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„Du hast mir die Augen geöffnet!“ Eine Hausandacht für Familien am 7. März 2021
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20.03.2021 | 10:00 Uhr
Kirchenputz

Wir wollen wieder Gottesdienst feiern. Und die Kirche soll glänzen dafür. Wir können uns dabei anlächeln, Freundlichkeiten zurufen und durch...
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Predigten und Hausandachten

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Gottesdienste entfallen
Aufgrund der Rundverfügung des Landeskirchenamtes Nr. 1-2021 vom 12. Januar 2021 hat der Gemeindekirchenrat der Paulusgemeinde die Aussetzung der Gottesdienste bis voraussichtlich zum 15. März...
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Der aktuelle Gemeindebrief
März 2021
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    Schlagworte:

    Wort zum Tag

    Wir dürfen uns nicht zum Gottesdienst treffen, deshalb kommt die Kirche zu Ihnen ins Haus! Jeden Morgen gibt es ein neues Wort zum Tag, verfasst von Mitarbeitenden im Verkündigungsdienst in unserer Region.

    Wort für den 9. März 2021

    Liebe Leserinnen und Leser, für jede Woche gibt es ein Bibelwort. Der Wochenspruch für diese Woche nach dem Sonntag Okuli lautet:

     

    Wer die Hand an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht geschickt für das Reich Gottes. (Lukas 9, 62)

     

    Da ist ein pflügender Bauer. Er lässt sich nicht ablenken, nicht beirren, Schritt für Schritt geht er voran. Die Arbeit ist mühsam, doch am Abend hat er viel geschafft. Sein Kollege auf dem Nachbarfeld ist schlecht motiviert. Die Sonne sticht, er hat keine Lust, ich will nach Hause, denkt er sich und dreht sich immer wieder um zu seinem Hof. Oder er hat Skrupel, ist sich unsicher, sieht nach jedem Schritt zurück, ob die Furche auch gerade wird. So ist die Arbeit noch viel mühsamer, und am Abend hat er nur wenig geschafft.

    Und da ist Jesus, der vom Reich Gottes erzählt. Dass Menschen dort glücklich sind. Dass keiner dort Not leiden muss und niemand alleingelassen wird. Viele wollen mit ihm ziehen, sie wünschen sich das auch, sie wollen mitarbeiten daran. Doch Jesus sagt: Es ist ein schwerer Weg. Man wird uns anfeinden dafür. Wir brauchen Ausdauer und Beharrlichkeit und dürfen uns nicht abbringen lassen. Wer die Hand an den Pflug legt und immer nur zurücksieht, hat es schwer. Wer zupackt und losgeht voller Gottvertrauen, der kommt voran.

    Und da sind wir und wollen auch mitgehen. Die eine Hand ist schon am Pflug, die andere sucht noch unschlüssig ihren Platz. Und wohin wandert unser Blick? Ich verstehe Jesus so: Wenn du weißt, was du tun kannst, damit Gottes Reich wächst unter uns, dann lass dich nicht zurückhalten! Man wird dir Steine in den Weg legen, dich hindern wollen, dich für verrückt erklären. Schau dann einfach nach vorn, auf dein Ziel, und auf die, die mit dir unterwegs sind in eine Welt, in der Gottes- und Nächstenliebe großgeschrieben werden. Und am Abend – heute Abend und an deinem Lebensabend – hast du viel geschafft!

     

    Nicht nur ein Erntedank-, sondern auch ein Lebenslied (EG 508):
    Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land,
    doch Wachstum und Gedeihen steht in des Himmels Hand:
    der tut mit leisem Wehen sich mild und heimlich auf
    und träuft, wenn heim wir gehen Wuchs und Gedeihen drauf.
    Alle gute Gabe kommt her von Gott, dem Herrn,
    drum dankt ihm, dankt, drum dankt ihm, dankt und hofft auf ihn!

     

    Gebet
    Bestärkender Gott, hilf mir, meinen Weg zu gehen, meine Furche zu ziehen, das Richtige zu tun und beizutragen zu Deinem Reich! Gib mir gute Ideen und Mut und Fröhlichkeit dafür. Dann weiß ich, dass mein Leben Sinn hat. Amen.

     

    Tag-Werk
    Was wollten Sie schon immer tun und haben zu sehr gezögert? Legen Sie die Hand an den „Pflug“. Schauen Sie nach vorn. Gehen Sie den ersten Schritt. Alle anderen folgen von allein.

     

    Einen geradlinigen, ertragreichen Tag wünscht Ihnen
    Ihr Pfarrer Christoph Eichert (Paulusgemeinde)

    Wort für den Tag – 8. März

    Heute setze ich Gott ein Denkmal. Ein Denkmal für die Erschaffung der Frau. Und ich setze mich davor und lasse an mir vorüberziehen, was durch Frauen in der Weltgeschichte bewegt wurde.

    Miriam erscheint, die mit den Frauen singt und tanzt. Denn Gott hat sein Volk vor dem Untergang bewahrt. Selbstbewusst vollenden die Frauen den Lobgesang des ganzen Volkes. (2. Mose 15,1-18, besonders aber 20-21)
    Esther rettet ihr Volk durch Klugheit und Mut. (Esther 4,9-17)
    Ich erkenne Ruth, die ich in ihrer Emotionalität gern mag. (Ruth 1,14-19a)
    Und dann zieht Martha an mir vorbei. Sie hat meine Sympathie. Ihr Konflikt ist auch meiner – manchmal. (Lukas 10,38-42)
    Lydia, eine Geschäftsfrau. Sie ermöglicht allen aus ihrem Haus den gemeinsamen Weg zu Jesus Christus und seiner Gemeinschaft. (Apostelgeschichte 16,13-15)
    Und so ziehen sie an mir vorbei. Frauen, die Gottes Geschichte weitergeschrieben haben:
    Felicitas und Perpetua
    Hildegard von Bingen
    Felicitas von Selmnitz
    Émilie Mallet
    Luise Schottroff
    Dorothee Sölle
    Eva Maria Molkenteller -
    Sie war die erste Pfarrerin in der Kirchenprovinz Sachsen. Damals, bis Anfang der 70er Jahre, durften Frauen nur Pfarrerin im vollen Amt sein, wenn sie nicht heirateten.
    Heute setze ich Gott ein Denkmal. Dafür, dass er uns Menschen als Frauen und Männer geschaffen hat. Dafür, dass er uns so viel Verstand gegeben hat, dass es heute endlich selbstverständlich ist, dass Frauen in unserer Kirche sprechen dürfen. Im Ehrenamt UND im Hauptamt.

     

    Gebet (Antje Naegli)

     

    Meine Seele ruht in Dir.
    Du, Gott, nimmst mich wahr
    in meiner innersten Bedürftigkeit.
    Meine Seele ruht in Dir,
    Du heilst das Versehrte,
    du schützt das Gefährdete,
    du wärmst das Erstarrte;
    was gebeugt ist in mir, richtest Du auf.
    Du befriedest das Erschreckte,
    du birgst das Verängstigte,
    du durchlichtest das Verfinsterte;
    was darbt in mir, nährst du.
    Du tröstest das Bestürzte,
    du belebst das Verkümmerte,
    du löst das Verkrampfte;
    was zur Reife kommen will, behütest Du.
    Meine Seele ruht in Dir. Amen.
    (Quelle: https://feministische-theologinnen.ch/wp-content/uploads/2012/04/Frauen_beten.pdf )

     

    Was man noch tun kann am Frauentag:
    Unter der folgenden Adresse finden Sie einen interessanten Beitrag über die Pfarrerinnen und Frauen unserer Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland: https://www.ekmd.de/attachment/aa234c91bdabf36adbf227d333e5305b/1dfe0cc51c2f44d6b828d2bcf30a63d2/2016-07-11_broschuere_2._auflage_finale.pdf

     

    Und wenn Sie heute einen Spaziergang machen wollen: Eva Maria Molkenteller ist 2006 auf dem Laurentiusfriedhof beerdigt worden.

     

    Ich wünsche Ihnen einen guten Wochenbeginn,
    Ihre Simone Carstens-Kant, Pfarrerin der Marktgemeinde

    Wort für den Tag: 6. März 2021

    Es fällt schwer, andere Nachrichten zu hören als die über Impffortschritte, Inzidenzwerte, Verfügbarkeit von Schnelltests, Sorgen über zu schnelle oder zu späte Öffnungen. Selbst zufällig aufgeschnappte Wortfetzen auf der Straße drehen sich darum. Dabei sind wir Teil eines Menschheitsgeschehens. Aber nicht noch tiefer will ich den Kopf sinken lassen über noch mehr Elend, sondern aufblicken und darauf hören:

     

    „Und die Völker werden gehen zu deinem Licht, und die Könige zum hellen Glanz deines Aufgangs.“ (Jes. 60, 3; Losung der Brüdergemeine)

     

    Gott redet seinem verängstigten Volk gut zu. Es soll nicht nur die eigene Angst verlieren. Es soll nicht nur in neuem Licht erstrahlen. Es soll sehen, wie andere auch erleuchtet werden wollen und in Scharen kommen, um etwas abzubekommen von ihrem Licht und etwas zu erfahren von ihrem Gott. Es soll merken, wie Könige oder andere Anführer kommen und sich Beratung und größere Klarheit durch Gott erhoffen. Weltweit denken, das bedeutet für diese Prophezeiung nicht: noch mehr Not sehen, noch mehr Anlässe für ein schlechtes Gewissen haben. Im Gegenteil, es bedeutet: Noch mehr Hoffnung haben, sich noch mehr freuen darüber, wie Gott mitten im Dunkeln Licht entzündet und für viele sichtbar werden lässt.
    In der 20-Millionen-Stadt Kairo hat eine junge Frau eine Initiative gegründet, um Schwerkranke zu Hause mit Sauerstoff zu versorgen. Inzwischen machen über 90 Freiwillige mit, die oft nachts in den Armenvierteln der Stadt unterwegs sind. Der Hälfte der Kranken können sie das Leben retten, der anderen Hälfte nicht, aber sie machen weiter, und die Unterstützung für sie wächst. Im kleinen Land Togo hat eine junge gut gebildete Frau das Unternehmen „Togosima“ gegründet, um ausschließlich regionale Produkte unter die Menschen zu bringen, die sonst nur von Importen abhängig wären, und arbeitet so für ein anderes Wirtschaften, eine bessere Ernährung, eine Belebung von Gemüse-, Hirse- und Obstanbau. Sie ist Teil einer noch verborgenen Bewegung in Westafrika.
    Doch es geht um mehr als das Sammeln versteckter guter Nachrichten jenseits der Schlagzeilen. Es geht um Gottes Pläne mit Seinem Volk und allen Völkern. Die drücken sich nicht in den jeweils angemessenen Maßnahmen gegen die je aktuelle Gefährdung aus. Sondern in Seinen Verheißungen. Auch in zahllosen Liebestaten, von denen ich nie erfahre. Und in den wenigen, von denen ich weiß. Seine Pläne bleiben bestehen auch in Misserfolgen. Seine Verheißungen gelten weiter auch in Enttäuschungen.
    Ostern wird kommen, ganz gewiss. Doch auch das kommende Fest ist nur ein zeitlich messbarer Hinweis auf das Nicht-Messbare: Dass Gott in dieser Welt und in dieser Menschheit und sogar in uns unbedeutenden Menschen hier weiter am Werk ist und nicht aufhört.
    Täglich bete ich es, und will das mit neuem Mut fortsetzen: „Dein Reich komme!“

     

    Lied: „Sonne der Gerechtigkeit“, EG 262, GL 481, Str. 4:
    Tu der Völker Türen auf; / deines Himmelreiches Lauf / hemme keine List noch Macht. / Schaffe Licht in dunkler Nacht. / Erbarm dich, Herr.

     

    Gebet:
    Du, Lebendiger, Ewiger, Gegenwärtiger! Rede ich mit Dir, kann ich nicht bei mir bleiben, bei meinen Alltagssorgen. Du erinnerst mich an die Schwestern und Brüder in den vielen Ländern, die um ein Minimum an medizinischer Versorgung kämpfen, die um ausreichende und gesunde Ernährung sich schwer mühen müssen. Du erinnerst mich an ihre Sorgen und an ihren Mut. Und Du hörst Dir trotzdem meine Sorgen an, verschließt Dich nicht vor meinen Klagen. Dein Name werde geheiligt!
    Dein Reich komme. Amen.

     

    Ihnen allen einen gesegneten Tag wünscht Martin Herzfeld.

    Wort zum Tag, Freitag, 5. März 2021 (Weltgebetstag)

    Sorgt euch um nichts, sondern in allen Dingen lasst eure Bitten in Gebet und Flehen mit Danksagung vor Gott kundwerden! Philipperbrief 4,6

     

    Liebe Leserinnen und Leser!

     

    Es ist Anfang Januar 2012. Ich stehe vor dem Grab. Darin der Sarg mit der Oma: „Wenn ich mal nicht mehr bin, machste ne scheene Rede!“ Das war ihr Wunsch. Dem bin ich nachgekommen. Während der Predigt in der kleinen Trauerhalle auf dem Friedhof in Hohlstedt gab es draußen Sturm. Regen in Strömen. Die Menschen, die nicht drinnen sein konnten, standen im Regen. Ich dachte noch so während der Trauerfeier, dass es doch aufhören möge. Es hörte auf. Der Weg zum Grab und dann: hinterm Kyffhäuser bricht die tief stehende Sonne durch die Wolken, gleißendes Licht fällt auf die Szenerie, mir ins Gesicht während des Vaterunsers und dann während des Segens. Zu allem Überfluss ist hinter mir, Richtung Sangerhausen, noch ein doppelter Regenbogen zu sehen.
    Es war wie ihr Leben. Und dabei gab es sehr, sehr viel Sorge und auch sehr viel Schmerz. Enttäuschte Liebe, enttäuschte Erwartungen. Die Nachmittage in der kleinen Küche bei ihr habe ich immer genossen. Auch wenn sie immer in Aktion war, damit es noch etwas besser sein möge, das Kaffeetrinken. Ich dachte dann manchmal: Ach Oma! Aber so war sie nun mal und ich konnte das akzeptieren. Manchen Menschen wurde es im Leben verwehrt, Freude direkt zu zeigen und zu äußern.
    „Sorgt euch um nichts!“ Für viele Menschen sind es die Alltagssorgen um Gesundheit und Auskommen, die Nächsten in der Familie und im Freundeskreis, die das Leben prägen. Das geht mir nicht anders. Und ja, es ist auch die Sorge um mein Leben: Wie lange noch? Was kommt danach? Kommt da noch was?
    Für mich war der Moment am Grab meiner Oma einer, in dem mir der Himmel gezeigt hat, dass sie genau dort einen Platz hat. Ich habe es gespürt. Es tat gut zu fühlen und zu wissen: Gott ist da. Sein Licht leuchtet auch für meine Oma, die ein ziemlich stürmisches Leben hatte, die manchmal auch ganz schön ungerecht und cholerisch war. Und so denke ich an sie, die Oma Anni, die heute am 5. März 91 Jahre geworden wäre. Und ich bringe meine Zweifel vor Gott: die düsteren Gedanken und Nachrichten unserer Zeit, meine eigenen Fehler, unsere Passionszeit. Es wird still in mir, Frieden und Licht, die Erinnerung an den Regenbogen. Es ist nur ein Moment – welcher dann doch wieder so kraftvoll ist, dass er trägt. Amen.

     

    Herzliche Grüße,
    Martin Schmelzer, Pfarrer Halle-Trotha

     

    Gebet:
    Allmächtiger Gott, gib dass dein Wort bei uns nicht ein steinernes Herz und eine eiserne Stirn vorfindet, sondern den gelehrigen Sinn, der sich dir erwartungsvoll öffnet. Lass uns erfahren, dass du unser Vater bist, und stärke uns in dem Vertrauen, dass du uns als deine Kinder angenommen hast.

     

    Lied (EG 454):
    1. Auf und macht die Herzen weit, euren Mund zum Lob bereit!
    Refrain: Gottes Güte, Gottes Treu sind an jedem Morgen neu.
    2. Gottes Wort erschuf die Welt, hat die Finsternis erhellt.
    3. Gottes Macht schützt, was er schuf, den Geplagten gilt sein Ruf.
    4. Gottes Liebe deckt die Schuld, trägt die Sünder in Geduld.
    5. Gottes Wort ruft Freund und Feind, die sein Geist versöhnt und eint.
    6. Darum macht die Herzen weit, euren Mund zum Lob bereit.

    Wort für Donnerstag, 4. März 2021

    „Wer ohne Schuld ist, werfe den ersten Stein.“ (aus Johannes 8, 2-11)

     

    Liebe ökumenische Gemeinde, diesen Satz sprach Jesus in einer höchst kritischen Situation. Eine Frau sollte gesteinigt werden. Das Gesetz des Moses forderte damals dazu auf, wenn Schuld vorlag. Es ist ein schmerzhafter und grausamer Akt der Barbarei, der sich teilweise bis heute erhalten hat. Wir hier in Europa kennen verfeinerte Möglichkeiten, Menschen zu steinigen und machen uns dabei nicht einmal die Hände schmutzig. Fehler werden öffentlich ausgewalzt, Falschmeldungen ins Netz gestellt, Gerüchte in Umlauf gebracht und Menschen mit Häme und Schadenfreude überschüttet. So geht es mir zur Zeit u.a. mit den Artikeln über unseren OB. Jesus sagt uns zu, dass Gott die Menschen, auch die schuldbeladenen, liebt, ihnen nichts nachträgt und jede Schuld vergibt. Und hier sehe ich unseren Auftrag, Gottes Liebe spürbar und sichtbar zu machen.

     

    Lied GL 474

    1. Wenn wir das Leben teilen wie das täglich Brot,
    wenn alle, die uns sehen, wissen: hier lebt Gott:

     

    Kv Jesus Christ, Feuer, das die Nacht erhellt,
    Jesus Christ, du erneuerst unsre Welt.

     

    3. Wenn wir uns öffnen für den Herrn in dieser Zeit,
    Wege ihm bahnen, dass er kommt und uns befreit: Kv

     

    4. Wenn wir die Liebe leben, die den Tod bezwingt,
    glauben an Gottes Reich, das neues Leben bringt: Kv

     

    Gebet

    Herr, du umfängst uns mit deiner Liebe. Durch diese Liebe gib uns Kraft, Schuld einzugestehen und Mitmenschen die Last von Schuld zu erleichtern. Amen.

     

    Herzlich grüßt Sie Ursula Gebauer (Pfarrei Carl Lampert)

    Wort zum Tag, 3.03.2021

    Da hast du gesehen, dass dich der Herr, dein Gott getragen hat, wie ein Mann seinen Sohn trägt, auf dem ganzen Wege, den ihr gewandert seid, bis ihr an diesen Ort kamt. 5. Mose 1,31

     

    Obwohl sie die kleine, jetzt folgende Geschichte bestimmt schon einmal gehört oder gelesen haben, möchte ich sie Ihnen aufschreiben. Nicht nur, weil sie tief bewegt und anrührend ist. Auch, weil ich Ihnen zum Schluss sagen möchte, warum ich sie gern anders erzählen würde.

     

    Ein alter sterbender Mensch betrachtet rückblickend sein Leben. Wie Fußspuren im Sand sieht er seine Schritte durch sein langes Leben führen, sieht sich einmal große, einmal kleine Schritte machen, einmal geradeaus, einmal in Schleifen oder im Kreis gehen, er sieht sich manchmal stehen bleiben, ein Stück zurück gehen, dann wieder zielstrebig voranschreiten. Doch wie und wohin auch immer seine Schritte ihn führen, fast immer entdeckte er neben sich eine zweite Spur – die Gottes, der ihn immer begleitete. Doch an manchen Stellen sah er nur eine Spur, und er fragte Gott vorwurfsvoll: “ Wo warst du da, mein Gott? Zu der Zeit ging es mir besonders schlecht, ich wusste nicht ein noch aus und hätte dich gebraucht!“ - „Auf diesen Wegen“ antwortete Gott, „habe ich dich getragen.“ (unbekannter Verfasser)

     

    Je älter ich werde, desto öfter kommt der Zeitpunkt, zurück zu schauen und Bilanz zu ziehen. So auch bei dem alten Mann in unserer Geschichte. Es kommt die Frage nach dem Sinn, nach dem Wert meines Lebens. Wie habe ich meine Zeit genutzt? Habe ich in meinem Leben wirklich das gelebt, was mir möglich war, oder doch mehr das, was andere von mir erwartet haben? Habe ich erkannt, wer ich wirklich bin? Wen habe ich geliebt und wen gehasst? Was hat mich getragen und wo habe ich mich tragen lassen? Es wäre schön, wenn ich in dieser Bilanz meines Lebens erkenne, dass der wirkliche Wert meines Menschseins darin bestand, mich von Gott hier in diesem Leben getragen zu wissen. Und da tut mir der alte Mann in der Geschichte leid. Diese Erkenntnis darf nicht am Ende unseres Lebens stehen. Sie gehört mitten ins Leben, vom Kindesalter, über die Jahre des Schaffens bis zum Ruhestand.
    Mit moderner Sprache würde man vielleicht sagen: Gott will immer „online“ sein. Und als „Administrator“ hat er uns Menschen, wie Jesus, an die Seite gestellt. Damit wir dieses Getragensein zu jeder Zeit, in jeder Lebenslage erfahren können, brauchen wir Jesus als Vermittler. Seine Bilder und Gleichnisse vom Reich Gottes zeigen uns, wie es sein kann und sein wird. Diese Nähe beginnt nicht erst im Jenseits, oder kurz davor. Gott ist mir jeden Tag nah. Er ist bei mir. Ich muss nur nach dem Menschensohn Ausschau halten. Gott will sich erkennen lassen und der Mensch hat die Gabe, sich als Mensch vor Gott zu erkennen. Jesu will uns dabei zeigen, wie und woran wir Gott erkennen können. Zu allen Zeiten, auch heute - und bitte nicht erst am Lebensende.

