wir immer 150 Prozent geben möchten, wenn wir Runde um Runde im Höchsttempo im Hamsterrad drehen, wenn alles nur besser werden soll, wenn wir glänzen möchten, uns im allerbesten Licht zeigen. Aber auf Dauer macht uns das müde und blind, es zermürbt und lähmt. Wir brauchen in unserem Leben beides: das Laute und Leise, das Schnelle und Langsame, das Blühen und Verwelken, das Vergehen und Anfangen. Wir brauchen Ruhe und Stille, Zeit und Raum. Wir halten inne, damit wir weitergehen können. Wir kehren um, um neu anfangen zu können.


Auch die Bibel ist ein Buch voller Neuanfänge: Noah baut die Arche, Moses befreit die Israeliten aus Ägypten, der Zöllner Zachäus ändert nach einer Begegnung mit Jesus sein Leben und natürlich Jesu Leben und Sterben, seine Geschichte von Karfreitag bis Ostersonntag.


Gerade ist jene Zeit im Kirchenjahr, die uns zum Umdenken und Neudenken einlädt. Wir beenden Altes und schaffen Platz für Neues. Wir sammeln Kraft – und das Neue, es wird kommen. Wir werden wieder blühen.

 

Lied Korn, das in die Erde (EG 98)
Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt.
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.


Gebet
Gott des Lebens, du bringst das Eis der Seele zum Schmelzen, du lässt das Licht herein. Bitte wärme damit auch mich. Hilf mir beim Blühen. Sei bei mir beim Welken. Schenk mir Kraft zum Ruhen. Verwandle mich. Amen.

 

Und nun?
Suchen Sie eine Magnolie im Paulusviertel. Im Sommer, Herbst und Winter sind sie vollkommen unscheinbare Bäume, aber gerade machen sie sich für ihre größte jährliche Verwandlung bereit.

Frohe Grüße,


Ihre Katja Schmidtke (Paulusgemeinde)

Wort für den Tag: 23.02.2021

Liebe Leserinnen und Leser, vor einigen Tagen sah ich im Fernsehen einen Bericht der BBC über das Leben in der Tiefsee. Ein Tauchroboter sank in den Marianengraben hinunter und sein Licht machte die „ Unterwelt“ sichtbar. Simulierte Bilder führten dann bis zum heißen Erdkern und das vulkanische Geschehen im Ozean ließ die Urkraft der Materie spüren.

Riesige Gebirge schossen aus dem Meer und verschwanden wieder, Kontinente gerieten ins Wanken...
Mich hat das tief beeindruckt und ich fühlte mich sehr klein.
Tanzen wir auf einem Vulkan? Diese Gedanken führen mich auf die ersten Seiten unserer Bibel.

 

So lange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter,
Tag und Nacht. ( 1. Mose 8/22 )

 

Dieser Vers gehört in die Geschichte um Noah und die große Flutkatastrophe. Als die Überlebenden Gott ein Dankopfer darbringen, gibt Gott dieses obige Versprechen. Er wird all das, was wir zum Leben brauchen, nicht auslöschen. Er setzt den Regenbogen als Zeichen eines neuen Bundes an den Himmel, und wir Menschen können uns bei dessen Erscheinen an seine göttliche Zusage erinnern. Dieser Bogen, der manchmal sogar die Erde berührt, war und ist noch immer ein Hoffnungszeichen.
Wir suchen ihn, wenn Regen und Sonnenschein so nah beieinander sind.
Ich will diesem Versprechen Gottes immer mehr vertrauen lernen. Er bleibt uns zugewandt, wie klein und unbedeutend wir auch sein mögen in diesem ganzen Universum. Er sieht uns und er liebt uns.

 

Ich wandere durch Weinberge, an Äckern vorbei, deren Saat schon grün schimmert und freue mich mit den Bauern, dass der reichliche Schnee die Frucht vor Frost schützte und viel Feuchtigkeit spendete.
Ich höre erstaunt das Lied der ersten Lerche, welche laut im Sonnenschein über dem Feld singt und ich wünsche mir, dass meine Dankbarkeit und das Staunen lange anhalten möge. Und ich wünsche mir, dass die Lasten unserer Tage erträglicher werden durch das Wissen um die göttliche Kraft, welche die Erde trägt und auch unser Leben.

 

Lied: Im EG Nr. 504 die Strophen 1-3 und 6

 

Himmel, Erde, Luft und Meer zeugen von des Schöpfers Ehr;
meine Seele, singe du, bring auch jetzt dein Lob herzu.

 

Seht das große Sonnenlicht, wie es durch die Wolken bricht;
auch der Mond, der Sterne Pracht jauchzen Gott bei stiller Nacht.

 

Seht, wie Gott der Erde Ball hat gezieret überall.
Wälder, Felder, jedes Tier zeigen Gottes Finger hier.

 

Ach mein Gott, wie wunderbar stellst du dich der Seele dar!
Drücke stets in meinen Sinn, was du bist und was ich bin.

 

Gebet
Großer Gott, wir sind nur ein Staubkörnlein in deiner Schöpfung, aber du kennst uns und siehst uns,
jeden einzelnen Menschen, das ist das Wunder deiner unbegreiflichen Liebe.
Jesus hat gesagt, du willst ein Vater für uns sein.
Wir danken dir für unsere Welt, für unser Leben.
Schaffe dir Raum in unseren Herzen, damit wir deine segnende Nähe spüren und nach dir fragen.

 

Anregung für den Tag

Wenn Sie heute die Fenster öffnen oder auf den Balkon gehen oder eine kleine Runde drehen,
schauen Sie einen Moment länger in den Himmel, lauschen Sie eine Minute länger den lebendigen Vögeln in den Zweigen und genießen Sie die wärmenden Sonnenstrahlen, so lange es geht.

 

Es grüßt Sie herzlich Barbara Schatz aus der Paulusgemeinde

Wort für den Tag: 22. Februar 2021

Die katholische Kirche feiert heute das Fest „Kathedra Petri“. In den ersten drei Jahrhunderten stand dahinter der Brauch, am Grab für die Toten ein Mahl zu halten. Dabei wurde für den Ver storbenen ein leerer Stuhl aufgestellt. Ab dem 4. Jahrhundert wurde dieses Gedenken zum Fest der Berufung des Petrus und später für das damit in Verbindung gebrachte Lehramt.

 

15 Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? 16 Simon Petrus antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! (Mt 16,15f)

 

„Für wen hältst du mich? Und hat dieses Bekenntnis auch Konsequenzen für dein Leben?“ Diese Fragen stellt Jesus an uns. Petrus antwortet, indem er seine Erfahrungen mit Jesus in Verbindung bringt mit dem Glauben Israels, mit den Verheißungen der Heiligen Schrift und mit der Stimme Gottes in ihm. Wer den Glauben leben und vermitteln will, muss seine Lebenssituation in Verbindung bringen mit den biblischen Verheißungen, mit dem Glauben der Kirche und mit der Stimme Gottes im Herzen. Und er muss aufzeigen, welche Bedeutung dieser Glaube im Alltag hat. Denn ein Glaube ohne Alltags-Relevanz ist nutzlos.
Welche Bedeutung hat mein Glaube in dieser leidvollen Corona-Zeit? Je länger die Einschränkungen dauern, umso gereizter scheinen die Menschen zu werden. Eine fehlende Perspektive für die Rückkehr in die Normalität zerrt ebenso an den Nerven wie die Sorge um liebe Menschen und das Gefühl des Ausgeliefert-Seins. Die Debatten werden hitziger und der Ton bissiger.
In dieser bedrängenden Lage schlage ich vor, den alten Brauch aufzunehmen und gedanklich einen leeren Stuhl in unsere Mitte zu stellen. Nicht den Stuhl Petri, sondern den Stuhl Jesu. Den Stuhl, der uns daran erinnert, dass ER in unserer Mitte real präsent, gegenwärtig, ist. Ich bin mir sicher, dass dies unser Miteinander verändert und dass wir anders miteinander umgehen, wenn uns seine Gegenwart bewusst ist. Würden wir weiter national-egoistisch über zu wenig Impfdosen jammern? Würden wir uns weiter über die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft aufregen, wenn wir ihm dabei in die Augen schauen? Ich bin mir sicher, wenn Jesus einen festen Platz unter uns hat, gehen wir besser mit den Herausforderungen dieser Zeit um.

 

Lied Gotteslob Nr. 788 (HuT 178) „Du bist der Atem der Ewigkeit“
1. Du bist der Atem der Ewigkeit, du bist der Weg in die neue Zeit. Du bist das Leben, du bist das Leben, du bist das Leben, Gott.
3. Du bist die Klage in Angst und Not, du bist die Kraft unser täglich Brot. Du bist das Leben, du bist das Leben, du bist das Leben, Gott.
4. Du bist der Blick, der uns ganz durchdringt, du bist das Licht, das uns Hoffnung bringt. Du bist das Leben, du bist das Leben, du bist das Leben, Gott.
8. Du bist das Wort, das uns Antwort gibt, du bist ein Gott, der uns Menschen liebt. Du bist das Leben, du bist das Leben, du bist das Leben, Gott.

 

Segensgebet
Gott, der Vater, an den wir uns halten können, lasse sein Angesicht über uns leuchten. Er sei mit uns, damit wir gut unterwegs sind in unserem Leben. Gott, der Sohn, auf den wir in den Unruhen der Zeit bauen können, wende sein Angesicht uns zu. Er schaue uns an, damit wir unser Ansehen nicht verlieren. Und Gott, der Heilige Geist, mit dem wir uns Neues erschließen, schenke uns sein Heil. Er durchdringe uns mit seiner Liebe, damit auch wir einander lieben. Amen.

 

Impuls: Wenn Sie genervt sind, wenn alles zu viel wird, holen Sie sich einen Stuhl, stellen Sie diesen Stuhl neben sich und begrüßen Sie auf ihm Christus, der heute bei ihnen sein will. Und dann schauen Sie mit ihm auf alles, was gerade chaotisch ist.

 

Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Magnus Koschig, Pfarrer der Pfarrei Carl Lampert Halle

Wort für den Tag: Samstag, 20. Februar 2021

Wenn er das verlorene Schaf gefunden hat, so legt er sich’s auf die Schultern voller Freude.

(Lukas 15,5)

 

Wort für den Tag:
Wenn ich meinen Sohn abends ins Bett bringe, folgt auf die Gutenacht-Geschichte die immer gleiche Frage an ihn: „Was soll ich heute singen, Mond oder Schaf?“ Meistens erhalte ich die geflüsterte Antwort: „Schaf singen.“ Also singe ich:
Ein kleines wildes Schäfchen, das lief einfach fort und hörte nicht mehr auf des Hirten Wort.
Da ließ der gute Hirte die Herde allein und suchte das Schäfchen, er hörte es schrein.
Es fiel in spitze Dornen. Der Hirte zog’s heraus. Dann trug er es froh auf den Armen nach Haus.
Wer ist denn dieses Schäfchen? Das Schäfchen bin ich. Der Hirte ist Jesus. Er sucht Dich und mich.
Ein Gleichnis Jesu verpackt in einem einfachen Kinderlied mit einer einfachen Botschaft: Jesus ist der Hirte und wir sind die Schafe, die von Zeit zu Zeit andere Wege gehen wollen als sie uns der Hirte führt. Wenn es dann schief geht, sind wir aber nicht in den Dornen verloren. Unser Hirte lässt die 99 Schafe der Herde zurück, um das eine hundertste zu suchen. Und wenn er es dann gefunden hat, ist seine Freude übermäßig groß.
Wir sind die Schafe, Jesus ist der Hirte. Egal, was uns am Tag widerfährt, auf welche Abwege wir kommen oder in welche Dornen wir fallen, Jesus sucht und findet uns. Und am Ende des Tages sind wir doch Teil der Herde und jede und jeder Einzelne von uns sein geliebtes Schaf. Einfa-cher kann es nicht sein.

 

Lied:
Der Herr ist mein getreuer Hirt, hält mich in seiner Hute, darin mir gar nicht mangeln wird je-mals an einem Gute.
Er weidet mich ohn Unterlaß, da aufwächst das wohlschmeckend Gras seines heilsamen Wortes.

 

Gutes und viel Barmherzigkeit folgen mir nach im Leben, und ich werd bleiben allezeit im Haus des Herren eben
auf Erd in der christlichen G’mein, und nach dem Tode wird ich sein bei Christus, meinem Her-ren.
(EG 274,1.5)

 

Gebet:
Christus, mein Herr,
ich bin Dein Schaf, das Du lieb hast.
Jeden Tag versuche ich, bei Dir zu bleiben, aber oft gelingt es mir nicht.
Was heute auch geschehen wird, was mich heute auch von Dir trennen wird,
ich bitte Dich, dass Du mich nicht verloren gibst, sondern dass Du mich suchst und findest. Amen.

 

Tag-Werk:
Erzählen Sie heute einer anderen Person das Gleichnis vom verlorenen Schaf.
Falls Sie kleine Kinder haben und das Lied noch nicht kennen, können Sie sich über verschiede-ne Videos auf YouTube die Melodie anhören und es Ihren Kindern vorsingen.

 

Mit guten Segenswünschen für den heutigen Tag!
Ihre Katrin Mang (Vikarin)

Wort für den Tag: 19.02.2021

In den letzten Tagen hatten wir die für Halle seltene Gelegenheit zu ausgiebigen Winterfreuden. Na klar, auch der Unbill war dabei über rutschige Wege und nicht geräumte Straßen. Aber eben auch die kleinen Höhepunkte, die der Schnee so mit sich bringt: rodelnde Kleine und Große am Paulusberg, Langläuferinnen am Saaleufer und Spaziergänger mit und ohne Tee in der Hand im ganzen Stadtgebiet. Und es gab auch die kleinen Freuden der Natur, etwa die Flocken so leicht wie Federflaum, die Schneekappe überm Vogelhaus und die Eiszapfen in allen Varianten. Wie sich diese Eiszapfen bilden, konnte ich an meinem Fenster beobachten: Der erste Tropfen vereist, ein nächster rollt am vorhergehenden hinunter, weitere folgen. Bis zur Spitze rollen sie vor – die Tropfen – und lassen so den Zapfen wachsen.
Der Zapfen ist mir ein Sinnbild für einige Gedanken heute. Ich glaube, es ist mit unserem Gefühls-leben manchmal wie bei der Entstehung von Zapfen: Eine schlechte Erfahrung kommt zur nächsten, eine Hiobsbotschaft folgt der anderen, eine Negativmeldung in der Presse jagt die vorhergehende. Und schwupps, haben sie sich zu einem Zapfen des Ärgers und der Wut geformt. Ähnlich kann es in Beziehungen zu anderen sein: Der, den ich doch liebe, oder die, mit der ich eng befreundet bin, tun mal etwas, was mir nicht in den Kram passt; ein ähnliches Erlebnis kommt hinzu, vielleicht das Wort eines Dritten; und mein eigenes Kopfkino tut sein Übriges. Und im Handumdrehen ist aus der guten, fröhlichen, leichten Beziehung und aus meiner zuversichtlichen Haltung zum Leben ein verkrampftes und verhärtetes Etwas geworden – ein Eiszapfen vielleicht. Und dann stehe ich da, blicke ihn an und verstehe gar nicht, wie er entstehen konnte. Aber der Eiszapfen ist unter Umständen so dick und manifest, dass er sich nicht leicht entfernen lässt. Denke ich.

Vielleicht haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht, standen da und wussten nicht, wie weiter. Wie sich diesen Eiszapfen aus Ärger, Wut, Missverständnissen, Trauer, Enttäuschung nähern? Ich habe immer wieder den Eindruck gewonnen, wenn ich Derartiges erlebt habe, dass ich meine eigenen Verhärtungen nur überwinden kann, indem ich mich weich und offen halte. Klar, das geht nicht immer. Erstmal muss ich durch sehr viel Gefühlschaos hindurch. Und klar, ich mache mich damit verletzlich und angreifbar. Aber letztlich ist es das mir einzig Mögliche, wenn ich lebendig bleiben und nicht zum Eiszapfen werden will: Weich und offen bleiben.
Und wie das Sonnenlicht in dieser Woche die Zapfen anfängt zu schmelzen, so kann nach und nach die bewusst offene Haltung uns selber dazu bringen, das, was uns starr macht, aufzuweichen. Das geht nicht sofort und das geht nicht schnell. Es verlangt uns einiges an Übung ab. Aber so wie die Sonne beharrlich am Eis leckt, so beharrlich können wir dran bleiben – daran, warm und offen zu bleiben für das, was kommt. Vielleicht fängt es mit dem Impuls an, den ich mir aus einem unserer Gottesdienste Anfang 2020 aufgehoben habe: „Sieh umher, sieh dich um und in dich hinein, ob du ein Licht siehst und es selber nicht verdunkelst; ein Licht, das dich erleuchtet und alles erhellt, was der Hoffnung dient.“
Nach einem langen Winter – mit dunklen Tagen, Schneefreuden, Einschränkungen und Rückzug in die eigene häusliche Höhle – wächst die Sehnsucht nach dem Frühling, nach Wärme und Licht. Ich möchte mich auf den Weg machen mit dieser Sehnsucht – hinaus ins Leben. Sie auch?

 

Lied von Janne Mark, dt. Lothar Veit:
Erneut berührst, bewegst du mich, ein Wort von dir, dein Geist in mir,
dein Trost in jedem Klagelied bringt Licht in meine Tage.
Du gibst uns Mut, wir gehen los, du machst uns leicht auf Erden,
wir sind von dir, du bist in uns, in unserm Sein und Werden.

 

Gebet:
Guter Gott, du Freundin des Lebens, hier stehen wir zu Beginn dieser Fastenzeit, am Ende eines Winters, mit unseren Blessuren, mit unserem vielleicht von Dunkelheit getrübten Blick. Und dann kommst du, wärmst uns und lädst ein zu dieser Wärme. Hilf uns, unser eigenes Ja dazu immer wieder und immer weiter zu entwickeln. Gib uns die Kraft für das Offene und Erwartungsfrohe. Amen

 

Tipp für den Tag
Und heute? Das Land ist hell und weit. An einem Freitag? An einem All-Tag? So kurz nach Aschermittwoch? Machen Sie sich bewusst auf die Suche danach, wo Leben wächst: im Vorgarten die Schneeglöckchen (wie haben sie den Frost überstanden?), auf den Bäumen die Meisen (wie schaffen die das, so zu zwitschern?), in der Begegnung mit einem Menschen (wie kann ich die Eiszapfen abtauen?). Viel Freude dabei wünscht Dorothee Fuchs (Evangelische Paulusgemeinde)

Wort für den Tag: 18. Februar 2021

Gestern ist als Rauch entschwunden und zu Asche verbrannt, was vorgestern noch ganz wichtig war. Aber heute wird noch kein Phönix aus der Asche steigen. Die Asche-Zeit dauert an. Im Kirchenjahr ist sie berechenbar und ist zuverlässig am Ostersonntag zu Ende. Aber von der Pandemie-Aschezeit kann das niemand genau vorhersagen. Das macht es schwer, damit zu leben.

 

Wort für den Tag:
Viele werfen es den politischen Entscheidungsträgern vor: „Gebt uns endlich einen Zeitplan! Oder wenigstens einen nachvollziehbaren Stufenplan, nach dem Eintreten welcher Bedingungen jeweils welche Öffnungen möglich sein werden!“ Aber die Politik kann nicht beantworten, was ihre Akteure selber nicht wissen. Viele denken über die katastrophalen Folgen nach für die zahlreichen kleinen Unternehmen und Geschäfte, für das geistige und seelische Wachstum der Kinder, für die seelische Gesundheit der schon zuvor Angegriffenen und Verletzlichen. Viele denken an die Erkrankten und die Sterbenden und ihre Familien. Es gibt niemanden, der sagen kann, wann diese Zeit zu Ende ist. Wann werden wir die Asche abwaschen, den Staub von uns schütteln, das Leben aus allen Poren und Ritzen hervorbrechen sehen wie zu einer allgemeinen Auferstehung? Niemand kennt den Tag.

Das biblische Wort für heute (Losung und Lehrtext) richtet den Blick auf die Gegenwart:
Abraham sagt: „Herr, wenn ich Gnade gefunden habe in deinen Augen,
dann geh doch nicht vorüber an deinem Knecht!“ (1. Mose 18, 3) /
Jesus sagt zu Zachäus: „Heute muss ich in deinem Haus bleiben!“ (Luk. 19, 5)
Gott kommt zu Besuch. Er tut, als ginge er vorüber, Abraham muss ihn ansprechen und einladen. Niemand kann Gott und seine Engel sehen. Abraham sieht sie kommen als drei Personen. Niemand hat Gott jemals zu essen gegeben. Abraham bewirtet die Drei. Er tut das so selbstverständlich, als käme ein weitgereister Verwandter vorbei. Er wird noch am selben Tag erfahren, dass Gott neues Leben schenkt: Er wird das Unmögliche geschehen lassen, dass Sara und Abraham ein Kind bekommen. Ebenfalls wird er erfahren, dass Gott Schreckliches geschehen lässt: Die Städte Sodom und Gomorrha werden in einem furchtbaren Erdbeben untergehen. Abraham kann das Wunder nicht fassen und muss darüber lachen, wie auch Sara lacht. Die Vernichtung aber will er abwenden, er verhandelt darüber und ist nachsichtiger und geduldiger und vergebungsbereiter als Gott selbst, aber er hat keinen Erfolg. Doch Abraham wird zum Segen für viele werden, und bleiben bis zum heutigen Tag: Juden, Christen und Muslime sind mit ihm gesegnet. Und niemand kann wissen, wie viele darüber hinaus auch mit ihm gesegnet sind. Wir Gesegneten behalten die Aufgabe, mit Gott zu verhandeln: Darüber, dass heute das Leben gut ist. Darüber, dass heute Gott tröstet und am Leben erhält und neues Leben schenkt.
„Heute“ sagt Jesus zu Zachäus. Nichts muss verschoben werden auf das Ende der Asche-Zeit. Das Leben findet jetzt statt, nicht erst morgen. Jesus sitzt mit am Tisch und macht aus der Alltagsmahlzeit ein kleines Fest. Er schreibt mit an einem tröstlichen Brief. Er spricht und hört mit bei dem lange verschobenen Telefongespräch, das heute stattfindet.
Wie viel mutiger werde ich nun mit Gott verhandeln! Mit ganzer Ehrlichkeit will ich Ihm sagen, was ich nicht hinnehmen kann. Auch das will ich Ihm sagen, was mich an mir selber zweifeln lässt. Und mit ganzer Energie will ich Ihn um das Leben für heute bitten. Um den Trost für heute. Ja, auch um die Freude für heute.

 

Lied: „Der Tag ist seiner Höhe nah“, EG 457, Str. 11+12:
Die Hände, die zum Beten ruhn, die macht er stark zur Tat.
Und was der Beter Hände tun, geschieht nach seinem Rat.
Der Tag ist seiner Höhe nah. Nun stärke Seel und Leib,
dass, was an Segen er ersah, dir hier und dort verbleib.

 

Gebet:
Du siehst meine Ungeduld und meine Unruhe. Du hörst meine Beschwerden. Nimm Dich der Menschen an, für die ich Dich heute bitte: … Und nimm Dich meines unruhigen Herzens an. Heute will ich vor Dir leben.
Amen.

 

Ihnen allen einen gesegneten Tag wünscht Martin Herzfeld.

Wort für Aschermittwoch, 17.02.2021

Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider und kehrt um zu dem HERRN, eurem Gott!
Joel 2,13

 

Wort zum Tag
Ein starkes Wort des Propheten Joel und einer der Texte für den heutigen Aschermittwoch. Joel berührt mich mit diesem kraftvollen Bild des Zerreißens, und doch mutet es mir auch fremd an. Wir gebrauchen das Sprachbild ja tatsächlich im Sinne von „sich für etwas zerreißen“ - also wenn jemand alles für einen Menschen oder eine Sache gibt.
Zu biblischen Zeiten war das Zerreißen der Kleider ein Zeichen von Trauer, Demut und Buße. Jakob zerreißt voller Schmerz seine Kleider im Angesicht von Josefs blutigem Ärmelrock, den die heimkehrenden Brüder ihrem Vater präsentieren. Bei Josua, dem Nachfolger von Mose, ist es eher die Angst vor den Feinden Israels, die ihn mit zerrissenen Kleidern demütig in den Staub fallen lässt. Als Zeichen demonstrativer Buße findet sich die Geste bei dem Verhör Jesu vor dem Hohen Rat: Der Hohepriester zerreißt seine Kleider, nachdem Jesus auf dessen Frage, ob er der Christus und der Sohn Gottes sei, mit „Du sagst es“ antwortet.
Fremd und stark zugleich wirken die biblischen Texte auf mich. Ich spüre ihnen ab, dass es da um mehr geht als um ein Ritual: Es geht um Leben und Tod.
Besonders jetzt, zum Auftakt der Passionszeit, fordert mich diese Perspektive persönlich heraus: Wie gehe ich mit entscheidenden Fragen und einschneidenden Erfahrungen um? Weiche ich aus? Versuche ich, etwas kleinzureden? Flüchte ich mich in ritualhafte Gewohnheiten? Joel, der Prophet, macht es mir nicht leicht. Er will, dass ich mich stelle: der Not und den Notwendigkeiten meiner Zeit – ohne schnelle Ausflüchte, dafür mit ganzem Herzen. Ob mir das gelingt?

 

Gebet
Barmherziger Gott, auf der Suche nach Klarheit und Kraft in unsicherer Zeit merke ich, dass ich Geduld brauche: mit mir selbst, mit anderen, mit dir. Lenke meine Schritte in die Richtung, die du vorgibst. Dein Wort sei meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. Amen.

 

Lied „Und suchst du meine Sünde“ (EG 237/GL 274)
Und suchst du meine Sünde, flieh ich vor dir zu dir,
Ursprung, in den ich münde, du fern und nah bei mir.

Wie ich mich wend und drehe, geh ich von dir zu dir;
die Ferne und die Nähe sind aufgehoben hier.

Von dir zu dir mein Schreiten, mein Weg und meine Ruh,
Gericht und Gnad, die beiden, bist du – und immer du.

 

Tipp
Mit dem Vortrag „Und sie erwischte ihn bei seinem Kleid... Von ganzen und zerrissenen Kleidern in der Bibel“ komme ich gerne per Zoom zu Ihnen in den Haus-, Gesprächs- oder Freundeskreis (→ sven.hanson@ekmd.de).

 

Ihnen eine Passionszeit mit guten Gedanken und froher Hoffnung!

 

Pfarrer Sven Hanson (Mitteldeutsches Bibelwerk)

Wort für den Tag, 16.02.2021 (Fastnacht)

Eigentlich bin ich ganz anders
Ich komm' nur viel zu selten dazu
Du machst hier grad' mit einem Bekanntschaft
Den ich genauso wenig kenne wie du.

Udo Lindenberg

 

Vor so ziemlich genau einem Jahr fand in der Paulusgemeinde ein Maskenball statt. Und in der Laurentiusgemeinde hatte die Junge Gemeinde einen Gottesdienst zum Thema „Masken“ veranstaltet. Niemand wusste zu diesem Zeitpunkt, dass schon bald die ganze Gesellschaft, ja die ganze Welt Maske trägt. Einige Masken während des Paulus-Balls waren sehr ausgefallen, richtig exotisch, andere eher filigran, die einen haben das ganze Gesicht verborgen, die andere nur die Augen. Heute trägt man nur noch weiß, eventuell grün oder hellblau, und natürlich immer über Mund und Nase.
Fastnacht ist der Tag und die Nacht, um mal so richtig aus dem Rahmen zu fallen. Es besteht die Möglichkeit, nicht nur eine Maske aufsetzen – das müssen wir ja sowie so, sollten wir heute in einen Supermarkt gehen – sondern eine Maske fallen zu lassen. Wie wäre es, wenn Sie heute mal einer Seite in sich, die Sie sonst eigentlich nicht so zeigen, mehr Raum geben. Vielleicht ist das die freche Seite in Ihnen oder die verletzliche, die verspielte oder die verwegene.
Zur Fastnacht sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Auch derbe Späße und sehr deutliche Darstellungen sind erlaubt, man kennt das ja aus den Karnevalshochburgen. Vielleicht macht es auch Ihnen einmal Spaß, für ein paar Stunden in eine extreme Rolle zu schlüpfen und auszuprobieren, wie es sich anfühlt, ein Großkotz oder eine Tranfunzel zu sein. Heute ist dazu noch einmal Gelegenheit, morgen beginnt dann mit dem Aschermittwoch ein neuer Abschnitt in unserer Kirchenjahreszeit.
Ich glaube, wir brauchen beides, dass wir in uns gehen und dass wir aus uns herausgehen, dass wir mal auf die Pauke hauen und dass wir uns zurücknehmen, dass wir genießen und dass wir verzichten. Und ich glaube auch, dass es Gott freut, wenn wir die verschiedenen Seiten in uns wahrnehmen und sie auch mal zeigen, die lauten und die leisen, die anständigen und die schrägen, die traurigen und die fröhlichen. Im Psalm 139 steht geschrieben:
Herr, du erforschest mich und kennest mich.
Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.
Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.


Lied: HuT 113 (Kanon)


Du verwandelst meine Trauer in Freude. Du verwandelst meine Ängste in Mut.
Du verwandelst meine Sorgen in Zuversicht. Guter Gott! Du verwandelst mich.


Gebet


Mein Gott, du kennst mich. Du weißt, was mich bedrückt, was mich ängstigt, was mich glücklich und auch mutig macht. Lass mich sein, die ich bin. Lass mich erkennen, was in mir ist, das Starke, das Gute, aber auch das, was ich lieber nicht sehen will. Und schenke mir Barmherzigkeit, mit mir selbst und mit anderen. Sei bei mir auf allen meinen Wegen. Amen.

 

Tipp für den Tag:
Seien Sie mal ganz anders. Lernen Sie den kennen, der auch in Ihnen steckt.

 

Viel Freude dabei wünscht Ihnen Gundula Eichert (Pfarrerin in der Laurentiusgemeinde)

Wort für den Rosenmontag: 15.2.2021

Kennen Sie den schon: „Als meine Frau neulich nach Hause kam, drückte sie mir einen Dartpfeil in die Hand und hing im Wohnzimmer eine Weltkarte auf. Dann sagte sie: „Schatz, wirf den Pfeil und dort wo er landet, machen wir zusammen Urlaub, wenn Corona vorbei ist.“ Ich warf. Und was soll ich sagen: Mir machen demnächst Urlaub hinter unserem Wohnzimmerschrank.“

 

Lachen ist die beste Medizin – heißt es. Aber ob Lachen auch gegen Corona hilft – da bin ich mir unsicher. Die Ärzte mögen mir widersprechen, aber ich vermute, dass auch durch eine Lachtherapie die Viren nicht aus dem Körper verschwinden, wenn sie einmal drin sind. Und es gibt so viele Menschen, die unter der Erkrankung oder dem Lockdown leiden, und denen gerade überhaupt nicht nach Lachen zumute ist.