     

    Gebet:
    Allgegenwärtiger Gott, lasse mich nicht achtlos durch dieses Leben gehen. Mein Fußabdruck im Sand soll ökologisch, menschlich, liebevoll und barmherzig sein. Schenke mir den Glauben, dass ich in jeder meiner Spuren, die ich hinterlasse und zu jeder Zeit, auch deinen Fußabdruck erkenne.

     

    Lied: (EG 209) „Ich möchte, dass einer mit mir geht,…“

     

    Beginn einer neuen Geschichte:
    Sie waren beide in einer Krise. Es war schon spät am Abend und sie wussten nicht, wie es weitergehen sollte. Ratlos, ausweglos. Dann gingen sie doch noch zu dem guten Freund. Sie wussten, dass sie bei ihm auch noch nach Mitternacht klingeln können. Sie haben die ganze Nacht miteinander geredet, gestritten und vielleicht auch gebetet. Als es Morgen wurde, gingen sie auseinander. Viel leichter war ihnen nicht ums Herz. Sie wussten aber, dass es zumindest schon einen gibt, der ihre schwierige Entscheidung mittragen wird.


    Liebe Grüße, Horst Bartsch (Heilandsgemeinde)

    Wort für Dienstag, den 2. 3. 2021

    Und er rief das Volk samt seinen Jüngern und sprach zu ihnen: Will mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. (Markus 8, 34)

     

    schnee.jpgHier denke ich zuallererst an Jesus, der, obwohl schuldlos, das Kreuz angenommen hat. Ich denke an Martin Luther King, der für seinen Traum der Gleichstellung aller Menschen erschossen wurde. Ich denke an den Priester Maximillian Kolbe, der sich im KZ Auschwitz für einen Familienvater zum Hungertod opferte. Ich denke an den Priester Carl Lampert, der am 13. November 1944 im Roten Ochsen in Halle hingerichtet wurde. In einer Verhandlung sagte er aus: „Das Evangelium ist Gottes Wort und predigt die Liebe, das Buch des Herrn Hitler ist das Werk eines Menschen und predigt Hass.“ Es gibt viele Menschen, die aus der göttlichen Kraft des Kreuzes riesig viel Liebe für ihre Mitmenschen aufbrachten und bringen.

    Ich möchte Ihnen kurz von einem Foto eines Winter-sturmkreuzes erzählen, welches ich im Internet gefunden habe. Ein großes Kreuz steht hoch oben im Gebirge, der Himmel ist blau, die Sonne scheint, und die Fernsicht ist grandios. Dieses Kreuz trägt schwer an der Schneelast, die ihm durch starken Sturm aufgebürdet wurde. Aber es ist fest verankert im Boden, und aus dem Himmel fällt ein Sonnenstrahl in den Mittelpunkt des Kreuzes. Welch ein großartiges Bild mit großartiger Symbolik. Wir können dem Leben im Sturm, in Angst und Verunsicherung standhalten, wenn wir uns auf das Kreuz konzentrieren.

     

    Lied (Kanon)
    Menschenwerke müssen einst vergehn,
    ewig, ewig bleibt das Kreuz bestehn,
    und die Kirche Gottes wird nicht untergehn.

     

    In dieser doch recht fragwürdigen Zeit empfinden wir Menschen ganz Vieles als schwer tragbares Kreuz, es gibt aber auch Vieles, was für Dankbarkeit und Freude sorgt. Das ist doch eine Besinnung wert.

     

    Ursula Gebauer (Pfarrei Carl Lampert)

    Wort für den Tag: Montag, 01. März 2021

    36 Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!
    37 Richtet nicht, dann werdet auch ihr nicht gerichtet werden. Verurteilt nicht, dann werdet auch ihr nicht verurteilt werden. Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden.
    38 Gebt, dann wird auch euch gegeben werden. In reichem, vollem, gehäuftem, überfließendem Maß wird man euch beschenken; denn nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird auch euch zugeteilt werden.

    zu finden im Lukasevangelium, Kapitel 6, Verse 36-38


    Wort für den Tag


    Meinen Sie auch, dass wir Christen uns ein bisschen außergewöhnlich verhalten sollten? Jedenfalls werden uns ja einige Verrücktheiten nachgesagt und sogar zugetraut. Einer, der uns viel zutraut, und das dauerhaft, ist Gott.
    Für manche Menschen sind wir doch die Narren in dieser Welt. Wir glauben an einen, der getötet wurde und durch wundersame Mächte auferstanden sein soll. Diese Idiotie kennzeichnen wir auch noch mit einem Galgen - das Kreuz hängen wir uns um den Hals oder an die Wand. Und wir glauben, dass die Welt besser wird durch unser Tun und Beten. Wenn wir versuchen, so zu leben, dass Frieden, Versöhnung, Barmherzigkeit, Teilen und was auch immer spannend wirken. Davon sollen sich dann andere auch noch anstecken lassen …


    Schon so viele Jahrhunderte folgen Christen diesem Jesus. Meine Frage steht aber im Raum: Was hat sich geändert?


    Wir schalten den Fernseher ein oder öffnen die Zeitung und werden überrannt von negativen Schlagzeilen: "500 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken", "IS-Anschlag in Syrien" oder "Milliarden Steuergelder hinterzogen". Weder Ignoranz noch das zu hohe Ziel, die Welt retten zu wollen, wären darauf die richtige Reaktion. Aber was können wir tun? Wie wäre es, wenn wir der Aussage des amerikanischen Pastors Eugene Cho folgen? Die lautet:


    Sei nicht verzagt. Es ist nicht unsere Aufgabe die Welt zu retten. Tu was du kannst. Tu es gut. Tu es mit Liebe.


    Und Gott? Er wird seine Welt retten, darauf vertraue ich.


    Lied: Gotteslob 481, EG 262 - Sonne der Gerechtigkeit


    1) Sonne der Gerechtigkeit, gehe auf zu unsrer Zeit; brich in Deiner Kirche an,
    dass die Welt es sehen kann. Erbarm Dich, Herr.


    2) Weck die tote Christenheit aus dem Schlaf der Sicherheit,
    dass sie Deine Stimme hört, sich zu Deinem Wort bekehrt. Erbarm Dich, Herr.


    3) Schaue die Zertrennung an, der sonst niemand wehren kann;
    sammle, großer Menschenhirt, alles, was sich hat verirrt. Erbarm Dich, Herr.


    4) Tu der Völker Türen auf; Deines Himmelreiches Lauf hemme keine List noch Macht.
    Schaffe Licht in dunkler Nacht. Erbarm Dich, Herr.


    5) Gib den Boten Kraft und Mut, Glauben, Hoffnung, Liebesglut,
    lass Du reiche Frucht aufgehn, wo sie unter Tränen säen. Erbarm Dich, Herr.


    6) Lass uns Deine Herrlichkeit sehen auch in dieser Zeit und mit unsrer kleinen Kraft suchen,
    was den Frieden schafft. // (üben gute Ritterschaft). Erbarm Dich, Herr.


    7) Lass uns eins sein, Jesu Christ, wie Du mit dem Vater bist, in Dir bleiben allezeit,
    heute wie in Ewigkeit. Erbarm Dich, Herr.


    8) Kraft, Lob, Ehr und Herrlichkeit sei dem Höchsten allezeit, der,
    wie Er ist drei in ein, uns in Ihm lässt eines sein. Erbarm Dich, Herr.

     

    Gebet


    Guter Gott,
    gib mir Chancen,
    erhalte mir die Wünsche, Träume und Ziele.
    Mach mich frei von Erwartungen, die ich nicht einlösen kann.
    Hilf mir loszulassen, damit ich ankommen kann.
    Amen.

     

    Impuls für den Tag


    Lasst uns einfach das tun, was wir können, aber dabei alles geben, was möglich ist:
    hundert Prozent in Liebe, Demut und Geduld.
    Lesen Sie nochmal und nochmal den letzten Vers der Bibelstelle. Der meint genau das …


    Gemeindereferent Johannes Knackstedt, Katholische Pfarrei Carl Lampert, Halle

    Wort für den Tag, Samstag, 27.02.21

    Liebe Leserinnen und Leser,


    Matthäus26, 40 - 41

    „Und er ging zu den Jüngern zurück und fand sie schlafend. Da sagte er zu Petrus: Konntet ihr nicht einmal eine Stunde mit mir wachen? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“


    „Corona“, ein Wort, welches bis vor nicht allzu langer Zeit für den größten Teil der Bevölkerung nicht existierte. Heute ruft es bei den Menschen sehr unterschiedliche Empfindungen hervor. Manche können und wollen es nicht mehr hören. Bei Anderen schrillen die Alarmglocken und wieder Andere bestreiten das Vorhandensein von diesem Virus, welcher sich hinter dem Wort verbirgt. Wie auch immer man dazu steht, für mich stellt sich immer mehr die Frage: Was kommt danach, wenn alles wieder ganz normal ist? Die momentane Sorge um das eigene Wohl, der eigenen Familie, der eigenen Wirtschaft, ist völlig verständlich, für uns, die wir bisher das Wort: Not in seiner ganzen Tragweite kaum am eigenen Körper verspürt haben. Plötzlich aber ist sie da, die Angst um die eigene Existenz, um die geistige und soziale Entwicklung der Kinder, um all das, was unser Leben bisher so reich gemacht hat. Eine Angst, die man nicht einfach vom Tisch wischen darf, gleichzeitig aber wünschte ich mir, sie würde uns auch nachdenklich machen. Diese Entbehrungen, die wir jetzt so schmerzlich empfinden, für einen großen Teil der Menschheit sind sie schon lange Normalität. Normalität, die auch weiterhin zu ihrem Leben gehören wird, wenn nicht Menschen wie wir lernen, über den eigenen Tellerrand zu schauen. Wenn wir nicht wieder zur Tagesordnung übergehen und vergessen und verschlafen. Wachsam sein, wach bleiben, so wie es Jesus von seinen Jüngern erhofft hatte.


    Gebet
    Herr, Jesus Christus, auch du hast sie durchlitten, die Angst, die auch uns mitunter den Schweiß auf die Stirn treibt. Voller Sorge schauen die Menschen in die Zukunft, niemand weiß wirklich, wie es einmal weitergehen wird. Da ist die Angst vor der Krankheit selbst, die Angst vor Vereinsamung, die Angst um die eigene Existenz, und der Ängste ließen sich noch viele aufzählen. Eine für viele Menschen ungewollte Fastenzeit, die in anderen Ländern zur Tagesordnung gehört. All das, was wir jetzt so einschneidend erleben, ist dort Normalität. Den Kampf ums nackte Überleben, ohne jeden Komfort, nur einen Bruchteil davon haben wir zu spüren bekommen, und dennoch zieht es uns den Boden unter den Füßen weg. Hilf uns, wach zu bleiben, wenn in unser Leben wieder der vertraute Alltag einzieht, lass uns die Menschen nicht vergessen, die unter der ungerechten Verteilung der Güter auf dieser Erde leiden müssen.


    Lied: 446 (Gotteslob) „Lass uns in deinem Namen, Herr“

    Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun. Gib uns den Mut, voll Glauben, Herr, heute und morgen zu handeln.


    Vorschlag für den Tag
    In der vierten Strophe des Liedes heißt es: „Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun. Gib uns den Mut, voll Glauben, Herr, mit dir zu Menschen zu werden.“ Zu Menschen zu werden, bedeutet für mich, mit unserem von Gott gegebenen wachen Verstand zu arbeiten und zu leben. Was bedeutet das konkret für mich? Zuerst vielleicht einmal darüber nachdenken.


    Ich wünsche Ihnen einen gesegneten, wachen Tag mit vielen guten Einfällen und grüße Sie herzlich Monika Klamt (KV PLUS, Pfarrei Carl Lampert)

    Wort für den Tag: Freitag, 26. Februar 2021

    Dieser Satz steht gleich zweimal kurz hintereinander in der Lesung vom Tage.
    Der Prophet Ezechiel mahnt es an im Kapitel 18, Verse 21-28:


    27 Wenn sich der Schuldige von dem Unrecht abwendet, das er begangen hat, und nach Recht und Gerechtigkeit handelt, wird er sein Leben bewahren. 28 Wenn er alle Vergehen, deren er sich schuldig gemacht hat, einsieht und umkehrt, wird er bestimmt am Leben bleiben. Er wird nicht sterben.


    Wort für den Tag


    Gott richtet den Menschen nach dem, was er ist, nicht nach dem, wie er früher vielleicht war.


    In solch einem Handeln wird Gnade spürbar. Die Absicht, die der Prophet mit dieser Darlegung verfolgt, steht in den Folge-Versen 30-32: „Kehrt um ... werft alle Vergehen von euch, die ihr verübt habt! ... Kehrt um, damit ihr am Leben bleibt!“


    Diese Worte Jesu erinnern mich an die, die ich am Aschermittwoch gehört habe, als ich das Aschekreuz auf die Stirn bekam: Kehr um und glaube an das Evangelium!


    Ist es schwer umzukehren? Ja und Nein. Eine Hilfe kann sein zu wissen, dass ich vergeben, vergessen und verzeihen kann, mir und anderen. So tut sich eine Spur für mich auf.

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    Unsere Gemeinde Heilig Kreuz hat sich etwas ganz Tolles auf die Fahne geschrieben. Als eine der Nagelkreuzgemeinden in der Region lernen, üben und wenden wir ‚Versöhnung‘ an. Ein schweres Unterfangen, aber lohnend. Denn der Preis ist innere Zufriedenheit und ein sich weitender Blick. Und das lässt Leben. Oder wie sonst kann es gehen?


    Nagelkreuz-Gebet


    Heute reicht einfach das Versöhnungsgebet von Coventry!

    Alle haben gesündigt und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten. (Röm 3,23)

    Den Hass, der Menschen von Menschen trennt, und Volk von Volk: Vater, vergib!
    Das Streben der Menschen und Völker zu besitzen, was nicht ihr eigen ist: Vater, vergib!
    Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet: Vater, vergib!
    Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der anderen: Vater, vergib!
    Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Gefangenen, Heimatlosen und Flüchtlinge: Vater, vergib!
    Die Gier, die Frauen, Männer und Kinder entwürdigt und an Leib und Seele missbraucht: Vater, vergib!
    Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf Gott: Vater, vergib!

     

    Seid untereinander freundlich, herzlich
    und vergebt einer dem anderen, wie Gott euch vergeben hat in Christus! (Eph 4,32)

     

    nach der Vorlage der Nagelkreuzgemeinschaft in Deutschland e. V. (2015)
    statt „der Rasse von Rasse trennt“ geändert in „der Menschen von Menschen trennt“
    von Gemeindereferent Johannes Knackstedt, Katholische Pfarrei Carl Lampert, Halle, 2020

     

    Vorschlag für den Tag


    Hören Sie doch mal, was sich heutzutage junge Menschen für Gedanken machen.
    Es geht um die Worte ‚Vergeben, Vergessen, Verzeihen‘ in

    https://www.youtube.com/watch?v=rT4zozTXB18

     

    Ich wünsche Ihnen viele versöhnliche Gedanken.

     

    Gemeindereferent Johannes Knackstedt,Katholische Pfarrei Carl Lampert, Halle 

     

    Bild: in der Kirche Heilig Kreuz

    Wort für den Tag - 25.02.2021

    "Gott, du hast Macht über alle: Erhöre das Flehen der Verzweifelten und befrei uns aus der Hand der Bösen!“; Ester 4,17 z (Einheitsübersetzung)

     

    Das Buch Ester ist ungewöhnlich für ein Buch der Bibel. Es beschreibt wie ein Märchen die sagenhafte Pracht und den Reichtum des Persischen Reiches. Das Buch erzählt von einer starken Frau, die als jüdisches Mädchen wegen ihrer Schönheit zur Königin gemacht wird und mit einer überraschenden, intelligenten und mutigen Aktion ihrem Volk das Leben rettet.

     

    Die vorherige Königin wird verstoßen, weil sie sich weigerte, sich als schmückendes Beiwerk des Königs dem Volk vorführen zu lassen. Der König befürchtet, dass diese Auflehnung Schule machen und sich bald zu einer Rebellion der Frauen ausweiten könnte. Der König lässt im ganzen Land nach einem geeigneten „Ersatz“ suchen und entscheidet sich für die „schöne und hübsche“ Ester als neuer Königin. Zunächst fügt sie sich ein, verheimlicht ihre jüdische Abstammung und hält sich an die Regeln.

     

    Das Buch erzählt auch die Geschichte der Verfolgung des jüdischen Volkes. Der oberste Berater des Königs will nach einem Streit mit einem hochrangigen Beamten, der Jude ist, Rache und bringt den König dazu ein Gesetz zu erlassen, nach dem landesweit alle Juden getötet und ihr Vermögen an den König und den obersten Berater eingezogen werden soll.

     

    Ester erfährt von diesem Plan, offenbart dem König ihre Herkunft und bringt den obersten Berater bei einem Festmahl mit einer List dazu, den geplanten Völkermord zu gestehen. Der König kann den bereits gegebenen Befehl nicht aufheben, ohne sein Gesicht zu verlieren. Ester bringt den König dazu, seinen Befehl so zu „ergänzen“, dass er sich jetzt gegen die Verfolger des jüdischen Volkes wendet und das jüdische Volk gerettet wird.

     

    Mit der Unfähigkeit des Königs, eigene Fehler einzugestehen, selbst nachdem er sie als unmenschlich erkannt hat, blieb nur noch der Ausweg die Notwehr des jüdischen Volkes gegen seinen eigenen Befehl zu erlauben. Das der König sich darauf einließ und damit Widerstand gegen diejenigen zuließ, die seinen ersten Befehl ausführen sollten, ist ein Wunder, das den Sieg des jüdischen Volkes über seine Feinde ermöglichte.

     

    Aus Erinnerung an das Wunder dieser Rettung des jüdischen Volkes aus einer Verfolgung, nur weil sie anders sind, als die anderen Völker (Ester 3,8) wird im Judentum jedes Jahr das Purimfest begangen. In diesem Jahr beginnt es heute. Purim wird bunt verkleidet gefeiert und bei der Lesung wird der Name des Verfolgers mit Klappern und Ratschen unhörbar gemacht. Außerdem werden Geschenke für Freunde und Geliebte überreicht und Spenden für Bedürftige gesammelt. Die Nähe zwischen gut und böse, Hass und Liebe wird so erfahrbar.

     

    Ester ist für mich aus heutiger Sicht so ungewöhnlich, weil sie sich an die bestehenden Regeln hält und die Regeln mit Weisheit zugunsten ihres Volkes nutzt. Sie lehnt sich, anders als die vorherige Königin, nicht offen gegen den König auf. Mit Auflehnung hätte sie ihre Position verloren und ihrem Volk nicht helfen können.

     

    Verletzte Eitelkeit, Gier nach Macht und Geld, Gefangensein in verkrusteten Strukturen, in hergebrachten Denkmustern und in Filterblasen führen auch heute noch zu Hass und Gewalt. Dem kreativ, friedlich und verzeihend zu begegnen, wünsche ich mir für diesen Tag.

     

    Lied: EG 416

    O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
    dass ich Liebe übe, wo man sich hasst,
    dass ich verzeihe, wo man sich beleidigt,
    dass ich verbinde, da, wo Streit ist,

     

    dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht,
    dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt,
    dass ich die Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält,
    dass ich ein Licht anzünde, wo die Finsternis regiert,
    dass ich Freude mache, wo der Kummer wohnt.

     

    Gebet:

    Mache uns zu einem Werkzeug
    deines Friedens.

     

    Gib uns den Mut, dass wir bereit sind,
    uns unseren Ängsten zu stellen
    und uns dennoch nach unseren Möglichkeiten
    für Gerechtigkeit und Verständigung einzusetzen.

     

    Gib uns Kraft und lass uns nicht verzagen,
    wenn wir an die Kriege dieser Welt denken.

     

    Gib uns Frieden
    und führe uns aus der Finsternis zum Licht.

     

    (Aus dem Interreligiösen Friedensgebet der Frauen Hamburg 2017)

     

    Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Tag,

     

    Steffen Schille (Marktkirchengemeinde)

    Wort für den Tag, Mittwoch, 24. Februar 2021

    Manchmal
    träume ich davon
    daß ich nicht immer
    nur blühen muss


    Sondern Zeit und
    Raum habe
    um Kraft für neue Triebe
    zu sammeln


    Andrea Schwarz

     

    Wort für den Tag
    Ich weiß nicht mehr, wann die Orchidee auf dem Fensterbrett ihre Blüten verloren hat. Ob es im Spätsommer war, im Herbst oder im zweiten Lockdown. Irgendwann zupfte ich die pergament-artigen Blätter zusammen und schnitt den dürren Stängel ab. Meistens vernachlässige ich die Pflanze liebevoll, aber vor wenigen Wochen erinnerte ich mich doch daran, sie wieder regelmäßig für einige Minuten ins Wasser zu tauchen. Zunächst erschien ein neuer Trieb. Er kletterte rasch empor. Dann wölbten sich fünf Knubbel. Am Montagmorgen platzte die erste Blüte auf.


    Ein Wachsen und Welken, Vergehen und Beginnen wie in der Natur – so ist unser Leben. Dagegen können wir uns nicht wehren, auch wenn wir immer 150 Prozent geben möchten, wenn wir Runde um Runde im Höchsttempo im Hamsterrad drehen, wenn alles nur besser werden soll, wenn wir glänzen möchten, uns im allerbesten Licht zeigen. Aber auf Dauer macht uns das müde und blind, es zermürbt und lähmt. Wir brauchen in unserem Leben beides: das Laute und Leise, das Schnelle und Langsame, das Blühen und Verwelken, das Vergehen und Anfangen. Wir brauchen Ruhe und Stille, Zeit und Raum. Wir halten inne, damit wir weitergehen können. Wir kehren um, um neu anfangen zu können.


    Auch die Bibel ist ein Buch voller Neuanfänge: Noah baut die Arche, Moses befreit die Israeliten aus Ägypten, der Zöllner Zachäus ändert nach einer Begegnung mit Jesus sein Leben und natürlich Jesu Leben und Sterben, seine Geschichte von Karfreitag bis Ostersonntag.


    Gerade ist jene Zeit im Kirchenjahr, die uns zum Umdenken und Neudenken einlädt. Wir beenden Altes und schaffen Platz für Neues. Wir sammeln Kraft – und das Neue, es wird kommen. Wir werden wieder blühen.

     

    Lied Korn, das in die Erde (EG 98)
    Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,
    Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt.
    Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
    Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.


    Gebet
    Gott des Lebens, du bringst das Eis der Seele zum Schmelzen, du lässt das Licht herein. Bitte wärme damit auch mich. Hilf mir beim Blühen. Sei bei mir beim Welken. Schenk mir Kraft zum Ruhen. Verwandle mich. Amen.

     

    Und nun?
    Suchen Sie eine Magnolie im Paulusviertel. Im Sommer, Herbst und Winter sind sie vollkommen unscheinbare Bäume, aber gerade machen sie sich für ihre größte jährliche Verwandlung bereit.

    Frohe Grüße,


    Ihre Katja Schmidtke (Paulusgemeinde)

    Wort für den Tag: 23.02.2021

    Liebe Leserinnen und Leser, vor einigen Tagen sah ich im Fernsehen einen Bericht der BBC über das Leben in der Tiefsee. Ein Tauchroboter sank in den Marianengraben hinunter und sein Licht machte die „ Unterwelt“ sichtbar. Simulierte Bilder führten dann bis zum heißen Erdkern und das vulkanische Geschehen im Ozean ließ die Urkraft der Materie spüren.

    Riesige Gebirge schossen aus dem Meer und verschwanden wieder, Kontinente gerieten ins Wanken...
    Mich hat das tief beeindruckt und ich fühlte mich sehr klein.
    Tanzen wir auf einem Vulkan? Diese Gedanken führen mich auf die ersten Seiten unserer Bibel.

     

    So lange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter,
    Tag und Nacht. ( 1. Mose 8/22 )

     

    Dieser Vers gehört in die Geschichte um Noah und die große Flutkatastrophe. Als die Überlebenden Gott ein Dankopfer darbringen, gibt Gott dieses obige Versprechen. Er wird all das, was wir zum Leben brauchen, nicht auslöschen. Er setzt den Regenbogen als Zeichen eines neuen Bundes an den Himmel, und wir Menschen können uns bei dessen Erscheinen an seine göttliche Zusage erinnern. Dieser Bogen, der manchmal sogar die Erde berührt, war und ist noch immer ein Hoffnungszeichen.
    Wir suchen ihn, wenn Regen und Sonnenschein so nah beieinander sind.
    Ich will diesem Versprechen Gottes immer mehr vertrauen lernen. Er bleibt uns zugewandt, wie klein und unbedeutend wir auch sein mögen in diesem ganzen Universum. Er sieht uns und er liebt uns.

     

    Ich wandere durch Weinberge, an Äckern vorbei, deren Saat schon grün schimmert und freue mich mit den Bauern, dass der reichliche Schnee die Frucht vor Frost schützte und viel Feuchtigkeit spendete.
    Ich höre erstaunt das Lied der ersten Lerche, welche laut im Sonnenschein über dem Feld singt und ich wünsche mir, dass meine Dankbarkeit und das Staunen lange anhalten möge. Und ich wünsche mir, dass die Lasten unserer Tage erträglicher werden durch das Wissen um die göttliche Kraft, welche die Erde trägt und auch unser Leben.

     

    Lied: Im EG Nr. 504 die Strophen 1-3 und 6

     

    Himmel, Erde, Luft und Meer zeugen von des Schöpfers Ehr;
    meine Seele, singe du, bring auch jetzt dein Lob herzu.

     

    Seht das große Sonnenlicht, wie es durch die Wolken bricht;
    auch der Mond, der Sterne Pracht jauchzen Gott bei stiller Nacht.

     

    Seht, wie Gott der Erde Ball hat gezieret überall.
    Wälder, Felder, jedes Tier zeigen Gottes Finger hier.

     

    Ach mein Gott, wie wunderbar stellst du dich der Seele dar!
    Drücke stets in meinen Sinn, was du bist und was ich bin.

     

    Gebet
    Großer Gott, wir sind nur ein Staubkörnlein in deiner Schöpfung, aber du kennst uns und siehst uns,
    jeden einzelnen Menschen, das ist das Wunder deiner unbegreiflichen Liebe.
    Jesus hat gesagt, du willst ein Vater für uns sein.
    Wir danken dir für unsere Welt, für unser Leben.
    Schaffe dir Raum in unseren Herzen, damit wir deine segnende Nähe spüren und nach dir fragen.

     

    Anregung für den Tag

    Wenn Sie heute die Fenster öffnen oder auf den Balkon gehen oder eine kleine Runde drehen,
    schauen Sie einen Moment länger in den Himmel, lauschen Sie eine Minute länger den lebendigen Vögeln in den Zweigen und genießen Sie die wärmenden Sonnenstrahlen, so lange es geht.

     

    Es grüßt Sie herzlich Barbara Schatz aus der Paulusgemeinde

    Wort für den Tag: 22. Februar 2021

    Die katholische Kirche feiert heute das Fest „Kathedra Petri“. In den ersten drei Jahrhunderten stand dahinter der Brauch, am Grab für die Toten ein Mahl zu halten. Dabei wurde für den Ver storbenen ein leerer Stuhl aufgestellt. Ab dem 4. Jahrhundert wurde dieses Gedenken zum Fest der Berufung des Petrus und später für das damit in Verbindung gebrachte Lehramt.

     

    15 Da sagte Jesus zu ihnen: Ihr aber, für wen haltet ihr mich? 16 Simon Petrus antwortete und sprach: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes! (Mt 16,15f)

     

    „Für wen hältst du mich? Und hat dieses Bekenntnis auch Konsequenzen für dein Leben?“ Diese Fragen stellt Jesus an uns. Petrus antwortet, indem er seine Erfahrungen mit Jesus in Verbindung bringt mit dem Glauben Israels, mit den Verheißungen der Heiligen Schrift und mit der Stimme Gottes in ihm. Wer den Glauben leben und vermitteln will, muss seine Lebenssituation in Verbindung bringen mit den biblischen Verheißungen, mit dem Glauben der Kirche und mit der Stimme Gottes im Herzen. Und er muss aufzeigen, welche Bedeutung dieser Glaube im Alltag hat. Denn ein Glaube ohne Alltags-Relevanz ist nutzlos.
    Welche Bedeutung hat mein Glaube in dieser leidvollen Corona-Zeit? Je länger die Einschränkungen dauern, umso gereizter scheinen die Menschen zu werden. Eine fehlende Perspektive für die Rückkehr in die Normalität zerrt ebenso an den Nerven wie die Sorge um liebe Menschen und das Gefühl des Ausgeliefert-Seins. Die Debatten werden hitziger und der Ton bissiger.
    In dieser bedrängenden Lage schlage ich vor, den alten Brauch aufzunehmen und gedanklich einen leeren Stuhl in unsere Mitte zu stellen. Nicht den Stuhl Petri, sondern den Stuhl Jesu. Den Stuhl, der uns daran erinnert, dass ER in unserer Mitte real präsent, gegenwärtig, ist. Ich bin mir sicher, dass dies unser Miteinander verändert und dass wir anders miteinander umgehen, wenn uns seine Gegenwart bewusst ist. Würden wir weiter national-egoistisch über zu wenig Impfdosen jammern? Würden wir uns weiter über die Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft aufregen, wenn wir ihm dabei in die Augen schauen? Ich bin mir sicher, wenn Jesus einen festen Platz unter uns hat, gehen wir besser mit den Herausforderungen dieser Zeit um.

     

    Lied Gotteslob Nr. 788 (HuT 178) „Du bist der Atem der Ewigkeit“
    1. Du bist der Atem der Ewigkeit, du bist der Weg in die neue Zeit. Du bist das Leben, du bist das Leben, du bist das Leben, Gott.
    3. Du bist die Klage in Angst und Not, du bist die Kraft unser täglich Brot. Du bist das Leben, du bist das Leben, du bist das Leben, Gott.
    4. Du bist der Blick, der uns ganz durchdringt, du bist das Licht, das uns Hoffnung bringt. Du bist das Leben, du bist das Leben, du bist das Leben, Gott.
    8. Du bist das Wort, das uns Antwort gibt, du bist ein Gott, der uns Menschen liebt. Du bist das Leben, du bist das Leben, du bist das Leben, Gott.

     

    Segensgebet
    Gott, der Vater, an den wir uns halten können, lasse sein Angesicht über uns leuchten. Er sei mit uns, damit wir gut unterwegs sind in unserem Leben. Gott, der Sohn, auf den wir in den Unruhen der Zeit bauen können, wende sein Angesicht uns zu. Er schaue uns an, damit wir unser Ansehen nicht verlieren. Und Gott, der Heilige Geist, mit dem wir uns Neues erschließen, schenke uns sein Heil. Er durchdringe uns mit seiner Liebe, damit auch wir einander lieben. Amen.

     

    Impuls: Wenn Sie genervt sind, wenn alles zu viel wird, holen Sie sich einen Stuhl, stellen Sie diesen Stuhl neben sich und begrüßen Sie auf ihm Christus, der heute bei ihnen sein will. Und dann schauen Sie mit ihm auf alles, was gerade chaotisch ist.

     

    Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Magnus Koschig, Pfarrer der Pfarrei Carl Lampert Halle

    Wort für den Tag: Samstag, 20. Februar 2021

    Wenn er das verlorene Schaf gefunden hat, so legt er sich’s auf die Schultern voller Freude.

    (Lukas 15,5)

     

    Wort für den Tag:
    Wenn ich meinen Sohn abends ins Bett bringe, folgt auf die Gutenacht-Geschichte die immer gleiche Frage an ihn: „Was soll ich heute singen, Mond oder Schaf?“ Meistens erhalte ich die geflüsterte Antwort: „Schaf singen.“ Also singe ich:
    Ein kleines wildes Schäfchen, das lief einfach fort und hörte nicht mehr auf des Hirten Wort.
    Da ließ der gute Hirte die Herde allein und suchte das Schäfchen, er hörte es schrein.
    Es fiel in spitze Dornen. Der Hirte zog’s heraus. Dann trug er es froh auf den Armen nach Haus.
    Wer ist denn dieses Schäfchen? Das Schäfchen bin ich. Der Hirte ist Jesus. Er sucht Dich und mich.
    Ein Gleichnis Jesu verpackt in einem einfachen Kinderlied mit einer einfachen Botschaft: Jesus ist der Hirte und wir sind die Schafe, die von Zeit zu Zeit andere Wege gehen wollen als sie uns der Hirte führt. Wenn es dann schief geht, sind wir aber nicht in den Dornen verloren. Unser Hirte lässt die 99 Schafe der Herde zurück, um das eine hundertste zu suchen. Und wenn er es dann gefunden hat, ist seine Freude übermäßig groß.
    Wir sind die Schafe, Jesus ist der Hirte. Egal, was uns am Tag widerfährt, auf welche Abwege wir kommen oder in welche Dornen wir fallen, Jesus sucht und findet uns. Und am Ende des Tages sind wir doch Teil der Herde und jede und jeder Einzelne von uns sein geliebtes Schaf. Einfa-cher kann es nicht sein.

     

    Lied:
    Der Herr ist mein getreuer Hirt, hält mich in seiner Hute, darin mir gar nicht mangeln wird je-mals an einem Gute.
    Er weidet mich ohn Unterlaß, da aufwächst das wohlschmeckend Gras seines heilsamen Wortes.

     

    Gutes und viel Barmherzigkeit folgen mir nach im Leben, und ich werd bleiben allezeit im Haus des Herren eben
    auf Erd in der christlichen G’mein, und nach dem Tode wird ich sein bei Christus, meinem Her-ren.
    (EG 274,1.5)

     

    Gebet:
    Christus, mein Herr,
    ich bin Dein Schaf, das Du lieb hast.
    Jeden Tag versuche ich, bei Dir zu bleiben, aber oft gelingt es mir nicht.
    Was heute auch geschehen wird, was mich heute auch von Dir trennen wird,
    ich bitte Dich, dass Du mich nicht verloren gibst, sondern dass Du mich suchst und findest. Amen.

     

    Tag-Werk:
    Erzählen Sie heute einer anderen Person das Gleichnis vom verlorenen Schaf.
    Falls Sie kleine Kinder haben und das Lied noch nicht kennen, können Sie sich über verschiede-ne Videos auf YouTube die Melodie anhören und es Ihren Kindern vorsingen.

     

    Mit guten Segenswünschen für den heutigen Tag!
    Ihre Katrin Mang (Vikarin)

    Wort für den Tag: 19.02.2021

    In den letzten Tagen hatten wir die für Halle seltene Gelegenheit zu ausgiebigen Winterfreuden. Na klar, auch der Unbill war dabei über rutschige Wege und nicht geräumte Straßen. Aber eben auch die kleinen Höhepunkte, die der Schnee so mit sich bringt: rodelnde Kleine und Große am Paulusberg, Langläuferinnen am Saaleufer und Spaziergänger mit und ohne Tee in der Hand im ganzen Stadtgebiet. Und es gab auch die kleinen Freuden der Natur, etwa die Flocken so leicht wie Federflaum, die Schneekappe überm Vogelhaus und die Eiszapfen in allen Varianten. Wie sich diese Eiszapfen bilden, konnte ich an meinem Fenster beobachten: Der erste Tropfen vereist, ein nächster rollt am vorhergehenden hinunter, weitere folgen. Bis zur Spitze rollen sie vor – die Tropfen – und lassen so den Zapfen wachsen.
    Der Zapfen ist mir ein Sinnbild für einige Gedanken heute. Ich glaube, es ist mit unserem Gefühls-leben manchmal wie bei der Entstehung von Zapfen: Eine schlechte Erfahrung kommt zur nächsten, eine Hiobsbotschaft folgt der anderen, eine Negativmeldung in der Presse jagt die vorhergehende. Und schwupps, haben sie sich zu einem Zapfen des Ärgers und der Wut geformt. Ähnlich kann es in Beziehungen zu anderen sein: Der, den ich doch liebe, oder die, mit der ich eng befreundet bin, tun mal etwas, was mir nicht in den Kram passt; ein ähnliches Erlebnis kommt hinzu, vielleicht das Wort eines Dritten; und mein eigenes Kopfkino tut sein Übriges. Und im Handumdrehen ist aus der guten, fröhlichen, leichten Beziehung und aus meiner zuversichtlichen Haltung zum Leben ein verkrampftes und verhärtetes Etwas geworden – ein Eiszapfen vielleicht. Und dann stehe ich da, blicke ihn an und verstehe gar nicht, wie er entstehen konnte. Aber der Eiszapfen ist unter Umständen so dick und manifest, dass er sich nicht leicht entfernen lässt. Denke ich.

    Vielleicht haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht, standen da und wussten nicht, wie weiter. Wie sich diesen Eiszapfen aus Ärger, Wut, Missverständnissen, Trauer, Enttäuschung nähern? Ich habe immer wieder den Eindruck gewonnen, wenn ich Derartiges erlebt habe, dass ich meine eigenen Verhärtungen nur überwinden kann, indem ich mich weich und offen halte. Klar, das geht nicht immer. Erstmal muss ich durch sehr viel Gefühlschaos hindurch. Und klar, ich mache mich damit verletzlich und angreifbar. Aber letztlich ist es das mir einzig Mögliche, wenn ich lebendig bleiben und nicht zum Eiszapfen werden will: Weich und offen bleiben.
    Und wie das Sonnenlicht in dieser Woche die Zapfen anfängt zu schmelzen, so kann nach und nach die bewusst offene Haltung uns selber dazu bringen, das, was uns starr macht, aufzuweichen. Das geht nicht sofort und das geht nicht schnell. Es verlangt uns einiges an Übung ab. Aber so wie die Sonne beharrlich am Eis leckt, so beharrlich können wir dran bleiben – daran, warm und offen zu bleiben für das, was kommt. Vielleicht fängt es mit dem Impuls an, den ich mir aus einem unserer Gottesdienste Anfang 2020 aufgehoben habe: „Sieh umher, sieh dich um und in dich hinein, ob du ein Licht siehst und es selber nicht verdunkelst; ein Licht, das dich erleuchtet und alles erhellt, was der Hoffnung dient.“
    Nach einem langen Winter – mit dunklen Tagen, Schneefreuden, Einschränkungen und Rückzug in die eigene häusliche Höhle – wächst die Sehnsucht nach dem Frühling, nach Wärme und Licht. Ich möchte mich auf den Weg machen mit dieser Sehnsucht – hinaus ins Leben. Sie auch?

     

    Lied von Janne Mark, dt. Lothar Veit:
    Erneut berührst, bewegst du mich, ein Wort von dir, dein Geist in mir,
    dein Trost in jedem Klagelied bringt Licht in meine Tage.
    Du gibst uns Mut, wir gehen los, du machst uns leicht auf Erden,
    wir sind von dir, du bist in uns, in unserm Sein und Werden.

     

    Gebet:
    Guter Gott, du Freundin des Lebens, hier stehen wir zu Beginn dieser Fastenzeit, am Ende eines Winters, mit unseren Blessuren, mit unserem vielleicht von Dunkelheit getrübten Blick. Und dann kommst du, wärmst uns und lädst ein zu dieser Wärme. Hilf uns, unser eigenes Ja dazu immer wieder und immer weiter zu entwickeln. Gib uns die Kraft für das Offene und Erwartungsfrohe. Amen

     

    Tipp für den Tag
    Und heute? Das Land ist hell und weit. An einem Freitag? An einem All-Tag? So kurz nach Aschermittwoch? Machen Sie sich bewusst auf die Suche danach, wo Leben wächst: im Vorgarten die Schneeglöckchen (wie haben sie den Frost überstanden?), auf den Bäumen die Meisen (wie schaffen die das, so zu zwitschern?), in der Begegnung mit einem Menschen (wie kann ich die Eiszapfen abtauen?). Viel Freude dabei wünscht Dorothee Fuchs (Evangelische Paulusgemeinde)

    Wort für den Tag: 18. Februar 2021

    Gestern ist als Rauch entschwunden und zu Asche verbrannt, was vorgestern noch ganz wichtig war. Aber heute wird noch kein Phönix aus der Asche steigen. Die Asche-Zeit dauert an. Im Kirchenjahr ist sie berechenbar und ist zuverlässig am Ostersonntag zu Ende. Aber von der Pandemie-Aschezeit kann das niemand genau vorhersagen. Das macht es schwer, damit zu leben.

     

    Wort für den Tag:
    Viele werfen es den politischen Entscheidungsträgern vor: „Gebt uns endlich einen Zeitplan! Oder wenigstens einen nachvollziehbaren Stufenplan, nach dem Eintreten welcher Bedingungen jeweils welche Öffnungen möglich sein werden!“ Aber die Politik kann nicht beantworten, was ihre Akteure selber nicht wissen. Viele denken über die katastrophalen Folgen nach für die zahlreichen kleinen Unternehmen und Geschäfte, für das geistige und seelische Wachstum der Kinder, für die seelische Gesundheit der schon zuvor Angegriffenen und Verletzlichen. Viele denken an die Erkrankten und die Sterbenden und ihre Familien. Es gibt niemanden, der sagen kann, wann diese Zeit zu Ende ist. Wann werden wir die Asche abwaschen, den Staub von uns schütteln, das Leben aus allen Poren und Ritzen hervorbrechen sehen wie zu einer allgemeinen Auferstehung? Niemand kennt den Tag.