Darf man in so einer Zeit Fasching feiern oder Witze über das Virus machen?

„Letztendlich kommt alles auf die Perspektive an.“ Das ist die Erkenntnis, die vor langer Zeit, ein griechischer Philosoph formulierte. Epiktet war es, der vor 2000 Jahren sagte, dass letztlich nicht die Dinge entscheidend sind, sondern wie wir die Dinge sehen. Die Perspektive ist das Entscheidende. Wenn wir eine Perspektive einnehmen können, die über den Dingen steht, dann sind wir freie und glückliche Menschen. Und da kommt der Witz ins Spiel, denn Lachen und Humor können uns durchaus helfen, Abstand zu gewinnen und diese schwere Zeit zu überwinden. Schon Pater Brown wusste: „Humor ist nichts anderes als eine Erscheinungsform der Religion - nur wer über den Dingen steht, kann sie belächeln“.

So glauben und hoffen wir: Ja, es gibt dunkle Zeiten. Aber die haben nicht das letzte Wort.

 

Lied: In dir ist Freude (EG 398)

 

1. In dir ist Freude in allem Leide, o du süßer Jesu Christ!

Durch dich wir haben himmlische Gaben, du der wahre Heiland bist;

hilfest von Schanden, rettest von Banden.

Wer dir vertrauet, hat wohl gebauet, wird ewig bleiben. Halleluja.

Zu deiner Güte steht unser G’müte,

an dir wir kleben im Tod und Leben; nichts kann uns scheiden. Halleluja.

 

2. Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden Teufel, Welt, Sünd oder Tod;

du hast’s in Händen, kannst alles wenden, wie nur heißen mag die Not.

Drum wir dich ehren, dein Lob vermehren

mit hellem Schalle, freuen uns alle zu dieser Stunde. Halleluja.

Wir jubilieren und triumphieren,

lieben und loben dein Macht dort droben mit Herz und Munde. Halleluja.

 

Gebet

Lebendiger Gott,

wir danken dir für die Freude und das Lachen, das uns manch dunklen Tag erhellt. Wir bitten dich um deine Nähe für alle, denen nicht nach Lachen zumute ist – deren Leben voll von Sorgen ist. Zeige uns Wege, wie wir miteinander und füreinander Not lindern können. Und schenke uns immer wieder einen gesunden Abstand zu den Dingen, damit wir aufatmen können und Freude unser Herz erfüllt.

Amen.

 

Tipp für den Tag

Erzählen Sie doch jemandem mal einen Witz.

Und wenn Sie noch etwas zum Schmunzeln suchen, ist vielleicht die Narrenpredigt (siehe Video) über die heutige Tageslosung etwas für Sie..

 

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen und einen frohen Tag.

Ihr Alexander Barth, Vikar in der Paulusgemeinde

Narrenpredigt zum Rosenmontag von Vikar Barth


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Wort für den Tag: Samstag, 13.02.2021

Die gesamte Bibelstelle des heutigen Tages steht im Buch Genesis/1.Mose Kapitel 3, Verse 9-24.


Mich beschäftigen allerdings ‚nur‘ diese Zeilen:


Zum Menschen sprach Gott: Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört und von dem Baum gegessen hast, von dem ich dir geboten hatte, davon nicht zu essen, ist der Erdboden deinetwegen verflucht. Unter Mühsal wirst du von ihm essen alle Tage deines Lebens. Dornen und Disteln lässt er dir wachsen und die Pflanzen des Feldes wirst du essen. Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du zum Erdboden zurückkehrst; denn von ihm bist du genommen, Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück.


Wort für den Tag


Gott ist zornig. Denn Adam schiebt die Schuld auf die Frau, die schiebt die Schuld weiter auf die Schlange. Gott zeigt der Schlange und den Menschen die tragischen Konsequenzen ihres Handelns auf. Niemand bekommt einen Freispruch, sondern jeder einen recht erheblichen Erbteil.


Ich springe mit meinen Gedanken gleich mal ins Heute. Es geht um die Erde. Ich finde, die Natur ist gerade stark in Ordnung. Endlich ist es kalt und Winter. Ein Hochwasser kündigt sich an. Der Winter ist endlich mal so, wie er in Mitteleuropa sein müsste. Das fordert uns Menschen heraus. Einiges geht nun langsamer und sogar pausieren ist angesagt. Alles geht vorwärts, aber mit einem Gang niedriger.


Ich habe diese Woche so manche Zeit mit und im Schnee verbracht. Herrlich anstrengend. Dabei kann ich gar nicht sagen, ob das Berg hochlaufen und dann rodeln (mit den Kindern) oder das Fußwege-Freischippen mehr Kraft kostete.


Und ich freue mich auf den Frühling. Da kann dann endlich die Gartenarbeit beginnen. Rasen säen, Hecke schneiden, Unkraut jäten. Es sind nicht immer ‚Dornen und Disteln‘. Und so nach und nach schaffe ich mir, eher uns, ein Paradies – eins auf Erden. Ich merke, ein wenig kommt mir da der echte paradiesische Garten in den Sinn.


Doch vorher wird bei diesem Wetter nochmal durch Haus und Hof geschaut, damit alte ungebrauchte Sachen rausfliegen. Gutes zum Spenden, Olles für die Tonne. Ein lohnendes Unterfangen für die Fastenzeit, kommende Woche beginnt sie. Und wenn Gott gnädig mit mir ist, dann schaffe ich das alles. Das Leben ist doch ertragbar.


Lied und Gebet in einem (Gotteslob 436 (Melodie GL282) / EG 347)


Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, dass uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List.
Ach bleib mit deinem Worte bei uns, Erlöser wert, dass uns sei hier und dorte dein Güt und Heil beschert.
Ach bleib mit deinem Glanze bei uns, du wertes Licht; dein Wahrheit uns umschanze, damit wir irren nicht.
Ach bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr; dein Gnad und alls Vermögen in uns reichlich vermehr.
Ach bleib mit deinem Schutze bei uns, du starker Held, dass uns der Feind nicht trutze noch fäll die böse Welt.
Ach bleib mit deiner Treue bei uns, mein Herr und Gott; Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Not.


Vorschlag für den Tag


Welche ‚Felder‘ müssen Sie tagein tagaus beackern?


Haben Sie schon Pläne für den Garten? Was muss noch im Haus gemacht werden?
Sprechen Sie das mit Ihrem Partner ab?


Wenn Sie nichts haben, dann fragen Sie doch mal in Ihrer Gemeinde oder ein Gemeindemitglied,
ob da eine Fläche gepflegt werden müsste und übernehmen (nur) für dieses Jahr die Patenschaft!


Ich wünsche Ihnen, eine gnadenvolle Zeit.

 

Gemeindereferent Johannes Knackstedt, Katholische Pfarrei Carl Lampert, Halle

Wort für den Tag, Freitag, den 12.02.2021

Liebe Leserinnen und Leser, haben Sie schon einmal einen Brief bekommen,

den Sie immer und immer wieder lesen?
Heute denke ich über einen Bibelspruch nach, der einem Brief entnommen ist,
gerichtet an die erste christliche Gemeinde auf europäischem Boden:

 

Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft,
der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus! ( Phil. 4, 7)

 

Gesehnt haben sie sich nach einer Nachricht von Paulus, im Hause der Lydia in Philippi. Die im Purpurhandel tätige Geschäftsfrau hatte sich mit als Erste im Ort taufen lassen,
und in ihren Räumen traf sich die wachsende Gemeinde der Christen.
Aber es gab auch Probleme. Der neue Glaube traf auf Widerstand und auch innerhalb der noch jungen Gemeinde gab es Streit in verschiedenen Fragen.
Paulus sollte raten, seine Glaubenserfahrung sollte helfen,
doch war er leider zur Zeit weit entfernt, ein persönliches Treffen unmöglich.
Dann kam endlich ein Brief von ihm, und über einen Satz daraus denke ich nach.
Der Friede Gottes, welch ein wohltuender Begriff, auch wenn man ihn in seiner Größe nicht begreifen kann, so kommt er uns doch ganz nah. Denn wenn eine Kraft unsere Herzen und alle Sinneswahrnehmungen bewahren will und kann, unser tägliches Leben somit in Augenschein nimmt, dann sucht dieser Gott unsere Nähe.
Wir sind für ihn wertvoll! Paulus hat es offenbar erfahren und ist erfüllt davon.
Das müssen die Christen in Philippi gespürt haben.
Hier ist von einem Gott die Rede, der in Jesus den Menschen so nah kommen will,
dass er eben keine abstrakte Größe, fern und fremd für die Menschen bleibt.
Er will an unserem Leben teilhaben, um uns zu helfen.
Der Friede Gottes, der mich bewahrt, das ist wie ein schützender Mantel...,
Geborgenheit mitten in Unsicherheiten und offenen Fragen.
Dieses Gottesbild, so wie es Jesus in die Welt brachte, konnte damals und kann auch heute nicht wirklich mit dem Verstand begriffen werden.
Wir sind auf dem Weg, bis zum Lebensende, und nur Stück für Stück lernen wir,
Vertrauen zu fassen, Vertrauen zu einem unsichtbaren und doch erfahrbaren Gott.
Diesen Wunsch, diese Fürbitte des Paulus für die Gemeinde in Philippi will ich auch für uns alle und für unsere Gemeinden in Anspruch nehmen.

 

Lied: EG Nr. 324 Ich singe Dir mit Herz und Mund (wenn Sie mögen, alle Strophen)
Ich singe Dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust.
Ich sing und mach auf Erden kund, was mir von dir bewusst.

 

Gebet
Gott, manchmal spüren wir dich ganz nah und das Herz möchte zerspringen vor Glück, so frei, so leicht fühlen wir uns. Manchmal aber scheinst du unsagbar fern zu sein,
das ist bedrückend. Danke für jede gute Nachricht, für jedes Gespräch, jeden Brief,
lass uns alles zum Guten gedeihen.

 

Anregung für den Tag
Es gibt viele wertvolle, schöne, hilfreiche, Nähe stiftende Briefe,... in einem Briefumschlag,
in einem Buch, in der Bibel, auf einem Zettel, auf dem Telefon. Finden sie einen für sich.

 

Herzliche Grüße von Barbara Schatz aus der Paulusgemeinde

Wort für den Tag: 11. Februar 2021

Heute ist Welttag der Kranken. Ein Tag, dem ich früher wenig Beachtung geschenkt habe. In diesem Jahr ist es anders. Ich denke an die vielen, die erkrankt sind; an die Pflegenden, die sich um sie mühen, aber auch an all jene, die um einen lieben Menschen bangen oder gar verloren haben.

 

18 Dann sprach Gott, der HERR: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm ebenbürtig ist. (Gen 2,18f)

 

In der Lesung hören die Christen der römisch-katholischen Tradition heute die Erzählung von der Erschaffung des Menschen. Sie ist kein naturwissenschaftlicher Exkurs, sondern eine Deute-Erzählung. Sie will helfen, das Leben besser zu verstehen.
Im zweiten Schöpfungsbericht, aus dem der Vers entnommen ist, geht es um das Miteinander. Der Mensch ist keine Monade. Er ist bei aller Individualität auf andere angewiesen. Er braucht das Gegen¬über, um sich selbst zu verstehen und um – wenigstens anfanghaft – Erfüllung hier und jetzt zu finden. Der Mensch allein: Das ist nicht gut.
Deshalb gehen meine Gedanken heute an alle, die sich in ihrer Krankheit alleingelassen fühlen. An die vielen, die keinen Besuch empfangen dürfen, aber auch an jene, die niemanden haben, der kommen würde. Isolation nimmt dem Menschen, was er zum Menschsein braucht: die Hilfe, die ihm ebenbürtig ist.
So sehr wie wir Freiheit und Autonomie einfordern, so sehr sehnen wir uns nach Ge-borgenheit, nach einem Du, das uns umfängt, das uns trägt. Doch Vorsicht: kein menschliches Du kann all meine Sehnsucht stillen und kein noch so liebevolles Gegenüber kann all meine Wünsche erfüllen. In uns liegt ein Sehnen, das uns unendlich übersteigt, denn als Gottes Geschöpfe tragen wir den Keim der Ewigkeit immer schon in uns. Gottes unfassbare Wirklichkeit trägt uns. In sie hinein lege ich alle, die ich in dieser Welt loslassen muss.
Unsere Aufgabe ist es, unsere Lieben nicht allein zu lassen. Zusage Gottes ist es, alles Leben zu umfangen und im Letzten auch aufzufangen. Er heilt, was in der Begrenztheit dieser Welt un¬heilvoll ist und bleibt. Helfen wir einander, Erfahrungen dieses umfassenden Heil-Werdens zu machen. Teilen wir das Leben miteinander und trösten wir einander, denn es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.

 

Lied Gotteslob Nr. 470 (HuT 177) „Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht“
4. Wenn der Trost, den wir geben, uns weiter trägt, und der Schmerz, den wir teilen zur Hoffnung wird, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt. Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht in der Liebe, die alles umfängt, in der Liebe, die alles umfängt.

 

Segensgebet
„Die Zeit ist erfüllt, sich zu wehren gegen alle Traurigkeit. Seid mit Widerstand gesegnet. Die Zeit ist erfüllt, sich zu wenden gegen alle Vereinsamung. Seid mit Gemeinschaftsgeist gesegnet. Die Zeit ist erfüllt, aufzustehen gegen alle Freudlosigkeit. Seid mit Liebe und Freude gesegnet.“ 1
So segne uns und alle, denen wir uns verbunden fühlen, Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

 

Impuls: Viele Menschen haben uns begleitet, haben uns zu dem werden lassen, der wir heute sind. Wem will ich dafür danken? Von wem habe ich schon länger nichts gehört? Rufen Sie ihn oder sie an oder schreiben Sie ihr oder ihm einen Brief.

 

Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Magnus Koschig, Pfarrer der Pfarrei Carl Lampert Halle



1 Roland Breitenbach in: Georg Schwikart (Hg.), Gesegnet sollst du sein, Herder Verlag Freiburg i.Br. 2008, 186

Wort für den Tag: Mittwoch, 10. Februar

Du stellst meine Füße auf weiten Raum. Psalm 31,9


Wort für den Tag


Manchmal denke ich an den weiten Himmel in Mecklenburg. Ich habe einmal in Schwerin gelebt und dort als Journalistin gearbeitet; und bei so mancher Fahrt zu einem Interview habe ich das Auto an den Straßenrand gestellt und gestaunt. So flach wie das Land war, so hoch war der Himmel. Ein Gefühl von Freiheit und Geborgenheit gleichermaßen. Von Mitteldeutschland kannte ich das nicht. Selbst wenn ich hier auf einen Berg – oder eher Hügel – steige, sehe ich doch nur das nächste Tal mit dem nächsten Dorf. Und nun, in der Pandemie, ist auch wenig von Weite zu spüren. Viele Räume sind geschlossen. Nur mühsam kann ich einen Fuß vor den anderen setzen. Ich fühle mich eingeengt.


„Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ stammt aus dem 31. Psalm, in dem ein Mensch Gott um Hilfe bittet. Der Mensch wird verfolgt. Er ist in Bedrängnis. Er fühlt sich in die Enge getrieben. Sein Leid klagt er Gott. Doch trotz der Verzweiflung erzählt der Mensch auch von Güte, von Trost, gar von Fröhlichkeit. Er ist dankbar. Er weiß, Gott wird ihn retten.