    Das biblische Wort für heute (Losung und Lehrtext) richtet den Blick auf die Gegenwart:
    Abraham sagt: „Herr, wenn ich Gnade gefunden habe in deinen Augen,
    dann geh doch nicht vorüber an deinem Knecht!“ (1. Mose 18, 3) /
    Jesus sagt zu Zachäus: „Heute muss ich in deinem Haus bleiben!“ (Luk. 19, 5)
    Gott kommt zu Besuch. Er tut, als ginge er vorüber, Abraham muss ihn ansprechen und einladen. Niemand kann Gott und seine Engel sehen. Abraham sieht sie kommen als drei Personen. Niemand hat Gott jemals zu essen gegeben. Abraham bewirtet die Drei. Er tut das so selbstverständlich, als käme ein weitgereister Verwandter vorbei. Er wird noch am selben Tag erfahren, dass Gott neues Leben schenkt: Er wird das Unmögliche geschehen lassen, dass Sara und Abraham ein Kind bekommen. Ebenfalls wird er erfahren, dass Gott Schreckliches geschehen lässt: Die Städte Sodom und Gomorrha werden in einem furchtbaren Erdbeben untergehen. Abraham kann das Wunder nicht fassen und muss darüber lachen, wie auch Sara lacht. Die Vernichtung aber will er abwenden, er verhandelt darüber und ist nachsichtiger und geduldiger und vergebungsbereiter als Gott selbst, aber er hat keinen Erfolg. Doch Abraham wird zum Segen für viele werden, und bleiben bis zum heutigen Tag: Juden, Christen und Muslime sind mit ihm gesegnet. Und niemand kann wissen, wie viele darüber hinaus auch mit ihm gesegnet sind. Wir Gesegneten behalten die Aufgabe, mit Gott zu verhandeln: Darüber, dass heute das Leben gut ist. Darüber, dass heute Gott tröstet und am Leben erhält und neues Leben schenkt.
    „Heute“ sagt Jesus zu Zachäus. Nichts muss verschoben werden auf das Ende der Asche-Zeit. Das Leben findet jetzt statt, nicht erst morgen. Jesus sitzt mit am Tisch und macht aus der Alltagsmahlzeit ein kleines Fest. Er schreibt mit an einem tröstlichen Brief. Er spricht und hört mit bei dem lange verschobenen Telefongespräch, das heute stattfindet.
    Wie viel mutiger werde ich nun mit Gott verhandeln! Mit ganzer Ehrlichkeit will ich Ihm sagen, was ich nicht hinnehmen kann. Auch das will ich Ihm sagen, was mich an mir selber zweifeln lässt. Und mit ganzer Energie will ich Ihn um das Leben für heute bitten. Um den Trost für heute. Ja, auch um die Freude für heute.

     

    Lied: „Der Tag ist seiner Höhe nah“, EG 457, Str. 11+12:
    Die Hände, die zum Beten ruhn, die macht er stark zur Tat.
    Und was der Beter Hände tun, geschieht nach seinem Rat.
    Der Tag ist seiner Höhe nah. Nun stärke Seel und Leib,
    dass, was an Segen er ersah, dir hier und dort verbleib.

     

    Gebet:
    Du siehst meine Ungeduld und meine Unruhe. Du hörst meine Beschwerden. Nimm Dich der Menschen an, für die ich Dich heute bitte: … Und nimm Dich meines unruhigen Herzens an. Heute will ich vor Dir leben.
    Amen.

     

    Ihnen allen einen gesegneten Tag wünscht Martin Herzfeld.

    Wort für Aschermittwoch, 17.02.2021

    Zerreißt eure Herzen und nicht eure Kleider und kehrt um zu dem HERRN, eurem Gott!
    Joel 2,13

     

    Wort zum Tag
    Ein starkes Wort des Propheten Joel und einer der Texte für den heutigen Aschermittwoch. Joel berührt mich mit diesem kraftvollen Bild des Zerreißens, und doch mutet es mir auch fremd an. Wir gebrauchen das Sprachbild ja tatsächlich im Sinne von „sich für etwas zerreißen“ - also wenn jemand alles für einen Menschen oder eine Sache gibt.
    Zu biblischen Zeiten war das Zerreißen der Kleider ein Zeichen von Trauer, Demut und Buße. Jakob zerreißt voller Schmerz seine Kleider im Angesicht von Josefs blutigem Ärmelrock, den die heimkehrenden Brüder ihrem Vater präsentieren. Bei Josua, dem Nachfolger von Mose, ist es eher die Angst vor den Feinden Israels, die ihn mit zerrissenen Kleidern demütig in den Staub fallen lässt. Als Zeichen demonstrativer Buße findet sich die Geste bei dem Verhör Jesu vor dem Hohen Rat: Der Hohepriester zerreißt seine Kleider, nachdem Jesus auf dessen Frage, ob er der Christus und der Sohn Gottes sei, mit „Du sagst es“ antwortet.
    Fremd und stark zugleich wirken die biblischen Texte auf mich. Ich spüre ihnen ab, dass es da um mehr geht als um ein Ritual: Es geht um Leben und Tod.
    Besonders jetzt, zum Auftakt der Passionszeit, fordert mich diese Perspektive persönlich heraus: Wie gehe ich mit entscheidenden Fragen und einschneidenden Erfahrungen um? Weiche ich aus? Versuche ich, etwas kleinzureden? Flüchte ich mich in ritualhafte Gewohnheiten? Joel, der Prophet, macht es mir nicht leicht. Er will, dass ich mich stelle: der Not und den Notwendigkeiten meiner Zeit – ohne schnelle Ausflüchte, dafür mit ganzem Herzen. Ob mir das gelingt?

     

    Gebet
    Barmherziger Gott, auf der Suche nach Klarheit und Kraft in unsicherer Zeit merke ich, dass ich Geduld brauche: mit mir selbst, mit anderen, mit dir. Lenke meine Schritte in die Richtung, die du vorgibst. Dein Wort sei meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege. Amen.

     

    Lied „Und suchst du meine Sünde“ (EG 237/GL 274)
    Und suchst du meine Sünde, flieh ich vor dir zu dir,
    Ursprung, in den ich münde, du fern und nah bei mir.

    Wie ich mich wend und drehe, geh ich von dir zu dir;
    die Ferne und die Nähe sind aufgehoben hier.

    Von dir zu dir mein Schreiten, mein Weg und meine Ruh,
    Gericht und Gnad, die beiden, bist du – und immer du.

     

    Tipp
    Mit dem Vortrag „Und sie erwischte ihn bei seinem Kleid... Von ganzen und zerrissenen Kleidern in der Bibel“ komme ich gerne per Zoom zu Ihnen in den Haus-, Gesprächs- oder Freundeskreis (→ sven.hanson@ekmd.de).

     

    Ihnen eine Passionszeit mit guten Gedanken und froher Hoffnung!

     

    Pfarrer Sven Hanson (Mitteldeutsches Bibelwerk)

    Wort für den Tag, 16.02.2021 (Fastnacht)

    Eigentlich bin ich ganz anders
    Ich komm' nur viel zu selten dazu
    Du machst hier grad' mit einem Bekanntschaft
    Den ich genauso wenig kenne wie du.

    Udo Lindenberg

     

    Vor so ziemlich genau einem Jahr fand in der Paulusgemeinde ein Maskenball statt. Und in der Laurentiusgemeinde hatte die Junge Gemeinde einen Gottesdienst zum Thema „Masken“ veranstaltet. Niemand wusste zu diesem Zeitpunkt, dass schon bald die ganze Gesellschaft, ja die ganze Welt Maske trägt. Einige Masken während des Paulus-Balls waren sehr ausgefallen, richtig exotisch, andere eher filigran, die einen haben das ganze Gesicht verborgen, die andere nur die Augen. Heute trägt man nur noch weiß, eventuell grün oder hellblau, und natürlich immer über Mund und Nase.
    Fastnacht ist der Tag und die Nacht, um mal so richtig aus dem Rahmen zu fallen. Es besteht die Möglichkeit, nicht nur eine Maske aufsetzen – das müssen wir ja sowie so, sollten wir heute in einen Supermarkt gehen – sondern eine Maske fallen zu lassen. Wie wäre es, wenn Sie heute mal einer Seite in sich, die Sie sonst eigentlich nicht so zeigen, mehr Raum geben. Vielleicht ist das die freche Seite in Ihnen oder die verletzliche, die verspielte oder die verwegene.
    Zur Fastnacht sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Auch derbe Späße und sehr deutliche Darstellungen sind erlaubt, man kennt das ja aus den Karnevalshochburgen. Vielleicht macht es auch Ihnen einmal Spaß, für ein paar Stunden in eine extreme Rolle zu schlüpfen und auszuprobieren, wie es sich anfühlt, ein Großkotz oder eine Tranfunzel zu sein. Heute ist dazu noch einmal Gelegenheit, morgen beginnt dann mit dem Aschermittwoch ein neuer Abschnitt in unserer Kirchenjahreszeit.
    Ich glaube, wir brauchen beides, dass wir in uns gehen und dass wir aus uns herausgehen, dass wir mal auf die Pauke hauen und dass wir uns zurücknehmen, dass wir genießen und dass wir verzichten. Und ich glaube auch, dass es Gott freut, wenn wir die verschiedenen Seiten in uns wahrnehmen und sie auch mal zeigen, die lauten und die leisen, die anständigen und die schrägen, die traurigen und die fröhlichen. Im Psalm 139 steht geschrieben:
    Herr, du erforschest mich und kennest mich.
    Ich sitze oder stehe auf, so weißt du es; du verstehst meine Gedanken von ferne.
    Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege.


    Lied: HuT 113 (Kanon)


    Du verwandelst meine Trauer in Freude. Du verwandelst meine Ängste in Mut.
    Du verwandelst meine Sorgen in Zuversicht. Guter Gott! Du verwandelst mich.


    Gebet


    Mein Gott, du kennst mich. Du weißt, was mich bedrückt, was mich ängstigt, was mich glücklich und auch mutig macht. Lass mich sein, die ich bin. Lass mich erkennen, was in mir ist, das Starke, das Gute, aber auch das, was ich lieber nicht sehen will. Und schenke mir Barmherzigkeit, mit mir selbst und mit anderen. Sei bei mir auf allen meinen Wegen. Amen.

     

    Tipp für den Tag:
    Seien Sie mal ganz anders. Lernen Sie den kennen, der auch in Ihnen steckt.

     

    Viel Freude dabei wünscht Ihnen Gundula Eichert (Pfarrerin in der Laurentiusgemeinde)

    Wort für den Rosenmontag: 15.2.2021

    Kennen Sie den schon: „Als meine Frau neulich nach Hause kam, drückte sie mir einen Dartpfeil in die Hand und hing im Wohnzimmer eine Weltkarte auf. Dann sagte sie: „Schatz, wirf den Pfeil und dort wo er landet, machen wir zusammen Urlaub, wenn Corona vorbei ist.“ Ich warf. Und was soll ich sagen: Mir machen demnächst Urlaub hinter unserem Wohnzimmerschrank.“

     

    Lachen ist die beste Medizin – heißt es. Aber ob Lachen auch gegen Corona hilft – da bin ich mir unsicher. Die Ärzte mögen mir widersprechen, aber ich vermute, dass auch durch eine Lachtherapie die Viren nicht aus dem Körper verschwinden, wenn sie einmal drin sind. Und es gibt so viele Menschen, die unter der Erkrankung oder dem Lockdown leiden, und denen gerade überhaupt nicht nach Lachen zumute ist.

    Darf man in so einer Zeit Fasching feiern oder Witze über das Virus machen?

    „Letztendlich kommt alles auf die Perspektive an.“ Das ist die Erkenntnis, die vor langer Zeit, ein griechischer Philosoph formulierte. Epiktet war es, der vor 2000 Jahren sagte, dass letztlich nicht die Dinge entscheidend sind, sondern wie wir die Dinge sehen. Die Perspektive ist das Entscheidende. Wenn wir eine Perspektive einnehmen können, die über den Dingen steht, dann sind wir freie und glückliche Menschen. Und da kommt der Witz ins Spiel, denn Lachen und Humor können uns durchaus helfen, Abstand zu gewinnen und diese schwere Zeit zu überwinden. Schon Pater Brown wusste: „Humor ist nichts anderes als eine Erscheinungsform der Religion - nur wer über den Dingen steht, kann sie belächeln“.

    So glauben und hoffen wir: Ja, es gibt dunkle Zeiten. Aber die haben nicht das letzte Wort.

     

    Lied: In dir ist Freude (EG 398)

     

    1. In dir ist Freude in allem Leide, o du süßer Jesu Christ!

    Durch dich wir haben himmlische Gaben, du der wahre Heiland bist;

    hilfest von Schanden, rettest von Banden.

    Wer dir vertrauet, hat wohl gebauet, wird ewig bleiben. Halleluja.

    Zu deiner Güte steht unser G’müte,

    an dir wir kleben im Tod und Leben; nichts kann uns scheiden. Halleluja.

     

    2. Wenn wir dich haben, kann uns nicht schaden Teufel, Welt, Sünd oder Tod;

    du hast’s in Händen, kannst alles wenden, wie nur heißen mag die Not.

    Drum wir dich ehren, dein Lob vermehren

    mit hellem Schalle, freuen uns alle zu dieser Stunde. Halleluja.

    Wir jubilieren und triumphieren,

    lieben und loben dein Macht dort droben mit Herz und Munde. Halleluja.

     

    Gebet

    Lebendiger Gott,

    wir danken dir für die Freude und das Lachen, das uns manch dunklen Tag erhellt. Wir bitten dich um deine Nähe für alle, denen nicht nach Lachen zumute ist – deren Leben voll von Sorgen ist. Zeige uns Wege, wie wir miteinander und füreinander Not lindern können. Und schenke uns immer wieder einen gesunden Abstand zu den Dingen, damit wir aufatmen können und Freude unser Herz erfüllt.

    Amen.

     

    Tipp für den Tag

    Erzählen Sie doch jemandem mal einen Witz.

    Und wenn Sie noch etwas zum Schmunzeln suchen, ist vielleicht die Narrenpredigt (siehe Video) über die heutige Tageslosung etwas für Sie..

     

    Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen und einen frohen Tag.

    Ihr Alexander Barth, Vikar in der Paulusgemeinde

    Narrenpredigt zum Rosenmontag von Vikar Barth


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    Wort für den Tag: Samstag, 13.02.2021

    Die gesamte Bibelstelle des heutigen Tages steht im Buch Genesis/1.Mose Kapitel 3, Verse 9-24.


    Mich beschäftigen allerdings ‚nur‘ diese Zeilen:


    Zum Menschen sprach Gott: Weil du auf die Stimme deiner Frau gehört und von dem Baum gegessen hast, von dem ich dir geboten hatte, davon nicht zu essen, ist der Erdboden deinetwegen verflucht. Unter Mühsal wirst du von ihm essen alle Tage deines Lebens. Dornen und Disteln lässt er dir wachsen und die Pflanzen des Feldes wirst du essen. Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du zum Erdboden zurückkehrst; denn von ihm bist du genommen, Staub bist du und zum Staub kehrst du zurück.


    Wort für den Tag


    Gott ist zornig. Denn Adam schiebt die Schuld auf die Frau, die schiebt die Schuld weiter auf die Schlange. Gott zeigt der Schlange und den Menschen die tragischen Konsequenzen ihres Handelns auf. Niemand bekommt einen Freispruch, sondern jeder einen recht erheblichen Erbteil.


    Ich springe mit meinen Gedanken gleich mal ins Heute. Es geht um die Erde. Ich finde, die Natur ist gerade stark in Ordnung. Endlich ist es kalt und Winter. Ein Hochwasser kündigt sich an. Der Winter ist endlich mal so, wie er in Mitteleuropa sein müsste. Das fordert uns Menschen heraus. Einiges geht nun langsamer und sogar pausieren ist angesagt. Alles geht vorwärts, aber mit einem Gang niedriger.


    Ich habe diese Woche so manche Zeit mit und im Schnee verbracht. Herrlich anstrengend. Dabei kann ich gar nicht sagen, ob das Berg hochlaufen und dann rodeln (mit den Kindern) oder das Fußwege-Freischippen mehr Kraft kostete.


    Und ich freue mich auf den Frühling. Da kann dann endlich die Gartenarbeit beginnen. Rasen säen, Hecke schneiden, Unkraut jäten. Es sind nicht immer ‚Dornen und Disteln‘. Und so nach und nach schaffe ich mir, eher uns, ein Paradies – eins auf Erden. Ich merke, ein wenig kommt mir da der echte paradiesische Garten in den Sinn.


    Doch vorher wird bei diesem Wetter nochmal durch Haus und Hof geschaut, damit alte ungebrauchte Sachen rausfliegen. Gutes zum Spenden, Olles für die Tonne. Ein lohnendes Unterfangen für die Fastenzeit, kommende Woche beginnt sie. Und wenn Gott gnädig mit mir ist, dann schaffe ich das alles. Das Leben ist doch ertragbar.


    Lied und Gebet in einem (Gotteslob 436 (Melodie GL282) / EG 347)


    Ach bleib mit deiner Gnade bei uns, Herr Jesu Christ, dass uns hinfort nicht schade des bösen Feindes List.
    Ach bleib mit deinem Worte bei uns, Erlöser wert, dass uns sei hier und dorte dein Güt und Heil beschert.
    Ach bleib mit deinem Glanze bei uns, du wertes Licht; dein Wahrheit uns umschanze, damit wir irren nicht.
    Ach bleib mit deinem Segen bei uns, du reicher Herr; dein Gnad und alls Vermögen in uns reichlich vermehr.
    Ach bleib mit deinem Schutze bei uns, du starker Held, dass uns der Feind nicht trutze noch fäll die böse Welt.
    Ach bleib mit deiner Treue bei uns, mein Herr und Gott; Beständigkeit verleihe, hilf uns aus aller Not.


    Vorschlag für den Tag


    Welche ‚Felder‘ müssen Sie tagein tagaus beackern?


    Haben Sie schon Pläne für den Garten? Was muss noch im Haus gemacht werden?
    Sprechen Sie das mit Ihrem Partner ab?


    Wenn Sie nichts haben, dann fragen Sie doch mal in Ihrer Gemeinde oder ein Gemeindemitglied,
    ob da eine Fläche gepflegt werden müsste und übernehmen (nur) für dieses Jahr die Patenschaft!


    Ich wünsche Ihnen, eine gnadenvolle Zeit.

     

    Gemeindereferent Johannes Knackstedt, Katholische Pfarrei Carl Lampert, Halle

    Wort für den Tag, Freitag, den 12.02.2021

    Liebe Leserinnen und Leser, haben Sie schon einmal einen Brief bekommen,

    den Sie immer und immer wieder lesen?
    Heute denke ich über einen Bibelspruch nach, der einem Brief entnommen ist,
    gerichtet an die erste christliche Gemeinde auf europäischem Boden:

     

    Und der Friede Gottes, welcher höher ist als alle Vernunft,
    der bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus! ( Phil. 4, 7)

     

    Gesehnt haben sie sich nach einer Nachricht von Paulus, im Hause der Lydia in Philippi. Die im Purpurhandel tätige Geschäftsfrau hatte sich mit als Erste im Ort taufen lassen,
    und in ihren Räumen traf sich die wachsende Gemeinde der Christen.
    Aber es gab auch Probleme. Der neue Glaube traf auf Widerstand und auch innerhalb der noch jungen Gemeinde gab es Streit in verschiedenen Fragen.
    Paulus sollte raten, seine Glaubenserfahrung sollte helfen,
    doch war er leider zur Zeit weit entfernt, ein persönliches Treffen unmöglich.
    Dann kam endlich ein Brief von ihm, und über einen Satz daraus denke ich nach.
    Der Friede Gottes, welch ein wohltuender Begriff, auch wenn man ihn in seiner Größe nicht begreifen kann, so kommt er uns doch ganz nah. Denn wenn eine Kraft unsere Herzen und alle Sinneswahrnehmungen bewahren will und kann, unser tägliches Leben somit in Augenschein nimmt, dann sucht dieser Gott unsere Nähe.
    Wir sind für ihn wertvoll! Paulus hat es offenbar erfahren und ist erfüllt davon.
    Das müssen die Christen in Philippi gespürt haben.
    Hier ist von einem Gott die Rede, der in Jesus den Menschen so nah kommen will,
    dass er eben keine abstrakte Größe, fern und fremd für die Menschen bleibt.
    Er will an unserem Leben teilhaben, um uns zu helfen.
    Der Friede Gottes, der mich bewahrt, das ist wie ein schützender Mantel...,
    Geborgenheit mitten in Unsicherheiten und offenen Fragen.
    Dieses Gottesbild, so wie es Jesus in die Welt brachte, konnte damals und kann auch heute nicht wirklich mit dem Verstand begriffen werden.
    Wir sind auf dem Weg, bis zum Lebensende, und nur Stück für Stück lernen wir,
    Vertrauen zu fassen, Vertrauen zu einem unsichtbaren und doch erfahrbaren Gott.
    Diesen Wunsch, diese Fürbitte des Paulus für die Gemeinde in Philippi will ich auch für uns alle und für unsere Gemeinden in Anspruch nehmen.

     

    Lied: EG Nr. 324 Ich singe Dir mit Herz und Mund (wenn Sie mögen, alle Strophen)
    Ich singe Dir mit Herz und Mund, Herr, meines Herzens Lust.
    Ich sing und mach auf Erden kund, was mir von dir bewusst.

     

    Gebet
    Gott, manchmal spüren wir dich ganz nah und das Herz möchte zerspringen vor Glück, so frei, so leicht fühlen wir uns. Manchmal aber scheinst du unsagbar fern zu sein,
    das ist bedrückend. Danke für jede gute Nachricht, für jedes Gespräch, jeden Brief,
    lass uns alles zum Guten gedeihen.

     

    Anregung für den Tag
    Es gibt viele wertvolle, schöne, hilfreiche, Nähe stiftende Briefe,... in einem Briefumschlag,
    in einem Buch, in der Bibel, auf einem Zettel, auf dem Telefon. Finden sie einen für sich.