Auch wenn es in der Öffentlichkeit manchmal so dargestellt wird, als ob Religionen durch Regeln und Rituale Menschen Fesseln anlegen, bin ich fest vom Gegenteil überzeugt. Gott will unser Leben nicht einengen, er will es weit, tief und frei machen. Er eröffnet uns neue Horizonte, er weitet die Möglichkeiten, statt unser Leben in gelenkten Bahnen laufen zu lassen. Der Engstirnigkeit setzt er Barmherzigkeit gegenüber, dem Kleingeist frohen Mut, der Kaltherzigkeit das Gebot der Liebe. Welche Räume sich dadurch öffnen! Welche Wege wir dadurch gehen können! Mit großen, aber auch mit kleinen Schritten. Mit immer neuen Perspektiven.


Lied


Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer (EG BY, TH 638)


Herr, deine Liebe Ist wie Gras und Ufer, Wie Wind und Weite Und wie ein Zuhaus.
Frei sind wir, da zu wohnen und zu gehen. Frei sind wir, ja zu sagen oder nein.
Herr, deine Liebe Ist wie Gras und Ufer, Wie Wind und Weite Und wie ein Zuhaus.


Wir wollen Freiheit, Um uns selbst zu finden, Freiheit, aus der man etwas machen kann,
Freiheit, die auch noch offen ist für Träume, Wo Baum und Blume Wurzeln schlagen kann.
Herr, deine Liebe Ist wie Gras und Ufer, Wie Wind und Weite Und wie ein Zuhaus.


Gebet


Guter Gott, öffne meine Augen. Ich möchte sehen, was möglich ist, auch wenn gerade so vieles unmöglich ist. Mach mein Herz weit. Ich möchte lieben und geliebt werden können, auch wenn ich meine Lieben nicht um mich habe. Und begleite mich durch die Freiheit, die du mir schenkst. Fülle den weiten Raum mit deinem Atem.


Und nun?
Überlegen Sie mal: Wo fühlen Sie sich frei? Haben Sie vielleicht auch so einen Sehnsuchtsort wie ich mit meinem Mecklenburger Himmel? Schließen Sie die Augen und besuchen Sie ihn!


Frohe Grüße,


Ihre Katja Schmidtke (Paulusgemeinde)

Wort für den Tag: Dienstag, 09.02.2021

Liebe Leserinnen und Leser,
„Das ist doch eine verrückte Zeit“, diesen Satz habe ich jetzt schon oft gehört und frage mich im nächsten Moment: Was ist eigentlich Zeit? Sicher, jeder Mensch bekommt sie jeden Tag neu geschenkt, nicht mehr und auch nicht weniger, die Zeit eines ganzen Tages, 24 Stunden. Was er damit anfängt, wie er sie sich einteilt, das ist ihm überlassen, liegt mehr oder weniger in seiner Hand. Diese „gemessene Zeit“, eines Tages, ist immer eingebettet in Abläufe, auf die wir mitunter keinen Einfluss haben. So können wir bei Kohelet, er war König in Jerusalem über Israel, lesen:


„Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit; eine Zeit zum Gebären / und eine Zeit zum Sterben, / eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen, eine Zeit zum Töten / und eine Zeit zum Heilen, / eine Zeit zum Niederreißen / und eine Zeit zum Bauen, eine Zeit zum Weinen / und eine Zeit zum Lachen, / eine Zeit für die Klage / und eine Zeit für den Tanz; eine Zeit zum Steine werfen / und eine Zeit zum Steine sammeln, / eine Zeit zum Umarmen / und eine Zeit, die Umarmung zu lösen, / eine Zeit zum Suchen / und eine Zeit zum Verlieren, / eine Zeit zum Behalten / und eine Zeit zum Wegwerfen, / eine Zeit zum Zerreißen / und eine Zeit zum Zusammennähen, / eine Zeit zum Schweigen / und eine Zeit zum Reden, / eine Zeit zum Lieben / und eine Zeit zum Hassen, / eine Zeit für den Krieg / und eine Zeit für den Frieden.“


Für mich sind das ermutigende und zugleich tröstliche Worte. Sie zeigen mir, auch schwere Zeiten vergehen wieder, ändern sich. Sicher ist oft Geduld angesagt, und damit tun wir uns manchmal schwer. Allzugerne versuchen wir, die Zeit zu manipulieren, greifen dem Ablauf der Zeit vor, nur weil es dem Geschäft dient, nur weil wir die augenblickliche Situation nicht mögen, wir uns nicht damit auseinandersetzen wollen. Persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, eine schwer zu ertragende Zeit kann auch eine heilsame Zeit sein, eine Zeit, aus welcher ich gestärkt hervorgegangen bin. Unserer Zeit voraus sein, mitunter ist der vorrausschauende Blick gut und notwendig, doch sicher nicht, um unbequemen Zeiten aus dem Weg zu gehen.


Gebet


Guter Gott, unsere Zeit liegt in deinen Händen, du hast sie uns geschenkt, uns anvertraut. Oft vertun wir sie, stehlen wir sie einander, greifen wir vor und sind unglücklich, wenn sie uns zwischen den Fingern zerrinnt. Für dich, für dein Wort, welches uns stärken und Mut machen will,l bleibt dann oft nicht viel übrig von der uns geschenkten Zeit. Sei dennoch bei uns und unserem Tun. Amen


Lied: Meine Zeit steht in deinen Händen (Gotteslob 799)


Meine Zeit steht in deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir. Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden. Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir. Sorgen quälen und werden mir zu groß. Mutlos frag ich: Was wird morgen sein? Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los. Vater, du wirst bei mir sein.


Vorschlag für den Tag


Zeit, sie ist eine Kostbarkeit! Zum Glück können wir sie nicht käuflich erwerben, können sie auch nicht horten und lagern. Aber verschenken können wir sie und geschenkt bekommen. Jetzt ist uns zurzeit etwas geschenkt worden, was besonders die Herzen der Kinder höher schlagen lässt und unsere Welt verzaubert. Sicher sind nicht alle darüber erfreut, doch gönnen wir es den Kindern und der Natur. Freuen wir uns an der Schönheit, die von einer Größe kündet, der wir nur staunend gegenüberstehen können.


Eine gute und gesegnete Zeit wünsche ich Ihnen


Monika Klamt (Kirchenvorstand PLUS Pfarrei Carl Lampert)

Wort für den Tag: 8. Februar 2021

Liebe Leserinnen und Leser, es gibt ja ein Wort für jeden Tag. Das ist die Losung der Herrnhuter Brüdergemeine. Und die für heute ist so schön, dass ich sie Ihnen nicht vorenthalten kann. Lesen Sie selbst:

 

Die den Herrn liebhaben, sollen sein, wie die Sonne aufgeht in ihrer Pracht!
(Richter 5, 31)

 

Es gab Zeiten, da hieß es: Wer Gott liebt, ist bescheiden. Er stellt sich nicht in den Mittelpunkt. Sie hält nicht zuviel von sich selbst. Man senkt den Blick, ist schuldbewusst, denn irgendwas macht man bestimmt verkehrt.
Und dann steht sowas in der Bibel! Ich lerne eine Menge aus diesem Satz: Gott liebhaben, das ist wichtig. Überhaupt liebhaben. Das macht froh. Das macht glücklich. Wenn der Sinn des Lebens irgendwo zu finden ist, dann hier. Und diese Liebe tut nicht nur Gott gut oder meinen Mitmenschen, sondern auch mir. Das bedeutet: Ich muss nicht welken, damit andere blühen können. Ich muss mich nicht aufopfern, damit es anderen besser geht. Ich muss nicht dunkel sein, damit andere leuchten können.
Nein, das Gegenteil ist der Fall: Gott liebhaben heißt, selbst beschenkt zu werden und aus der Quelle der Liebe zu schöpfen. Irgendwo in meinem Herzen lässt Gott sie sprudeln. Vielleicht ist sie versteckt, und ich finde sie gerade nicht und muss mächtig suchen. Vielleicht ist sie verstopft und ich muss aufräumen innerlich, etwas aufarbeiten, Steine beiseite räumen. Aber sie ist da. Und wenn ich sie spüre, dann belebt sie mich, und ich kann großzügig weitergeben.
Deshalb: Wer liebt, liebe verschwenderisch. Wer fröhlich ist, lache laut und teile Freude aus. Wer Geld hat, gönne sich selbst etwas und schenke dann weiter. Wer klug ist, achte auf sich selbst und stehe anderen mit Rat und Tat zur Seite. Und wer Kraft hat, lasse die Muskeln spielen für sich und für Menschen, die gerade schwächer sind. Die Sonne leuchtet ja nicht nur für andere. Sie ist auch selbst hell. Und schön. Und warm. Da kann der Frost draußen noch so klirren.
Liebe Leserinnen und Leser, das ist eine christliche, eine biblische Aufforderung: Seien wir wie die Sonne an diesem 8. Februar 2021. Gehen wir auf in unserer Pracht. Das wird uns gut tun. Und vielen anderen auch. Amen.

 

Lied
Ein christliches Kinder- und Jugendlied, vielleicht kennen Sie es ja
(„Durch Hohes und Tiefes“ Nr. 337):
Refrain: Gottes Liebe ist wie die Sonne, sie ist immer und überall da. (2x)
1. Streck dich ihr entgegen, nimm sie in dich auf.
2. Sie kann dich verändern, macht das Leben neu.
3. Hinter grauen Wolken scheint sie strahlend hell.
4. Nichts kann uns von ihr scheiden, was auch immer es sei.
5. Gib ihr deine Antwort, vertrau dich ihr ganz an.
6. Gib die Liebe weiter an den, der nicht lieben kann.

 

Gebet
Strahlender Gott, ich möchte auch strahlen und leuchten.
Lass mich Liebe entdecken, heute und an jedem Tag. Ich will die Augen offenhalten.
Und lass mich Liebe verschenken. Ich will großzügig sein. Hilf mir dabei. Amen.

 

Und nun?
Leuchten Sie! Genieße Sie etwas Schönes. Machen Sie sich eine Freude. Und versuchen Sie dann, für jemand anderen zu strahlen. Wie Sonnen das eben so machen …

 

Einen sonnigen Tag wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Christoph Eichert (Paulusgemeinde)

Wort für Tag für Tag: 06.Februar 2021

Matthäus 6,11 : „Unser täglich Brot gib uns heute“


Vor kurzem las ich in unserer Halleschen Tageszeitung die Überschrift „Die Deutschen backen in der Krise neben Kuchen auch Brot“. Na ja, dachte ich, irgendwie muss man sich ja beschäftigen. So langsam bekommt man ja auch den Trübsinn vor lauter Risiko und Einschränkungen. Da ist es doch schön, wenn die Facebook-Gruppe „Selber Brot & Brötchen backen“ sich jede Woche über mehrere Tausend neue Mitglieder freuen kann. Es kann ja nicht schaden in einer Krise sich an Überlebenstechniken zu erinnern. Wir sollten unseren Kindern wirklich wieder öfters das Schwimmen lernen, in der Wildnis mit Baumpilzen Feuer machen und auch selbst aus Roggen und Dinkel Brot backen. Aber dann wird in der Zeitung doch noch die definitive psychologische Erklärung für das „Warum“ vom Experten geliefert: „Brot steht für das Überleben. Und wenn ich selbst backe, kann ich noch besser überleben“, heißt es dort.


Die Zeitung kommt bei uns spätestens am übernächsten Tag in die blaue Tonne. Die Bibel hat Bleiberecht. Und da steht bei Matthäus, was Millionen Menschen fast wöchentlich sprechen: “Unser täglich Brot gib uns heute“. Dahinter steht die tiefe Erfahrung, dass wir unser Leben nicht selbst backen können. All das, was unser Leben am Leben erhält, die Liebe, die Hoffnung, die Zuversicht und der Glaube, dass wir getragen und aufgefangen werden von einem Gott, der uns liebt, hängt nicht von uns ab. Wir glauben, dass uns unser täglich Brot und was wir wirklich zum Leben brauchen geschenkt wird. Wenn wir uns bemühen, wird es auch nicht altbacken oder schimmelt, wenn wir es mal im Küchenschrank vergessen.


Wir brauchen auch keinen High Tech-Backofen. Wir müssen nur die Hände falten und darum bitten: „Unser täglich Brot gib uns heute“. Wir können dabei getrost auch die FFP2 Maske abnehmen, unser Gott ist uns immer näher als die erlaubten 1,5 Meter. Das klappt auch zu Hause am Küchentisch. (wie gesagt, das Rezept steht bei Matthäus)


Gebet:

Liebender Gott, Du weißt, was wir Menschen für unseren Körper und unsere Seele brauchen. Du hast von Allem genügend geschaffen. Es braucht kein Mensch und kein Tier zu hungern. Gib uns auch heute unser täglich Brot und lass es uns mit denen teilen, die noch Hunger haben.


Kleine Achtsamkeitsübung:

Nehmen Sie ein Stück Brot in den Mund, es kann auch schon älter sein. Sie können die Augen dabei geschlossen halten. Lassen Sie es weich werden. Bewegen Sie es mit Gaumen und Zunge im Mund. Schmecken Sie, wie sich der Geschmack verändert. Wie sich die Konsistenz verändert. Kauen sich bedacht. Schlucken Sie nicht vorschnell. Spüren Sie, wie es mehr wird. Genießen Sie!


Ihr Horst Bartsch (Heilandsgemeinde)

Wort für den Tag: Freitag, 5.Februar 2021

Ein Wallfahrtslied. Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. Da wird man sagen unter den Völkern: Der HERR hat Großes an ihnen getan! Der HERR hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich. HERR, bringe zurück unsre Gefangenen, wie du die Bäche wiederbringst im Südland. Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und tragen guten Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.
Psalm 126


Eine Möglichkeit, Zuversicht zu bewahren, ist es, sich an gute Zeiten und Ereignisse zu erinnern. Das ist der Weg, den viele Psalmen in der Bibel immer wieder nutzen. Gerade die Psalmen, die in Unglückszeiten entstanden sind, erzählen immer wieder von den Begebenheiten, in denen Gott half. So erinnern die Betenden sich selbst und Gott daran, wie gut die Rettung tut.


Einen anderen Weg geht der Song „Jerusalema“ von dem südafrikanischen DJ "Master KG" und der Sängerin Nomcebo Zikode. Sie nehmen die Freude vorweg. Sie bringen die ganze Welt zum Tanzen „wie die Träumenden“. Im Text dazu heißt es: „Jerusalem ist meine Heimat.
Schütze mich, begleite mich! Er ging mit mir. Verlass mich hier nicht!“ Dieser Song geht um die Welt.
Sogar im Gefängnis wird diese Challenge aufgeführt. (Siehe dazu: https://youtu.be/ibrPKBVCwsU)


Lied: Hevenu schalom elechem, Wir wünschen Frieden euch allen EG 433


Gebet: Gott, lass mich dankbar sein für alles, was du mir Gutes getan hast. Gib mir die Kraft, meinen Alltag zu bestehen und gib mir die Gelassenheit, die Dinge gut sein zu lassen. Nimm dich der Kranken und Sterbenden an und sei bei den Angehörigen mit deinem Trost und Segen. Amen


Tipp: Erinnern Sie sich an Zeiten, in denen etwas Schlimmes vorbei war! Wie erging es Ihnen da? Wie spürten Sie Ihre Fröhlichkeit? Was haben Sie getan? Erlauben Sie sich das Schwelgen in diesen Erinnerungen und seien Sie Träumende! Saugen Sie Ihre Zuversicht aus diesen Erinnerungen. Und, wenn Sie mögen, lernen Sie die Tanzschritte von „Jerusalema“ und tanzen Sie mit!