     

    Herzliche Grüße von Barbara Schatz aus der Paulusgemeinde

    Wort für den Tag: 11. Februar 2021

    Heute ist Welttag der Kranken. Ein Tag, dem ich früher wenig Beachtung geschenkt habe. In diesem Jahr ist es anders. Ich denke an die vielen, die erkrankt sind; an die Pflegenden, die sich um sie mühen, aber auch an all jene, die um einen lieben Menschen bangen oder gar verloren haben.

     

    18 Dann sprach Gott, der HERR: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist. Ich will ihm eine Hilfe machen, die ihm ebenbürtig ist. (Gen 2,18f)

     

    In der Lesung hören die Christen der römisch-katholischen Tradition heute die Erzählung von der Erschaffung des Menschen. Sie ist kein naturwissenschaftlicher Exkurs, sondern eine Deute-Erzählung. Sie will helfen, das Leben besser zu verstehen.
    Im zweiten Schöpfungsbericht, aus dem der Vers entnommen ist, geht es um das Miteinander. Der Mensch ist keine Monade. Er ist bei aller Individualität auf andere angewiesen. Er braucht das Gegen¬über, um sich selbst zu verstehen und um – wenigstens anfanghaft – Erfüllung hier und jetzt zu finden. Der Mensch allein: Das ist nicht gut.
    Deshalb gehen meine Gedanken heute an alle, die sich in ihrer Krankheit alleingelassen fühlen. An die vielen, die keinen Besuch empfangen dürfen, aber auch an jene, die niemanden haben, der kommen würde. Isolation nimmt dem Menschen, was er zum Menschsein braucht: die Hilfe, die ihm ebenbürtig ist.
    So sehr wie wir Freiheit und Autonomie einfordern, so sehr sehnen wir uns nach Ge-borgenheit, nach einem Du, das uns umfängt, das uns trägt. Doch Vorsicht: kein menschliches Du kann all meine Sehnsucht stillen und kein noch so liebevolles Gegenüber kann all meine Wünsche erfüllen. In uns liegt ein Sehnen, das uns unendlich übersteigt, denn als Gottes Geschöpfe tragen wir den Keim der Ewigkeit immer schon in uns. Gottes unfassbare Wirklichkeit trägt uns. In sie hinein lege ich alle, die ich in dieser Welt loslassen muss.
    Unsere Aufgabe ist es, unsere Lieben nicht allein zu lassen. Zusage Gottes ist es, alles Leben zu umfangen und im Letzten auch aufzufangen. Er heilt, was in der Begrenztheit dieser Welt un¬heilvoll ist und bleibt. Helfen wir einander, Erfahrungen dieses umfassenden Heil-Werdens zu machen. Teilen wir das Leben miteinander und trösten wir einander, denn es ist nicht gut, dass der Mensch allein ist.

     

    Lied Gotteslob Nr. 470 (HuT 177) „Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht“
    4. Wenn der Trost, den wir geben, uns weiter trägt, und der Schmerz, den wir teilen zur Hoffnung wird, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut, dann wohnt er schon in unserer Welt. Ja, dann schauen wir heut schon sein Angesicht in der Liebe, die alles umfängt, in der Liebe, die alles umfängt.

     

    Segensgebet
    „Die Zeit ist erfüllt, sich zu wehren gegen alle Traurigkeit. Seid mit Widerstand gesegnet. Die Zeit ist erfüllt, sich zu wenden gegen alle Vereinsamung. Seid mit Gemeinschaftsgeist gesegnet. Die Zeit ist erfüllt, aufzustehen gegen alle Freudlosigkeit. Seid mit Liebe und Freude gesegnet.“ 1
    So segne uns und alle, denen wir uns verbunden fühlen, Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

     

    Impuls: Viele Menschen haben uns begleitet, haben uns zu dem werden lassen, der wir heute sind. Wem will ich dafür danken? Von wem habe ich schon länger nichts gehört? Rufen Sie ihn oder sie an oder schreiben Sie ihr oder ihm einen Brief.

     

    Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Magnus Koschig, Pfarrer der Pfarrei Carl Lampert Halle



    1 Roland Breitenbach in: Georg Schwikart (Hg.), Gesegnet sollst du sein, Herder Verlag Freiburg i.Br. 2008, 186

    Wort für den Tag: Mittwoch, 10. Februar

    Du stellst meine Füße auf weiten Raum. Psalm 31,9


    Wort für den Tag


    Manchmal denke ich an den weiten Himmel in Mecklenburg. Ich habe einmal in Schwerin gelebt und dort als Journalistin gearbeitet; und bei so mancher Fahrt zu einem Interview habe ich das Auto an den Straßenrand gestellt und gestaunt. So flach wie das Land war, so hoch war der Himmel. Ein Gefühl von Freiheit und Geborgenheit gleichermaßen. Von Mitteldeutschland kannte ich das nicht. Selbst wenn ich hier auf einen Berg – oder eher Hügel – steige, sehe ich doch nur das nächste Tal mit dem nächsten Dorf. Und nun, in der Pandemie, ist auch wenig von Weite zu spüren. Viele Räume sind geschlossen. Nur mühsam kann ich einen Fuß vor den anderen setzen. Ich fühle mich eingeengt.


    „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ stammt aus dem 31. Psalm, in dem ein Mensch Gott um Hilfe bittet. Der Mensch wird verfolgt. Er ist in Bedrängnis. Er fühlt sich in die Enge getrieben. Sein Leid klagt er Gott. Doch trotz der Verzweiflung erzählt der Mensch auch von Güte, von Trost, gar von Fröhlichkeit. Er ist dankbar. Er weiß, Gott wird ihn retten.


    Auch wenn es in der Öffentlichkeit manchmal so dargestellt wird, als ob Religionen durch Regeln und Rituale Menschen Fesseln anlegen, bin ich fest vom Gegenteil überzeugt. Gott will unser Leben nicht einengen, er will es weit, tief und frei machen. Er eröffnet uns neue Horizonte, er weitet die Möglichkeiten, statt unser Leben in gelenkten Bahnen laufen zu lassen. Der Engstirnigkeit setzt er Barmherzigkeit gegenüber, dem Kleingeist frohen Mut, der Kaltherzigkeit das Gebot der Liebe. Welche Räume sich dadurch öffnen! Welche Wege wir dadurch gehen können! Mit großen, aber auch mit kleinen Schritten. Mit immer neuen Perspektiven.


    Lied


    Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer (EG BY, TH 638)


    Herr, deine Liebe Ist wie Gras und Ufer, Wie Wind und Weite Und wie ein Zuhaus.
    Frei sind wir, da zu wohnen und zu gehen. Frei sind wir, ja zu sagen oder nein.
    Herr, deine Liebe Ist wie Gras und Ufer, Wie Wind und Weite Und wie ein Zuhaus.


    Wir wollen Freiheit, Um uns selbst zu finden, Freiheit, aus der man etwas machen kann,
    Freiheit, die auch noch offen ist für Träume, Wo Baum und Blume Wurzeln schlagen kann.
    Herr, deine Liebe Ist wie Gras und Ufer, Wie Wind und Weite Und wie ein Zuhaus.


    Gebet


    Guter Gott, öffne meine Augen. Ich möchte sehen, was möglich ist, auch wenn gerade so vieles unmöglich ist. Mach mein Herz weit. Ich möchte lieben und geliebt werden können, auch wenn ich meine Lieben nicht um mich habe. Und begleite mich durch die Freiheit, die du mir schenkst. Fülle den weiten Raum mit deinem Atem.


    Und nun?
    Überlegen Sie mal: Wo fühlen Sie sich frei? Haben Sie vielleicht auch so einen Sehnsuchtsort wie ich mit meinem Mecklenburger Himmel? Schließen Sie die Augen und besuchen Sie ihn!


    Frohe Grüße,


    Ihre Katja Schmidtke (Paulusgemeinde)

    Wort für den Tag: Dienstag, 09.02.2021

    Liebe Leserinnen und Leser,
    „Das ist doch eine verrückte Zeit“, diesen Satz habe ich jetzt schon oft gehört und frage mich im nächsten Moment: Was ist eigentlich Zeit? Sicher, jeder Mensch bekommt sie jeden Tag neu geschenkt, nicht mehr und auch nicht weniger, die Zeit eines ganzen Tages, 24 Stunden. Was er damit anfängt, wie er sie sich einteilt, das ist ihm überlassen, liegt mehr oder weniger in seiner Hand. Diese „gemessene Zeit“, eines Tages, ist immer eingebettet in Abläufe, auf die wir mitunter keinen Einfluss haben. So können wir bei Kohelet, er war König in Jerusalem über Israel, lesen:


    „Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit; eine Zeit zum Gebären / und eine Zeit zum Sterben, / eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Abernten der Pflanzen, eine Zeit zum Töten / und eine Zeit zum Heilen, / eine Zeit zum Niederreißen / und eine Zeit zum Bauen, eine Zeit zum Weinen / und eine Zeit zum Lachen, / eine Zeit für die Klage / und eine Zeit für den Tanz; eine Zeit zum Steine werfen / und eine Zeit zum Steine sammeln, / eine Zeit zum Umarmen / und eine Zeit, die Umarmung zu lösen, / eine Zeit zum Suchen / und eine Zeit zum Verlieren, / eine Zeit zum Behalten / und eine Zeit zum Wegwerfen, / eine Zeit zum Zerreißen / und eine Zeit zum Zusammennähen, / eine Zeit zum Schweigen / und eine Zeit zum Reden, / eine Zeit zum Lieben / und eine Zeit zum Hassen, / eine Zeit für den Krieg / und eine Zeit für den Frieden.“


    Für mich sind das ermutigende und zugleich tröstliche Worte. Sie zeigen mir, auch schwere Zeiten vergehen wieder, ändern sich. Sicher ist oft Geduld angesagt, und damit tun wir uns manchmal schwer. Allzugerne versuchen wir, die Zeit zu manipulieren, greifen dem Ablauf der Zeit vor, nur weil es dem Geschäft dient, nur weil wir die augenblickliche Situation nicht mögen, wir uns nicht damit auseinandersetzen wollen. Persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, eine schwer zu ertragende Zeit kann auch eine heilsame Zeit sein, eine Zeit, aus welcher ich gestärkt hervorgegangen bin. Unserer Zeit voraus sein, mitunter ist der vorrausschauende Blick gut und notwendig, doch sicher nicht, um unbequemen Zeiten aus dem Weg zu gehen.


    Gebet


    Guter Gott, unsere Zeit liegt in deinen Händen, du hast sie uns geschenkt, uns anvertraut. Oft vertun wir sie, stehlen wir sie einander, greifen wir vor und sind unglücklich, wenn sie uns zwischen den Fingern zerrinnt. Für dich, für dein Wort, welches uns stärken und Mut machen will,l bleibt dann oft nicht viel übrig von der uns geschenkten Zeit. Sei dennoch bei uns und unserem Tun. Amen


    Lied: Meine Zeit steht in deinen Händen (Gotteslob 799)


    Meine Zeit steht in deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in dir. Du gibst Geborgenheit, du kannst alles wenden. Gib mir ein festes Herz, mach es fest in dir. Sorgen quälen und werden mir zu groß. Mutlos frag ich: Was wird morgen sein? Doch du liebst mich, du lässt mich nicht los. Vater, du wirst bei mir sein.


    Vorschlag für den Tag


    Zeit, sie ist eine Kostbarkeit! Zum Glück können wir sie nicht käuflich erwerben, können sie auch nicht horten und lagern. Aber verschenken können wir sie und geschenkt bekommen. Jetzt ist uns zurzeit etwas geschenkt worden, was besonders die Herzen der Kinder höher schlagen lässt und unsere Welt verzaubert. Sicher sind nicht alle darüber erfreut, doch gönnen wir es den Kindern und der Natur. Freuen wir uns an der Schönheit, die von einer Größe kündet, der wir nur staunend gegenüberstehen können.


    Eine gute und gesegnete Zeit wünsche ich Ihnen


    Monika Klamt (Kirchenvorstand PLUS Pfarrei Carl Lampert)

    Wort für den Tag: 8. Februar 2021

    Liebe Leserinnen und Leser, es gibt ja ein Wort für jeden Tag. Das ist die Losung der Herrnhuter Brüdergemeine. Und die für heute ist so schön, dass ich sie Ihnen nicht vorenthalten kann. Lesen Sie selbst:

     

    Die den Herrn liebhaben, sollen sein, wie die Sonne aufgeht in ihrer Pracht!
    (Richter 5, 31)

     

    Es gab Zeiten, da hieß es: Wer Gott liebt, ist bescheiden. Er stellt sich nicht in den Mittelpunkt. Sie hält nicht zuviel von sich selbst. Man senkt den Blick, ist schuldbewusst, denn irgendwas macht man bestimmt verkehrt.
    Und dann steht sowas in der Bibel! Ich lerne eine Menge aus diesem Satz: Gott liebhaben, das ist wichtig. Überhaupt liebhaben. Das macht froh. Das macht glücklich. Wenn der Sinn des Lebens irgendwo zu finden ist, dann hier. Und diese Liebe tut nicht nur Gott gut oder meinen Mitmenschen, sondern auch mir. Das bedeutet: Ich muss nicht welken, damit andere blühen können. Ich muss mich nicht aufopfern, damit es anderen besser geht. Ich muss nicht dunkel sein, damit andere leuchten können.
    Nein, das Gegenteil ist der Fall: Gott liebhaben heißt, selbst beschenkt zu werden und aus der Quelle der Liebe zu schöpfen. Irgendwo in meinem Herzen lässt Gott sie sprudeln. Vielleicht ist sie versteckt, und ich finde sie gerade nicht und muss mächtig suchen. Vielleicht ist sie verstopft und ich muss aufräumen innerlich, etwas aufarbeiten, Steine beiseite räumen. Aber sie ist da. Und wenn ich sie spüre, dann belebt sie mich, und ich kann großzügig weitergeben.
    Deshalb: Wer liebt, liebe verschwenderisch. Wer fröhlich ist, lache laut und teile Freude aus. Wer Geld hat, gönne sich selbst etwas und schenke dann weiter. Wer klug ist, achte auf sich selbst und stehe anderen mit Rat und Tat zur Seite. Und wer Kraft hat, lasse die Muskeln spielen für sich und für Menschen, die gerade schwächer sind. Die Sonne leuchtet ja nicht nur für andere. Sie ist auch selbst hell. Und schön. Und warm. Da kann der Frost draußen noch so klirren.
    Liebe Leserinnen und Leser, das ist eine christliche, eine biblische Aufforderung: Seien wir wie die Sonne an diesem 8. Februar 2021. Gehen wir auf in unserer Pracht. Das wird uns gut tun. Und vielen anderen auch. Amen.

     

    Lied
    Ein christliches Kinder- und Jugendlied, vielleicht kennen Sie es ja
    („Durch Hohes und Tiefes“ Nr. 337):
    Refrain: Gottes Liebe ist wie die Sonne, sie ist immer und überall da. (2x)
    1. Streck dich ihr entgegen, nimm sie in dich auf.
    2. Sie kann dich verändern, macht das Leben neu.
    3. Hinter grauen Wolken scheint sie strahlend hell.
    4. Nichts kann uns von ihr scheiden, was auch immer es sei.
    5. Gib ihr deine Antwort, vertrau dich ihr ganz an.
    6. Gib die Liebe weiter an den, der nicht lieben kann.

     

    Gebet
    Strahlender Gott, ich möchte auch strahlen und leuchten.
    Lass mich Liebe entdecken, heute und an jedem Tag. Ich will die Augen offenhalten.
    Und lass mich Liebe verschenken. Ich will großzügig sein. Hilf mir dabei. Amen.

     

    Und nun?
    Leuchten Sie! Genieße Sie etwas Schönes. Machen Sie sich eine Freude. Und versuchen Sie dann, für jemand anderen zu strahlen. Wie Sonnen das eben so machen …

     

    Einen sonnigen Tag wünscht Ihnen Ihr Pfarrer Christoph Eichert (Paulusgemeinde)

    Wort für Tag für Tag: 06.Februar 2021

    Matthäus 6,11 : „Unser täglich Brot gib uns heute“


    Vor kurzem las ich in unserer Halleschen Tageszeitung die Überschrift „Die Deutschen backen in der Krise neben Kuchen auch Brot“. Na ja, dachte ich, irgendwie muss man sich ja beschäftigen. So langsam bekommt man ja auch den Trübsinn vor lauter Risiko und Einschränkungen. Da ist es doch schön, wenn die Facebook-Gruppe „Selber Brot & Brötchen backen“ sich jede Woche über mehrere Tausend neue Mitglieder freuen kann. Es kann ja nicht schaden in einer Krise sich an Überlebenstechniken zu erinnern. Wir sollten unseren Kindern wirklich wieder öfters das Schwimmen lernen, in der Wildnis mit Baumpilzen Feuer machen und auch selbst aus Roggen und Dinkel Brot backen. Aber dann wird in der Zeitung doch noch die definitive psychologische Erklärung für das „Warum“ vom Experten geliefert: „Brot steht für das Überleben. Und wenn ich selbst backe, kann ich noch besser überleben“, heißt es dort.


    Die Zeitung kommt bei uns spätestens am übernächsten Tag in die blaue Tonne. Die Bibel hat Bleiberecht. Und da steht bei Matthäus, was Millionen Menschen fast wöchentlich sprechen: “Unser täglich Brot gib uns heute“. Dahinter steht die tiefe Erfahrung, dass wir unser Leben nicht selbst backen können. All das, was unser Leben am Leben erhält, die Liebe, die Hoffnung, die Zuversicht und der Glaube, dass wir getragen und aufgefangen werden von einem Gott, der uns liebt, hängt nicht von uns ab. Wir glauben, dass uns unser täglich Brot und was wir wirklich zum Leben brauchen geschenkt wird. Wenn wir uns bemühen, wird es auch nicht altbacken oder schimmelt, wenn wir es mal im Küchenschrank vergessen.


    Wir brauchen auch keinen High Tech-Backofen. Wir müssen nur die Hände falten und darum bitten: „Unser täglich Brot gib uns heute“. Wir können dabei getrost auch die FFP2 Maske abnehmen, unser Gott ist uns immer näher als die erlaubten 1,5 Meter. Das klappt auch zu Hause am Küchentisch. (wie gesagt, das Rezept steht bei Matthäus)


    Gebet:

    Liebender Gott, Du weißt, was wir Menschen für unseren Körper und unsere Seele brauchen. Du hast von Allem genügend geschaffen. Es braucht kein Mensch und kein Tier zu hungern. Gib uns auch heute unser täglich Brot und lass es uns mit denen teilen, die noch Hunger haben.


    Kleine Achtsamkeitsübung:

    Nehmen Sie ein Stück Brot in den Mund, es kann auch schon älter sein. Sie können die Augen dabei geschlossen halten. Lassen Sie es weich werden. Bewegen Sie es mit Gaumen und Zunge im Mund. Schmecken Sie, wie sich der Geschmack verändert. Wie sich die Konsistenz verändert. Kauen sich bedacht. Schlucken Sie nicht vorschnell. Spüren Sie, wie es mehr wird. Genießen Sie!


    Ihr Horst Bartsch (Heilandsgemeinde)

    Wort für den Tag: Freitag, 5.Februar 2021

    Ein Wallfahrtslied. Wenn der HERR die Gefangenen Zions erlösen wird, so werden wir sein wie die Träumenden. Dann wird unser Mund voll Lachens und unsre Zunge voll Rühmens sein. Da wird man sagen unter den Völkern: Der HERR hat Großes an ihnen getan! Der HERR hat Großes an uns getan; des sind wir fröhlich. HERR, bringe zurück unsre Gefangenen, wie du die Bäche wiederbringst im Südland. Die mit Tränen säen, werden mit Freuden ernten. Sie gehen hin und weinen und tragen guten Samen und kommen mit Freuden und bringen ihre Garben.
    Psalm 126


    Eine Möglichkeit, Zuversicht zu bewahren, ist es, sich an gute Zeiten und Ereignisse zu erinnern. Das ist der Weg, den viele Psalmen in der Bibel immer wieder nutzen. Gerade die Psalmen, die in Unglückszeiten entstanden sind, erzählen immer wieder von den Begebenheiten, in denen Gott half. So erinnern die Betenden sich selbst und Gott daran, wie gut die Rettung tut.


    Einen anderen Weg geht der Song „Jerusalema“ von dem südafrikanischen DJ "Master KG" und der Sängerin Nomcebo Zikode. Sie nehmen die Freude vorweg. Sie bringen die ganze Welt zum Tanzen „wie die Träumenden“. Im Text dazu heißt es: „Jerusalem ist meine Heimat.
    Schütze mich, begleite mich! Er ging mit mir. Verlass mich hier nicht!“ Dieser Song geht um die Welt.
    Sogar im Gefängnis wird diese Challenge aufgeführt. (Siehe dazu: https://youtu.be/ibrPKBVCwsU)


    Lied: Hevenu schalom elechem, Wir wünschen Frieden euch allen EG 433


    Gebet: Gott, lass mich dankbar sein für alles, was du mir Gutes getan hast. Gib mir die Kraft, meinen Alltag zu bestehen und gib mir die Gelassenheit, die Dinge gut sein zu lassen. Nimm dich der Kranken und Sterbenden an und sei bei den Angehörigen mit deinem Trost und Segen. Amen


    Tipp: Erinnern Sie sich an Zeiten, in denen etwas Schlimmes vorbei war! Wie erging es Ihnen da? Wie spürten Sie Ihre Fröhlichkeit? Was haben Sie getan? Erlauben Sie sich das Schwelgen in diesen Erinnerungen und seien Sie Träumende! Saugen Sie Ihre Zuversicht aus diesen Erinnerungen. Und, wenn Sie mögen, lernen Sie die Tanzschritte von „Jerusalema“ und tanzen Sie mit!