Es grüßt Sie herzlich Ihr Pfarrer Friedhelm Kasparick

Wort für den Tag: Donnerstag, 4.Februar 2021

2. Petrus 1,16ff


16 Denn wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit mit eigenen Augen gesehen. 17 Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm kam von der großen Herrlichkeit: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. 18 Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel kommen, als wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge. 19 Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen. (2. Petrus 1,16-19)

 

Liebe Leserinnen und Leser,

 

Christlicher Glaube bewährt sich und bewahrt. Menschen geben Zeugnis, genau so wie es oben im 2. Petrusbrief geschrieben steht. Das Stück, das uns für den letzten Sonntag als Predigttext vorliegt, gibt Zeugnis vom Licht des Lebens und der Liebe Gottes. Es wird die Verklärung aus den Evangelien zitiert. Und es kommt dieses Bild, diese Ermutigung in Vers 19: „Ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.“

 

Einer, dessen Musik ich beim Schreiben dieser Zeilen höre, ist der Australier Nick Cave. Ich höre sein Album Ghosteen aus dem Jahr 2019. Er verarbeitet darin (einmal mehr) den Tod seines Sohnes Arthur, der im Alter von 15 Jahren starb. Die eine Hälfte des Albums ist dem Kind und den Kindern gewidmet, die zweite Hälfte der Sicht der Erwachsen. Im zweiten Lied „Bright horses“ wird erzählt von hellen Pferden der Liebe, deren Mähnen voller Feuer sind. Eine Szenerie voller Wunder und Kraft wird entworfen. Abenteuerlich.

 

„Bright Horses“ erzählt davon, dass ein jeder ein Herz hat, das nach etwas ruft. Es gibt zwei Sichten: die eine, voller Wunder, Licht und Liebe. In dieser Welt gibt es Verbundenheit – auch zu dem verstorbenen Kind. Und dann ist da die andere Sicht, die andere Perspektive. In der zweiten Strophe des Liedes heißt es (übersetzt aus dem Englischen von mir): „Wir sind krank und müde, die Dinge so zu sehen wie sie sind: Pferde sind nur Pferde und ihre Mähnen sind nicht voller Feuer. Wiesen sind nur Wiesen und es gibt keinen Gott. Und alle verstecken sich und alle sind grausam. Und es hat keinen Mangel an Tyrannen und an Täuschung.“

 

In der dritten Strophe rettet sich dann der Sänger wieder in eine andere Wahrnehmung, eine Wahrnehmung der Hoffnung. Und die Musik unterstützt das. Es wird Licht, es wird hell. Es gibt Poesie, eine Poesie des Schmerzes, die die Dunkelheit der Verzweiflung kennt, sie durchlebt und durchbricht, um dann von der Hoffnung auf Licht zu singen.

 

Die drei Jünger, die mit Jesus auf den Berg gegangen waren, haben das Licht gesehen, die Stimme gehört. Später haben sie Jesus trotz dieser Erfahrung verraten. Auch nur Menschen! So wie Du und ich. Wir tragen und ertragen die Finsternis einer Welt, die selten existentiell nach Gott fragt. Erfahren wir aber, dass Gott da ist, sein Licht scheint, dann kann es sein, dass mit diesem Licht die Dunkelheit umso deutlicher wird.

 

Lasst uns nicht stehen bleiben und verzweifeln! Lasst uns das Licht wahrnehmen, das da scheint an dunklem Ort – auch auf die Gefahr hin, dass wir die Dunkelheit erst einmal umso mehr wahrnehmen. Das kann erschrecken und Angst machen.

 

Allmählich aber wird es hell. Der Morgenstern geht auf – nicht äußerlich, sondern in unseren Herzen. Noch ist der neue Tag nicht da. Bekanntlich ist gerade die Zeit am Ende der Nacht und kurz vor dem neuen Tag die kälteste. Der neue Morgen aber kommt unaufhaltsam.

 

Der neue Morgen kommt. Dunkel sind die Tage gerade trotzdem oft. Auch da gibt es Hoffnung: Der Frühling kommt. Hier und da strecken die ersten Schneeglöckchen die Köpfe zaghaft aus dem Boden.

 

Es gibt Zeichen der Hoffnung in unserem Leben. Lasst sie uns sehen – und lernen. Das Dunkel unserer Angst – vor Krankheit und vor Tod – kann das Licht des neuen Morgens, des neuen Lebens, nicht aufhalten. „I am beside you“ – immer wieder singt Nick Cave diese Worte: „Ich bin bei Dir.“ Am Ende ist das die Stimme, die uns führt. Es ist Gottes Stimme, hörbar in unserer Welt, dort, wo Hilfe und Geleit angeboten wird.
Und sei es auch der letzte Weg, den wir gehen werden, an dunklem Ort, selbst in Todesnacht geht der Morgenstern auf, neues Leben verheißend. Ein Leben bei und mit Gott. Geborgen und erwacht zu ewigem Leben, ewiger Liebe werden wir Gott loben und preisen. Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen

 

Gebet:

 

O Friede, der nun alles füllet,
erfüll auch uns mit süßer Ruh,
und bis ein Tag sich neu enthüllet,
deck uns mit trauten Träumen zu.

 

Wie manches, was des Tages Wille
mit rechter Klarheit nicht ergreift,
dem hilf, daß es in deiner Stille
zu freundlicher Vollendung reift!

 

Wen Schicksalsschläge grausam trafen,
den laß vergessen, was geschehn;
wer neid- und haßerfüllt entschlafen,
den lass versöhnt den Morgen sehn!

 

So allem, dem gleich uns auf Erden,
zuteil des Lebens schwankes Los,
laß deines Segens Tiefe werden,
gib Kraft aus deinem heil’gen Schoß.

 

(Christian Morgenstern)

Wort für den Tag: 3. Februar 2021

Ob Worte wie Umarmungen sein können? Oder wie eine zärtliche Hand, die tröstet, wenn ein Kind weint? Oder wie eine segnende Hand, die zu spüren ist, während die Segensworte gesprochen werden? Die Berührungen fehlen in dieser Zeit. Trotzdem sind Worte mehr als „nur“ Worte:

 

„So ist mein Wort, das hervorgeht aus meinem Mund: Nicht kehrt es leer wieder zu mir zurück, sondern es tut, woran ich Gefallen habe, und ihm gelingt, wozu ich es gesandt habe.“ (Jes. 55, 11) Losung der Brüdergemeine von gestern)

 

Wort für den Tag:
Telefongespräche ersetzen Besuche. Manche Menschen sehe ich auf dem Bildschirm, immerhin regelmäßig, aber die körperliche Nähe fehlt. Doch wenn ich, was selten geschieht, einen handgeschriebenen Brief bekomme, bin ich glücklich: Der Mensch rückt mir auf eine andere Weise nah als auf dem Bildschirm. Er lässt mich teilhaben an seinen Gedanken, auch wenn die schon ein paar Tage alt sind. Sie erzählt etwas von ihrem Erleben, von dem was ihr wichtig ist über den Tag hinaus, und ich bin dabei, vermittelt durch die Worte. Ob im Gespräch oder im Brief – Worte bauen auf und richten auf, Worte lassen uns einen Weg gemeinsam gehen, einen Rückblick oder einen Ausblick gemeinsam betrachten. Worte lassen Raum für die Gefühle. Es können andere Gefühle sein, als der Sprechende oder die Schreibende im Sinn haben: Mitunter haben Worte weniger Gewalt über die Gefühle als Gesten. Sie lassen mir und meinen Gefühlen mehr Raum.
Wenn Gott doch deutlicher spräche! Wenn ER doch wirksamer eingriffe, Kranke gesund machte, Gerechtigkeit für die Armen durchsetzte, die Aufnahme von Schutzlosen erzwänge! Diese Wünsche waren schon damals da, als Jesaja das Wort aufschrieb, das von Gottes Wort erzählt. Bis heute sind die Wünsche nicht kleiner geworden, dass Gott deutlicher etwas verändern solle zum Besseren. Damals wie heute verspricht Gott, dass sein Wort wirkt.
Ob ich dem bloßen Wort zu wenig zutraue? Ob ich mich erinnern soll, was für eine Kraft in den Worten steckte, die mir gut getan haben? Ob ich aus diesen Erfahrungen heute erst recht Gottes Wort trauen soll?
Sein Wort hört nicht auf zu wirken, wenn ich schon aufgegeben habe. Sein Wort bestätigt Träume und zerstört Träume. Sein Wort löst Freude aus und Erschrecken. Sein Wort will geprüft werden, dass sich niemand anmaßend Seiner Worte bedient, und Sein Wort entzieht sich der Überprüfung. Sein Wort ist hart und dauerhaft wie Felsen und weich und flüchtig wie Schnee. Sein Wort ist zart und hell wie das erste Schneeglöckchen und treffend und unbestechlich ohne Vergleich. Sein Wort nennt unerbittlich die Schuld beim Namen und spricht frei. Sein Wort schafft Aufruhr, wo Friedhofsruhe herrscht, und es schafft Frieden den unruhigen Herzen. Nie werde ich ans Ende kommen mit dem Nachsinnen über Sein Wort. Was will ich mehr?
In dieser besonderen Zeit will ich unseren Worten mehr zutrauen, die sich an Seinem Wort ausrichten, von Seinem Wort anregen lassen. Ich will gut hinhören. Ich will in meinen Grenzen weitergeben, was ich von IHM weiß, und IHN preisen.

 

Lied: „Herr, öffne mir die Herzenstür“, EG 197, Str. 2:
Dein Wort bewegt des Herzens Grund, dein Wort macht Leib und Seel gesund,
dein Wort ist‘s, das mein Herz erfreut, dein Wort gibt Trost und Seligkeit.

 

Gebet:
Du sprichst. Du bringst uns zum Verstummen, damit wir hören. Du bringst uns zum Reden, damit weitererzählt wird, was Du sprichst. Hilf mir zu schweigen, wenn ich hören soll. Hilf mir zu sprechen, wenn ich reden muss. Gib mir Deinen Geist zum Hören und zum Reden.
Ich danke Dir für alle Deine guten Worte. Heute danke ich Dir für das Wort, das mich heute berührt. Amen.

 

Ihnen allen einen gesegneten Tag wünscht Martin Herzfeld.

Wort für den Tag: 2.02.2021

Wage zu träumen von dir und dem, was du nicht bist
Wage zu träumen von dir und dem, was du nicht hast
Wage zu träumen von dir, wie du wirklich bist
Wage zu träumen von dir
und nach dem Erwachen verwasche nicht dein traumhaft
wahres Gesicht

Margot Bickel

 

Als ich 17 war, bin ich in Naumburg zur Schule gegangen und habe im Internat gewohnt. Wir waren zu dritt auf einem Zimmer. Schon damals habe ich sehr gern Kaffee getrunken und mit meinen Freundinnen nachmittagelang zusammengesessen und geschwatzt. Wir haben natürlich unsere Mitschülerinnen und Lehrer beurteilt, den letzten Kinobesuch ausgewertet, viel gelacht und Pläne geschmiedet, was aus uns wohl einmal werden wird.
Heute verabreden sich Jugendliche zu einem gemeinsamen Filmabend ohne direkten Kontakt. Man sitzt jeweils im eigenen Haus und Zimmer, vor dem eigenen Bildschirm, schaut dennoch denselben Film und spricht per Handy über das Gesehene. Die Not macht erfinderisch. Ich habe aber auch von Jugendlichen gehört, die krank geworden sind, weil ihnen der direkte Kontakt zu anderen fehlt. Die Kommunikation über den Bildschirm kann menschliche Nähe eben nicht wirklich ersetzen. Doch vor allem fehlt vielen Jugendlichen eine Perspektive: Was wird aus mir? Wie geht es mit mir weiter? Sie wagen nicht zu planen, zu träumen und haben auch zu wenig Möglichkeiten, sich auszuprobieren.
Am 2. Februar feiern wir Christen den Tag der Darstellung Jesu im Tempel (Lichtmess). Maria und Josef bringen ihren Sohn in den Tempel. Dort begegnet ihnen Simeon, ein gottesfürchtiger Mann, wie Lukas es in seinem Evangelium (Lukas 2, 22-35) erzählt. Simeon sieht Jesus und sein Gesicht beginnt zu strahlen. Er spürt, er erkennt, dass Jesus einmal ein besonderer Mann werden wird, ein Heiland, einer, der den Menschen viel Gutes tut.
Mich berührt, wie groß dieser alte Mann von Jesus, der zu diesem Zeitpunkt noch ein kleines Kind ist, denkt, wie viel er ihm zutraut. Simeon wagt von einer Zukunft zu träumen, die Heilung, Gerechtigkeit und Frieden bringt. Mit und durch Jesus wird für Simeon diese Zukunft Wirklichkeit.
Wie wäre es, wenn auch wir wagen, von einer guten Zukunft zu träumen. Und wenn auch wir erkennen oder erahnen, wozu unsere Kinder und Jugendlichen berufen sind. Sie zu bestärken auf ihrem Weg, mit ihnen zu hoffen, das weitet auch unseren Blick. Es tut uns allen gut.

 

Lied: EG 222, 1


1) Im Frieden dein, o Herre mein, lass ziehn mich meine Straßen.
Wie mir dein Mund gegeben kund, schenkst Gnad du ohne Maßen,
hast mein Gesicht das sel'ge Licht, den Heiland schauen lassen.


Gebet


Gnädiger Gott, schenke mir ein offenes Herz und einen wachen Blick, damit ich erkenne, wie viel Großes, Mutiges, Hoffnungsvolles in meinen Mitmenschen steckt. Lass mich erkennen, wo ich gebraucht werde zu trösten, zu bestärken, zu träumen. Sei mit deiner Kraft in meiner Kraft, mit deiner Liebe in meiner Liebe. Amen

 

Tipp für den Tag:
Unterhalten Sie sich mal ganz in Ruhe mit einem Jugendlichen, einer Jugendlichen über die Zukunft, wenn nicht anders möglich auch per Zoom oder Skype.

 

Einen traumhaften Tag wünscht Ihnen Gundula Eichert (Pfarrerin in der Laurentiusgemeinde)

Wort für den Tag: Montag, 01. Februar 2021

In jener Zeit kamen Jesus und seine Jünger an das andere Ufer des Sees, in das Gebiet von Gerasa. Als er aus dem Boot stieg, lief ihm ein Mann entgegen, der von einem unreinen Geist besessen war. Er kam von den Grabhöhlen, in denen er lebte. Man konnte ihn nicht bändigen, nicht einmal mit Fesseln. Schon oft hatte man ihn an Händen und Füßen gefesselt, aber er hatte die Ketten gesprengt und die Fesseln zerrissen; niemand konnte ihn bezwingen. Bei Tag und Nacht schrie er unaufhörlich in den Grabhöhlen und auf den Bergen.
(Evangelium nach Markus, Kapitel 5, Verse 1-5)


Wort für den Tag


Ehrlich mal, mir kommt es so vor, als ob das genau jetzt auch noch, oder wieder, oder schon immer passiert. Da rennen Menschen durch die Gegend und benehmen sich wie Besessene. Wobei, es gibt verschiedene Weisen von Besessenheit. Angenommen, jemand möchte etwas Gutes erreichen und ist ‚besessen‘ von seiner Idee. Er sucht Mitstreiter und fängt auf wohltuende Weise an, diese Idee umzusetzen. Dann missfällt uns das nicht.