    Es grüßt Sie herzlich Ihr Pfarrer Friedhelm Kasparick

    Wort für den Tag: Donnerstag, 4.Februar 2021

    2. Petrus 1,16ff


    16 Denn wir sind nicht ausgeklügelten Fabeln gefolgt, als wir euch kundgetan haben die Kraft und das Kommen unseres Herrn Jesus Christus; sondern wir haben seine Herrlichkeit mit eigenen Augen gesehen. 17 Denn er empfing von Gott, dem Vater, Ehre und Preis durch eine Stimme, die zu ihm kam von der großen Herrlichkeit: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe. 18 Und diese Stimme haben wir gehört vom Himmel kommen, als wir mit ihm waren auf dem heiligen Berge. 19 Umso fester haben wir das prophetische Wort, und ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen. (2. Petrus 1,16-19)

     

    Liebe Leserinnen und Leser,

     

    Christlicher Glaube bewährt sich und bewahrt. Menschen geben Zeugnis, genau so wie es oben im 2. Petrusbrief geschrieben steht. Das Stück, das uns für den letzten Sonntag als Predigttext vorliegt, gibt Zeugnis vom Licht des Lebens und der Liebe Gottes. Es wird die Verklärung aus den Evangelien zitiert. Und es kommt dieses Bild, diese Ermutigung in Vers 19: „Ihr tut gut daran, dass ihr darauf achtet als auf ein Licht, das da scheint an einem dunklen Ort, bis der Tag anbricht und der Morgenstern aufgeht in euren Herzen.“

     

    Einer, dessen Musik ich beim Schreiben dieser Zeilen höre, ist der Australier Nick Cave. Ich höre sein Album Ghosteen aus dem Jahr 2019. Er verarbeitet darin (einmal mehr) den Tod seines Sohnes Arthur, der im Alter von 15 Jahren starb. Die eine Hälfte des Albums ist dem Kind und den Kindern gewidmet, die zweite Hälfte der Sicht der Erwachsen. Im zweiten Lied „Bright horses“ wird erzählt von hellen Pferden der Liebe, deren Mähnen voller Feuer sind. Eine Szenerie voller Wunder und Kraft wird entworfen. Abenteuerlich.

     

    „Bright Horses“ erzählt davon, dass ein jeder ein Herz hat, das nach etwas ruft. Es gibt zwei Sichten: die eine, voller Wunder, Licht und Liebe. In dieser Welt gibt es Verbundenheit – auch zu dem verstorbenen Kind. Und dann ist da die andere Sicht, die andere Perspektive. In der zweiten Strophe des Liedes heißt es (übersetzt aus dem Englischen von mir): „Wir sind krank und müde, die Dinge so zu sehen wie sie sind: Pferde sind nur Pferde und ihre Mähnen sind nicht voller Feuer. Wiesen sind nur Wiesen und es gibt keinen Gott. Und alle verstecken sich und alle sind grausam. Und es hat keinen Mangel an Tyrannen und an Täuschung.“

     

    In der dritten Strophe rettet sich dann der Sänger wieder in eine andere Wahrnehmung, eine Wahrnehmung der Hoffnung. Und die Musik unterstützt das. Es wird Licht, es wird hell. Es gibt Poesie, eine Poesie des Schmerzes, die die Dunkelheit der Verzweiflung kennt, sie durchlebt und durchbricht, um dann von der Hoffnung auf Licht zu singen.

     

    Die drei Jünger, die mit Jesus auf den Berg gegangen waren, haben das Licht gesehen, die Stimme gehört. Später haben sie Jesus trotz dieser Erfahrung verraten. Auch nur Menschen! So wie Du und ich. Wir tragen und ertragen die Finsternis einer Welt, die selten existentiell nach Gott fragt. Erfahren wir aber, dass Gott da ist, sein Licht scheint, dann kann es sein, dass mit diesem Licht die Dunkelheit umso deutlicher wird.

     

    Lasst uns nicht stehen bleiben und verzweifeln! Lasst uns das Licht wahrnehmen, das da scheint an dunklem Ort – auch auf die Gefahr hin, dass wir die Dunkelheit erst einmal umso mehr wahrnehmen. Das kann erschrecken und Angst machen.

     

    Allmählich aber wird es hell. Der Morgenstern geht auf – nicht äußerlich, sondern in unseren Herzen. Noch ist der neue Tag nicht da. Bekanntlich ist gerade die Zeit am Ende der Nacht und kurz vor dem neuen Tag die kälteste. Der neue Morgen aber kommt unaufhaltsam.

     

    Der neue Morgen kommt. Dunkel sind die Tage gerade trotzdem oft. Auch da gibt es Hoffnung: Der Frühling kommt. Hier und da strecken die ersten Schneeglöckchen die Köpfe zaghaft aus dem Boden.

     

    Es gibt Zeichen der Hoffnung in unserem Leben. Lasst sie uns sehen – und lernen. Das Dunkel unserer Angst – vor Krankheit und vor Tod – kann das Licht des neuen Morgens, des neuen Lebens, nicht aufhalten. „I am beside you“ – immer wieder singt Nick Cave diese Worte: „Ich bin bei Dir.“ Am Ende ist das die Stimme, die uns führt. Es ist Gottes Stimme, hörbar in unserer Welt, dort, wo Hilfe und Geleit angeboten wird.
    Und sei es auch der letzte Weg, den wir gehen werden, an dunklem Ort, selbst in Todesnacht geht der Morgenstern auf, neues Leben verheißend. Ein Leben bei und mit Gott. Geborgen und erwacht zu ewigem Leben, ewiger Liebe werden wir Gott loben und preisen. Amen.

     

    Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn. Amen

     

    Gebet:

     

    O Friede, der nun alles füllet,
    erfüll auch uns mit süßer Ruh,
    und bis ein Tag sich neu enthüllet,
    deck uns mit trauten Träumen zu.

     

    Wie manches, was des Tages Wille
    mit rechter Klarheit nicht ergreift,
    dem hilf, daß es in deiner Stille
    zu freundlicher Vollendung reift!

     

    Wen Schicksalsschläge grausam trafen,
    den laß vergessen, was geschehn;
    wer neid- und haßerfüllt entschlafen,
    den lass versöhnt den Morgen sehn!

     

    So allem, dem gleich uns auf Erden,
    zuteil des Lebens schwankes Los,
    laß deines Segens Tiefe werden,
    gib Kraft aus deinem heil’gen Schoß.

     

    (Christian Morgenstern)

    Wort für den Tag: 3. Februar 2021

    Ob Worte wie Umarmungen sein können? Oder wie eine zärtliche Hand, die tröstet, wenn ein Kind weint? Oder wie eine segnende Hand, die zu spüren ist, während die Segensworte gesprochen werden? Die Berührungen fehlen in dieser Zeit. Trotzdem sind Worte mehr als „nur“ Worte:

     

    „So ist mein Wort, das hervorgeht aus meinem Mund: Nicht kehrt es leer wieder zu mir zurück, sondern es tut, woran ich Gefallen habe, und ihm gelingt, wozu ich es gesandt habe.“ (Jes. 55, 11) Losung der Brüdergemeine von gestern)

     

    Wort für den Tag:
    Telefongespräche ersetzen Besuche. Manche Menschen sehe ich auf dem Bildschirm, immerhin regelmäßig, aber die körperliche Nähe fehlt. Doch wenn ich, was selten geschieht, einen handgeschriebenen Brief bekomme, bin ich glücklich: Der Mensch rückt mir auf eine andere Weise nah als auf dem Bildschirm. Er lässt mich teilhaben an seinen Gedanken, auch wenn die schon ein paar Tage alt sind. Sie erzählt etwas von ihrem Erleben, von dem was ihr wichtig ist über den Tag hinaus, und ich bin dabei, vermittelt durch die Worte. Ob im Gespräch oder im Brief – Worte bauen auf und richten auf, Worte lassen uns einen Weg gemeinsam gehen, einen Rückblick oder einen Ausblick gemeinsam betrachten. Worte lassen Raum für die Gefühle. Es können andere Gefühle sein, als der Sprechende oder die Schreibende im Sinn haben: Mitunter haben Worte weniger Gewalt über die Gefühle als Gesten. Sie lassen mir und meinen Gefühlen mehr Raum.
    Wenn Gott doch deutlicher spräche! Wenn ER doch wirksamer eingriffe, Kranke gesund machte, Gerechtigkeit für die Armen durchsetzte, die Aufnahme von Schutzlosen erzwänge! Diese Wünsche waren schon damals da, als Jesaja das Wort aufschrieb, das von Gottes Wort erzählt. Bis heute sind die Wünsche nicht kleiner geworden, dass Gott deutlicher etwas verändern solle zum Besseren. Damals wie heute verspricht Gott, dass sein Wort wirkt.
    Ob ich dem bloßen Wort zu wenig zutraue? Ob ich mich erinnern soll, was für eine Kraft in den Worten steckte, die mir gut getan haben? Ob ich aus diesen Erfahrungen heute erst recht Gottes Wort trauen soll?
    Sein Wort hört nicht auf zu wirken, wenn ich schon aufgegeben habe. Sein Wort bestätigt Träume und zerstört Träume. Sein Wort löst Freude aus und Erschrecken. Sein Wort will geprüft werden, dass sich niemand anmaßend Seiner Worte bedient, und Sein Wort entzieht sich der Überprüfung. Sein Wort ist hart und dauerhaft wie Felsen und weich und flüchtig wie Schnee. Sein Wort ist zart und hell wie das erste Schneeglöckchen und treffend und unbestechlich ohne Vergleich. Sein Wort nennt unerbittlich die Schuld beim Namen und spricht frei. Sein Wort schafft Aufruhr, wo Friedhofsruhe herrscht, und es schafft Frieden den unruhigen Herzen. Nie werde ich ans Ende kommen mit dem Nachsinnen über Sein Wort. Was will ich mehr?
    In dieser besonderen Zeit will ich unseren Worten mehr zutrauen, die sich an Seinem Wort ausrichten, von Seinem Wort anregen lassen. Ich will gut hinhören. Ich will in meinen Grenzen weitergeben, was ich von IHM weiß, und IHN preisen.

     

    Lied: „Herr, öffne mir die Herzenstür“, EG 197, Str. 2:
    Dein Wort bewegt des Herzens Grund, dein Wort macht Leib und Seel gesund,
    dein Wort ist‘s, das mein Herz erfreut, dein Wort gibt Trost und Seligkeit.

     

    Gebet:
    Du sprichst. Du bringst uns zum Verstummen, damit wir hören. Du bringst uns zum Reden, damit weitererzählt wird, was Du sprichst. Hilf mir zu schweigen, wenn ich hören soll. Hilf mir zu sprechen, wenn ich reden muss. Gib mir Deinen Geist zum Hören und zum Reden.
    Ich danke Dir für alle Deine guten Worte. Heute danke ich Dir für das Wort, das mich heute berührt. Amen.

     

    Ihnen allen einen gesegneten Tag wünscht Martin Herzfeld.

    Wort für den Tag: 2.02.2021

    Wage zu träumen von dir und dem, was du nicht bist
    Wage zu träumen von dir und dem, was du nicht hast
    Wage zu träumen von dir, wie du wirklich bist
    Wage zu träumen von dir
    und nach dem Erwachen verwasche nicht dein traumhaft
    wahres Gesicht

    Margot Bickel

     

    Als ich 17 war, bin ich in Naumburg zur Schule gegangen und habe im Internat gewohnt. Wir waren zu dritt auf einem Zimmer. Schon damals habe ich sehr gern Kaffee getrunken und mit meinen Freundinnen nachmittagelang zusammengesessen und geschwatzt. Wir haben natürlich unsere Mitschülerinnen und Lehrer beurteilt, den letzten Kinobesuch ausgewertet, viel gelacht und Pläne geschmiedet, was aus uns wohl einmal werden wird.
    Heute verabreden sich Jugendliche zu einem gemeinsamen Filmabend ohne direkten Kontakt. Man sitzt jeweils im eigenen Haus und Zimmer, vor dem eigenen Bildschirm, schaut dennoch denselben Film und spricht per Handy über das Gesehene. Die Not macht erfinderisch. Ich habe aber auch von Jugendlichen gehört, die krank geworden sind, weil ihnen der direkte Kontakt zu anderen fehlt. Die Kommunikation über den Bildschirm kann menschliche Nähe eben nicht wirklich ersetzen. Doch vor allem fehlt vielen Jugendlichen eine Perspektive: Was wird aus mir? Wie geht es mit mir weiter? Sie wagen nicht zu planen, zu träumen und haben auch zu wenig Möglichkeiten, sich auszuprobieren.
    Am 2. Februar feiern wir Christen den Tag der Darstellung Jesu im Tempel (Lichtmess). Maria und Josef bringen ihren Sohn in den Tempel. Dort begegnet ihnen Simeon, ein gottesfürchtiger Mann, wie Lukas es in seinem Evangelium (Lukas 2, 22-35) erzählt. Simeon sieht Jesus und sein Gesicht beginnt zu strahlen. Er spürt, er erkennt, dass Jesus einmal ein besonderer Mann werden wird, ein Heiland, einer, der den Menschen viel Gutes tut.
    Mich berührt, wie groß dieser alte Mann von Jesus, der zu diesem Zeitpunkt noch ein kleines Kind ist, denkt, wie viel er ihm zutraut. Simeon wagt von einer Zukunft zu träumen, die Heilung, Gerechtigkeit und Frieden bringt. Mit und durch Jesus wird für Simeon diese Zukunft Wirklichkeit.
    Wie wäre es, wenn auch wir wagen, von einer guten Zukunft zu träumen. Und wenn auch wir erkennen oder erahnen, wozu unsere Kinder und Jugendlichen berufen sind. Sie zu bestärken auf ihrem Weg, mit ihnen zu hoffen, das weitet auch unseren Blick. Es tut uns allen gut.

     

    Lied: EG 222, 1


    1) Im Frieden dein, o Herre mein, lass ziehn mich meine Straßen.
    Wie mir dein Mund gegeben kund, schenkst Gnad du ohne Maßen,
    hast mein Gesicht das sel'ge Licht, den Heiland schauen lassen.


    Gebet


    Gnädiger Gott, schenke mir ein offenes Herz und einen wachen Blick, damit ich erkenne, wie viel Großes, Mutiges, Hoffnungsvolles in meinen Mitmenschen steckt. Lass mich erkennen, wo ich gebraucht werde zu trösten, zu bestärken, zu träumen. Sei mit deiner Kraft in meiner Kraft, mit deiner Liebe in meiner Liebe. Amen

     

    Tipp für den Tag:
    Unterhalten Sie sich mal ganz in Ruhe mit einem Jugendlichen, einer Jugendlichen über die Zukunft, wenn nicht anders möglich auch per Zoom oder Skype.

     

    Einen traumhaften Tag wünscht Ihnen Gundula Eichert (Pfarrerin in der Laurentiusgemeinde)

    Wort für den Tag: Montag, 01. Februar 2021

    In jener Zeit kamen Jesus und seine Jünger an das andere Ufer des Sees, in das Gebiet von Gerasa. Als er aus dem Boot stieg, lief ihm ein Mann entgegen, der von einem unreinen Geist besessen war. Er kam von den Grabhöhlen, in denen er lebte. Man konnte ihn nicht bändigen, nicht einmal mit Fesseln. Schon oft hatte man ihn an Händen und Füßen gefesselt, aber er hatte die Ketten gesprengt und die Fesseln zerrissen; niemand konnte ihn bezwingen. Bei Tag und Nacht schrie er unaufhörlich in den Grabhöhlen und auf den Bergen.
    (Evangelium nach Markus, Kapitel 5, Verse 1-5)


    Wort für den Tag


    Ehrlich mal, mir kommt es so vor, als ob das genau jetzt auch noch, oder wieder, oder schon immer passiert. Da rennen Menschen durch die Gegend und benehmen sich wie Besessene. Wobei, es gibt verschiedene Weisen von Besessenheit. Angenommen, jemand möchte etwas Gutes erreichen und ist ‚besessen‘ von seiner Idee. Er sucht Mitstreiter und fängt auf wohltuende Weise an, diese Idee umzusetzen. Dann missfällt uns das nicht.


    Nur derjenige, der sich nicht an die Regeln hält, der ausschert, der fällt mir auf. Und damit meine ich nicht die Jugendlichen, die ‚hormongesteuert‘ ihre Welt neu ordnen und sich nicht gleich um jede ‚Gepflogenheiten‘ scheren.


    Erstaunliches wird gesagt, wenn ich im Evangelium weiterlese. Da steht: der sich ‚außer Rand und Band‘ bewegende Kerl nennt Jesus den „Sohn des höchsten Gottes“. Ja genau, der Verrückte erkennt die Macht des Messias.
    Kann ich das auch sagen: Jesus, du bist ‚der und der‘? Welche Worte finde ich für ihn?
    Oder anders: rede ich von Jesus vor meinen Mitmenschen als dem Höchsten?


    Lied


    Singen Sie Wir glauben Gott im höchsten Thron


    Da der Text möglicherwiese noch urheberrechtlich geschützt ist, wird er hier vorsichtshalber nicht angezeigt.
    Das Lied ist im Ev. Gesangbuch unter der Nummer 184, im Gesangbuch der Freikirchen unter der Nummer 338 und im Gotteslob unter der Nummer 355 zu finden.


    „Der Text ist als Zusammenfassung der grundlegenden christlichen Glaubensinhalte konzipiert, wie sie im Nizänischen und im Apostolischen Glaubensbekenntnis mit ökumenischer Geltung formuliert sind. …


    Im Jahr 1937 ein streng lehrhaftes, überzeitliches Bekenntnislied zu schreiben, bedeutete die Negation der von den Deutschen Christen propagierten heilsgeschichtlichen Deutung des Dritten Reiches und die Bekräftigung des sechsfachen „Wir verwerfen die falsche Lehre …“ der Barmer Theologischen Erklärung von 1934.


    Die Betonung des stellvertretenden Leidens Christi für uns in Strophe 3 und des Tröstens und Aufrichtens in Strophe 2 setzt einen spezifisch lutherischen Akzent.


    Am 26.01.2021 aus: https://de.wikipedia.org/wiki/Wir_glauben_Gott_im_h%C3%B6chsten_Thron


    Gebet


    Gott, du bist der Gott der Götter.
    Vieles in unserem Leben halten wir für lebensnotwendig und grundlegend.
    Mach uns bewusst(er), was es heißt, Jesus zu folgen als dem Weg und der Wahrheit und dem Leben.
    Mach uns das bewusst, heute, jetzt und bis an das Ende unserer irdischen Tage.
    Amen.


    Vorschlag für den Tag


    Machen Sie mal eine Liste, was Sie alles als lebensNOTwendig erachten.
    Und dann fragen Sie sich: rettet das vor dem Tod?


    Welche Geister schlummern (noch) in Ihnen?

     

    Ich wünsche Ihnen, dass Sie von allen guten Geistern befallen werden.
    Gemeindereferent Johannes Knackstedt, Katholische Pfarrei Carl Lampert, Halle

    Wort für den Tag, 30.01.2021

    Liebe Leserinnen und Leser, für heute habe ich einen Bibelvers aus dem 23.Psalm ausgewählt. Ich weiß, den kennt jeder, aber dennoch. Vor einiger Zeit bin ich an zwei Sätzen hängengeblieben:

     

    Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.
    Du salbst mein Haupt mit Öl und schenkst mir voll ein. ( Psalm 23, 5)

     

    Ich stell mir einen Menschen vor, der sich bedroht fühlt, nicht von einem feindlichem Heer wie David damals, aber andere feindliche Mächte haben von ihm Besitz ergriffen.
    Dunkle Wolken sind aufgezogen, eine beängstigende Mischung aus Sorgen, Überforderung, Ärger, Hilflosigkeit, Depression...
    Sein Blick ist fixiert auf diese „Feinde“ und sie machen ihm Leib und Seele krank.
    Da kommt Besuch, ein Freund.
    Er hat eine Suppe mitgebracht und deckt ganz still den Tisch.
    Die Becher gießt er voll bis an den Rand, um sich dann seinem Freund gegenüber zu setzen und einfach zu warten, er hat Zeit.
    Es gelingt ihm, die flatternden Augen seines Gegenübers aufzufangen und festzuhalten.
    Er schenkt dem Freund volle Aufmerksamkeit, und nach langem Schweigen öffnet sich schließlich dessen Mund. Er schüttet sein Herz aus...
    Freilich, die feindliche Bedrohung ist dadurch nicht einfach weg, aber für eine gewisse Zeit außer Kraft gesetzt.
    Ein Tisch ist bereitet, im Angesicht der Feinde, um Kraft zu schöpfen und „ihnen“ dann entgegenzutreten. Das ist Gottes Zeit, er sammelt das Bedrohliche hinter seinem Rücken, schenkt dem menschlichen Blick eine neue Weite, die durchatmen lässt. Er segnet (salbt) und schenkt Geborgenheit. Und er befähigt Menschen, sich untereinander in dieser Weise nahe zu sein.