Nur derjenige, der sich nicht an die Regeln hält, der ausschert, der fällt mir auf. Und damit meine ich nicht die Jugendlichen, die ‚hormongesteuert‘ ihre Welt neu ordnen und sich nicht gleich um jede ‚Gepflogenheiten‘ scheren.


Erstaunliches wird gesagt, wenn ich im Evangelium weiterlese. Da steht: der sich ‚außer Rand und Band‘ bewegende Kerl nennt Jesus den „Sohn des höchsten Gottes“. Ja genau, der Verrückte erkennt die Macht des Messias.
Kann ich das auch sagen: Jesus, du bist ‚der und der‘? Welche Worte finde ich für ihn?
Oder anders: rede ich von Jesus vor meinen Mitmenschen als dem Höchsten?


Lied


Singen Sie Wir glauben Gott im höchsten Thron


Da der Text möglicherwiese noch urheberrechtlich geschützt ist, wird er hier vorsichtshalber nicht angezeigt.
Das Lied ist im Ev. Gesangbuch unter der Nummer 184, im Gesangbuch der Freikirchen unter der Nummer 338 und im Gotteslob unter der Nummer 355 zu finden.


„Der Text ist als Zusammenfassung der grundlegenden christlichen Glaubensinhalte konzipiert, wie sie im Nizänischen und im Apostolischen Glaubensbekenntnis mit ökumenischer Geltung formuliert sind. …


Im Jahr 1937 ein streng lehrhaftes, überzeitliches Bekenntnislied zu schreiben, bedeutete die Negation der von den Deutschen Christen propagierten heilsgeschichtlichen Deutung des Dritten Reiches und die Bekräftigung des sechsfachen „Wir verwerfen die falsche Lehre …“ der Barmer Theologischen Erklärung von 1934.


Die Betonung des stellvertretenden Leidens Christi für uns in Strophe 3 und des Tröstens und Aufrichtens in Strophe 2 setzt einen spezifisch lutherischen Akzent.


Am 26.01.2021 aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Wir_glauben_Gott_im_h%C3%B6chsten_Thron


Gebet


Gott, du bist der Gott der Götter.
Vieles in unserem Leben halten wir für lebensnotwendig und grundlegend.
Mach uns bewusst(er), was es heißt, Jesus zu folgen als dem Weg und der Wahrheit und dem Leben.
Mach uns das bewusst, heute, jetzt und bis an das Ende unserer irdischen Tage.
Amen.


Vorschlag für den Tag


Machen Sie mal eine Liste, was Sie alles als lebensNOTwendig erachten.
Und dann fragen Sie sich: rettet das vor dem Tod?


Welche Geister schlummern (noch) in Ihnen?

 

Ich wünsche Ihnen, dass Sie von allen guten Geistern befallen werden.
Gemeindereferent Johannes Knackstedt, Katholische Pfarrei Carl Lampert, Halle

Wort für den Tag, 30.01.2021

Liebe Leserinnen und Leser, für heute habe ich einen Bibelvers aus dem 23.Psalm ausgewählt. Ich weiß, den kennt jeder, aber dennoch. Vor einiger Zeit bin ich an zwei Sätzen hängengeblieben:

 

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
Du salbst mein Haupt mit Öl und schenkst mir voll ein. ( Psalm 23, 5)

 

Ich stell mir einen Menschen vor, der sich bedroht fühlt, nicht von einem feindlichem Heer wie David damals, aber andere feindliche Mächte haben von ihm Besitz ergriffen.
Dunkle Wolken sind aufgezogen, eine beängstigende Mischung aus Sorgen, Überforderung, Ärger, Hilflosigkeit, Depression...
Sein Blick ist fixiert auf diese „Feinde“ und sie machen ihm Leib und Seele krank.
Da kommt Besuch, ein Freund.
Er hat eine Suppe mitgebracht und deckt ganz still den Tisch.
Die Becher gießt er voll bis an den Rand, um sich dann seinem Freund gegenüber zu setzen und einfach zu warten, er hat Zeit.
Es gelingt ihm, die flatternden Augen seines Gegenübers aufzufangen und festzuhalten.
Er schenkt dem Freund volle Aufmerksamkeit, und nach langem Schweigen öffnet sich schließlich dessen Mund. Er schüttet sein Herz aus...
Freilich, die feindliche Bedrohung ist dadurch nicht einfach weg, aber für eine gewisse Zeit außer Kraft gesetzt.
Ein Tisch ist bereitet, im Angesicht der Feinde, um Kraft zu schöpfen und „ihnen“ dann entgegenzutreten. Das ist Gottes Zeit, er sammelt das Bedrohliche hinter seinem Rücken, schenkt dem menschlichen Blick eine neue Weite, die durchatmen lässt. Er segnet (salbt) und schenkt Geborgenheit. Und er befähigt Menschen, sich untereinander in dieser Weise nahe zu sein.

 

Lied Nr. 274 im EG, die Verse 1,3 und 4 (Nachdichtung des 23. Psalms)

 

Der Herr ist mein getreuer Hirt, hält mich in seiner Hute,
darin mir gar nicht mangeln wird jemals an einem Gute.
Er weidet mich ohn’ Unterlass, da aufwächst das wohlschmeckend‘ Gras
seines heilsamen Wortes.

 

Gebet
Treuer Gott, du bist auch heute derselbe Herr wie damals, zu Davids Zeiten.
Du willst unser Gesprächspartner sein, unseren Blick auf dich ziehen und uns so im Alltag stärken.
Schenke uns die Erfahrung deiner Nähe, deiner Kraft und einen aufmerksamen Blick für unseren Nächsten.

 

Vielleicht lesen Sie den 23. Psalm noch einmal in der Bibel nach und entdecken etwas für sich ganz persönlich.

 

Einen gesegneten Sonnabend wünscht Barbara Schatz

Wort für den Tag: 29. Januar 2021

26 In jener Zeit sagte Jesus: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät; 27 dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst und der Mann weiß nicht, wie. 28 Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre. (Mt 4,26-28)

 

Dieser Text ist dem Evangelium entnommen, das heute in den Gottesdiensten der katholischen Kirche gelesen wird. Auf der einen Seite werden wir entlastet. Wir müssen den Pflanzen beim Reifen nicht nachhelfen. Auf der anderen Seite aber fordert es uns auf, sich in dem zu üben, was uns, wenn wir darauf angewiesen sind, am meisten fehlt: Geduld.
Wann bin ich endlich mit dem Impfen an der Reihe? Wann dürfen wir uns wieder treffen – ohne Angst und ohne Einschränkungen? Zugegeben, Fragen, die viele gern hätten, denn für den, der selbst an Corona erkrankt ist, gibt es existentiellere Nöte: Wann werde ich die Krankheit über¬wunden haben? Wann ist endlich die Quarantäne vorbei? Wird es Spätfolgen geben? Und noch be¬drückender ist es für jene, die einen lieben Menschen verloren haben. Wird es jemals wieder ein normales Leben geben? Wie soll ich ohne den/die Geliebte leben?
Weil es auf viele Fragen keine eindeutigen Antworten gibt, sondern immer nur ein Tasten hinein in die existentiellen Wahrheiten, lädt Jesus im Gleichnis ein, darauf zu vertrauen, dass in der Tiefe des Herzens eine unendliche Lebensfülle keimen, wachsen und reifen will.
Intensiv leben und sich hineintasten in die existentiellen Wahrheiten – in Freude und Leid, in Licht und Dunkelheit – und dabei darauf vertrauen, dass Gott in uns und in dieser Welt am Werk ist, so wenig wie ich ihn letztendlich verstehe, das wünsche ich Ihnen und mir für diesen Tag.

 

Lied Gotteslob Nr. 457
1. Suchen und fragen, hoffen und sehn, miteinander glauben und sich verstehn, lachen, sich öffnen, tanzen, befrein, so spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein. So spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein.
2. Klagende hören, Trauernde sehn, aneinander glauben und sich verstehn, auf unsre Armut lässt Gott sich ein, so spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein. So spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein.

 

Gebet
„Herr, segne meine Hände, dass sie behutsam seien, dass sie halten können, ohne zur Fessel zu werden, dass sie geben können ohne Berechnung, dass ihnen innewohne die Kraft, zu trösten und zu segnen. Herr, segne meine Augen, dass sie die Bedürftigkeit wahrnehmen, dass sie das Unscheinbare nicht übersehen, dass sie hindurchschauen durch das Vorder¬gründige, dass andere sich wohl fühlen können unter meinem Blick. Herr, segne meine Ohren, dass sie Deine Stimme zu erhorchen vermögen, dass sie hellhörig seien für die Stimme der Not, dass sie verschlossen seien für den Lärm und das Geschwätz, dass sie das Unbequeme nicht überhören. Herr, segne meinen Mund, dass er Dich bezeuge, dass nichts von ihm ausgehe, was verletzt und zerstört, dass er heilende Worte spreche, dass er Anvertrautes bewahre. Herr, segne mein Herz, dass es Wohnstatt sei Deinem Geist, dass es Wärme schenken und bergen kann, dass es reich sei an Verzeihung, dass es Leid und Freude teilen kann.“ 1

 

Impuls: Geduld kann wachsen, wenn ich daran denke, dass das Glas halb voll und nicht halb leer ist. Versuchen Sie, eine schlechte Nachricht in eine gute umzuformulieren.

 

Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Pfarrer Magnus Koschig


1 Antje Sabine Naegeli, Du hast mein Dunkel geteilt. Gebete in unerträglichen Tagen, Herder Freiburg 2020, S. 108f

Wort für den Tag: Donnerstag, 28. Januar 2021

Jakob sprach: Herr, ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und aller Treue, die du an deinem Knechte getan hast; denn ich hatte nicht mehr als diesen Stab, als ich hier über den Jordan ging, und nun sind aus mir zwei Lager geworden.

(1. Mose 32,11)

 

Wort für den Tag:
Alles, was ihre Familie und sie sich seit dem Jahr 1913 aufgebaut haben, steht jetzt in Frage. In vierter Generation führt sie einen Friseursalon mit 22 Angestellten. Der Salon ist seit vier Mona-ten, mit dem ersten Lockdown zusammengerechnet, geschlossen. Das Konto ist leer. Ein Schul-denberg ist am Wachsen. „Wie soll man vier Monate ohne Einnahmen überbrücken? Was sage ich meinen Angestellten? Ich weiß gar nicht mehr, wie ich das alles meistern soll.“ Ob sie ans Aufgeben denke: „Nein“, antwortet sie, „ich will und ich werde kämpfen. Ich liebe meinen Be-ruf. Ich mache ihn mit so viel Herzblut. Ich möchte es gerne schaffen. Aber ich weiß nicht, wie lange es noch gehen wird.“
Wie Jakob schaut sie auf das, was ihr in ihrem Leben zum Segen geworden ist. Aber sie hat Angst, genau wie Jakob, all das zu verlieren. Was wird dann sein? Der Gedanke an ein Leben ohne Friseursalon, ohne die tägliche Arbeit und die dankbaren Kundinnen und Kunden lässt in ihr eine unerträgliche Leere entstehen. Dem will sie sich nicht ausliefern. „Ich will und ich werde kämpfen.“
Lassen Sie uns, wie diese Friseurmeisterin, nicht müde werden, um das zu kämpfen, was unser Herz höher schlagen lässt. Lassen Sie uns nicht müde werden, Gott unsere Ängste und persönli-ches sowie anderes Leid zu klagen. Lassen Sie uns nicht müde werden, Gott um Bewahrung zu bitten und ihm für alles Gute und Segensreiche zu danken.

 

Lied:
Was Gott tut, das ist wohlgetan, es bleibt gerecht sein Wille;
wie er fängt seine Sachen an, will ich ihm halten stille.
Er ist mein Gott, der in der Not mich wohl weiß zu erhalten;
drum lass ich ihn nur walten.

 

Was Gott tut, das ist wohlgetan, er ist mein Licht und Leben,
der mir nichts Böses gönnen kann; ich will mich ihm ergeben
in Freud und Leid, es kommt die Zeit, da öffentlich erscheinet,
wie treulich er es meinet.

 

Was Gott tut, das ist wohlgetan, dabei will ich verbleiben.
Es mag mich auf die rauhe Bahn Not, Tod und Elend treiben,
so wird Gott mich ganz väterlich in seinen Armen halten;
drum lass ich ihn nur walten.
(EG 372,1.4.6)

 

Gebet:
Herr, Du barmherziger und treuer Gott,
viele persönliche Erlebnisse und Nachrichten aus der Welt nehmen uns unseren Mut. Gib uns die Kraft, unsere Not und unser Leid vor Dir auszusprechen. Gib uns Entschlossenheit in unser Herz, damit wir für das kämpfen, was uns am Herzen liegt. Und lass uns Dir vertrauen, dass Du es gut mit uns meinst. Lass uns heute besonders an die Menschen denken und für sie beten, de-ren berufliche Zukunft ungewiss ist und die um ihre Existenz kämpfen.
Amen.


Tag-Werk:
Lesen Sie 1.Mose 32,1-13. Aus diesem Abschnitt ist der obige Vers entnommen.
Überlegen Sie, für was oder wen Ihr Herz besonders schlägt oder was Sie mit Herzblut tun. Für was lohnt es sich, gerade zu kämpfen?

 

Mit herzlichen Grüßen und Segenswünschen für den heutigen Tag!
Ihre Katrin Mang (Vikarin)

Wort für den Tag, Mittwoch, 27.Januar 2021

Liebe Leserinnen und Leser,


es passiert immer wieder mal, da hat man eine Idee, doch bevor man sie umsetzen kann, war jemand schneller. Mir erging es heute Abend so, als ich den Text für den morgigen Tag anschaute. Schnell musste ich feststellen, genau diese Schriftstelle hatte ich mir ebenfalls für meine Gedanken ausgewählt. Nun blieb mir nichts anderes übrig, als erneut in der Bibel zu blättern und darauf zu vertrauen, fündig zu werden. Vertrauen – sich etwas zutrauen – sich anvertrauen – sich trauen, darüber wollte ich, will ich gemeinsam mit Ihnen nachdenken. Mitten in diese Überlegung hinein rief mich ein guter Freund an und als ich ihm kurz berichtete, woran ich gerade saß, meinte er spontan: Was hältst du von Abraham? Abraham ? Na klar, super, dankeschön! Gott sprach zu Abraham: Mache dich auf, Abraham! Mache dich auf mit deiner Frau Sarah und zieh weg aus deinem Land, weg von deinen Verwandten und Freunden, weg von deinem Zuhause! Zieh fort in das Land, das ich dir zeigen werde. (1. Buch Mose/ Genesis 12, 1)


Wort für den Tag


Abraham, wer seine Geschichte kennt, weiß: Immer wieder wurde er vor die Herausforderungen gestellt, Gottes Worten zu vertrauen. Sich ihm anzuvertrauen, auch wenn er nie wusste, wie das Ganze ausgehen würde. Dass Gott Großes mit ihm vorhat, vielleicht ahnte er es, immerhin schien Gott es ihm zuzutrauen. Abraham traute sich, traute sich, weil er Gottvertrauen hatte. Nur, wer das alles auf sein eigenes Leben zu projizieren vermag, kann erahnen, welches grenzenlose Vertrauen solches Handeln erforderte. An der Stelle werde ich schon recht kleinlaut. Sicher habe ich auch meine Erfahrungen gemacht, habe feststellen dürfen, Gott hatte immer einen Plan für mein Leben, doch die Erkenntnis kam immer erst im Nachhinein. Vertrauen, zurzeit wird es wieder auf eine harte Bewährungsprobe gestellt. Wem und welchen Aussagen kann ich denn noch vertrauen, was traue ich mir zu und wann wird es leichtsinnig? Manchmal überkommt mich das Gefühl, die Vertrautheit, die wir Menschen auch untereinander brauchen, sie geht immer mehr verloren, das tut weh. Wo ist Gott in diesen Tagen, ja inzwischen Monaten? Traut Gott uns das zu, dass wir diese schwere Zeit schadlos überstehen? Anscheinend ja, denn inzwischen merken wir, wie sehr wir einander brauchen. Vertrauen wir wie Abraham Gott, auch wenn es mitunter bis zum Äußersten geht. Alles hinter sich lassen, die schönen Gewohnheiten, das Vertraute, ja alles, was uns lieb und teuer jetzt erscheint. Vertrauen wir auf einen liebenden Gott, der uns nichts nehmen will, der uns aber viel zutraut.


Gebet:

 

Guter Gott, zu dir dürfen wir voll Vertrauen mit unseren Sorgen und Nöten kommen. Unser Leben ist aus den Fugen geraten, wir wissen noch nicht, wann alles ein Ende haben wird. Vieles verunsichert die Menschen und macht sie misstrauisch gegenüber Behörden, Anordnungen und Aussagen. Auf dich dürfen wir bauen, uns dir anvertrauen, so wie Abraham es getan hat. Bleib du als unser Vertrauter mit uns auf dem Weg.


Lied: „Wer unterm Schutz des Höchsten steht“ Gotteslob 423


Wer unterm Schutz des Höchsten steht, im Schatten des Allmächtgen geht,

wer auf die Hand des Vaters schaut, sich seiner Allmacht anvertraut,

der spricht zum Herrn voll Zuversicht: „Du meine Hoffnung und mein Licht, mein Hort,

mein lieber Herr und Gott, dem ich will trauen in der Not.“


Vorschlag für den Tag


Halten Sie für einige Momente mal inne, überlegen Sie: Wann hat sich in meinem Leben, aus einer verfahrenen Situation, einem unerwarteten Ereignis, etwas Neues ergeben, für das ich letztlich Gott dankbar sein darf. Traun Sie sich!


Ich wünsche Ihnen einen Tag voller Gottvertrauen

Monika Klamt KV PLUS Pfarrei Carl Lampert

Wort für den Tag, 26. Januar 2021

Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. Johannes 8,12


Wort für den Tag


Noch steht in unserer Kirche die Krippe mit ihren klassischen Figuren. Doch so langsam werden sie unruhig, scheint es mir. Die Hirten waren zu lange schon fern von ihren Herden. Sie müssen nun los, um nach dem Rechten zu sehen. Sie können sich nicht mehr länger von den Hütehunden vertreten lassen.
Auch die Könige denken daran, sich auf den langen Heimweg zu machen. Lange schon haben sie die Geschäfte ihren Stellvertretern überlassen.
Doch es ist so schwer, sich zu trennen. Dort in dem Stall leuchtet das Licht so warm. Der kleine Säugling verbreitet einen einzigartigen Frieden um sich.
Keiner möchte gehen. Sie ahnen wohl auch, dass sie nicht als die zurückkehren werden als die sie vor Wochen aufgebrochen sind. Wird es ihnen gelingen, etwas von der Geborgenheit des Stalls in den Alltag hinüber zu retten? Wird es ihnen gelingen, sich von den Mühen das Alltags nicht in die Knie zwingen zu lassen?
Wie geht es mir? Bin ich bereit für diesen Weg?


Lied: Der Morgenstern ist aufgedrungen EG 69,1+4


Der Morgenstern ist aufgedrungen, er leucht’ daher zu dieser Stunde
hoch über Berg und tiefe Tal, vor Freud singt uns der lieben Engel Schar.

 

O heilger Morgenstern, wir preisen dich heute hoch mit frohen Weisen;
du leuchtest vielen nah und fern, so leucht auch uns, Herr Christ, du Morgenstern


Gebet


Gott, ich möchte das weihnachtliche Licht und seine Wärme gern festhalten. Aber sie können nur bestehen, wenn sie neue Kraft bekommen. Darum bitte ich dich: Lass das Licht in mir leuchten. Lass es um mich herum Kraft behalten für den Alltag. Amen.


Tag-Werk


Wenn Sie sich noch nicht getrennt haben von der Krippe - gehen Sie mit einer der Personen oder auch mit einem der Tiere den Weg zurück in die Heimat. Was werden Sie den Menschen dort erzählen? Wobei bekommen Sie leuchtende Augen?

 

Simone Carstens-Kant, Pfarrerin in der Marktkirchengemeinde

Wort für den Tag, 25. Januar 2021

Und es erhob sich ein großer Windwirbel, und die Wellen schlugen in das Boot, sodass das Boot schon voll wurde. Und er war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen? Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig! Verstumme! Und der Wind legte sich und es ward eine große Stille. (Markus 4, 37-39)


Wort für den Tag


In unserem Leben tobt ein Sturm. Ein Virus hat alles durcheinandergewirbelt und bringt tiefe Fragen an die Oberfläche: Welchen Stellenwert hat die Gesundheit, welchen Platz hat der Tod in unserem Leben, wie sieht Trost im Angesicht eines einsamen Sterbens aus, wie viel Einsamkeit ertragen wir? Und dann diese Geschichte aus dem Markusevangelium! Mit zwei Worten bringt Jesus einen Sturm zum Schweigen. Der Wind legt sich, das Wasser liegt ruhig vor ihm und den Jüngern, Stille. Was bin ich neidisch! So eine Sehnsucht nach Stille habe ich.


Und dann stutze ich. Weil Gott mir diesen Frieden schon schenkt! Nicht, indem Corona vorbei ist, wie meine sechsjährige Tochter manchmal betet. Nein, es ist ein Frieden, der anders ist als erwartet und der fein und zärtlich ist. Zum Beispiel: Eine Tasse Kaffee in Ruhe. Ein handgeschriebener Brief. Ein unerwartetes Dankeschön. Ein Lächeln unter der Maske. Ein Moment der Verbundenheit. Das Gefühl: Wir sitzen alle in einem Boot. Kurzum, es ist die Fähigkeit oder besser die Bereitschaft unter all den schrecklichen Nachrichten die guten zu finden, mit offenen Augen und weichem Herzen. Dann legt sich der Sturm im Inneren.


Lied


Befiehl du deine Wege, EG 361:


Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.


Gebet


Gott, manchmal haben wir Angst – vor Ansteckung und um das Miteinander in unserem Land. Manchmal sind wir überfordert – von den Nachrichten, von Homeschooling und Homeoffice. Manchmal ist die Sehnsucht groß – nach Gemeinschaft, nach Leichtigkeit. Gott, du weißt das alles. Du kennst uns. Wir bitten dich: Bleib bei uns, hilf uns hindurch. Still den Sturm in unseren Herzen!


Tag-Werk


Schreiben Sie heute und am besten regelmäßig auf, wofür Sie aus vollem Herzen dankbar sind. Das verändert nicht Ihr Leben, aber den Blick darauf.


Frohe Grüße, Ihre Katja Schmidtke

Wort für den Tag: Samstag, 23. Januar 2021

Liebe Leserinnen und Leser,


es ist Freitag und ich schaue in den Kalender. Morgen bzw. heute Abend können Sie die Worte lesen, die ich jetzt schreiben darf. Meine Gedanken gehen hierhin und dorthin. Viele von Ihnen spüren sicher die Verbundenheit in den Gemeinden und in der einen Gemeinde, die wir Kirche Jesu Christi nennen, die Kirche, die durch seine Liebe grenzenlos und barrierefrei ist.


Und da ist das andere: die Fragen vieler Menschen, wie lange noch? Kinder, die wenig mit anderen Kindern spielen können, die wieder seit Wochen nicht den Halt und die Struktur erfahren, welcher ein geregelter Tagesablauf bietet. 

Ältere Menschen und Hochbetagte, die schon vorher kaum Besuch bekamen und jetzt die Einsamkeit noch stärker zu spüren bekommen.
Menschen, die gezwungen sind, ganz viel Zeit miteinander zu verbringen, obwohl man sich doch daran gewöhnt hatte, mehr und mehr individuelle Wege zu gehen.
Und dabei immer wieder unsere Behauptung: GOTT ist da. Licht und Liebe sind zu spüren im Hier und Jetzt. Manchem fällt es schwer, dem zu vertrauen.


Die Losung für Samstag, 23. Januar steht in Jeremia 32,41: „So spricht der HERR: Es soll meine Freude sein, ihnen Gutes zu tun.“


Das kenne ich: Das Gute – es ist ein Grund für ehrenamtliches Engagement. Ich helfe und erfahre selbst Hilfe. Ich spende Freude und spüre diese Freude auch. Ich wende mich in Liebe zu und kann gerade in dieser Zuwendung auch Liebe spüren. Es macht Freude zu helfen; Freude macht es anderen Freude zu bereiten. So wird von Gott gesprochen: als einer fühlenden Macht. Gott kann sich freuen. Seine Freude erwächst aus Akten der Güte gegenüber seinen Geschöpfen, seinen Menschen.


Doch wie ist es, wenn Menschen diese Güte nicht annehmen können? Sie schlicht und einfach übersehen und nicht wahrnehmen? Sich selbst genügen oder meinen genug sein zu können? Ja, selbst in tiefer Trauer und Dunkelheit öffnen viele immer noch nicht ihre Herzen, um das Licht seiner Liebe zu sehen. Von Selbstmitleid spricht der eine, von Resignation und Verzweiflung eine andere. Es scheint keinen Ausweg zu geben.
Oft habe ich die Erfahrung gemacht, dass da oft eine Angst ist vor dem Dunkel, eine Angst vor der Trauer. Eine Angst, die zu Lähmung führt. 
Viele Menschen, die Trauer und Dunkelheit annehmen konnten, fanden auch eine Kraft in sich, die sie getragen, weiter getragen hat. Menschen, die sich als Verlorene erfahren haben, konnten gefunden werden. Von Gott. Und irgendwann ist da in der Dunkelheit ein Licht – vielleicht nur ein ganz kleines. Dieses Licht gibt Hoffnung, so finster es auch sein möge. Der Lehrtext zur Losung bezieht dies auf Jesus Christus. Seine Worte lauten:


„Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ (Lukas 19,10).

 

Lasst und beten:
Wir danken dir, unser Vater, für das Leben und die Erkenntnis, die du uns geoffenbart hast durch Jesus Christus, deinen Knecht. Dir sei Ehre in Ewigkeit. Wie dies zerbrochene Brot zerstreut war auf den Bergen und zusammengebracht eins wurde, so werde deine Kirche zusammengebracht von den Enden der Erde in dein Reich. (aus der ältesten christlichen Kirchenordnung, Didache um 100 n.Chr)

 

Ich lade Sie ein zu singen: EG 56


KV Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsere Nacht nicht traurig sein!


1) Der immer schon uns nahe war, stellt sich als Mensch den Menschen dar. KV
2) Bist du der eignen Rätsel müd? Er kommt, der alles kennt und sieht! KV
3) Er sieht dein Leben unverhüllt, zeigt dir zugleich dein neues Bild! KV
4) Nimm an des Christus Freundlichkeit, trag seinen Frieden in die Zeit! KV
5) Schreckt dich der Menschen Widerstand, bleib ihnen dennoch zugewandt! KV


Gott segne unsere Wege an diesem Tag,
was auch kommt und gehen mag.
Amen.


Martin Schmelzer

Wort für den Tag: 22. Januar 2021

Werden es heute weniger als 1000 in der Folge der Virusinfektion Gestorbene sein? Gestern meldete das RKI: 1013 Tote. Ich höre Zahlen und kenne die Menschen nicht, von denen sie berichten. Vor ein paar Tagen erhielt ich die Nachricht von einem, der gestorben ist, den ich kannte. Seine Tochter, seine Enkelkinder trauern. Aber selbst das Trauern ist nicht frei. Es muss den Regeln gehorchen, die weitere Ansteckungen verhindern sollen. Wie lange noch?

 

„Dann werden sie umkehren, die Kinder Israels, und den Ewigen suchen, ihren Gott, mit Zittern werden sie sich an den Ewigen wenden, und seine Segensfülle wird da sein am Ende dieser Tage.“ (Hos 3, 5; Losung der Herrnhuter Brüdergemeine zum heutigen Tag)

 

Wort für den Tag:
Schon sehr lange reden die Propheten vom Umkehren. Schon sehr lange wird das auf Kirchentagen gefordert, in vielen Predigten, in manchen klugen Artikeln. Aber wann und wie gelingt es, dieses große Umkehren zur Segensfülle? Wann bricht es endlich an, das Leben ganz in Frieden, in so großem Frieden, dass kein neues Überspringen eines Virus aus der Tier- in die Menschenwelt zu fürchten ist? Wann bricht es an, das große Umkehren, das keinen in Not mehr allein lässt, das die liebevolle, fürsorgliche Seite des Menschen feiert? Nie – oder erst am Ende aller Tage?
Liegt es an mir, und an vielen Millionen Einzelnen, dass das Umkehren nicht gelingt, oder nur halb, und die andere Hälfte immerzu aufgeschoben wird? Oder liegt es an den Rahmenbedingungen, die doch andere schaffen müssen, die Politik, die Gesetzgeber, die „Spielregeln“ der Wirtschaft, nicht ich?
Manchmal gibt es solche Sternstunden, in denen Katastrophen zum Umdenken führen. Ich habe sie selber miterlebt. Auf einmal gehen die Grenzen für verzweifelte Flüchtlinge auf, und die Hilfsbereitschaft scheint grenzenlos. Auf einmal wird „Fridays for future“ gehört, und alle Parteiprogramme werden „grün“. Jedes mal gehen die vielen Einzelnen und die Politik zusammen, und zuvor fest verschlossene Türen springen plötzlich auf.
Ob diese Pandemie auch eine Sternstunde auslösen kann: Wilde Tiere, von den unscheinbarsten kleinen bis zu den großen, werden besser geschützt, ihre Lebensgebiete in Urwäldern und Ozeanen blühen auf, und auch die Feldraine und Waldränder und Wiesen in unserer Umgebung blühen mit?
Das Trauern nimmt auf einmal den ersten Platz ein, der Verstorbenen wird in den Familien und öffentlich gedacht, und wirkliche Lebensfreude hat wieder Platz nach der Trauer, ist nicht nur oberflächliche Patina, sondern kommt aus der Tiefe?
Und über allem und in allem wird der Schöpfer gepriesen, dessen Geist auch die große Umkehr ins Laufen gebracht hat, und die Menschen in unserer Nachbarschaft lauschen auf unsere Gebete und reißen uns unsere Loblieder von den Lippen?
Noch hat nach diesen Sätzen das Fragezeichen das letzte Wort. Aber den Anfang haben schon die alten Prophetinnen und Propheten gesetzt.

 

Lied: „Komm in unsre stolze Welt“, EG 428, Str. 5
Komm in unser dunkles Herz, Herr, mit deines Lichtes Fülle;
dass nicht Neid, Angst, Not und Schmerz deine Wahrheit uns verhülle,
die auch noch in tiefer Nacht Menschenleben herrlich macht.