     

    Lied Nr. 274 im EG, die Verse 1,3 und 4 (Nachdichtung des 23. Psalms)

     

    Der Herr ist mein getreuer Hirt, hält mich in seiner Hute,
    darin mir gar nicht mangeln wird jemals an einem Gute.
    Er weidet mich ohn’ Unterlass, da aufwächst das wohlschmeckend‘ Gras
    seines heilsamen Wortes.

     

    Gebet
    Treuer Gott, du bist auch heute derselbe Herr wie damals, zu Davids Zeiten.
    Du willst unser Gesprächspartner sein, unseren Blick auf dich ziehen und uns so im Alltag stärken.
    Schenke uns die Erfahrung deiner Nähe, deiner Kraft und einen aufmerksamen Blick für unseren Nächsten.

     

    Vielleicht lesen Sie den 23. Psalm noch einmal in der Bibel nach und entdecken etwas für sich ganz persönlich.

     

    Einen gesegneten Sonnabend wünscht Barbara Schatz

    Wort für den Tag: 29. Januar 2021

    26 In jener Zeit sagte Jesus: Mit dem Reich Gottes ist es so, wie wenn ein Mann Samen auf seinen Acker sät; 27 dann schläft er und steht wieder auf, es wird Nacht und wird Tag, der Samen keimt und wächst und der Mann weiß nicht, wie. 28 Die Erde bringt von selbst ihre Frucht, zuerst den Halm, dann die Ähre, dann das volle Korn in der Ähre. (Mt 4,26-28)

     

    Dieser Text ist dem Evangelium entnommen, das heute in den Gottesdiensten der katholischen Kirche gelesen wird. Auf der einen Seite werden wir entlastet. Wir müssen den Pflanzen beim Reifen nicht nachhelfen. Auf der anderen Seite aber fordert es uns auf, sich in dem zu üben, was uns, wenn wir darauf angewiesen sind, am meisten fehlt: Geduld.
    Wann bin ich endlich mit dem Impfen an der Reihe? Wann dürfen wir uns wieder treffen – ohne Angst und ohne Einschränkungen? Zugegeben, Fragen, die viele gern hätten, denn für den, der selbst an Corona erkrankt ist, gibt es existentiellere Nöte: Wann werde ich die Krankheit über¬wunden haben? Wann ist endlich die Quarantäne vorbei? Wird es Spätfolgen geben? Und noch be¬drückender ist es für jene, die einen lieben Menschen verloren haben. Wird es jemals wieder ein normales Leben geben? Wie soll ich ohne den/die Geliebte leben?
    Weil es auf viele Fragen keine eindeutigen Antworten gibt, sondern immer nur ein Tasten hinein in die existentiellen Wahrheiten, lädt Jesus im Gleichnis ein, darauf zu vertrauen, dass in der Tiefe des Herzens eine unendliche Lebensfülle keimen, wachsen und reifen will.
    Intensiv leben und sich hineintasten in die existentiellen Wahrheiten – in Freude und Leid, in Licht und Dunkelheit – und dabei darauf vertrauen, dass Gott in uns und in dieser Welt am Werk ist, so wenig wie ich ihn letztendlich verstehe, das wünsche ich Ihnen und mir für diesen Tag.

     

    Lied Gotteslob Nr. 457
    1. Suchen und fragen, hoffen und sehn, miteinander glauben und sich verstehn, lachen, sich öffnen, tanzen, befrein, so spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein. So spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein.
    2. Klagende hören, Trauernde sehn, aneinander glauben und sich verstehn, auf unsre Armut lässt Gott sich ein, so spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein. So spricht Gott sein Ja, so stirbt unser Nein.

     

    Gebet
    „Herr, segne meine Hände, dass sie behutsam seien, dass sie halten können, ohne zur Fessel zu werden, dass sie geben können ohne Berechnung, dass ihnen innewohne die Kraft, zu trösten und zu segnen. Herr, segne meine Augen, dass sie die Bedürftigkeit wahrnehmen, dass sie das Unscheinbare nicht übersehen, dass sie hindurchschauen durch das Vorder¬gründige, dass andere sich wohl fühlen können unter meinem Blick. Herr, segne meine Ohren, dass sie Deine Stimme zu erhorchen vermögen, dass sie hellhörig seien für die Stimme der Not, dass sie verschlossen seien für den Lärm und das Geschwätz, dass sie das Unbequeme nicht überhören. Herr, segne meinen Mund, dass er Dich bezeuge, dass nichts von ihm ausgehe, was verletzt und zerstört, dass er heilende Worte spreche, dass er Anvertrautes bewahre. Herr, segne mein Herz, dass es Wohnstatt sei Deinem Geist, dass es Wärme schenken und bergen kann, dass es reich sei an Verzeihung, dass es Leid und Freude teilen kann.“ 1

     

    Impuls: Geduld kann wachsen, wenn ich daran denke, dass das Glas halb voll und nicht halb leer ist. Versuchen Sie, eine schlechte Nachricht in eine gute umzuformulieren.

     

    Einen gesegneten Tag wünscht Ihnen Pfarrer Magnus Koschig


    1 Antje Sabine Naegeli, Du hast mein Dunkel geteilt. Gebete in unerträglichen Tagen, Herder Freiburg 2020, S. 108f

    Wort für den Tag: Donnerstag, 28. Januar 2021

    Jakob sprach: Herr, ich bin zu gering aller Barmherzigkeit und aller Treue, die du an deinem Knechte getan hast; denn ich hatte nicht mehr als diesen Stab, als ich hier über den Jordan ging, und nun sind aus mir zwei Lager geworden.

    (1. Mose 32,11)

     

    Wort für den Tag:
    Alles, was ihre Familie und sie sich seit dem Jahr 1913 aufgebaut haben, steht jetzt in Frage. In vierter Generation führt sie einen Friseursalon mit 22 Angestellten. Der Salon ist seit vier Mona-ten, mit dem ersten Lockdown zusammengerechnet, geschlossen. Das Konto ist leer. Ein Schul-denberg ist am Wachsen. „Wie soll man vier Monate ohne Einnahmen überbrücken? Was sage ich meinen Angestellten? Ich weiß gar nicht mehr, wie ich das alles meistern soll.“ Ob sie ans Aufgeben denke: „Nein“, antwortet sie, „ich will und ich werde kämpfen. Ich liebe meinen Be-ruf. Ich mache ihn mit so viel Herzblut. Ich möchte es gerne schaffen. Aber ich weiß nicht, wie lange es noch gehen wird.“
    Wie Jakob schaut sie auf das, was ihr in ihrem Leben zum Segen geworden ist. Aber sie hat Angst, genau wie Jakob, all das zu verlieren. Was wird dann sein? Der Gedanke an ein Leben ohne Friseursalon, ohne die tägliche Arbeit und die dankbaren Kundinnen und Kunden lässt in ihr eine unerträgliche Leere entstehen. Dem will sie sich nicht ausliefern. „Ich will und ich werde kämpfen.“
    Lassen Sie uns, wie diese Friseurmeisterin, nicht müde werden, um das zu kämpfen, was unser Herz höher schlagen lässt. Lassen Sie uns nicht müde werden, Gott unsere Ängste und persönli-ches sowie anderes Leid zu klagen. Lassen Sie uns nicht müde werden, Gott um Bewahrung zu bitten und ihm für alles Gute und Segensreiche zu danken.

     

    Lied:
    Was Gott tut, das ist wohlgetan, es bleibt gerecht sein Wille;
    wie er fängt seine Sachen an, will ich ihm halten stille.
    Er ist mein Gott, der in der Not mich wohl weiß zu erhalten;
    drum lass ich ihn nur walten.

     

    Was Gott tut, das ist wohlgetan, er ist mein Licht und Leben,
    der mir nichts Böses gönnen kann; ich will mich ihm ergeben
    in Freud und Leid, es kommt die Zeit, da öffentlich erscheinet,
    wie treulich er es meinet.

     

    Was Gott tut, das ist wohlgetan, dabei will ich verbleiben.
    Es mag mich auf die rauhe Bahn Not, Tod und Elend treiben,
    so wird Gott mich ganz väterlich in seinen Armen halten;
    drum lass ich ihn nur walten.
    (EG 372,1.4.6)

     

    Gebet:
    Herr, Du barmherziger und treuer Gott,
    viele persönliche Erlebnisse und Nachrichten aus der Welt nehmen uns unseren Mut. Gib uns die Kraft, unsere Not und unser Leid vor Dir auszusprechen. Gib uns Entschlossenheit in unser Herz, damit wir für das kämpfen, was uns am Herzen liegt. Und lass uns Dir vertrauen, dass Du es gut mit uns meinst. Lass uns heute besonders an die Menschen denken und für sie beten, de-ren berufliche Zukunft ungewiss ist und die um ihre Existenz kämpfen.
    Amen.


    Tag-Werk:
    Lesen Sie 1.Mose 32,1-13. Aus diesem Abschnitt ist der obige Vers entnommen.
    Überlegen Sie, für was oder wen Ihr Herz besonders schlägt oder was Sie mit Herzblut tun. Für was lohnt es sich, gerade zu kämpfen?

     

    Mit herzlichen Grüßen und Segenswünschen für den heutigen Tag!
    Ihre Katrin Mang (Vikarin)

    Wort für den Tag, Mittwoch, 27.Januar 2021

    Liebe Leserinnen und Leser,


    es passiert immer wieder mal, da hat man eine Idee, doch bevor man sie umsetzen kann, war jemand schneller. Mir erging es heute Abend so, als ich den Text für den morgigen Tag anschaute. Schnell musste ich feststellen, genau diese Schriftstelle hatte ich mir ebenfalls für meine Gedanken ausgewählt. Nun blieb mir nichts anderes übrig, als erneut in der Bibel zu blättern und darauf zu vertrauen, fündig zu werden. Vertrauen – sich etwas zutrauen – sich anvertrauen – sich trauen, darüber wollte ich, will ich gemeinsam mit Ihnen nachdenken. Mitten in diese Überlegung hinein rief mich ein guter Freund an und als ich ihm kurz berichtete, woran ich gerade saß, meinte er spontan: Was hältst du von Abraham? Abraham ? Na klar, super, dankeschön! Gott sprach zu Abraham: Mache dich auf, Abraham! Mache dich auf mit deiner Frau Sarah und zieh weg aus deinem Land, weg von deinen Verwandten und Freunden, weg von deinem Zuhause! Zieh fort in das Land, das ich dir zeigen werde. (1. Buch Mose/ Genesis 12, 1)


    Wort für den Tag


    Abraham, wer seine Geschichte kennt, weiß: Immer wieder wurde er vor die Herausforderungen gestellt, Gottes Worten zu vertrauen. Sich ihm anzuvertrauen, auch wenn er nie wusste, wie das Ganze ausgehen würde. Dass Gott Großes mit ihm vorhat, vielleicht ahnte er es, immerhin schien Gott es ihm zuzutrauen. Abraham traute sich, traute sich, weil er Gottvertrauen hatte. Nur, wer das alles auf sein eigenes Leben zu projizieren vermag, kann erahnen, welches grenzenlose Vertrauen solches Handeln erforderte. An der Stelle werde ich schon recht kleinlaut. Sicher habe ich auch meine Erfahrungen gemacht, habe feststellen dürfen, Gott hatte immer einen Plan für mein Leben, doch die Erkenntnis kam immer erst im Nachhinein. Vertrauen, zurzeit wird es wieder auf eine harte Bewährungsprobe gestellt. Wem und welchen Aussagen kann ich denn noch vertrauen, was traue ich mir zu und wann wird es leichtsinnig? Manchmal überkommt mich das Gefühl, die Vertrautheit, die wir Menschen auch untereinander brauchen, sie geht immer mehr verloren, das tut weh. Wo ist Gott in diesen Tagen, ja inzwischen Monaten? Traut Gott uns das zu, dass wir diese schwere Zeit schadlos überstehen? Anscheinend ja, denn inzwischen merken wir, wie sehr wir einander brauchen. Vertrauen wir wie Abraham Gott, auch wenn es mitunter bis zum Äußersten geht. Alles hinter sich lassen, die schönen Gewohnheiten, das Vertraute, ja alles, was uns lieb und teuer jetzt erscheint. Vertrauen wir auf einen liebenden Gott, der uns nichts nehmen will, der uns aber viel zutraut.


    Gebet:

     

    Guter Gott, zu dir dürfen wir voll Vertrauen mit unseren Sorgen und Nöten kommen. Unser Leben ist aus den Fugen geraten, wir wissen noch nicht, wann alles ein Ende haben wird. Vieles verunsichert die Menschen und macht sie misstrauisch gegenüber Behörden, Anordnungen und Aussagen. Auf dich dürfen wir bauen, uns dir anvertrauen, so wie Abraham es getan hat. Bleib du als unser Vertrauter mit uns auf dem Weg.


    Lied: „Wer unterm Schutz des Höchsten steht“ Gotteslob 423


    Wer unterm Schutz des Höchsten steht, im Schatten des Allmächtgen geht,

    wer auf die Hand des Vaters schaut, sich seiner Allmacht anvertraut,

    der spricht zum Herrn voll Zuversicht: „Du meine Hoffnung und mein Licht, mein Hort,

    mein lieber Herr und Gott, dem ich will trauen in der Not.“


    Vorschlag für den Tag


    Halten Sie für einige Momente mal inne, überlegen Sie: Wann hat sich in meinem Leben, aus einer verfahrenen Situation, einem unerwarteten Ereignis, etwas Neues ergeben, für das ich letztlich Gott dankbar sein darf. Traun Sie sich!


    Ich wünsche Ihnen einen Tag voller Gottvertrauen

    Monika Klamt KV PLUS Pfarrei Carl Lampert

    Wort für den Tag, 26. Januar 2021

    Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, der wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben. Johannes 8,12


    Wort für den Tag


    Noch steht in unserer Kirche die Krippe mit ihren klassischen Figuren. Doch so langsam werden sie unruhig, scheint es mir. Die Hirten waren zu lange schon fern von ihren Herden. Sie müssen nun los, um nach dem Rechten zu sehen. Sie können sich nicht mehr länger von den Hütehunden vertreten lassen.
    Auch die Könige denken daran, sich auf den langen Heimweg zu machen. Lange schon haben sie die Geschäfte ihren Stellvertretern überlassen.
    Doch es ist so schwer, sich zu trennen. Dort in dem Stall leuchtet das Licht so warm. Der kleine Säugling verbreitet einen einzigartigen Frieden um sich.
    Keiner möchte gehen. Sie ahnen wohl auch, dass sie nicht als die zurückkehren werden als die sie vor Wochen aufgebrochen sind. Wird es ihnen gelingen, etwas von der Geborgenheit des Stalls in den Alltag hinüber zu retten? Wird es ihnen gelingen, sich von den Mühen das Alltags nicht in die Knie zwingen zu lassen?
    Wie geht es mir? Bin ich bereit für diesen Weg?


    Lied: Der Morgenstern ist aufgedrungen EG 69,1+4


    Der Morgenstern ist aufgedrungen, er leucht’ daher zu dieser Stunde
    hoch über Berg und tiefe Tal, vor Freud singt uns der lieben Engel Schar.

     

    O heilger Morgenstern, wir preisen dich heute hoch mit frohen Weisen;
    du leuchtest vielen nah und fern, so leucht auch uns, Herr Christ, du Morgenstern


    Gebet


    Gott, ich möchte das weihnachtliche Licht und seine Wärme gern festhalten. Aber sie können nur bestehen, wenn sie neue Kraft bekommen. Darum bitte ich dich: Lass das Licht in mir leuchten. Lass es um mich herum Kraft behalten für den Alltag. Amen.


    Tag-Werk


    Wenn Sie sich noch nicht getrennt haben von der Krippe - gehen Sie mit einer der Personen oder auch mit einem der Tiere den Weg zurück in die Heimat. Was werden Sie den Menschen dort erzählen? Wobei bekommen Sie leuchtende Augen?

     

    Simone Carstens-Kant, Pfarrerin in der Marktkirchengemeinde

    Wort für den Tag, 25. Januar 2021

    Und es erhob sich ein großer Windwirbel, und die Wellen schlugen in das Boot, sodass das Boot schon voll wurde. Und er war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen? Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig! Verstumme! Und der Wind legte sich und es ward eine große Stille. (Markus 4, 37-39)


    Wort für den Tag


    In unserem Leben tobt ein Sturm. Ein Virus hat alles durcheinandergewirbelt und bringt tiefe Fragen an die Oberfläche: Welchen Stellenwert hat die Gesundheit, welchen Platz hat der Tod in unserem Leben, wie sieht Trost im Angesicht eines einsamen Sterbens aus, wie viel Einsamkeit ertragen wir? Und dann diese Geschichte aus dem Markusevangelium! Mit zwei Worten bringt Jesus einen Sturm zum Schweigen. Der Wind legt sich, das Wasser liegt ruhig vor ihm und den Jüngern, Stille. Was bin ich neidisch! So eine Sehnsucht nach Stille habe ich.


    Und dann stutze ich. Weil Gott mir diesen Frieden schon schenkt! Nicht, indem Corona vorbei ist, wie meine sechsjährige Tochter manchmal betet. Nein, es ist ein Frieden, der anders ist als erwartet und der fein und zärtlich ist. Zum Beispiel: Eine Tasse Kaffee in Ruhe. Ein handgeschriebener Brief. Ein unerwartetes Dankeschön. Ein Lächeln unter der Maske. Ein Moment der Verbundenheit. Das Gefühl: Wir sitzen alle in einem Boot. Kurzum, es ist die Fähigkeit oder besser die Bereitschaft unter all den schrecklichen Nachrichten die guten zu finden, mit offenen Augen und weichem Herzen. Dann legt sich der Sturm im Inneren.


    Lied


    Befiehl du deine Wege, EG 361:


    Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreusten Pflege des, der den Himmel lenkt. Der Wolken Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann.


    Gebet


    Gott, manchmal haben wir Angst – vor Ansteckung und um das Miteinander in unserem Land. Manchmal sind wir überfordert – von den Nachrichten, von Homeschooling und Homeoffice. Manchmal ist die Sehnsucht groß – nach Gemeinschaft, nach Leichtigkeit. Gott, du weißt das alles. Du kennst uns. Wir bitten dich: Bleib bei uns, hilf uns hindurch. Still den Sturm in unseren Herzen!


    Tag-Werk


    Schreiben Sie heute und am besten regelmäßig auf, wofür Sie aus vollem Herzen dankbar sind. Das verändert nicht Ihr Leben, aber den Blick darauf.


    Frohe Grüße, Ihre Katja Schmidtke

    Wort für den Tag: Samstag, 23. Januar 2021

    Liebe Leserinnen und Leser,


    es ist Freitag und ich schaue in den Kalender. Morgen bzw. heute Abend können Sie die Worte lesen, die ich jetzt schreiben darf. Meine Gedanken gehen hierhin und dorthin. Viele von Ihnen spüren sicher die Verbundenheit in den Gemeinden und in der einen Gemeinde, die wir Kirche Jesu Christi nennen, die Kirche, die durch seine Liebe grenzenlos und barrierefrei ist.


    Und da ist das andere: die Fragen vieler Menschen, wie lange noch? Kinder, die wenig mit anderen Kindern spielen können, die wieder seit Wochen nicht den Halt und die Struktur erfahren, welcher ein geregelter Tagesablauf bietet. 

    Ältere Menschen und Hochbetagte, die schon vorher kaum Besuch bekamen und jetzt die Einsamkeit noch stärker zu spüren bekommen.
    Menschen, die gezwungen sind, ganz viel Zeit miteinander zu verbringen, obwohl man sich doch daran gewöhnt hatte, mehr und mehr individuelle Wege zu gehen.
    Und dabei immer wieder unsere Behauptung: GOTT ist da. Licht und Liebe sind zu spüren im Hier und Jetzt. Manchem fällt es schwer, dem zu vertrauen.


    Die Losung für Samstag, 23. Januar steht in Jeremia 32,41: „So spricht der HERR: Es soll meine Freude sein, ihnen Gutes zu tun.“


    Das kenne ich: Das Gute – es ist ein Grund für ehrenamtliches Engagement. Ich helfe und erfahre selbst Hilfe. Ich spende Freude und spüre diese Freude auch. Ich wende mich in Liebe zu und kann gerade in dieser Zuwendung auch Liebe spüren. Es macht Freude zu helfen; Freude macht es anderen Freude zu bereiten. So wird von Gott gesprochen: als einer fühlenden Macht. Gott kann sich freuen. Seine Freude erwächst aus Akten der Güte gegenüber seinen Geschöpfen, seinen Menschen.


    Doch wie ist es, wenn Menschen diese Güte nicht annehmen können? Sie schlicht und einfach übersehen und nicht wahrnehmen? Sich selbst genügen oder meinen genug sein zu können? Ja, selbst in tiefer Trauer und Dunkelheit öffnen viele immer noch nicht ihre Herzen, um das Licht seiner Liebe zu sehen. Von Selbstmitleid spricht der eine, von Resignation und Verzweiflung eine andere. Es scheint keinen Ausweg zu geben.
    Oft habe ich die Erfahrung gemacht, dass da oft eine Angst ist vor dem Dunkel, eine Angst vor der Trauer. Eine Angst, die zu Lähmung führt. 
    Viele Menschen, die Trauer und Dunkelheit annehmen konnten, fanden auch eine Kraft in sich, die sie getragen, weiter getragen hat. Menschen, die sich als Verlorene erfahren haben, konnten gefunden werden. Von Gott. Und irgendwann ist da in der Dunkelheit ein Licht – vielleicht nur ein ganz kleines. Dieses Licht gibt Hoffnung, so finster es auch sein möge. Der Lehrtext zur Losung bezieht dies auf Jesus Christus. Seine Worte lauten:


    „Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.“ (Lukas 19,10).

     

    Lasst und beten:
    Wir danken dir, unser Vater, für das Leben und die Erkenntnis, die du uns geoffenbart hast durch Jesus Christus, deinen Knecht. Dir sei Ehre in Ewigkeit. Wie dies zerbrochene Brot zerstreut war auf den Bergen und zusammengebracht eins wurde, so werde deine Kirche zusammengebracht von den Enden der Erde in dein Reich. (aus der ältesten christlichen Kirchenordnung, Didache um 100 n.Chr)

     

    Ich lade Sie ein zu singen: EG 56


    KV Weil Gott in tiefster Nacht erschienen, kann unsere Nacht nicht traurig sein!


    1) Der immer schon uns nahe war, stellt sich als Mensch den Menschen dar. KV
    2) Bist du der eignen Rätsel müd? Er kommt, der alles kennt und sieht! KV
    3) Er sieht dein Leben unverhüllt, zeigt dir zugleich dein neues Bild! KV
    4) Nimm an des Christus Freundlichkeit, trag seinen Frieden in die Zeit! KV
    5) Schreckt dich der Menschen Widerstand, bleib ihnen dennoch zugewandt! KV


    Gott segne unsere Wege an diesem Tag,
    was auch kommt und gehen mag.
    Amen.


    Martin Schmelzer

    Wort für den Tag: 22. Januar 2021

    Werden es heute weniger als 1000 in der Folge der Virusinfektion Gestorbene sein? Gestern meldete das RKI: 1013 Tote. Ich höre Zahlen und kenne die Menschen nicht, von denen sie berichten. Vor ein paar Tagen erhielt ich die Nachricht von einem, der gestorben ist, den ich kannte. Seine Tochter, seine Enkelkinder trauern. Aber selbst das Trauern ist nicht frei. Es muss den Regeln gehorchen, die weitere Ansteckungen verhindern sollen. Wie lange noch?

     

    „Dann werden sie umkehren, die Kinder Israels, und den Ewigen suchen, ihren Gott, mit Zittern werden sie sich an den Ewigen wenden, und seine Segensfülle wird da sein am Ende dieser Tage.“ (Hos 3, 5; Losung der Herrnhuter Brüdergemeine zum heutigen Tag)

     

    Wort für den Tag:
    Schon sehr lange reden die Propheten vom Umkehren. Schon sehr lange wird das auf Kirchentagen gefordert, in vielen Predigten, in manchen klugen Artikeln. Aber wann und wie gelingt es, dieses große Umkehren zur Segensfülle? Wann bricht es endlich an, das Leben ganz in Frieden, in so großem Frieden, dass kein neues Überspringen eines Virus aus der Tier- in die Menschenwelt zu fürchten ist? Wann bricht es an, das große Umkehren, das keinen in Not mehr allein lässt, das die liebevolle, fürsorgliche Seite des Menschen feiert? Nie – oder erst am Ende aller Tage?
    Liegt es an mir, und an vielen Millionen Einzelnen, dass das Umkehren nicht gelingt, oder nur halb, und die andere Hälfte immerzu aufgeschoben wird? Oder liegt es an den Rahmenbedingungen, die doch andere schaffen müssen, die Politik, die Gesetzgeber, die „Spielregeln“ der Wirtschaft, nicht ich?
    Manchmal gibt es solche Sternstunden, in denen Katastrophen zum Umdenken führen. Ich habe sie selber miterlebt. Auf einmal gehen die Grenzen für verzweifelte Flüchtlinge auf, und die Hilfsbereitschaft scheint grenzenlos. Auf einmal wird „Fridays for future“ gehört, und alle Parteiprogramme werden „grün“. Jedes mal gehen die vielen Einzelnen und die Politik zusammen, und zuvor fest verschlossene Türen springen plötzlich auf.
    Ob diese Pandemie auch eine Sternstunde auslösen kann: Wilde Tiere, von den unscheinbarsten kleinen bis zu den großen, werden besser geschützt, ihre Lebensgebiete in Urwäldern und Ozeanen blühen auf, und auch die Feldraine und Waldränder und Wiesen in unserer Umgebung blühen mit?
    Das Trauern nimmt auf einmal den ersten Platz ein, der Verstorbenen wird in den Familien und öffentlich gedacht, und wirkliche Lebensfreude hat wieder Platz nach der Trauer, ist nicht nur oberflächliche Patina, sondern kommt aus der Tiefe?
    Und über allem und in allem wird der Schöpfer gepriesen, dessen Geist auch die große Umkehr ins Laufen gebracht hat, und die Menschen in unserer Nachbarschaft lauschen auf unsere Gebete und reißen uns unsere Loblieder von den Lippen?
    Noch hat nach diesen Sätzen das Fragezeichen das letzte Wort. Aber den Anfang haben schon die alten Prophetinnen und Propheten gesetzt.

     

    Lied: „Komm in unsre stolze Welt“, EG 428, Str. 5
    Komm in unser dunkles Herz, Herr, mit deines Lichtes Fülle;
    dass nicht Neid, Angst, Not und Schmerz deine Wahrheit uns verhülle,
    die auch noch in tiefer Nacht Menschenleben herrlich macht.

     

    Gebet:
    Du siehst jeden einzelnen an. Mich erschrecken die Zahlen. Du vergisst keinen. Ich halte das nicht aus ohne Vergessen. Um Deinen Geist bitte ich, die Trösterin. Sie soll jede Familie besuchen, die jetzt trauert. Jede Freundin und jeden Freund. Jeden allein Trauernden. Um Deinen Geist bitte ich, die Lebensspenderin. Sie wecke in uns die Erinnerung an Deine Verheißungen. Sie wecke in uns neue Hoffnung und neue Freude über Deinen Segen. Amen.

     

    Ihnen allen einen gesegneten Tag wünscht Martin Herzfeld.

    Wort für den Tag: Donnerstag, 21. Januar 2021, Hl. Agnes

    Es werden Zeichen sichtbar werden an Sonne, Mond und Sternen und auf der Erde werden die Völker bestürzt und ratlos sein über das Toben und Donnern des Meeres. (Lukas-Evangelium Kapitel 21, Vers 25)

     

    Wort für den Tag:

     

    Es scheint, als ob der Himmel auf die Erde stürzt. Merkwürdige Zeichen stehen uns direkt vor Augen. Die Gestirne sind unberührt. Ich erlebe Gesunde, Kranke, Einsame und Menschen, die zur Arbeit müssen. Es gibt Menschen, die freiwillig zu Hause bleiben und solche, die den Sinn dessen anzweifeln. Im Lockdown ist die Welt ungewöhnlich ruhiger. Und doch ist in mir selbst ein Toben und Donnern. Ich verstehe den Sinn vieler Bestimmungen nicht.

     

    Hüten wir uns vor schnellen Deutungen der Pandemie „um Gottes und der Menschen willen“. … Auf die Frage, wozu das alles gut sein soll, sollten wir zuerst antworten: ich weiß es nicht - und wir sollten es auch nicht besser wissen wollen als andere. Die fromme Mutmaßung, es gäbe gewiss einen Sinn, etwas Gutes, einen verborgenen Plan dahinter, den Gott allein kenne, wäre zynisch.“ (nach Julia Knop, Dogmatikerin, Erfurt - siehe auch: Es geht an die Substanz. Tag des Herrn Nr. 1 vom 10. Januar 2021 S. 9)
    Eines weiß ich aber, ich kann Vieles durchstehen. Meine Großeltern und Eltern haben mir erzählt, dass sie Schlimmes erlebten. Und ich bin schon so alt, dass auch ich selbst Einschränkungen erlebte. Diesen ‚Schatz‘ möchte ich gerne an meine Kinder weitergeben; in der Familie und auch den Kindern in der Gemeinde.

     

    Für ihre Unbeirrbarkeit ist die heilige Agnes bekannt. Das wenige, was wir von ihr wissen lesen Sie am besten hier nach. https://www.heiligenlexikon.de/BiographienA/Agnes_von_Rom.htm Agnes lehrt mich: verlier Dein Ziel nicht aus den Augen. So empfindest Du Umwege oder Hürden eben nur als Verzögerung. Sie hatte Gott an ihrer Seite. Welch Trost, denn ich glaube, dass Gott auch mir ganz nah ist. Deshalb kann die Bauernregel des heutigen Tages eine Verheißung für die Früchte meines Lebens sein: „Scheint zu Agnes die Sonne / wird später die Ernte zur Wonne!“

     

    Lied ( Link zum Hören von Text und Melodie , dann können Sie mitsingen )

     

    1. Du kommst mir so nah wie niemand sonst. Du bist immer da, wohin ich auch komm.
    Denk ich an ein Wort, hast du es schon längst gehört.

     

    R: Flieg ich dahin, wo die Sonne aufgeht, oder ans Ende des Meers, wo sie versinkt, überall dort wird
    deine Hand mich halten, weil dein Licht in die die Dunkelheit dringt, weil dein Licht in die Dunkelheit dringt.

     

    2. Wohin kann ich gehn, wo du nicht bist? Gibt es einen Ort, wo du mich nicht siehst?
    Steige ich hinauf zum Himmel, da bist du auch.

     

    3. Du hast mich gewollt, so, wie ich bin. Schon vor der Geburt hast du mich gesehn.
    Deine Liebe reicht viel weiter, als ich versteh.

     

    Bridge: /: Sieh dir mein Herz an, wenn ich Gefahr laufe mich zu entfernen von dir.
    Sieh dir mein Herz an, zeige mir den Weg auf, den Weg zurück zu dir. :\

     

    Gebet

     

    Du, Gott, durchdringst alles.
    Du bist ohne Anfang und ohne Ende.
    Egal, wie was wir Menschen glauben,
    du schenkst uns jeden Tag neu.
    Danke für jeden Tag.
    Danke für alles.
    Amen.

     

    Vorschlag für den Tag

     

    Nehmen Sie sich heute etwas Zeit (beim Spaziergang) und lauschen Sie in Ihre Vergangenheit.
    Welche Ziele hatten Sie früher? Erinnern Sie sich, mit welchem Eifer Sie dafür eingetreten sind?

     

    Ich wünsche Ihnen Stärke im Leben.
    Ihr Gemeindereferent Johannes Knackstedt

    Wort für den Tag: 20. Januar 2021

    Liebe Leser, es gibt ein Bibelwort, welches mich von Kind an begleitet.

    Es ist auf einem kleinen Holzbrett aufgeschrieben und hängt über meinem Schreibtisch:

    Seid fröhlich in Hoffnung,

    geduldig in Trübsal,
    haltet an am Gebet. (Röm. 12, 12)

     

    Ich habe dieses Täfelchen aus dem Nachlass meiner Omi.
    Als ihre Familie am Ende des Krieges aus Schlesien flüchtete (ein Ehepaar, drei Kinder und eine alte Mutter), zusammengepfercht in Viehwagen,
    mit wenig Gepäck, da war auch dieses Holzbrett dabei.
    Als man ihnen dann in Halle ein leeres Zimmer zuwies und sie mit Müh und Not wenigstens für die alte Mutter ein Bett auftreiben konnten, da hing dennoch schon bald dieser Spruch an der kahlen Wand.
    Solche Dinge hat mir meine Omi erzählt, wenn wir gemeinsam in der Waschküche waren, in der Barfüßerstaße im Hinterhaus, und die Wäsche für die Familie wuschen.
    Für mich war das spannend, aber heute denke ich manchmal, wie konnte sie so ohne Bitternis, trotz all des erlebten Leides, ihrer Enkelin davon erzählen?
    Sie war trotz allem dankbar, für alles Schöne und Gute im Kleinen und konnte fröhlich sein. In schlaflosen Nächten hat sie viel gebetet, wie auch ihre Tochter, meine Mutti und nun eben auch ich.
    Welch ein Geschenk, wenn man in seinem Leben Menschen begegnet, die glaubhaft im Gottvertrauen unterwegs sind, tapfer und fröhlich.

     

    Als Lied schlage ich die Nr. 369 im Gesangbuch vor, die Strophen 1,2 und 7

     

    Dieses Lied wurde 1641 geschrieben und der Dichter und Komponist, Georg Neumark, bezeichnete es als Trost-und Danklied.
    Man erzählt, dass hilfreiche Menschen ihm, dem mittellosem Studenten,
    eine Stelle als Hauslehrer verschafften.

     

    Gebet:
    Hilfreicher Gott, schenke uns für diesen Tag neue Hoffnung ins Herz, Kraft für alle Herausforderungen und lass unser Gespräch mit dir nicht verstummen.

     

    Vielleicht schicken wir heute mal ein Dankgebet los für die Menschen,
    die uns hilfreich geprägt und beschenkt haben.

     

    Herzliche Grüße, Barbara Schatz

    Wort für den Tag: 19. Januar 2021

    Heute kommen Bund und Länder zu einer neuen Corona-Runde zusammen. Wie bei den letzten Treffen könnte es auch dieses Mal eine Verschärfung des Lockdowns geben. Was hilft uns, in dieser nicht einfachen Zeit solidarisch zu bleiben? Was kann uns motivieren?

     

    „Wir wünschen aber, dass jeder von euch im Blick auf den Reichtum unserer Hoffnung bis zum Ende den gleichen Eifer zeigt, damit ihr nicht müde werdet, sondern Nachahmer derer seid, die aufgrund ihres Glaubens und ihrer Ausdauer Erben der Verheißung sind.“ (Hebr 6,11-12)

     

    Wort für den Tag:
    Bis zum Ende den gleichen Eifer zeigen, das wünsche ich uns. Doch wie soll das gehen, wenn nicht einmal absehbar ist, ob diese Durststrecke bis Ostern oder gar bis in den Sommer andauert?
    Was mich überfordert, ist die Weitsicht, alles ab- und einschätzen zu können. Deshalb versuche ich, weniger auf die zu schimpfen, die heute Entscheidungen treffen müssen. Hinter ihnen stehen keine dunklen Mächte, sondern das Bemühen, Leben zu schützen. Eine perfekte Lösung können sie nicht präsentieren, denn perfekt, vollkommen fehlerlos ist nur Gott. Göttliches aber sollten wir weder von anderen noch von uns erwarten. Wir sind begrenzte Menschen, die trotz allem guten Willen Fehler machen und die oft erst aus diesen Fehlern lernen. Also lasst uns barmherzig miteinander umgehen, damit wir gemeinsam die nächsten Schritte gehen können. Egal, was heute Nachmittag beschlossen wird, wir sollten sensibel sein für die Menschen in unserer Nähe. Wer braucht meine Hilfe? Wer droht zu resignieren oder gar in eine Depression abzugleiten? Wo braucht es – bei allem gebotenen Abstand – körperliche, liebevolle Zuwendung?
    Wer nicht müde werden will auf dem langen Weg durch die Wüste dieser Pandemie, braucht andere, braucht Zeichen der Ermutigung, Zeichen des Lebens, Zeichen der Hoffnung. Jede und jeder, der geimpft wird, ist für mich ein solches Zeichen. Jede grüne Knospe, die auf den Frühling verweist, macht mir Mut. Und jeder Mensch, der geduldig bleibt und sich mitmenschlich erweist, gibt mir die Hoffnung, dass wir gemeinsam die kommenden Wochen meistern. Was zählt, ist der nächste Schritt: das, was mir heute geboten erscheint. Lasst uns achtsam miteinander umgehen und – trotz aller Einschränkungen – nicht müde werden, damit wir alle Anteil erhalten an der Verheißung, am Leben in Fülle, das hier und jetzt mit dem nächsten kleinen Schritt beginnt.

     

    Lied: „Lass uns in deinem Namen, Herr“ (HuT 331; GL 446)
    1.-4. Lass uns in deinem Namen, Herr, die nötigen Schritte tun.
    1. Gib uns den Mut, voll Glauben, Herr, heute und morgen zu handeln.
    2. Gib uns den Mut, voll Liebe, Herr, heute die Wahrheit zu sagen.
    3. Gib uns den Mut, voll Hoffnung, Herr, heute von vorn zu beginnen.
    4. Gib uns den Mut, voll Glauben, Herr, mit dir zu Menschen zu werden.

     

    Gebet:
    Gott, der Weg ist lang und die Kräfte schwinden. Öffne meine Augen und mein Herz für alle, die mir helfen wollen und denen ich zur Hilfe werden kann. Erschließe mir die Quellen deiner Zu-sagen, damit ich den Mut nicht verliere und Schritt für Schritt den Weg gehe, der dem Leben aller dient. Darum bitten ich dich, der du bei uns bist und bei uns bleibst in Zeit und Ewigkeit. Amen.

     

    Und was tun mit der freien Zeit?
    Wir sind angewiesen auf ermutigende, stärkende Worte und Gesten. Wem verdanke ich eine solche Ermutigung? Für wen kann ich heute durch ein Wort, eine Geste stärkend und ermutigend sein?

     

    Ihnen allen einen erfüllten, einen mit Leben angefüllten Tag wünscht Pfarrer Magnus Koschig

    Wort für den Tag: Montag, 18. Januar 2021

    Jesus erzählte der Volksmenge ein weiteres Gleichnis: Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn: Ein Mann nahm es und pflanzte es auf seinem Acker ein. Das Senfkorn ist das kleinste von allen Samenkörnern. Aber wenn eine Pflanze daraus gewachsen ist, ist sie größer als die anderen Sträucher. Sie wird ein richtiger Baum. Die Vögel kommen und bauen ihr Nest in seinen Zweigen.
    (Matthäus 13,31-32)

     

    Wort für den Tag:
    Sie sind wirklich winzig, diese Senfsamen. Kein Wunder, dass sie Symbole für etwas sehr Kleines sind. Und mit diesen winzigen Samen vergleicht Jesus das Himmelreich, das Reich Gottes.
    Das ist ein merkwürdiger Vergleich. Das Reich Gottes, das Herrschaftsgebiet von Gott, der Ort, an dem man Gott ganz nah ist, der voll seiner Herrlichkeit und ohne Leid ist, der soll wie ein Senfkorn sein, so winzig. Unter Gottes Reich muss man sich doch eher etwas richtig Großes vorstellen, etwas Mächtiges und Triumphales.
    Aber so, wie es im Gleichnis bildhaft beschrieben wird, ist das Reich Gottes offensichtlich nicht schon fertig vorhanden, sondern es ist etwas, das noch wachsen muss. Es ist noch winzig, wie ein Senfkorn. Aber es gibt Bedingungen, die sein Wachsen und Großwerden befördern – für das Senfkorn sind das die fruchtbare Erde, Wasser, Licht und Wärme. Und dann irgendwann wird aus diesem winzigen Korn eine große Pflanze, sogar ein Baum, der viel Platz für Vögel hat und ihnen Schatten spendet. Ein Ort voller Lebendigkeit.
    Jesus sagt an einer anderen Stelle in der Bibel: Das Reich Gottes ist schon unter uns Menschen.
    Das Reich Gottes ist schon unter uns – nur eben sehr klein, so winzig, dass wir es kaum ausma-chen können. Welche guten und förderlichen Bedingungen sind es unter uns, die es wachsen lassen, wie bei dem Senfkorn? Es sind die kleinen Dinge im Alltag, denke ich, oft unscheinbare Ereignisse menschlicher Wärme – Situationen, in denen wir andere Menschen so annehmen, wie sie sind, oder in denen wir eine andere Meinung als unsere eigene anerkennen; Situationen, in denen wir anderen vergeben oder uns mit jemandem versöhnen. Solche „Senfkorn-Erfahrungen“ unter uns lassen etwas vom Himmelreich Gottes aufscheinen.
    Ich wünsche Ihnen heute solche Senfkorn-Erfahrungen, die das Potenzial zu etwas ganz Gro-ßem haben.

     

    Lied:
    Bau dein Reich in dieser Zeit, lass auch uns dazugehören. Bau es für die Ewigkeit, uns zum Heil und dir zu Ehren. Wir sind für dein Reich geboren und nicht an uns selbst verloren.

     

    Keinem Schicksal sind wir stumm und verlassen preisgegeben. Denn das Evangelium hilft uns ohne Angst zu leben, deiner Führung zu vertrauen und auf deinen Bund zu bauen.

     

    Bau dein Reich in dieser Zeit, setz auch uns zu seinen Zeichen. Bau es für die Ewigkeit, lass uns, bis wir sie erreichen, fröhlich deinen Namen tragen und auf ihn das Leben wagen.
    (Durch Hohes und Tiefes 157,1.4.6)

     

    Gebet:
    Du großer Gott,
    in den kleinen Dingen können wir spüren, dass Du bei uns bist. Du machst Verständnis und To-leranz, Liebe und Versöhnung unter uns Menschen möglich.
    Lass uns dabei auf Deine Kraft aus dem Himmelreich vertrauen.
    Amen.

     

    Tag-Werk:
    Nehmen Sie sich ein Senfkorn und pflanzen es in ein Töpfchen mit Erde. Lassen Sie sich davon überraschen, wann die ersten Keimblätter zu sehen sein werden.

     

    Gehen Sie gesegnet durch diesen Tag!
    Ihre Katrin Mang (Vikarin)