 

Gebet:
Du siehst jeden einzelnen an. Mich erschrecken die Zahlen. Du vergisst keinen. Ich halte das nicht aus ohne Vergessen. Um Deinen Geist bitte ich, die Trösterin. Sie soll jede Familie besuchen, die jetzt trauert. Jede Freundin und jeden Freund. Jeden allein Trauernden. Um Deinen Geist bitte ich, die Lebensspenderin. Sie wecke in uns die Erinnerung an Deine Verheißungen. Sie wecke in uns neue Hoffnung und neue Freude über Deinen Segen. Amen.

 

Ihnen allen einen gesegneten Tag wünscht Martin Herzfeld.

Wort für den Tag: Donnerstag, 21. Januar 2021, Hl. Agnes

Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres. (Lukas-Evangelium Kapitel 21, Vers 25)

 

Wort für den Tag:

 

Es scheint, als ob der Himmel auf die Erde stürzt. Merkwürdige Zeichen stehen uns direkt vor Augen. Die Gestirne sind unberührt. Ich erlebe Gesunde, Kranke, Einsame und Menschen, die zur Arbeit müssen. Es gibt Menschen, die freiwillig zu Hause bleiben und solche, die den Sinn dessen anzweifeln. Im Lockdown ist die Welt ungewöhnlich ruhiger. Und doch ist in mir selbst ein Toben und Donnern. Ich verstehe den Sinn vieler Bestimmungen nicht.

 

Hüten wir uns vor schnellen Deutungen der Pandemie „um Gottes und der Menschen willen“. … Auf die Frage, wozu das alles gut sein soll, sollten wir zuerst antworten: ich weiß es nicht - und wir sollten es auch nicht besser wissen wollen als andere. Die fromme Mutmaßung, es gäbe gewiss einen Sinn, etwas Gutes, einen verborgenen Plan dahinter, den Gott allein kenne, wäre zynisch.“ (nach Julia Knop, Dogmatikerin, Erfurt - siehe auch: Es geht an die Substanz. Tag des Herrn Nr. 1 vom 10. Januar 2021 S. 9)
Eines weiß ich aber, ich kann Vieles durchstehen. Meine Großeltern und Eltern haben mir erzählt, dass sie Schlimmes erlebten. Und ich bin schon so alt, dass auch ich selbst Einschränkungen erlebte. Diesen ‚Schatz‘ möchte ich gerne an meine Kinder weitergeben; in der Familie und auch den Kindern in der Gemeinde.

 

Für ihre Unbeirrbarkeit ist die heilige Agnes bekannt. Das wenige, was wir von ihr wissen lesen Sie am besten hier nach. https://www.heiligenlexikon.de/BiographienA/Agnes_von_Rom.htm Agnes lehrt mich: verlier Dein Ziel nicht aus den Augen. So empfindest Du Umwege oder Hürden eben nur als Verzögerung. Sie hatte Gott an ihrer Seite. Welch Trost, denn ich glaube, dass Gott auch mir ganz nah ist. Deshalb kann die Bauernregel des heutigen Tages eine Verheißung für die Früchte meines Lebens sein: „Scheint zu Agnes die Sonne / wird später die Ernte zur Wonne!“

 

Lied ( Link zum Hören von Text und Melodie , dann können Sie mitsingen )

 

1. Du kommst mir so nah wie niemand sonst. Du bist immer da, wohin ich auch komm.
Denk ich an ein Wort, hast du es schon längst gehört.

 

R: Flieg ich dahin, wo die Sonne aufgeht, oder ans Ende des Meers, wo sie versinkt, überall dort wird
deine Hand mich halten, weil dein Licht in die die Dunkelheit dringt, weil dein Licht in die Dunkelheit dringt.

 

2. Wohin kann ich gehn, wo du nicht bist? Gibt es einen Ort, wo du mich nicht siehst?
Steige ich hinauf zum Himmel, da bist du auch.

 

3. Du hast mich gewollt, so, wie ich bin. Schon vor der Geburt hast du mich gesehn.
Deine Liebe reicht viel weiter, als ich versteh.

 

Bridge: /: Sieh dir mein Herz an, wenn ich Gefahr laufe mich zu entfernen von dir.
Sieh dir mein Herz an, zeige mir den Weg auf, den Weg zurück zu dir. :\

 

Gebet

 

Du, Gott, durchdringst alles.
Du bist ohne Anfang und ohne Ende.
Egal, wie was wir Menschen glauben,
du schenkst uns jeden Tag neu.
Danke für jeden Tag.
Danke für alles.
Amen.

 

Vorschlag für den Tag

 

Nehmen Sie sich heute etwas Zeit (beim Spaziergang) und lauschen Sie in Ihre Vergangenheit.
Welche Ziele hatten Sie früher? Erinnern Sie sich, mit welchem Eifer Sie dafür eingetreten sind?

 

Ich wünsche Ihnen Stärke im Leben.
Ihr Gemeindereferent Johannes Knackstedt

Wort für den Tag: 20. Januar 2021

Liebe Leser, es gibt ein Bibelwort, welches mich von Kind an begleitet.

Es ist auf einem kleinen Holzbrett aufgeschrieben und hängt über meinem Schreibtisch:

Seid fröhlich in Hoffnung,

geduldig in Trübsal,
haltet an am Gebet. (Röm. 12, 12)

 

Ich habe dieses Täfelchen aus dem Nachlass meiner Omi.
Als ihre Familie am Ende des Krieges aus Schlesien flüchtete (ein Ehepaar, drei Kinder und eine alte Mutter), zusammengepfercht in Viehwagen,
mit wenig Gepäck, da war auch dieses Holzbrett dabei.
Als man ihnen dann in Halle ein leeres Zimmer zuwies und sie mit Müh und Not wenigstens für die alte Mutter ein Bett auftreiben konnten, da hing dennoch schon bald dieser Spruch an der kahlen Wand.
Solche Dinge hat mir meine Omi erzählt, wenn wir gemeinsam in der Waschküche waren, in der Barfüßerstaße im Hinterhaus, und die Wäsche für die Familie wuschen.
Für mich war das spannend, aber heute denke ich manchmal, wie konnte sie so ohne Bitternis, trotz all des erlebten Leides, ihrer Enkelin davon erzählen?
Sie war trotz allem dankbar, für alles Schöne und Gute im Kleinen und konnte fröhlich sein. In schlaflosen Nächten hat sie viel gebetet, wie auch ihre Tochter, meine Mutti und nun eben auch ich.
Welch ein Geschenk, wenn man in seinem Leben Menschen begegnet, die glaubhaft im Gottvertrauen unterwegs sind, tapfer und fröhlich.

 

Als Lied schlage ich die Nr. 369 im Gesangbuch vor, die Strophen 1,2 und 7

 

Dieses Lied wurde 1641 geschrieben und der Dichter und Komponist, Georg Neumark, bezeichnete es als Trost-und Danklied.
Man erzählt, dass hilfreiche Menschen ihm, dem mittellosem Studenten,
eine Stelle als Hauslehrer verschafften.

 

Gebet:
Hilfreicher Gott, schenke uns für diesen Tag neue Hoffnung ins Herz, Kraft für alle Herausforderungen und lass unser Gespräch mit dir nicht verstummen.

 

Vielleicht schicken wir heute mal ein Dankgebet los für die Menschen,
die uns hilfreich geprägt und beschenkt haben.

 

Herzliche Grüße, Barbara Schatz

Wort für den Tag: 19. Januar 2021

Heute kommen Bund und Länder zu einer neuen Corona-Runde zusammen. Wie bei den letzten Treffen könnte es auch dieses Mal eine Verschärfung des Lockdowns geben. Was hilft uns, in dieser nicht einfachen Zeit solidarisch zu bleiben? Was kann uns motivieren?

 

„Wir wünschen aber, dass jeder von euch im Blick auf den Reichtum unserer Hoffnung bis zum Ende den gleichen Eifer zeigt, damit ihr nicht müde werdet, sondern Nachahmer derer seid, die aufgrund ihres Glaubens und ihrer Ausdauer Erben der Verheißung sind.“ (Hebr 6,11-12)

 

Wort für den Tag:
Bis zum Ende den gleichen Eifer zeigen, das wünsche ich uns. Doch wie soll das gehen, wenn nicht einmal absehbar ist, ob diese Durststrecke bis Ostern oder gar bis in den Sommer andauert?
Was mich überfordert, ist die Weitsicht, alles ab- und einschätzen zu können. Deshalb versuche ich, weniger auf die zu schimpfen, die heute Entscheidungen treffen müssen. Hinter ihnen stehen keine dunklen Mächte, sondern das Bemühen, Leben zu schützen. Eine perfekte Lösung können sie nicht präsentieren, denn perfekt, vollkommen fehlerlos ist nur Gott. Göttliches aber sollten wir weder von anderen noch von uns erwarten. Wir sind begrenzte Menschen, die trotz allem guten Willen Fehler machen und die oft erst aus diesen Fehlern lernen. Also lasst uns barmherzig miteinander umgehen, damit wir gemeinsam die nächsten Schritte gehen können. Egal, was heute Nachmittag beschlossen wird, wir sollten sensibel sein für die Menschen in unserer Nähe. Wer braucht meine Hilfe? Wer droht zu resignieren oder gar in eine Depression abzugleiten? Wo braucht es – bei allem gebotenen Abstand – körperliche, liebevolle Zuwendung?
Wer nicht müde werden will auf dem langen Weg durch die Wüste dieser Pandemie, braucht andere, braucht Zeichen der Ermutigung, Zeichen des Lebens, Zeichen der Hoffnung. Jede und jeder, der geimpft wird, ist für mich ein solches Zeichen. Jede grüne Knospe, die auf den Frühling verweist, macht mir Mut. Und jeder Mensch, der geduldig bleibt und sich mitmenschlich erweist, gibt mir die Hoffnung, dass wir gemeinsam die kommenden Wochen meistern. Was zählt, ist der nächste Schritt: das, was mir heute geboten erscheint. Lasst uns achtsam miteinander umgehen und – trotz aller Einschränkungen – nicht müde werden, damit wir alle Anteil erhalten an der Verheißung, am Leben in Fülle, das hier und jetzt mit dem nächsten kleinen Schritt beginnt.

 

Lied: „Lass uns in deinem Namen, Herr“ (HuT 331; GL 446)
1.-4. Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun.
1. Gib uns den Mut, voll Glauben, Herr, heute und morgen zu handeln.
2. Gib uns den Mut, voll Liebe, Herr, heute die Wahrheit zu sagen.
3. Gib uns den Mut, voll Hoffnung, Herr, heute von vorn zu beginnen.
4. Gib uns den Mut, voll Glauben, Herr, mit dir zu Menschen zu werden.

 

Gebet:
Gott, der Weg ist lang und die Kräfte schwinden. Öffne meine Augen und mein Herz für alle, die mir helfen wollen und denen ich zur Hilfe werden kann. Erschließe mir die Quellen deiner Zu-sagen, damit ich den Mut nicht verliere und Schritt für Schritt den Weg gehe, der dem Leben aller dient. Darum bitten ich dich, der du bei uns bist und bei uns bleibst in Zeit und Ewigkeit. Amen.

 

Und was tun mit der freien Zeit?
Wir sind angewiesen auf ermutigende, stärkende Worte und Gesten. Wem verdanke ich eine solche Ermutigung? Für wen kann ich heute durch ein Wort, eine Geste stärkend und ermutigend sein?

 

Ihnen allen einen erfüllten, einen mit Leben angefüllten Tag wünscht Pfarrer Magnus Koschig

Wort für den Tag: Montag, 18. Januar 2021

Jesus erzählte der Volksmenge ein weiteres Gleichnis: Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn: Ein Mann nahm es und pflanzte es auf seinem Acker ein. Das Senfkorn ist das kleinste von allen Samenkörnern. Aber wenn eine Pflanze daraus gewachsen ist, ist sie größer als die anderen Sträucher. Sie wird ein richtiger Baum. Die Vögel kommen und bauen ihr Nest in seinen Zweigen.
(Matthäus 13,31-32)

 

Wort für den Tag:
Sie sind wirklich winzig, diese Senfsamen. Kein Wunder, dass sie Symbole für etwas sehr Kleines sind. Und mit diesen winzigen Samen vergleicht Jesus das Himmelreich, das Reich Gottes.
Das ist ein merkwürdiger Vergleich. Das Reich Gottes, das Herrschaftsgebiet von Gott, der Ort, an dem man Gott ganz nah ist, der voll seiner Herrlichkeit und ohne Leid ist, der soll wie ein Senfkorn sein, so winzig. Unter Gottes Reich muss man sich doch eher etwas richtig Großes vorstellen, etwas Mächtiges und Triumphales.
Aber so, wie es im Gleichnis bildhaft beschrieben wird, ist das Reich Gottes offensichtlich nicht schon fertig vorhanden, sondern es ist etwas, das noch wachsen muss. Es ist noch winzig, wie ein Senfkorn. Aber es gibt Bedingungen, die sein Wachsen und Großwerden befördern – für das Senfkorn sind das die fruchtbare Erde, Wasser, Licht und Wärme. Und dann irgendwann wird aus diesem winzigen Korn eine große Pflanze, sogar ein Baum, der viel Platz für Vögel hat und ihnen Schatten spendet. Ein Ort voller Lebendigkeit.
Jesus sagt an einer anderen Stelle in der Bibel: Das Reich Gottes ist schon unter uns Menschen.
Das Reich Gottes ist schon unter uns – nur eben sehr klein, so winzig, dass wir es kaum ausma-chen können. Welche guten und förderlichen Bedingungen sind es unter uns, die es wachsen lassen, wie bei dem Senfkorn? Es sind die kleinen Dinge im Alltag, denke ich, oft unscheinbare Ereignisse menschlicher Wärme – Situationen, in denen wir andere Menschen so annehmen, wie sie sind, oder in denen wir eine andere Meinung als unsere eigene anerkennen; Situationen, in denen wir anderen vergeben oder uns mit jemandem versöhnen. Solche „Senfkorn-Erfahrungen“ unter uns lassen etwas vom Himmelreich Gottes aufscheinen.
Ich wünsche Ihnen heute solche Senfkorn-Erfahrungen, die das Potenzial zu etwas ganz Gro-ßem haben.

 

Lied:
Bau dein Reich in dieser Zeit, lass auch uns dazugehören. Bau es für die Ewigkeit, uns zum Heil und dir zu Ehren. Wir sind für dein Reich geboren und nicht an uns selbst verloren.

 

Keinem Schicksal sind wir stumm und verlassen preisgegeben. Denn das Evangelium hilft uns ohne Angst zu leben, deiner Führung zu vertrauen und auf deinen Bund zu bauen.

 

Bau dein Reich in dieser Zeit, setz auch uns zu seinen Zeichen. Bau es für die Ewigkeit, lass uns, bis wir sie erreichen, fröhlich deinen Namen tragen und auf ihn das Leben wagen.
(Durch Hohes und Tiefes 157,1.4.6)

 

Gebet:
Du großer Gott,
in den kleinen Dingen können wir spüren, dass Du bei uns bist. Du machst Verständnis und To-leranz, Liebe und Versöhnung unter uns Menschen möglich.
Lass uns dabei auf Deine Kraft aus dem Himmelreich vertrauen.
Amen.

 

Tag-Werk:
Nehmen Sie sich ein Senfkorn und pflanzen es in ein Töpfchen mit Erde. Lassen Sie sich davon überraschen, wann die ersten Keimblätter zu sehen sein werden.

 

Gehen Sie gesegnet durch diesen Tag!
Ihre Katrin Mang (Vikarin)